Einen PR Gag hat der FC Bayern da also geplant. Ein neuer Spieler sollte exklusiv via Facebook vorgestellt werden und das Fan-Volk hat fleißig “gefällt mir” geklickt. Blöd, dass am Ende der bis dahin eigentlich gut durchgeplanten Social Media Kampagne kein Messi, Ronaldo oder Xavi enthüllt wurde. Bestenfalls noch ein Konterfei des jeweiligen Facebook-Users oder eben nichts, da die Server maßlos überlastet waren.
Ein sogenannter Shitstorm war die Folge, die Medien sprachen gar von PR-Desaster. 1.300 negative Einträge in kurzer Zeit wurden registriert. Dabei darf man durchaus fragen, wie viele Fanseelen Verein, Spieler und Trainer nach der Gladbachpleite verbal zum Fußballteufel gewünscht haben. Sicherlich deutlich mehr und durchaus noch schärfer in der Wortwahl.
Wer schreibt der bleibt – das Geschriebene auf der Pinnwand wird lange ein Dokument des Kampagnenresultats bleiben. Dennoch konnte der FC Bayern München rasch mehr als 21.500 neue Facebook Fans gewinnen. Und die Marke, die Institution hat mehr zu bieten als einen Social Media Auftritt. Zu viele attraktive Elemente hat dieser Club zu bieten, als dass ein nachhaltiger Schaden zurück bleiben könnte. So schnell wie nach dem nächsten Sieg die Fangesänge wieder durch die Allianz Arena hallen, so schnell wird auch diese Aktion wieder vergessen sein. Die Halbwertszeit im Sport ist traditionell sehr kurz. Gemessen an der realen Gesamtfananzahl, kann der FC Bayern München die paar Verärgerten durchaus verkraften. Uli Hoeneß hat hier auf Jahreshauptversammlungen schon mehr rot-weißes Porzellan zerbrochen. Am Ende heißt es dann doch wieder “mia san mia”, oder glaub jemand wirklich dass rote Fans in merklicher Anzahl nun plötzlich Sechziger werden?
Die Aktion hat zwei Dinge bewiesen. Zum einen funktionieren exklusive Inhalte sehr gut um Crowd Sourcing zu betreiben. Ob die Fans bei der Stange bleiben, hängt von der weiteren Contentstrategie ab. Zum anderen darf man Social Media aber auch nicht im Gesamtzusammenhang überschätzen. Es gab schon schlimmere Katastrophen bei deutschlands Premiumclub. Die verpasste Meisterschaft 2011 schmerzt deutlich länger und intensiv, als eine in die Hose gegangene Social Media Aktion.
Die Wahrheit liegt dann doch auf dem Platz und nicht im Netz.