Wir sind Double


Fotos: Daniel Löb, Quelle: www.brosebaskets.de

Es ist vollbracht, nach langem Kampf gegen die Deutsche Bank Skyliners und diversen spielerischen High-Lights haben die Brose Baskets aus Bamberg nach dem Pokalsieg nun auch den Deutschen Meistertitel errungen. Am Ende haben lediglich zwei kleine Pünktchen, die über fünf Spiele dauernde Serie, mit 3-2 für die Basketballhochburg aus Franken entschieden. 72-70 stand noch lange nachdem die Feierlichkeiten in der JAKO Arena bereits schon wieder abgeklungen waren auf der Anzeigentafel und der Schlussakkord war durchaus erwähnenswert und für eine Liga, die an Überfremdung krankt richtungweisend. Im Privatduell der Nationalspieler-Generationen wurde der grandios aufspielenden Roller Sekunden vor dem Ende zum tragischen Helden, während der junge Pleiß in der Schlusssekunde zum Bamberger Helden wurde als er den Endstand von der Freiwurflinie markierte.

Bamberg hat damit zum ersten man in seiner 40jährigen Basketballgeschichte das Double gewonnen und „Freak City“ machte seinem Namen alle Ehre. Trainer Chris Fleming ist es gelungen den von Vorgänger Bauermann für beendet erklärten Zyklus in Rekordtempo durch einen neuen zu ersetzen. Der Übergang lief überraschend gut und erfolgreich, auch weil Manager Heyder Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat, um den sympathischen Trainer den Erfolg zu ermöglichen. Es ist der Erfolg des Projekts Brose Baskets hinter dem erstklassige Arbeit steckt. Fleming und Woltmann haben eine neue Kultur der Freundlichkeit und des Respekts geschaffen ohne dass „Freak City“ dabei zugrund ging. Die Fans in Bamberg haben damit ihre Mündigkeit bewiesen, dass sie immer noch total ausflippen können, obwohl  niemand in bester Sektenführermanier fortwährend die Richtung und das Feinbild vorgibt. Man war sich in Bamberg nie zu schade oder zu fein alle Energie aufzuwenden um sich fortlaufend zu verbessern und gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen. So war dieser unbedingte Wille wohl auch in dieser Saison einer der entscheidenden Faktoren für den jetzigen Erfolg.

Mit Gavel und Worthington kamen zwei entscheidende Puzzleteile erst während der Saison zum Team. Beide waren entscheidend mitverantwortlich am Erfolg. Während der Slowake sogar als versteckter MVP bezeichnet wird, weil er in entschiedenen Situationen immer wieder wichtige Würfe von der Dreierlinie traf, half der unorthodoxe Australier die Schwächeperioden des launischen Suput schadlos zu überstehen.

Dabei war es oft genug dieser Suput, der seine Gegner zur Verzweiflung getrieben hat und über weite Strecken in einer eigenen Liga gespielt hat. Angetrieben wurde der Serbe hierbei von Spielmacher Goldsberry, der auf dem Feld als die perfekte Kombination aus filigranem Marionettenspieler und robusten Quarterback agierte. Vorne ein präziser Organisator, hinten der Spieler in der Liga der die Aktionen des Gegenspielers am besten antizipiert und immer wieder Ballgewinne verbuchen konnte, um die gnadenlose Angriffsmaschinerie in Gang zu bringen. Sein erster Verbündeter hierbei war Superstar Jacobsen, der dank der Männerfreundschaft zum Brose-Macher Stoschek sein Können in Bamberg unter Beweis stellt. Es ist schon als Ausnahme anzusehen, dass sich Spieler seiner Qualität so in den Dienst der Mannschaft stellen und ihr eigenes Ego bereitwillig zurück nehmen. So war er offensiv zwar etwas weniger im Fokus als bei der Meisterschaft 2007, dafür ein echter Leader und Kämpfer, der auch in der Verteidigung ordentlich zupackte und sich für keine Drecksarbeit zu schade war. Summa summarum der perfekte Teamspieler und Kapitän.

Diese Drecksarbeit wartete auch oft auf Pleiß in der Mitte. Das 20 jährigen Toptalent war mit seinen 2.15m überraschend stabiler Turm in der Schlacht und hat durch seine Präsenz die Finalspiele wie kaum ein zweiter beeinflusst. Die Zeichen stehen klar auf eine Zukunft in der NBA, dort erstmal darf er sich noch ein Jahr mit den besten in der Euroleague messen.

Besonders erwähnen muss man wohl die beiden US-Spieler Roberts und Brown. Letzterer war in der vorvergangenen Saison ein Topcenter der Liga und hat sich als Veteran der sich selbstverliebt als „Bo$$“ bezeichnet, brav hinter dem jungen Pleiß eingeordnet und die Teamchemie gewahrt. Ähnliches gilt für den jungen Combo-Guard Roberts, der bisherigen Stationen jeweils gewohnt die erste Geige zu spielen und in Bamberg plötzlich mit einer Rolle von der Bank konfrontiert war. Als begnadeter Offensivspieler hat der als klassischer sechster Mann oft für wichtige Punkte-Serien gesorgt und etliche Big Points erzielt. Vertraut mit der Bank hingegen waren hingegen die Verteidigungsspezialisten Wyrick und Eigengewächs Tadda, die regelmäßig ihre Gegner zur Verzweiflung trieben und die Extraportion Einsatz auf das Feld brachten. Der Vollständigkeit halber sei Identifikationsfigur Garrett erwähnt, der in den Planungen des Trainers im letzten Saisonabschnitt keine Rolle mehr gespielt hat.

So war es nicht zuletzt ein großer Verdienst des Trainerteams um Fleming, Woltmann und Stix aus diesen heterogenen Spielerpersönlichkeiten dieses homogene Team zu formen.  Es ist ihnen mit Bravour gelungen und der oft in der Öffentlichkeit ein wenig farblos wirkende Fleming ist nun aus dem Schatten des schier übermächtigen Vorgängers und Massen-Dompteur Bauermann mit schönen und erfolgreichen Basketball getreten.

Auch die Zukunft sieht positiv in Bamberg aus, Brose und Herr Stoschek haben weiter gefallen am Projekt gefunden und mit Wolfgang Heyder zieht der Uli Hoeneß des Basketballs mit viel Weitblick und noch mehr harter Arbeit die Strippen. Aus dem Nachwuchsprogramm werden die Toptalente Stuckey und Neumann aufrücken um mit Tadda und Pleiß ein in Deutschland einzigartiges Nachwuchsprogramm auch in der BBL zu vertreten. Bamberg wird auch weiterhin seine erfolgreiche Identität behalten und sich positiv von anderen Standorten absetzen, weil man den Spagat aus erfolgreichen Spitzenbasketball und einer Chance für den Nachwuchs macht. Nachahmung empfohlen!

(Foto: Daniel Löb)

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