
Im Beko BBL Halbfinale kommt es zum Duell der Giganten. Die überragende globale Sportmarke FC Bayern München fordert die in den letzten Jahren überragende deutsche Basketballmarke Brose Baskets herhaus. Zweimal konnte der Emporkömmling aus der Landeshauptstadt bereits ein Ausrufezeichen gegen den amtierenden Meister setzten, vielen ist dabei noch die schmerzliche Niederlage im Pokalwettbewerb in der Stechert Arena in bester Erinnerung, die den ersten nationalen Nichttitelgewinn für Bamberg seit drei Jahren nach sich zog.
Die Bayern zogen ganz souverän mit 3-0 gegen den das Euroleague Top16 Team von ALBA Berlin ins Halbfinale ein, Bamberg durchlief eine schwierige und intensive 3-1 Serie gegen das unorthodoxe Phoenix Hagen, die viel Mühen und Nerven gekostet hat. Überhaupt scheinen die Franken diese Saison durch viele Stahlbäder gegangen zu sein. Zeit, einen kleinen Ausblick auf diese gigantische Serie zu wagen:
Headcoaches
Fleming vs. Pesic Senior, das Who-is-who der in Deutschland tätigen Trainer trifft aufeinander. Hier der smarte US-Amerikaner, der die letzten drei Jahre national alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab. Dort der megaerfolgreiche Trainerpatriarch mit Welt- und Europameistertiteln. Zwar ist die Entwicklung der Bayern unter dem Serbe beeindruckend, bei seinen großen Erfolgen hatte Pesic jedoch stets Team mit Weltklasseakteuren zur Verfügung. Ein Umstand, der in München momentan nicht der Fall ist. Für Fleming hingegen war es bisher keine einfache Saison. Gefühlt alle drei Wochen musste der Übungsleiter eine neue Formation einstellen – Schuld waren Verletzungen, Fehlgriffe und Disziplinlosigkeiten. Dennoch hat er mit seiner Mannschaft Platz 1 und den ultimativen Heimvorteil in allen Entscheidungsschlachten errungen. Das spricht für ihn.
Fazit: Ausgeglichen
Aufbau
Renfroe, Gavel, Goldsberry, Schmidt vs. Hamann, Rice, Halperin, Greene, Zipser
Im Viertelfinale waren Bayerns Guards die Erfolgsgranten. Hamann (8.0 ppg, 3.3 apg |Playoffs) spielte auf wie zu besten Bamberger Zeiten, Halperin erinnerte sich wieder an seine eigene Qualität und Rice war kaum zu stoppen. Gegen seinen Scoring-Punch half kein Mittel, pro Spielminute auf dem Feld erzielte der quirlige Spielmacher im Schnitt einen Punkt (18.7 ppg in 19:26 Min. | Playoffs). Eine wirklich sensationelle Ausbeute. Gerade gegen solche schnellen, penetrierenden und scorende Spielmacher tat sich Bamberger Verteidigung gegen Hagen schwer. Immer wieder waren Lücken in der Verteidigung auszumachen, die Bell und White gerne nutzten. Bambergs Herz und Seele ist Gavel (15.o ppg, 3.5 apg | Saison). Der Bamberger Verteidigungsminister muss seine Kameraden besser organisieren als zuletzt. Um Druck auf die Bayern-Verteidigung auszubauen muss er Slowake auch selbst immer wieder Punkten, nur so kann Bamberg ein effektive Inside-Outside-Game etablieren. Gelingt es Bamberg zudem Halperins (8.3 ppg, 3.0 apg | Playoffs) Wirkungskreis einzuschränken, Goldsberry mit einer wichtige Rollen einzubringen und Rice unter MVP-Form zu halten, dann wäre das ein Schlüssel zum Erfolg.
