Monat: Juli 2012

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Grüß Gott, Herr Nachbar


Foto: Brose Baskets

Dass hier und da einmal ein neuer Nachbar in Bamberg einzieht ist imho nicht Besonderes. Neue Nachbarn können nett sein und zum Stelldichein-Bierchen laden, geheimnisvoll zurückhaltend oder durch laute Beischlafgeräusche und Schlagzeugübungsstunden nerven. Dass aber ein Nachbar in die Stechert Arena einzieht indess schon. Es ist ein durchaus bekannter Nachbar, der das Leibchen der Brose Baskets tragen wird,  einer der dem Parkett alle Freiheiten hat eine Menge Krach zu machen und für Unruhe zu sorgen soll, ohne dass es Streit und Zoff mit den Bambergern gibt.

Die Rede ist vom slowenischen Nationalspieler Bostjan Nachbar, der heute samt Einjahresvertrag in Bamberg vorgestellt wurde. Der 2.06 m große variabler Flügelspieler mit der immenser Erfahrung aus NBA und höchstem europäischen Niveau wird die Bamberger Legende Peja Suput beerben. Eine gute Wahl, einen athletischen Springer hätte man sich als Nachfolger des Schlitzohrs mit der herausragende Finesse auch kaum vorstellen können.

Die ganz großen Jahre hat Nachbar wohl hinter sich. Als Rotationspieler in Houston, New Orleans und New Jersey stehen nach sechs NBA-Saison im Schnitt 7.1 ppg und 2.6 Rebounds zu Buche. Für einen Europäer wurde er stets als sehr athletisch beschrieben, der seine Stärken von der Dreierlinie sowie im Fast-Break besitzt und zudem eine mehr als solide Verteidigung aufweisen kann. Attribute, die sich gut lesen, auch nach diversen Verletzungen, die sicherlich etwas von der Athletik weg genommen haben. Nach einer starken Saison beim Euroleague-Topteam Efes Pilsen Istanbul, folgte eine ordentliche Saison bei Dynamo Moskau und eine durchwachse im fernen Kazan. Doch Bamberg hat eine gewisse Historie, ein gewisses Umfeld, dass Spieler wieder zu alter Stärke treibt und wenn der Forward auch nur halbwegs an seine Leistung von vor zwei Jahren anknüpfen kann, ist er eine riesen Verstärkung für den nationalen Titelverteidiger.

Nachbar macht die Brose Baskets besser, größer, erfahrener und variantenreicher. Egal ob als Power Forward mit starkem Dreipunktewurf, der das Spiel weit macht oder als großer und physisch starker Small Foward, Match-Up Probleme für den Gegner und Missmatches sind vorprogrammiert. Eine weitere starke Verpflichtung für die Beko BBL, die in diesem Sommer für Furore sorgt und vor ein oder zwei Jahren hätte noch niemand im Traum als solche Kaliber gedacht.

Bamberg zieht also nach im Wettrüsten. Ein weiterer Mosaikstein muss nach dem schweren Verlust von Brian Roberts noch gefunden werden. Weiterhin unbesetzt sind noch zwei Frontcourt-Positionen. Dort wird mit athletischen Spielern gerechnet, wobei viele Bamberger von der Rückkehr von Boniface N´Dong träumen. Angesichts des beiderseitigen Interesses von ihm sowie dem FC Barcelona zur weiteren Zusammenarbeit und dem abgelaufenen Zweijahresvertrag, der mit 3,2 Mio. Dollar (oder waren das Euro?) dotiert war, wird es wohl beim Wunschtraum bleiben.

Aktueller Kader:

PG: John Goldsberry | Combo Guard | Daniel Schmidt
SG: Anton Gavel | Karsten Tadda
SF: Casey Jacobsen
PF: Power Forward | Bostjan Nachbar | Johannes Richter
CE: Center | Maik Zirbes | Philipp Neumann
Willkommen neuer Nachbar!

Euer Kosmonaut

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I declare open the games…


Viel Spaß schien Queen Elizabeth an Abend der Eröffnungsfeier nicht zu haben, zumindest wenn man nach ihrem Gesichtsausdruck urteilen mag. Vielleicht war es die vorgerückte Stünde, vielleicht das Fehlen ihrer Palasthunde, der Sprung aus dem Heli mit Daniel Craig oder das laute Rock und Pop Spektakel, dass mit der traditionellen Garden Party im Buckingham Palace nicht viel gemeinsam hatte. Spaß hatte aber wohl der Rest der Welt an dieser grandiosen Eröffnungsfeier. Bunt, laut, rockig, cool, geil! Kein Vergleich zu dem steifen und langweiligen Zeremoniell in Peking vor vier Jahren. Gebannt blieb man am Fernseher kleben und staunte Minute für Minute über die atemberaubende Choreografie, die witzigen Ideen und den latent vorhandene Britischen Humor. Well Done!

> ZDF Mediathek: Sehenswerter Kurzfilm 007 holt die Queen ab und bringt sie ins Station.

> SZ Fotoblog zur Eröffnungsfeier mit klasse Bilder.

Die Olympischen Ringe wurden geschmiedet, 007 stürzt sich mit der Queen aus dem Heli ins Olympiastadion hinaus, echte Tiere, Mr. Bean am Keyboard, geile Mucke von Prodigy bis zum Schlussakkord von Paul McCartney als die ganze Welt “hey Jude” zu singen schien.  Die Wohl beeindruckendste Show in der modernen Menschheitsgeschichte haben die Briten gestern abgeliefert und es hat riesen Spaß gemacht das heitere Treiben zu verfolgen. Es stellt sich nur die Frage, wo war Borat in seinem grünen Einteiler?

