Erste Brose Baskets Eindrücke


Seit gestern Abend 19 Uhr ist die Basketball lose Zeit in Bamberg zu Ende. Das erste Testspiel der neu formierten Bamberger nahm seinen Lauf: 35 % Brose Baskets gegen 85 % Ratiopharm Ulm.  Die 84 – 102 Niederlage der arg dezimierten Brose Truppe gegen die fast kompletten Ulmer ist dabei eher nebensächlich, wirklich interessant war ein erster Blick auf die neuen Spieler.

STATS:
Walde: 0 Punkte
Wanamaker: 13 Punkte, 7 Assists, 4 Steals
Schmidt: 4 Punkte
Stutz: 0 Punkte
Obst: 4 Punkte
Alvarado: 5 Punkte, 2 Assists
Mbawke: 17 Punkte, 12 Rebounds, 1 Block
Brown: 26 Punkte, 5 Rebounds, 5 Assists
Dizdarevic: 0 Punkte
Thiemann: 11 Punkte, 4 Rebounds
Kramer: 4 Punkte, 2 Rebounds

#11 Brad Wanamaker

Der neue Spielmacher wusste gleich zu gefallen und wirkt vor allem physisch sehr präsent auf dem Feld. Seinen Gegenüber Per Günther hat er beim Ballvortrag ein paar mal den Ball abgeluchst. Es ist groß, robust, hat schnelle Hände und wirkt sehr ruhig und routiniert. Wird kleinere und schmächtigere Gegenspieler vor ordentlich Probleme stellen, vor allem wenn er am Zonenrand aufpostet und seinen Weg zum Korb sucht.

 

#17 Andreas Obst

Der Youngster war Starter, nur um Headcoach Trinchieri gleich zur Weißglut zu bringen. Musste sich auf der Bank einiges anhören. Hat sich getraut offene Würfe zu nehmen. Insgesamt jedoch eher unauffällig.

 

#21 Trevor Mbawke

Die Statistik liest sich prima, aber irgendwie war der zweite U-200cm Center in der Bamberger Geschichte noch nicht so präsent, wie es wünschenswert ist. Er hat immerhin den 10 cm größeren Boris Savovic umklammernd zu Boden werfen können, wohl um den Größenvorteil zu egalisieren. Viele freie Rebounds fanden den Weg in seine Hände, einige im Gewühl dafür nicht. Zeigte seine Explosivität in der Zone mit einem tollen Zonentanz, bei dem einem schon zum Zuschauen schwindelig wurde, und einem Dunk aus dem Handgelenk. Sein Stellungsspiel war insgesamt aber noch suboptimal, Mbakwe kann sich sicherlich noch vorteilhafter in der Zone positionieren.

 

#25 Carlon Brown

Dass er scoren kann er hatte jeder vermutet, seit gestern weiß man es auch eindrucksvoll! Weit weg vom Korb, am Korb, auf dem weg zum Korb, von vorne, von hinten und wahrscheinlich sogar aus der Dusche. Mit seiner Athletik ist er beim Zug in die Zone kaum aufzuhalten und hat beim Abschluss wahnsinnige Moves drauf. Er hat für den Schreckmoment des Abends gesorgt als er am Boden liegen blieb, stand aber brav wieder auf und punktete weiter bis 26 davon auf dem Bogen standen.

 

#32 Johannes Thiemann:

Träumt sicherlich noch ein paar Nächte von den beiden In-your-Face-Möderdunks binnen weniger Sekunden von  Will Clyburn – war leider geil. Er nahm auffällig viele Dreier, traf weniger auffällig keinen davon. Insgesamt aber eine durchaus ansprechende Leistung, hat sich hier und da gut durch die Zone getankt und abgeschlossen. Beim Rebound müsste er noch etwas zupackender werden.

 

#40 Denis Kramer

Wie der Papa. Muss körperlich auf jeden Fall zulegen und braucht ein deutlich besseres Foulmanagement, war so auf 11:39 Spielzeit limitiert. Kramer aber sehr aktiv auf dem Feld, das gefällt. Er hat einen guten Wurf auf der Mitteldistanz, muss sich aber wie Thiemann im Rebound noch steigern.

