Persönliche Gedanken zum Mauerfall


Zugegeben, ich hatte das Privileg in der BRD ausgewachsen zu sein und gehöre wohl zu der letzten Generation, die wenigstens ein paar kleine Erinnerung an ein geteiltes Deutschland aus der Kindheit behalten haben. Generell gibt es in unserer Gesellschaft auch nach 25 Jahren – immerhin ein Vierteljahrhundert – immer noch eine unsägliche Debatte über “Ost” und “West” und unverständliche Antipathie auf beiden Seiten. Ich bin dankbar, dieses Ereignis miterlebt zu haben und bis heute täglich von kleinen und große Geschenken zu profitieren, die ich durch die Wiedervereinigung erfahren habe. Zeit mich ein wenig  zu erinnern:

1986

Ein Ballonwettbewerb der Deutschen Bundespost. Nachdem mein Papa erst dort und später bei der Telekom in Lohn und Brot stand, war es für den Sohnemann natürlich geradezu Pflicht bei jedem dieser Promo-Aktionen teilzunehmen. Wie es der Wind so wollte, flog der Ballon mit adressierter Rücksendekarte Richtung Osten über alle Grenzanlagen hinweg, genauer gesagt gute 100 Kilometer bis nach Röppisch im Kreis Saalburg-Ebersdorf. Eine Familie Hoffman war dann so nett und traute sich die Post zurück in den Westen zu schicken So entstand zwischen ihnen und meinen Eltern eine Freundschaft, die bis heute anhält. In vielen späteren Besuchen nach der Grenzöffnung dürfe ich bei diesen sehr netten Menschen Thüringer Klöse oder “grüne Wiese” probieren, den verschneiten Thüringer Wald sowie die ganze schöne Region kennenlernen und im Trabant S601 über das Schleitzer Dreieck brettern. Für die beiden Töchter gab es von mir vor der Wiedervereinigung immer  “Bravos” ins Paket und überspielte David Hasselhoff oder den Dirty-Dancing-Soundtrack-Kassetten.

1990

Meine Eltern haben mich zu einem Wochenende mit nach Berlin genommen. Eigentlich war es eher für Erwachsene konzipiert, wir waren nämlich in Theateraufführungen und Musicals und ich natürlich hundemüde. Übernachtet haben wir in der ehemaligen Dänischen Botschaft, direkt am Berliner Zoo und mein Einzelzimmer, damals war ich ganz Stolz auf diesen Luxus, ging direkt in das angrenzenden Zoogehege. Schon auf der Hinfahrt sind mit ein Panzer auf einem Betonsockel am Übergang Dreilinden aufgefallen. Irgendwann haben wir auch einen Ausflug nach Ostberlin gemacht. Ich kann mich noch gut an den Grenzübertritt erinnern, weil mir meine Eltern vorher gesagt hatten, ich solle keine Quatsch machen, obwohl damals das Prozedere natürlich schon deutlich vereinfacht war. Der dennoch eingehenden Musterung des Grenzers hielten wir Stand und sind ein paar Stunden über den Alex flaniert. In einem Kaffee gab es für mich dann Ost-Cola und einen erstaunlich leckeren Baumkuchen.

1998

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Abifahrt nach Berlin – es waren wirklich super Tage bei bestem Wetter. Neben vieler anderer Erinnerung ist mir noch in Erinnerungen geblieben, dass wir alle ganz scharf auf diese Ost-Ampelmännchen waren. An der ehemaligen Grenze war damals eine Art Baucontainer auf Stelzen aufgebaut, in den uns unser Klassenlehrer, Herr Link, schleuste. Von der Plattform hatten  wir einen super Blick über ein riesiges Bauloch mit unzähligen Kränen. Der Postsdamer Platz und Berlin Mitte waren gerade im Entstehen.