Fazit: Ausgeglichen
Flügel
Jacobsen, Tadda, Nachbar, Walsh (?) vs. Benzing, Thomas, Jagla
Bambergs Kapitän Jacobsen (13.5 ppg, 5.3 rpg, 46% 3er | Playoffs) hat in der ersten Playoff-Runde wieder einmal gezeigt, wie wichtig er als Führungsspieler ist, als er etliche Big Shots sicher verwandelt hat. Auch Nachbar (18.3 ppg, 5.0 rpg | Playoffs) schien seine Freude am Zug zum Korb wiederentdeckt zu haben und war trotz unterirdischer Quote (17,4 % | Playoffs) von der Dreierlinie ein wichtiger Erfolgsgarant. Zeigt er auch gegen Bayerns Lange keine Angst zum Korb zu gehen, dann wird er eine gute Serie spielen. Ein Erfolgsgarant gegen Berlin war sicherlich auch Benzing (10.0 ppg. 4.3 rpg |Playoffs) auf der Gegenseite. Gelingt es Bamberg den, eher als soft verschrienen, Nationalspieler zu zermürben, dann wäre das ein wichtiger strategischer Erfolg. Auf Münchener Seite könnte der athletische Thomas (8.3 ppg | Playoffs) ein Zünglein an der Waage sein. Zwar hat er schon fast traditionell keine guten Playoff-Serien gegen Bamberg, aber Pesic könnte versuchen mit ihm die These “White men can´t jump” zu bestätigen. Ein Fragezeichen steht noch hinter Walsh (12.2 ppg, 6.6 rpg, 46% 3er | Saison), der in der Hauptrunde eine wichtige Scoringoption für Bamberg war und auch in den Play-Offs helfen könnte. Ob er fit wird und wenn ja, welche Rolle ihm dann angedacht sein wird, steht jedoch noch in den Sternen. Insgesamt ist Bamberg, mit oder ohne Walsh, ob der Erfahrung und des Scoring Punches besser besetzt.
Fazit: Vorteil Bamberg
Center
Ford, Zirbes, Neumann, Ogilvy (?) vs. Troutman, Homan, Roberts
Am Brett treffen echte Schwergewichte aufeinander. Troutman (13.0 ppg, 5.9 rpg | Saison) ist ein All-Beko-BBL Teamer, Ex-Bayer Ford hat eine Mordsserie (18.5 ppg, 6.3 rpg | Playoffs) gegen Hagen gespielt. Beide Athleten packen nicht nur am Brett ordentlich zu, sondern verfügen auch über einen sicheren Distanzwurf und können das Spiel weit machen. Die Münchener haben daneben äußert robust zu Werke gehenden Kanten aufzubieten, während der Meister mit erfrischender jugendlicher Naivität dagegen halten kann. Zirbes und Neumann haben bereits bewiesen, dass sie es mit jedem Gegner in der Zone aufnehmen können. Dark Horse könnte Bambergs Aussi-Center Ogilvy (10.6 ppg, 3.6 rpg | Saison) werden. Falls er den Vorzug vor Walsh bekäme und einmal zwei Minuten Einsatzzeit ohne Verletzung übersteht, dann könnte er die hölzernen Insidespieler der Bayern mit seiner Schnelligkeit das ein oder anderen mal überrumpeln. Im Worst-Case wären es fünf weitere Fouls um den Wackelkandidaten Homan (53 % FW | Saison) getreu dem Motto “Hack da Ho” an die Freiwurflinie zu schicken.
Fazit: ausgeglichen
Schlussendlich dürfen die Brose Baskets durchaus selbstbewußt in das Duell gehen. Das Team ist in der Tiefe einen Deut besser besetzt als die Münchener und immer noch der amtierende Titelverteidiger. Zudem ist Bamberg ob der Niederlagen gewarnt und hat den Heimvorteil auf seiner Seite. Es wäre keine Überraschung, wenn dieser am Ende einer weiteren intensiven und hart umkämpften Serie zum Tragen käme. Damit darf es unterm Strich dann gerne anstatt des bayerischen “pack´mers” auf gut fränkische “die hau´mer wech” heißen.
Euer Kosmonaut