 

HC Andrea Trinchieri:

Scheint Felix Magath in seiner Brillenmode nach zu eifern. Hat wohl mehrere davon. Er scheut auch nicht vor einem lauten Wort in Richtung seiner Spieler oder in Richtung der Unparteiischen oder in Richtung des Gegners. Wurde dafür fast schon frenetisch gefeiert. Verbales Kontrastprogramm zum Vorgänger? Wird wahrscheinlich kein Freund von Anne Panter und auch nicht von Thorsten Leibenath, ist aber auch völlig egal, beide sind nicht Systemrelevant. Wird wohl das in oder andere “T” in der Liga bekommen. Hatte laut eigener Aussage vorher im REWE Erfahrung gesucht und nicht gefunden, schade. Wird echt goldig, wenn er ungläubig-strafend einen Spieler ansieht.

 

Es sind vor allem drei, auf das Team bezogene, Dinge, die gestern bereits ersichtlich wurden:

1. Das Team hat Einsatzwillen und kämpft. Schweiß war genug da, Blut noch keines. Für das erste Vorbereitungsspiel war schon ordentlich Zunder drin und Rudelbildungen konnten mehrmals nur knapp verhindert werden. Sind wir etwa auf den Weg zu den neuen Bad Boys?

2. Erfahrung ist ein Vorteil. Die Ulmer Haudegen waren dort auffällig überlegen und haben Bambergs “Jugend-forscht”-Aufstellung gut ausgenutzt. Gerade wenn Maarty Leunen gegen einen der Jungen stand, waren das fast immer zwei oder drei sichere Punkte. Auffällig zudem, dass ein junger Akteur bei den Referees kaum ein Standing hat, aber das bemängelt Wolfgang Heyder ja schon seit vielen Jahren. Wenn jetzt dann noch die Nationalspieler Janis Strelniks, Karste Tadda, Daniel Theis und Elias Harris zurück kommen und Josh Duncan und Ryan Thompson mitwirken können, dann ist Bamberg sicherlich nochmal zwei Dimensionen stärker als heute. Es wird aber generell interessant, wie sich das Spielzeitmanagement der Nachwuchsspieler in der Saison entwickelt.

3. You can´t teach size. Bamberg darf durchweg als “undersized” im Frontcourt bezeichnet werden. Ulm Centergarde ist mit den langen Boris Savovic und Tim Ohlbrecht stattlich, aber nicht unbedingt Ligaspitze. Dennoch war der Größenvorteil in einigen Situationen ausschlaggebend. Josh Duncan und Daniel Theis sind zwar starke Insidespieler, aber weder massig noch lange. Denis Kramer ausgenommen, ist der längste Bamberger Frontcourt-Spieler 2.04 m. Ob es auch gegen Bayern Centerrotation um John Bryant (2.13 m), Vladimir Stimac (2.09 m) und Yassin Idbihi (2.08 m) reicht muss sich zeigen.

 

 

Kerwa ist nur einmal im Jahr…


Wer als Einheimischer oder zugereister kennt ihn nicht, den omnipräsenten Kerwaschlager, der die dicht gedrängten Massen in der Hemingway- oder Blaubar zum Rasen bringt und lautem Mitsingen nötigt. Heute ist der Tag nach der Sandkerwa und Zeit für eine kleine Bilanz.

 

 

 

1. Immer wieder schön

Alle Vorfreude ist vollauf berechtigt! Auch wenn man dann im Sand genervt von Geschiebe und Gequetsche ist,  oder dass das Seidla “Huppendorfer” schon fast unverschämte 3,50 Euro kostet, möchte man die viele Stunden zwischen Schwerstarbeit und ausgelassener Freude dort nicht missen. Herrlich, immer wieder alte Bekannte zu sehen, die mittlerweile in alle Welt verstreut sind, nur um dann wieder für exakt ein Jahr seine Wegen zu gehen – in der Gewissheit auf einer Wiedersehen zur gleichen Zeit am gleichen Ort im kommenden Jahr.