1999

Mit Olli und Stefan startete ich damals in einen neuen Lebensabschnitt. Wir begannen unsere Karriere als Studenten an der FH Coburg. Gleich zu Beginn des Semesters fiel Stefan eine kleine Mitstudentin mit Zungenpiercing auf, die sich an einem PC-Terminal zu schaffen machte: Franzi. Irgendwie hatte er damals aber nicht den Mut sie anzusprechen, also hab ich einen Zettel genommen und den Erstkontakt im Vorlesungssaal in die Reihe darüber, zwei Plätze nach links versetzt, hergestellt. In letzter Konsequenz waren es dann aber  wir, die häufig aufeinander saßen. Gut sind mir noch viele langweiligen Vorlesungen in erinnern, in denen Franzi und ich uns dutzende von verrückten  Zetteln schrieben oder wir einfach viel zu früh in die Caféterria geflüchtet sind. Sie war damals echt jemand besonders und bis heute ist sie mir sehr lieb und teuer. Leider blieb sie nicht lange in Coburg, sie zog es rasche zurück in die Heimat Dresden. Viele Telefonate, SMS, Briefe, Karten, Telefaxe (damals war das ja modern) später bleibt eigentlich nur das Manko, dass wir es irgendwie nie geschafft haben uns wieder mal persönlich zu sehen. Macht aber eigentlich nichts, wir kleben irgendwie immer noch zusammen wie ein langgezogener Kaugummi, dennoch werden diese Zeilen hier einen Eintrag auf meiner “To Do”-Liste nach sich ziehen: “Franzi besuchen!

2007

Ich war frisch an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg, um mir mit dem Studiengang “Europäische Wirtschaft” noch etwas internationale Klasse anzueignen. Dort war es üblich, dass die Neuen von alten Hasen betreut wurden. Es war Jule aus Berlin, so wie man sich eine typische Berlinerin vorstellt: Lockerer Redefluß und eindeuig zuordenbarer Dialekt. Interessanterweise hatten wir vor Ort zu Beginn gar nicht so viel Kontakt, weil ich durch die FH eigentlich schon recht routiniert im Studieren war. Erst als sie nach Barcelona und ich nach Budapest ging, hat sich über die Distanz eine schöne Freundschaft entwickelt, die dann in Bamberg für einige Zeit wieder zusammen traf. Als ich bereits im Job war und sie in den letzten Zügen ihre Studium, bin ich im Sommer oft einen kleinen Umweg gefahren. Am Bassano bei der Kettenbrücke hab ich dann zwei Eisbecher eingepackt und diese anschließend mit ihr auf dem Innenhofbalkon in der Oberen Königstraße genossen. Bis heute besuchen wir uns gegenseitig und ich genieße immer wieder aufs Neue die wunderbare Gastfreundschaft und die vielen Insidertipps von Jule oder ihren knuffigen Eltern in Berlin-Köpenick. Und die Preußen sind in Franken natürlich genauso gerne willkommen. “To Do”-Listeneintrag Nummer zwei: “Jule in Berlin besuchen!”

2011

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Der erste Urlaub mit meiner Freundin Janina: Berlin, an die Ostsee nach Udesom und am Rückweg Dresden. Eine echte Ostdeutschlandreise. Und weil Berlin auf dem Weg ans Meer lag, war die Stadt unser erster gemeinsamer Ausflug auf dem Alltag heraus. Ohne Mauer ist ein freies, pulsierendes Berlin ein wundervoller Ort, um frisch verliebt viele tolle Sachen zu erleben. Wunderbare Architektur, wahnsinnig vielfältige Shopping-Möglichkeiten und so viele Orte, an denen die Stadt einfach auf einen zukommt. Ich, nein wir haben uns auch in diese tolle Stadt verliebt. Sie ist so atemberaubend und wandelbar, so voller jüngster und jüngerer deutscher Geschichte. Bei jedem Besuch kann man Berlin aufs Neue entdecken, das hebt die Stadt von vielen anderen Metropolen ab. Usedom, diese tollen Stände mit den Seebädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck mit den weißen Villen und den Kiefernwäldern dahinter – hier konnte wir wirklich die Seele baumeln lassen. Ein toller Urlaub!

