Master dahamm oder Threepeat

2012-06-10 17.32.20

Wie seit Jahren üblich stand Hallensprecher Stego mit dem MVP der Finals auf dem, von Champagner verklebten Kampfrichtertisch und hielt dem bulligen US-Star das Mikro vor die Lippe, während er sich selbst als Suffleur versuchte. Dennoch klappte das “Humba” erstaunlich reibungslos und eine ganze Halle hüpfte und sang im roten Freudentaumel um den “Threepeat”, dem dritten Double aus Meisterschaft und Pokal in Folge.

Waaaaaaaaaaahhh!

Doch bis dahin war es ein hartes Stück Arbeit. Keiner hatte mehr einen Pfifferling auf die mit 0-2 angezählten Ulmer gesetzt. Es lag eine Stimmung von “Spaziergang zum Titel” über der Stadt. Spaziert sind aber erstmal die Spatzen aus Ulm – und zwar mit Dampf durch die Bamberger Zone zum Korb, so dass die meisten Freaks in der Arena erstmal nicht mehr aus dem Staunen herauskamen. Als dann auch noch Ulms US-Guard zum Swann´ensee Ballett antrat und bei seinen sage und schreibe 36 Punkte ganze achtmal von jenseits der Dreierline traf, waren viele gedanklich schon enttäuscht bei Spiel vier in Ulm am kommenden Donnerstag. Einige, nachdem sich Ulm von Spiel zu Spiel merklich gesteigert hat, sogar noch eine ganze Woche weiter, beim entscheidenden fünften Spiel in Bamberg. Angst machte sich breit, wie plötzlich die Ulmer die Brose Baskets in Grund und Boden spielten und die Bamberger Spieler mit ihrer ruppigen Gangart so frustrierte, dass P.J. Tucker kurz davor war komplett aus dem Spiel zu fliegen.
Jaaaaaaaaaaaa!

Was dann kam, kann mal wohl getrost unter der Floskel “Das Herz eines Champions” verbuchen. Ohne besagten, leicht reizbaren US-Star P.J Tucker, aber mit Altstar Peja Suput und dem unermüdlich rackernden Eigengewächs Karsten Tadda kämpfte sich der Meister wieder heran. Roberts verwandelt eiskalt von der Dreierlinie, eine knappe Minute vor Ende dann Kapitän Jacobsen ebenso aus der Distanz. Bamberg war nicht nur dran, sondern vorbei und Ulm fiel ohne den mit fünf Fouls auf der Bank schmorenden Spielmacher Per Günther keine Antwort mehr ein. Ein Alley-Opps Anspiel von Brian Robert auf Center Tibor Pleiß und das erfolgreiche Stören von Ulms letzter Chance besiegelte das Schicksal der Gäste. Das Spiel ist aus, das Spiel ist aus und die Stechert Arena versinkt in einem ohrenbetäubenden Lärmorkan. Die Anspannung weicht purer Freunde, die Spieler am Parkett und Wildfremde auf den Rängen liegen sind in den Armen, die Protagonisten in den schwarzen Leibchen sinken enttäuscht zu Boden.
Ära und Abschied

Heute, mit etwas Abstand, muss man den Hut vor dieser Mannschaft ziehen. Nie hat wohl eine basketballerisch bessere Truppe in Deutschland gespielt. In der Hauptrunde nur zwei Spiele nachlässig verloren und nach dem Hallo-Wach durch Bonn im ersten Play-Off-Spiel gegen starke Gegner nur noch von Sieg zu Sieg geeilt. P.J. Tucker war mit 18.4 Punkte und 7.4 Rebound pro Partie der überragende Einzelspieler in der Endrunde, aber es war ein Erfolg der ganzen Mannschaft um den ebenso groß aufspielenden und Kult-Bartträger Anton Gavel bis zum couragierten Auftritt von Karsten Tadda. Mit acht nationalen Titeln aus Champions Cup, Pokal und Meisterschaft in Serie gipfelt die unglaubliche Erfolgsstory von Trainer Chris Fleming. Niemand kann die Ära Bamberg mehr verleugnen.
Doch im Sommer stehen die Zeichen auf Umbruch. Center Tibor Pleiß steht vor dem Sprung in die NBA, Bayerns Uli Hoeneß ist heiß auf den furchterregendsten  Play-Off Bart Deutschlands und P.J Tucker, Brian Roberts und Marcus Slaughter jagen halb Europa, unter anderem solche Giganten wie Real Madrid.
Lasst Bilder sprechen

Eine wirklich tolle Bildergalerie gibt es auf der Website des bekannten Sportfotografen Duda zu sehen. Absolut empfehlenswert!