 

2. Hiding

Ich habe Bekanntschaft mit dem Phänomen des Versteckspiels gemacht. Die Sandkerwa-Umstände per se lassen eh kaum eine valide Planung von Treffpunkten und Verabredungszeiten zu – von Handyempfang ganz zu schweigen. Deshalb sollte man das eigentlich gar nicht erst versuchen. Wenn man aber doch einmal der Versuchung erlegen ist, dann muss man einen Weg finden möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Dazu gehört unbedingt das “Hiding”, oder auf gut Deutsch “Verstecken”. In der latent vorhanden Small-Talk-Wut scheint jeder jeden, der er schon mal irgendwie und irgendwo in seinem Leben gesehen, gestoffen oder gepoppt hat in eine meist belanglose Kurzkonversation verwickeln zu wollen. An sich ja eine nette Idee, aber nicht wenn man auf der Mission ist zu Freunden zu stoßen. Da will man natürlich auch nicht arrogant oder unfreundlich gelten und einfach schnurstracks vorbei rennen. Nein, es bedarf der Kunst des Versteckens, dass man erst gar nicht entdeckt wird. Sich bewegende Menschenmassen, Grüppchenbildungen und Anstehschlangen bilden hierfür die perfekte Deckung.

 

3. Ungeplant ist doch am besten

Wie bereits geschrieben, ist das Projektmanagement an der Kerwa durchaus schwierig. Also lässt man es am besten sein. Die lustigsten und besten Begegnungen sind eh die, die man völlig ungeplant und überraschen macht. Das war auch dieses Jahr wieder so. Sich einfach treiben lassen, denn unverhofft kommt wirklich oft.

 

4. Kleine Gruppen

Die Militärs der Welt machen es vor, an der Sandkerwa ist es ratsam auf kleine Einheiten zu setzen. Mit zwei bis drei Mann (oder Frau) Teams gelingt es sich gut durch das Festgebiet zu arbeiten. Wird es größer, wird es problematischer. Der eine will eine Kümmelbratwurst vom Kalb, der andere ein günstiges “Hönig”-Bier und alle fünf Meter lässt sich jemand in Small Talk verwickeln. Ergo verschwendet man Unmengen an Zeit mit warten statt feiern. Alternativ wird man mit mehreren Leute einfach an einem fixen Standort sesshaft und lässt die Kerwa auf sich zukommen oder bewegt mich mal kurz weg um später wieder “heim” zu kehren.

 

5. Freunde sollten Fernreiseverbot bekommen

Grundsätzlich sollten alle Freunde an der Sandkerwa in besagtem Stadtgebiet sein, um den maximalen Wohlfühl- und Spaßfaktor zu erleben. Immerhin will man Sandkerwa ja irgendwie mit allen Menschen teilen, die man auch nur einen Millimeter gern hat. Ansonsten heißt es für fast zwölf Monate bei allen möglichen Gelegenheiten, “wir ha´m uns des Jahr gar net auf der Sandkerwa g´sehn“. Also liebe Sanna und lieber Rainer, das nächste mal bitte eine anderen Urlaubsplanung – auch wenn Ihr es noch knapp zum Finale Furiose geschafft habt.

 

6. Die coolen bleiben cool – immer

Weil man so viele Menschen aus seiner Vergangenheit trifft, kann man in einer wunderbaren Retrospektive sehen, was auf jedem geworden – schön im gedanklichen Zeitraffer im Einjahresabstand. Diejenigen, die früher schon “cool” waren und für viel Spannung, Spaß und Spiel standen, haben sich auch 20 Jahre später kaum verändert. Und diejenigen, die früher schon etwas langweilig bis seltsam waren, scheinen das auch mit fortlaufendem Alten nicht mehr in den Griff.

 

7. Schön, dass es rum ist

Bei aller Freude und schönen Momenten ist jetzt aber auch gut, dass die Sandkerwa rum ist. Den Cocktail auf Schlafmangel und Flüssigkeitsaufnahme wechselseitig von außen und innen, geht mit zunehmendem Alter nach fünf Tagen an die Substanz. Adela Kerwa, servus Bockbieranstich!

