BBL Finale – Exklusiver Ausblick


Am Sonntag, den 6. Juni ist es wieder soweit. Es beginnen die Finalspiele der BBL und die Brose Baskets aus Bamberg haben die einmalige Chance erstmals das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft zu holen. Gegener sind die Deutsche Bank Skyliners aus Frankfurt, gegen die man vor wenigen Woche bereits den Pokal (76:75) gewinnen konnen. Nach Bambergs beeindruckenden Durchmarsch (3:0 Sieg jeweils gegen Bonn und Braunschweig) ist es Zeit einen Ausblick auf das Finalduell zu werfen.

Point Guards | John Goldsberry vs. Aubry Reese

Der Frankfurter ist sicherlich der begnadetere Dribbelkünstler, aber genau das ist auch sein Problem. Er ist ein begnadeter Scorer mit einem tollen Zug zum Korb und wenn er will auch ein ordentlicher Spielmacher. Oftmals übertreibt er es jedoch, hält den Ball viel zu lange und zerstört das Teamspiel der Skyliners. Ein steter Wandel zwischen Genie und Wahnsinn.
Sein Bamberger Pendant hingegen ist da ein anderer Spielertyp: Cool und überlegt. Die Statistiken lügen über seinen Leistungsbeitrag. Er sorgt als verlängerter Arm auf dem Feld dafür, dass da gefürchtete Bamberger Angriffsspiel so präzise ablaufen kann. Ein echter Floor General und Organisator, der sich im Angriff nicht aufdrängt und zudem bissig in der Verteidigung agiert. In den Play-Offs mit 44% von der Dreierline.

> Ausgeglichen (beide wichtig für das jeweilige Spielsystem)

___

Shooting Guards | Anton Gavel vs. Quantez Robertson

Das vielleicht interessanteste Duell auf dem Parkett. Bambergers heimlicher MVP gegen Frankfurt All-Rounder für die Big Points. Gavel spielt schlicht und einfach überragende Play-Offs (13.7 ppg) und es ist nicht von Ungefähr, dass just mir seiner Verpflichtung der Turnaround in der Saison begonnen hat. Trotz seiner jungen Jahre schon sehr erfahren und einer der die wichtigen Würfe sucht, nimmt und trifft. In den Play-Offs mit einer überragenden Dreierquote (17/32 in 6 Spielen bei 53%). In der Verteidigung einer der Topspieler in der Liga. Das hat er jedoch mit deinem Gegenüber gemeinsam. Der Frankfurter ist ähnlich robust gebaut und der vielleicht athletischste Aufbauspieler der Liga, der schon mal hoch durch die Zone fliegt. Zudem sichert er sich 5.0 Rebounds pro Partie, was für einen Guard ein Spitzenwert ist. Der sicherste Schütze aus allen Lagen ist er jedoch nicht.

> Vorteil Bamberg (Das Komplettpaket ist besser)

___

Small Forwards | Casey Jacobsen vs. Jimmy McKinney

Der athletische Frankfurter hat von dem Trainerwechsel immense profitiert und gerade in den Play-Offs gezeigt, dass er ein wichtiger Spieler ist. Dort hat er sich als sicherer Distanzschütze präsentiert (18/39 in 9 Spielen bei 46%). Gegen Jacobsen sollte er jedoch mehr auf seine Athletik vertrauen, da er eine schnellere Übersetzung hat und schon mal an ihm vorbei ziehen kann.
Bambergs Spieler mit Heldenstatus ist allseits als einer der besten Akteure der BBL bekannt. Ein echter Teamspieler, der trotz seiner großen Vergangenheit bereitwillig sein Ego in den Dienst der Mannschaft stellt. Seine Statistiken sehen her durchschnittlich für einen Mann seiner Klasse aus, dennoch bringt der die volle Klasse aufs Parkett. Er weiß wo der Ball in Angriff hin muss (2.5 Assists), wie er in der Verteidigung stehen muss und ist natürlich ein sicherer Schütze obwohl zuletzt die Würfe manchmal nicht fallen wollten. Der Prototyp eines modernen Small-Forwards mit reichliche Erfahrung aus NBA, Euroleague und BBL.

> Vorteil Bamberg (Jacobsen ist einfach der Spieler mit mehr Qualität)

___

Power Forward | Predrag Suput vs. Derrick Allen

Das mit Spannung erwartete Duell der Topscorer. Suput ist Ligaspitzenreiter mit 17.2 ppg in nur 25 Min. Spielzeit (!), Allen führte seine Mannen mit 14.9 ppg ins Finale. Der Serbe auf Seiten der Brose Baskets wird oftmals als bester Spieler der Liga bezeichnet. Nur wenige verfügen über eine ähnlich gute Technik, die es ihm immer wieder mit scheinbarer Leichtigkeit erlaubt, sich in der Zone gegen weit größere Spieler durchzusetzen. Frankfurt kann ein Lied davon Singen, hat er seine Mitspieler beim letzten Treffen in der in der JAKO Arena hat er sie fast im Alleingang aus der Halle geschossen. Er ist gut am Ball, kann den Ball auf den Boden bringen und ziehen, hat einen tödlichen Schuß von außen und ist nervenstark. Tauch zwar manchmal scheinbar aber, oft aber nur weil er in Phasen zuvor einfach unglaublich überragt hat.
Allen hat diese Saison endlich sein Image als Play-Off-Versager absteifen können. Er hat wirklich gut gespielt und hat auch von der Dreierlinie hochprozentig getroffen. Auch er verfügt über einen schönen Wurf und dribbelt sich gerne in der Zone zum Korberfolg. Doch genau das könnte gegen die engmaschige Bamberger Verteidigung problematisch werden.

