31… es ist soweit. Die 30 war irgendwie wichtig und in aller Munde, die 31 scheint so dermaßen uninteressant wie der brühmte umfallende Sack Reis in der VR China.
31 – wie fühlt es sich an? So sitze ich hier auf der Terasse meines Reihenhäuschens im frische bebauten Babenberger Viertel und genieße den Blick über die in der roten Abendsonne glühenden Hügel der Stadt. Drinnen lockt zwar der 50 Zoll LCD TV und das weiße Rolf Benz Sofainterieur, doch ich genieße es lieber hier draußen in meinem Deckchair aus politisch völlig unkorrektem Tropenholz, werfe noch einen Holzscheit in die vor sich hin lodernde Glut und denke über den Status Quo nach. Herrlich die Ruhe, nur unterbrochen von meiner vor mir frohlich auf dem frisch geschnittenen Rasen herumjuchzenden Tochter Emma deren unbeschwertes Lächeln meinen ganzen Vaterstolz in mit empor klimmen lässt. Dazu gesellt sich unser treuherziger Weimaraner Hugo über dessen kurzen glänzenden Fell ich gerade meinen Handrücken streifen lassen. Schön, wenn der Blackberry mal vor sich hin schweigt und nicht ständig von neuen angegeblich berufswichtigen Nachrichten zeugt. Aber so ist das nun eben im aufstrebenden mittleren Management, wenn die Deutsche Wirtschaft brummt. Erfolgreich im Job, beamzones sind ein Welterfolg, meine junge Sekretärin trägt sogar manchmal Strapse und verzeiht mir wenn ich ihr mal den Hintern tätschle. Alles irgendwie sorglos und perfekt. Übermorgen gehts schon wieder über den großen Teich, nur für ein paar Tage, NYC! Genial.
Mein Blick fällt zur Garage. Mist, ich muss den Familienkombi noch in die fachgerechte Behausung zu meinem Baby bringen. Das Baby ist mein Oldtimer Benz, an dem ich immer ein wenig rum bastle, aber bald fähre ich mit dem Cabrio durch die Fränkische Schweiz und genieße den Fahrtwind und das Autoamiente der 60iger Jahre. Aber ich bin gerade in so einer entspannten Stimmung, da mag ich mich nicht erheben, ich bleibe sitzen und döse. Schrecke erst hoch, als ein geblümtes Sommerkleid an mir vorbeihuscht, unserer Tochter etwas zuruft und Hugos Lieblingsspielzeug ein paar Meter weiter bugsiert, was der Rüde sogleich mit einer sportlichen Einlage quittiert und hinter her hechtet. Anschließend verschleppt er seine Beute in seine Holzhütte, welche mit einem roten Namenschild klar sein Revier markiert. Quietsch, quietsch macht das Gummivieh an dem Hugo seine Hundefreude hat.
Kim lässt sich behutsam auf meinen Knien nieder und stellt mir ganz rethorisch die Frage „Schön meiner neuer Kurzhaarschnitts, stimmts?!“ Mit bleibt nur ein Nicken während ich auf den kleinen Lebenfleck in ihrem Dekollete schiele und mit denke, Sommerkleider sind toll. Ein Arm legst sich sanft um mich; *autsch“, ein kleiner Schmerz durchzuckt mich, sie tippelt mit ihren Fingernägeln just an der Stelle an meinem Rücken herum in den sie vergangene Nacht noch merklich ihre Krallen gebohrt hat. Nun ja, ich mache ganz auf Indianer und die kennen ja bekannterlicherweise keinen Schmerz. Es folgt ein kurzer Plausch über den nächsten Familienurlaub, nach Marrakesch, soll es nun wieder Europäisch sein und wir liebäugeln mit der Cote Azur. Die hat mich schon in diversen Französischen Filmklassikern von Romy Schneider bis Louis DeFunes überzeugt. Ich verspreche bei Oll und Steffen nachzufragen ob sie nicht Lust haben uns mit ihren Liebsten zu begleiten und greife mich den von der Abendsonne merklich aufgeheizen Blackberry. Manchmal gar nicht so übel, ein paar Tastenclicks und schon ist die email raus. Danach schnappe ich mir Emma die hinter unserem Hund hergetappelt ist, wir lehnen uns alle drei zurück – das Holz knarzt ein wenig – Familenkuscheln…
Wie sich nun 31 anfühlt? Absolut super!
Verfasst von: emdzei | 16. Juli 2009
Einunddreißig
Veröffentlicht in Feiertage
sounds great – 10 years later…
Von: steffen am 16. Juli 2009
um 06:53