Die kleine Schwarze


Ich war auf der Suche nach einer neuen Kamera, die das Portfolio nach unten abrunden und so klein und variabel ist, dass sie immer dabei sein kann. Häufig ist bereits das rumschleppen von Systemkameras (ich hab eine Nikon 1 der V-Serie) lästig, von der Last einer globigen DSLR ganz zu schweigen. Das Anforderungsprofil war einfach, wohl wissend um die Einschränkungen dieser Klasse: maximal Hemdtaschengröße und 10 bis 20-fach Zoom. Eben genau das richtig für Städtetripps, Strandurlaube oder Bergtouren um in wenigen Sekunden ein paar schöne Impressionen, ohne höheren Fotografieanspruch, einzufangen. Nachdem ich einige Modelle angesehen hatte war die finale Wahl zwischen Canon PowerShots und Sony Cybershots. Letztendlich fiel meine Wahl auf die Sony Cybershot WX 350.

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Kleine Abmessungen

Zum einen ist sie vom Volumen her mit Abstand die kleinste Kamera in der Reisezoomklasse, zu anderen hat sie so angenehme Features wie 20-fach Zoom, W-LAN, NFC, starker Akku, Full-HD Video mit 60 Frames pro Sekunde und brauchbarer Weitwinkel. Die 18,2 MP Auflösung sind dabei nur sekundär, ebenso dass ich hier keine manuellen Einstellungen vornehmen kann. Dafür gibt es die anderen Kameraklassen.

Die Kamera ist wirklich klein (96 x 55 x 26 mm)-  mein Smartphone ist deutlich größer – und passt in jede Hemd- und Hosentasche oder Handtasche der Freundin. Dabei ist sie mit 164 g (inkl. Akku und SD-Card) ein echtes Leichtgewicht und sieht auch noch gut aus. Für sehr große Hände könnte die Bedienung problematisch werden, weil die Knöpfe klein sind und es keine Gripflächen gibt. Für mich (1.81 m Körpergröße) ist die Bedienung noch in Ordnung.

 

Große Brennweite immer dabei und nützliche Zusatzfunktionen

Natürlich stößt die Bildqualität an ihre Grenzen. Meine Nikon 1 ist hier klar überlegen und ein DSLR oder Vollformat erst recht. Bei gutem Wetter macht die Sony WX350 aber sowohl beo 25 mm wie auch bei 500 mm Brennweite ordentliche Bilder, die als Urlaubsschnappschuss allemal taugen. Selbst in Situationen mit schwierigeren Lichtverhältnissen oder diesigem Wetter kann sie ein Motiv noch einfangen. Ich bin vor allem glücklich mit dem großen Zoom auch wieder weiter entfernte Details einfangen zu können und das ohne Objektivwechsel und großes Gepäck. Die Leistungsstärke des Blitzes ist für diese Klasse gut, dennoch sollte man diese Kamera eher bei Tageslicht benutzen. Die Panorama-Funktion ist kein High-Light, hier bekommt man mit dem Smartsphone und Google Sphere deutlich bessere Ergebnisse.

Schön bei der Sony WX350 ist eben vor allem die Mobilität und der “Ready-to-shoot”-Modus, ohne dass man sich zum Sklaven moderner Technik macht. Das Übertragen von Fotos über WLAN oder NFC auf mein Smartphone oder Tablet ist wirklich prima und vor allem im Urlaub eine prima Sache um direkt Bilder online zu stellen oder zu versenden. Alles in allem auf jeden Fall eine Empfehlung für jeden, der in der Reisezoomkameraklasse vor allem eine platzsparende Lösung sucht. Anspruchsvolle Fotografen werden mit der Bildqualität – vor allem beim Rauschen – unterhalb der Systemkameraklasse aber nicht glücklich werden. Für das Modell muss man aktuell knapp über 200 Euro investieren.

US-Trio sagt “hello”, einer “do videnia!”