Und so gäbe es noch viele weitere kleine Geschichten zu erzählen, die direkte und unmittelbar mit dem Mauerfall vor 25 Jahren zusammenhängen. Ich empfinde immer wieder aufs neue eine gewisse, kaum beschreibbare positive und unterbewusste Emotion, wenn es um dieses Ereignis geht. Erklärungen dafür habe ich nicht, ich musste nie unter einer eingeschränkten Reisefreiheit, Stasispitzeln, Unrechtsstaat oder Lebensmittelknappheit leiden. Dennoch haben es beispielsweise Filme wie “Das Leben der anderen” und “Goodbye Lenin”, die sich um das Thema drehen, meine Liste der Top-Filme geschafft. Wahrscheinlich weil es das letzte globale Ereignis war, welches die Welt mit dem Fall es eisernen Vorhangs nachhaltig positive beeinflusst hat. Danach sind mir nur noch die Terroranschläge des 11. September, Kriege fernab Deutschlands und der radikalislamische Terror als wirklich prägende Erinnerung geblieben – negativ und Unsicherheit erzeugend. Deutschland und alle Staatsbürger haben einen wirklichen Grund zum feiern. Mal vielleicht aus mehr, mal aus weniger egoistischen Beweggründen, beim Blick auf das Große und Ganze wird der Mauerfall und die Wiedervereinigung aber das positive Lebensereignis unserer Generation bleiben.

Der Bock Bagaric


Dalibor Bagaric, seines Zeichens sehr dezent eingesetzer Centerhüne der Brose Baskets, ist eine durchweg stattliche Erscheinung. Mit 2.16 m Körperlänge und einem Kampfgewicht von 135 kg ist er ehemalige NBA-Akteur in beiden Kategorien das Maximum was der Kader zu bieten hat. Bisher hat diese Erscheinung in den 5 Beko BBL Partien wertfreie 1.0 Punkte und 1.0 Rebounds im Schnitt zu Stande gebracht. Dennoch ist jede, der seltenen, Minuten ein echtes Spektakel.

Der ehemalig NBA -Spieler mit deutschem Pass wirkt wie ein Centerfossil aus vergangenen Tagen als Center in der Hauptsache groß und breit sein mussten und Wurftechnik, Athletik oder Schnelligkeit nicht so wichtig waren. Es ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass ich der gebürtige Kroate im Frühwinter seiner langen Karriere befindet, dass gegen ihn selbst Sascha Hupmann in der Erinnerung irgendwie agil abschneidet. Dennoch ist der Koloss in Bamberg durchaus beliebt beim Volk. Das mag erstmal verwundern, wenn man aber tiefer in den lokalen Mikrokosmos eintaucht, dann findet man dort Antworten.

Langsam, scheinbar wenig kontrolliert wälzt die Nummer 4 in der Brose Arena durch die Zone zum Korb. Dabei werden durch Blocks noch diverse Gegenspieler angerempelt oder umgerannt. Die die im Physikunterricht gut aufgepasst haben, gehen Bagaric lieber gleich aus dem Weg.

Vieles von dem, was sich auf dem Feld abspielt hat jeder Bamberger Bierkonsument schon häufig durchlebt – das schafft Identifikation und ein Wir-Gefühl.  Die Bewegungsabläufe ähneln stark dem eigenen Treiben bei den Bockbieranstichen in den Brauereien in der Stadt und Region. Nach dem zweiten 0,5 l Bockbier tanken sich viele Gerstensaftkonsumenten ähnlich filigran durch das Gemenge aus Genuss, Promille oder Bierpförtz: Langsam, scheinbar wenig kontrolliert und vieles an- und umrempelnd.

Bagaric ist ein Spieler der Bock macht. Deshalb kann es für ihn nur einen Spitznamen geben: Dalibor “echt Schlenkerla Eiche” Bagaric.

Freitagnachmittagritual


Schlenkerla Straßenbier
Schlenkerla Straßenbier

Es ist wichtig, das der Mensch Rituale pflegt. Seit kurzen gibt’s ein neues – pünktlich zum Start ins Wochenende. Nach getaner Wochenarbeit geht’s am Freitagnachmittag noch ein paar Schritte in die Sandstraße zu dem, für sein Rauchbiert weltweit bekannten, Brauhaus. Dort pflege ich mit Kollegen nun regelmäßig zum Wochendauftakt das schöne Ritual des Straßenbiers – ein wunderbares Stück Bamberger Lebensart. “Zwei Euro sechzig” sagt der Wirt in der urigen, mit Holzvertäfelung und Hirschgeweihen verzierten, Stube durch das kleine Schankfenster und ich entgegne ihm jedes mal ein routiniertes “ich weiß scho” und ein gut fränkisches “adela” bevor es mit dem “Seidla” wieder vor die Türe geht.