> Vorteil Bamberg (es ist schwer besser als Suput zu sein)

___

Center: Tibor Pleiß vs. Dragan Labovic

Das Duell der talentierten Jungspunte am Brett. Bambergs Centerjuwel spielt einen wirklich tolle Saison und wurde zurecht zum Rookie des Jahres gewählt. Sein 2.15m machen sich vorne wie hinten bemerkbar, dazu hat er noch ein lockeres Händchen aus der Mitteldistanz und von der Linie. Pleiß spielt für sein 20 Jahre schon erstaunlich abgeklärt und konstant.
Sein Gegenüber in der Zone ist der kaum minder talentierte, davor fast doppelt so massige Labovic mit 23 Jährchem auf dem Buckel. Er kann eigentlich alles was man als moderner Brettspieler können muss. Er kann rebounden, sich am Brett durchsetzen und hat sogar einen recht passablen Wurf von der Dreierlinie. Sein Problem ist jedoch, dass er phasenweise wirklich klasse agiert und dann plötzlich in ein katastrophales Loch fällt.

> Vorteil Frankfurt (ganz knapp aufgrund der Masse und taktischen Variantionsmöglichkeiten)

___

Die Bank | Sparkasse Bamberg vs. Deutsche Bank

Brian Roberts, Elton Brown, Beckham Wyrick, Mark Worthington, Karsten Tadda, Robert Garrett vs. Pascal Roller, Seth Doliboa, Greg Jenkins, Dominik Bahiense DeMello, Grayson Moyer, Marinus Nolte

Ich halte die Frankfurter Bank für eine der besten in der Liga. Dort finden sich sowohl Masse wie auch Klasse. Selbes gilt natürlich auch für die Bamberger. Auf beiden Seiten findet man erstaunlich Parallelen. Je ein hervorragender Dreierschütze, ein bulliger Center, ein variabler Flügelspieler, ein junger bissiger Deutscher, ein Rollenspieler ein Veteran ohne Spielanteil. Vielleicht haben die Brose Baskets ein klein wenig mehr Klasse auf der Bank, Roberts, Brown und Worthington haben bewiesen, dass sie echte Impact- und Game-Chancing-Spieler für das Spitzenteam sein können. Natürlich sind Roller und Doliboa auch für 20 Punkte gut, aber eben nicht mal so locker aus dem Ärmel geschüttelt wie bei den Bamberger Pendants.

> Vorteil Bamberg (ganz leichter, vor allem wegen der Leistungsspitze)

___

Die Trainer: Chris Fleming vs. Gordon Herbert

Der Bamberger ist durch eine harte Zeit gegangen und kommt nun umso gestärkter heraus. Er hat an seinem System festgehalten und sind nach und nach die Bausteine ins Team geholt und richtigen Stellschrauben gefunden. Jetzt sieht man den verdienten Erfolg auf dem Parkett und es macht vor allem Spaß dem Team dabei zuzusehen. Er vertraut viel auf seine Spieler auf dem Parkett und deren Leadership Qualitäten um Krisen zu meistern. Macht momentan alles richtig und hat es geschafft eine knallharte Verteidigung und eine schöne Offensive zu etablieren, das haben bisher nicht viele geschafft.
In Herbert haben die Skyliners den ehemaligen Meistertrainer zurückgeholt. Aufgrund der fortgeschrittenen Saison konnte er sicherlich nur kleine Anpassungen vornehmen, aber die haben gefruchtet. Die Rollenverteilung im Team ist jetzt viel besser und die Erfolge sind sichtbar. Ich fand die Serie gegen Berlin taktisch wirklich hervorragend, die Serien gegen Bremerhaven teils grauenhaft. Ein mittlerweile sehr erfahrener Trainer.

> Vorteil Bamberg (es ist einfach Flemings lange aufgebautes Wunschteam)

___

Das Umfeld | Freak City vs. Mainmetropole

Basketball ist in Bamberg einfach Thema Nr. 1, noch vor NPD Parteitag und der Fußball-WM. Hier fiebern alle mit, es sind tausende Fahnen an Autos zu sehen und der tägliche Smalltalk dreht sich um das orange Leder. Die Brose Baskets Marketing Maschinerie tut ein Übriges. Die JAKO Arena wird wieder aus allen Nähten platzen und die Auswärtsspiele in der oft sehr leer wirkenden Frankfurter Ballsporthalle werden sicherlich wieder Heimspielcharakter haben.

> Vorteil Bamberg (deutlich sicht- und hörbar)

___

Fazit:

Bamberg wird mit einem 3-1 Deutscher Meister 2010. Das Team ist einen Tick besser, das Umfeld ist heißer und unterstützender und die mentale Stärke nach den beiden 3-0 Durchmärschen ist beeindruckend. Dass die Spieler Erfolge nicht als Selbstläufer hinnehmen und zu Übermut tendieren haben sie in den Play-Offs nach dem kürzliche errungenen Pokalsieg gezeigt. Bamberg hat gezeigt, dass es in der Lage ist Spielerisch, wenn es notwendig ist, eine Schippe als Team drauf zu legen. Diese Qualität sehe ich bei Frankfurt anders ausgeprägt, da sind es oft Einzelakteure mit Glanzphasen gewesen.