Es scheint als würden Bambergs Macher beim Spielerkader rasch Nägel mit Köpfen machen wollen. Nachdem bereits mit Daniel Theis ein echter Coup gelungen war, gesellten sich in den vergangenen Tage gleich drei hochklassige US-Spieler hinzu: Power Forward Josh Duncan (Hapoel Jerusalem), Spielmacher Brad Wanamaker (Giorgio Tesi Pistoia) und Swingman Ryan Thompson (Telenet Oostende).

Maj sa dobre, Tono!

Bei aller Euphorie heißt es aber auch Abschied nehmen vom bisherigen DNA-Spieler und dem riesigen Herz der Brose Baskets. Anton Gavel verlässt Bamberg definitiv und möchte sich einer neuen Herausforderung stellen. Diese kann an der Isar liegen, jedoch gibt es wohl auch weitere potente Interessenten aus der Euroleague. Bamberg hat Anton Gavel viel zu verdanken, aber auch anders herum wird ein (Basketball-)Schuh draus. Nach einigen Wanderjahren als Rollenspieler durch die südeuropäischen Ligen, gelang Bamberg mit seiner Verpflichtung aus der Slowakischen Liga ein echter “Home Run”. Sieben nationale Titel fallen in die Gavel´sche Ära und der gebürtige Slowake hat sich von einem durchaus talentierten, aber nicht sonderlich herausragenden Akteur zu einem echten Spitzenspieler und “Spielermarke” gemausert. Nach so viel Erreichtem und den Jahren in der fränkischen Provinz, sei es ihm gegönnt noch einmal etwas anderes in seinem Sportlerleben zu erleben. Bamberg ist ihm in jedem Fall zu großem Dank verpflichtet, auch wenn es wieder Fans geben wird, die dies nun anders sehen. Denen ist aber eh nicht zu helfen. Maj sa dobre, Tono!

 

Die Neuen

Blicken wir aber nun voraus auf die drei neuen US-Amerikaner und das der Position auf dem Feld nach.

Der Spielmacher

Der erste im Bunde wäre somit Brad Wanamaker. Er war einer der Topspieler in der ersten Italienischen Liga und ist mit seinem Team erst im fünften Spiel am späteren Meister aus Mailand gescheitert.

Giorgio Tesi Pistoia (Lega A / ITA)
16.2 ppg | 2.9 rpg | 4.7 apg | 44 % 3er-Quote

Er ist Bambergs neuer Spielmacher Nr. 1 und bring viele mit, was man sich schon von Zack Wright versprochen hat. Gemeinhin gilt er als Playmaker mit ausgezeichnetem Pick and Roll-Verständnis und einem guten Zug zum Korb. Zwar ist er kein ausgewiesener Distanzwerfer, aber dafür mit guter Wurfauswahl und guter Quote. Dazu sind 1.93 m geradezu Gardemaß für die “Eins”, gepaart mit seiner Athletik sollte uns diese Physis vorne wie hinten etwas zählbaren geben. Wanamaker ist sicherlich noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Mit 24 Jahren ist er immer noch ein sehr junger Spieler, der aber bereits vier Jahre in guten europäischen Ligen hinter sich hat. Dabei war die abgelaufene Saison sein großer Durchbruch. Eine gute Basis, um in Bamberg den nächsten Schritt zu machen und eine erfolgreiche europäisch aktive Mannschaft zu führen.

Spielerseite Wanamaker von Pistoia mit Fotos und Videos

 

Der variable Forward

Die offizielle Bestätigung von Clubseite steht zwar noch aus, aber sowohl der Agent wie auch Ryan Thompson selbst bestätigen den Wechsel. Auf diesen Spieler bin ich erstmal bei den Live-Spielen zu Euroleague-Quali gestoßen. Dort hat es Oostende überraschend bis ins Endspiel geschafft und der US-Spieler war der überragende Akteur. Damals hatte ich mich gefragt, was ist das für ein Spieler? Er schien alle Positionen zu spielen. Mal Ballvorträger und Spielmacherersatz, mal Dreierschütze, mal Scorer in der Zone, mal Rebounder. Das komplette Paket hat er damals gezeigt und ein “Whow” bei mir erzeugt. Ähnliches erwartet man von keinen Bruder des NBA-Profis Jason Thompson.  Alles gut zu können, verhinderte wohl bisher eine NBA-Karriere, ist aber die beste Voraussetzung um in Europa ein dominanter Spieler zu werden. Dominant war seine Saison aus in Oostende, wo er neben der Fast-Euroleagueteilnahme auch den Pokal und die Meisterschaft feiern konnte.