Mit ein wenig Glück ergattern wir noch einen schmalen Sonnenstreifen, den die umgebenden Altstadtgassen gnädig passieren lässt und prosten uns nahe der Hauswand des “Schlenkerla” freudig zu. Manchmal nicht nur uns, sondern auch anderen geselligen Einheimischen, die dem Treiben sicher schon seit fünfzig Jahren frönen und beobachten die neugierigen Touristenströme, die sich durch das Sandgebiet, hinter aus dem Pulk herausragenden Holztäfelchen am Stiehl, schlängeln. Da kommt es schon das ein oder andere mal vor, dass wir Fotomotiv einer japanischen Touristin werden oder ein extrovertierter Amerikaner seine Nase in unser Glas stecken möchte um zu prüfen ob das edle Gebräu es tatsächlich nach “ham” riecht. Das alles stört nur mäßig, es gehört doch irgendwie dazu und dient auch der allgemeinen Unterhaltung. Wenn’s dann ausunterhalten und auch ausgetrunken ist, dann geht’s noch schnell nach nebenan zum Bäcker Seel für etwas Handfestes, bevor das Wochenende richtig startet.

Ein wirklich wunderbares Stück Bamberger Kultur, das diese Stadt so lebens- und liebenswert macht.

Basketball vom Italiener

Der neue Spielmacher Brad Wanamaker leitet den Angriff.

Gestern hat im Bamberger Basketball die neue Zeitrechnung auch offiziell begonnen. Das runderneuerte Brose-Team hat knapp und glücklich 83:82 gegen frech aufspielende Bremerhavener Eisbären gewonnen. Nach vier Jahren Systembasketball unter der Herrschaft des großartigen Chris Fleming, haben die 6.800 Zuschauer in der Arena ein echtes Kontrastprogramm serviert bekommen.

Neuer Spielstil im Angriff

Der neue italienische Chefcoach Andrea Trinchieri lässt es auf dem Feld vermeintlich lockerer angehen, mit südländischer Gelassenheit. Dabei bedeutet das keineswegs die Akzeptanz von mangelnder Disziplin, vielmehr lässt der seinen Spieler mehr Raum zu eigenen Entscheidungen in einem funktionalen Rahmen. Die richtigen Spielertypen für diese Interpretation hat er auf jeden Fall um sich versammelt. Brad Wanamaker, Carlon Brown und Ryan Thompson und Trevor Mbakwe vereinen viel “NBA-Style” in ihrer Spielweise und suchen ihren Vorteil immer wieder in Eins-gegen-eins oder Eins-gegen-viele-Situationen.
Für den treuen Bamberger Zuschauer mochte das Spiel phasenweise etwas wild wirken. Unterstrichen wurde dieser Eindruck auch, weil gute Wurfsituationen ungenutzt blieben. Ein ums andere Mal tänzelte der Ball am Ring und hat es sich doch noch anders überlegt. Auch fanden so manche Pässe das Ziel noch nicht, weil ein gewisse Konfusion bei Laufwegen und Positionen deutlich zu beobachten war. Dies mag weniger mangelnden Könnens, als vielmehr präsenter Nervosität im jungen Team geschuldet sein. Ein grauer Leitwolf, wie es Sven Schultze als Eisbär war, hätte dem Team gestern gut getan.

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Reisebericht: Istanbul

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Spätestens seit dem James Bond Film Die Welt ist nicht genug”,wollte ich unbedingt die Metropole am Bosporus besuchen. Ende September haben meine Freundin und ich uns vier Tage in dieser riesigen Stadt gegönnt und es nicht bereut. In diesem Blog möchte ich einige meiner Erfahrungen teilen, vielleicht macht es den ein oder anderen neugierig oder es hilft bei der Reisevorbereitung.

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