Telnet Oostende (Ethias League / BEL)
16.3 ppg | 2.8 rpg | 2.2 apg | 43 % 3er-Quote

Der Rider-Absolvent spielt auf den Positionen Shooting Guard und Small Forward und erinnert nicht nur von seiner Physis her an den großen Michael Jordan: 1.98 m und 100 kg. Mit diesen Anlagen könnte er insgesamt etwas besser rebounden, aber es sind genug  anderen Anlagen vorhanden, die ihn zu einem echte “Steal” machen könnten. Er hat ein schier unerschöpfliches Arsenal zu Punkten: Einen sicherer Dreier, ein gutes Midrange-Game, Cleverness und Power sich am Brett durchzusetzen (er bringt gerne seinen Körper zwischen Gegner und Ball) und ein guter Werfer von der Freiwurflinie. Genug, um die gegnerischen Verteidigungsreihen zu vermehrten Aspirinkonsum zu nötigen. Er kann in Bamberg den ganz großen Durchbruch schaffen, wie bereits einige Amerikaner vor ihm. Ich traue ihm zu, dass er die Zuschauer von den Hockern der Brose Arena reißt, wenn diese bis Saisonbeginn nach dem Qualitätsdesaster wieder funktionsfähig sind.

 

Der Große mit dem großen Name

Duncan, als Tim einer der All-NBA-Greatest, als Josh der neue Power Forward der Brose Basket mit der Option zum schnellen Center.  Beim isrealischen Top Club war der Xavier-Absolvent im Eurocup Topscorer, in einer Mannschaft die mit vielen weiteren Starts gespickt war: Yotam Halperin, Lior Elyahu, Ronand Dupree, Derwin Kitchen, Bracey Wright.

Hapoel Migdal Jerusalem (Winner Super League / ISR)
15.0 ppg | 6.7 rpg | 1.0 apg | 47 % 3er-Quote

Der Amerikaner ist einer hervorragender Pick-an-Pop Spieler. Als Vierer oder Fünfer versenkte er einen Dreier pro Partie im Korb des Gegners, dazu ist er brandgefährlich mit seinem Mitteldistanzwurf, ein klassischer Back-to-the-Basket-Typ ist er also nicht. Die Kombi Wanamaker-Duncan kann man sich also bereits gut in der Funktionsweise vorstellen. Seine eher durchschnittliche Sprungkraft hindert Duncan jedoch nicht daran genug Wege zu finden, um sich auch am Brett durchzusetzen. Seine große Stärke ist auf jeden Fall der Wurf, seit 2011 lagen seine Dreierquoten nie unter 41 % und seine Freiwurfquote nie unter 84 %. Pest oder Cholera also für den Gegenspiel, wenn es darum geht Duncan werfen zu lassen oder zu faulen.

 

Was heißen die beiden neuen nun also für den Rest der Wackelkandidaten im Kader. Jamar Smith als Comboguard mit überragenden Wurf, Rakim Sanders als talentierter “Tweener” und Maik Zirbes als klassischer Brettcenter würden durchaus gut zum Rest passen. Nimmt man die Wackelkandidaten (egal ob Vertrag, Option oder sonst etwas) mal außer Acht, benötigt Bamberg wohl noch einen Spielmacher von der Bank, einen Comboguard, einen Flügelspieler und zwei Center. Dabei wären noch drei Plätze an Ausländer zu vergeben, zwei müssten Inländer sein. Durch den neuen isrealischen Pass wird ein Verbleib von “Fingerzeiger” D’or Fischer unwahrscheinlicher. Nach seiner guten letzten Saison ist eher davon auszugehen, dass er sich den Pass, passend zum Vornamen, vergolden lässt und in einer südeuropäischen Liga anheuert, wo die Ausländerregelung diesen speziell honoriert.

 

Bisheriger Kader (mit Vertrag oder Option)

Brad Wanamaker | Pos. 1 | USA
Jamar Smith | Pos. 1/2 | USA
Karsten Tadda | Pos. 2/3 | D
Ryan Thompson | Pos. 2/3 | USA
Rakim Sanders | Pos. 3/4 | USA
Elias Harris | Pos. 3/4 | USA
Johannes Thiemann | Pos. 4 | D
Daniel Theis | Pos. 4/5 | D
Josh Duncan | Pos. 4/5 | USA
Maik Zirbes | Pos. 5 |D

Andrea Trinchieri | HC | ITA

 

 

Andiamo Brose Baskets!


Die Lage unter Bambergs Basketballfans hat sich wieder merklich beruhigt. Das liegt vor allem am neuen Chefcoach der Brose Baskets, Andrea Trinchieri. Der Italiener hinterlässt mit seiner eigenen Art bisher einen hervorragende Eindruck und es fällt jedem Basketballinteressieren schwer, sich der Aura des ehemaligen Kazan-Trainers zu entziehen.

In seinem ersten großen Interview mit Spox.com wurde deutlich, dass Trinchieri eine durchaus interessante  und intelligente Sicht auf die Liga hat. So das Zeug zum Kulttrainer könnte man ihm attestieren, wenn man den Vergleich von Jan Pommer mit Steve Jobs oder die Aussagen, dass die Bayern nerven, sieht. Auf jeden Fall bringt er eine neue, souverän-interlektuelle Qualität in die Außendarstellung der sportlichen Führung.

Bevor sich jemand langweilt, warne ich jeden vor: Ich werde im Interview häufig ein Wort aus dem Englischen nutzen, um die Entscheidung zu erklären. Es lautet: “sustainability”. Die BBL ist die nachhaltigste, stabilste und zukunftsfähigste Liga außerhalb der NBA. – Andrea Trinchieri

Spox.com Interview mit Andrea Trinchieri

Altlasten will das Sportmanagement dem neuen Majestro an der Seitenlinie keine hinterlassen und das ist auch gut so. Deshalb war es nur konsequent die Optionen bei Jared Jordan und Sharrod Ford nicht wahr zu nehmen. Ein nahezu unbesetzer Kader ermöglicht eine Mannschaft nach dem Gusto von Trinchieri.

 

Freie Hand

Aus dem letztjährigen Stammkader haben nur Elias Harris, Jamar Smith und Rakim Sanders einen Vertrag für die kommen Saison, auch bei Center Maik Zirbes gibt es wohl irgendeine Vertragsoption auf der einen oder anderen Seite. Wobei davon auszugehen ist, dass die beiden, im vergangenen Jahr teils enttäuschenden, Amerikaner abgegeben werden sollen. Bleiben hingegen wird Karsten Tadda und das bis 2016. Trinchieri hat keinen Heel daraus gemacht, den Gundelsheimer unbedingt behalten zu wollen, weil er dessen Spielweise schätze und ihn als große Integrations- und Identifikationsfigur sieht.

Den zuletzt gescholtenen Tadda, Harris und wohl auch Zirbes, wird ein gewisser Neuanfang gut tun. Vor allem die beiden Insidespieler würden sicherlich profitieren, wenn sich das Spieler der Bamberger wieder etwas ausgeglichener zwischen Inside-Outside-Game gestaltet.

Dass dies möglich erscheint, zeigt die erste Neuverpflichtung. Mit Daniel Theis aus Ulm wird sich ein weiterer Nationalspieler zu den bewährten Kräften gesellen. Der 23-jährige Forward gilt als der kommende deutsche Spieler in der Liga. Mit seiner Verpflichtung haben die Brose Basket in der Szene ein echtes Ausrufezeichen gesetzt, auch wenn sich Ulm Manager öffentlich über ein unverschämt hohen Angebot spricht. Pleiß und Theis reimt sich nicht nur hervorragend, sondern werden die kommenden zehn Jahre den Frontcourt der deutschen Nationalmannschaft dominieren. Der gebürtige Salzgitterer bleibt bis mindestens 2016 und ist einer der Köpfe, um die Trinchieri eine nachhaltig erfolgreiche Mannschaft bauen will.

Statistiken Daniel Theis (ratiopharm Ulm 2013/14)
9.7 ppg | 6.2 rpg | 1.3 bpg in 21 Min.

 

Geht Gavel, kommt Duncan?

Zwar dementieren bisher alle Parteien vehement, dass eine Entscheidung in der Causa Anton Gavel gefallen ist, ein Abschied liegt momentan jedoch irgendwie näher als ein Verbleib. Angeblich bezahlt der FC Bayern München dem Deutsch-Slowaken 1.2 Mio. US-$ für zwei Jahre (Quelle: sportando.net). Bis Ende des Monats sollte eine Entscheidung auch öffentlich werden, um den Investitionsstau aufzulösen.

Einige amerikanische Topspieler aus europäischen Ligen werden momentan mit Bamberg in Verbindung gebracht. Zwar gab Trinchieri im Spox.com Interview bekannt, dass ihn der FC Bayern München nerve, weil sich bei jeder Spielerverpflichtung störend aktiv würden, aber bei den gehandelten Namen ist die Konkurrenz groß und sogar noch größer als die von der Isar.

Sehr weit fortgeschritten scheinen die Bemühungen um den variablen US-Power Forward Josh Duncan vom israelischen Top-Club Hapoel Jerusalem zu sein. Laut Sportando.net wird der 2.03 m Athlet einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Zuletzt soll auch Euroleague-Sieger Maccabi Tel Aviv Interesse gezeigt haben. Er gilt als sehr konstanter Spieler mit gutem Gefühl für das Spiel, der immer eine erwartbare Leistung abruft. Zudem ist er ein guter Schütze aus allen Distanzen, bis hinaus zur Dreierlinie, was vor allem bei “Pick and Pop”-Situationen zur Geltung kommt.

Statistiken Josh Duncan (Hapoel TA 2013/14)
14.9 ppg | 6.7 rpg | 47% 3er in 26 min.

Eher unwahrscheinlich wird damit die Verpflichtung von Ex-Cantu Spieler Marty Leeunen, den Trinchieri bereits dort mehrere Jahre in seinem Team hatte und als echter Glue-Guy gilt mit hohem Basketball-IQ gilt. Mit Harris, Theis und eben Duncan wäre die Position bereits sehr stark besetzt. Ein anderer gehandelter Name ist Carlon Brown, ein Statistik-füllender (19,6 Punkte, 4,6 Rebounds und 4,5 Assists) Shooting Guard von Hapoel Tel Aviv. Aktuell ist aber wohl Olympiakos Piräus das Team, mit den größten Chancen auf den Amerikaner.

 

Der Kader

Elias Harris / 2.03 m / PF / D
Karsten Tadda / 1.92 / SG / D
Daniel Theis / 2.04 m / PF / D
Josh Duncan / 2.03 m / F / USA (?)

Maik Zirbes / 2.08 m / C / D (?)
Rakim Sanders / 1.96 m / F / USA (?)
Jamar Smith / 1.91 m / G / USA (?)

Es wird ein spannender Sommer in Bamberg. Ich selbst freue mich wie ein kleines Kind auf den neuen Zyklus und welche Spieler der Eurocup-Trainer des Jahres nach Bamberg lotsen kann. Zu hohe Erwartung sollte man jedoch nicht haben, wie hatte er doch betont,  dass in Kazan 90 % des Etats in die Spieler wanderte, in Bamberg seien es nur circa 50 %. Doch ihm liegt dieses nachhaltige Haushalten in die Investition als Programm in Infrastruktur und Nachwuchs mehr am Herzen als nur große Namen zu coachen.