In Bezug auf Bekleidung wurde beim Einmarsch der Nationen einiges geboten. Deutschlands sportliche Ausgehuniformen bleiben gewöhnungsbedürftig, erinnern sie doch durchaus an Papers boys & girls mit dem blauen und rosa Plastiklook. Schlimmer trat das britische Olympiateam ins Rund, ein Mix aus Amorkostüm ohne Flügel, 80iger Jahre Tennis-Chiq und römischen Toga-Look. Da waren die Royals oben auf der Ehrentribüne doch um einiges eleganter und stilvoller gekleidet, allen voran die Queen. Ebenso modisch ganz groß für mich der Auftritt von David Beckham, als wohl bestangezogenster Skipper der See-(Fluß)fahrtsgeschichte und die Olympioniken aus Indien mit ihren kräfigen gelben Turbans.

Leryn Franco

Hübsch anzusehen waren aber nicht nur die Stoffe, sondern auch in die Inhalte, die damit verpackt wurden. Italien hat sich als die Nation präsentiert, die in der Summe die hübschesten Athletinnen besitzt. Neben auffällig vielen gut aussehenden Kampfsportfrauen kam die Miss Fahnenträgerin London 2012 eindeutig aus Paraguay: Leryn Franco. Bildhübsch und zielsicher beim Speerwurf. Deren Name steht sicherlich auf einigen der 150.000 Kondome, die es nach Berichten im Olympischen Dorf für die W(B)ettkämpfe geben soll.

Let the games begin – auf dem Parkett, dem Rasen und in den Laken!

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Rückkehr eines Helden


Der Held ist zurück! Johns Goldsberry ist quasi der “Altzugang” bei den Brose Baskets für die kommende Saison. Der Spieler, der wie kein zweiter, fernab jeglicher statistischer Werte, ein Spiel bestimmen und diktieren konnte. Wenig Punkte, wenig Assists, wenig Rebound auf einen mördermäßigen +/- Wert, alleine durch seine Präsenz und die Ausübung seiner Leitungs- und Lenkungsfunktion aus dem Parkett. Ein Stratege aller erste Güte mit besten Quarterbackqualitäten.

Eine komplette Saison fehlte der Goldjunge, dessen legendärer Dreier Berlin im 5. Finale anno 2011, nur zum Vizemeister machte und ganz Bamberg in den Freudentaumel entließ. Ein Beißer, ein Kämpfer, ein Bamberger, ein Held! Genau diese Tugenden wird er jetzt auch an den Tag legen müssen, um wieder auf sein Niveau vor der Verletzung zu kommen. Doch alleine schon die Präsenz des Spielmachers im täglichen Training und auf dem Beko BBL- und Euroleague-Parkett wird dem Team, nach dem großen Umbruch Stabilität und Sicherheit geben.

Willkommen zurück, Du Goldstück!

Dein Kosmonaut!

Foto: thegoldsberrysabroad.blogspot.com

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BBL-Ausblick: FC Bayern München


Neuzugang Lawrence Roberts (Foto: Christoph Gramann)

Neuzugang Lawrence Roberts (Foto: Christoph Gramann)

Die neue Beko BBL Saison steht noch nicht in den Startlöchern, aber schon haben einige Clubs ihren Kader für die kommenden Aufgaben fertig zusammen gestellt. In meiner Serie „O´jumpt is“ möchte ich meine Titelkandidaten vorstellen und meine Einschätzung zum Shopping-Erlebnis der Clubs.
Den Anfang mach ein relativer Neuling, aber einer der ganzen großen Sportclubs und Sportkonzerne der Welt: FC Bayern München

Neuzugänge: Lawrence Roberts (C), Yotam Halperin (G), Tyreese Rice (G)

Die Roten aus München haben sich sehr überlegt und hochklassig im Transfermarkt bewegt. Zuerst wurden die beiden Insidespieler Chevon Troutman und Jared Homan verlängert, danach drei Spieler auf Europalige-Niveau verpflichtet. Insiderkreisen zufolge soll Forward/Center Lawrence Roberts dabei zum Topverdienter der Beko BBL aufgestiegen sein. Da fallen die Entleihungen der Nationalspieler Basti Doreth und Philipp Schwethelm nur wenig ins Gewicht. Cheftrainer Bauermann ist seit jeher für seinen Hang zum kontrollierten Passpiel bekannt, die Neuzugänge erfüllte allesamt positionsabhängig dieses Kriterium und werden in der Lage sein ein effektives Inside-Out-Spiel aufzuziehen.

Backcourt: Steffen Hamann, Tyreese Rice, Je´Kel Foster, Demond Greene, Yotam Halperpin, Robin Benzig, Mauricio Marin

Die beiden US-Guards Rice und Foster haben bereits bewiesen, dass sie zur Bel-Etage der Scorer in Deutschland gehören, auch im restlichen Europa konnten sich durchweg auf hohem Level überzeugen. Da passt Führungsspieler Hamann perfekt als großer und robuster Spielmacher daneben, die Nibelungentreue zwischen dem Cheftrainer und seinem verlängertem Arm auf dem Feld wird sicherlich weiter bestand haben. Mit Halperin wird der Backcourt sehr variablel. Der Israel kann vom Spielmacher bis zum kleinen Flügel alles auf hohem Niveau spielen und überzeugte stets mit einer sehr guten Assistquote. Während der lange Nationalspieler Benzig fest im Konzept verankert ist, bleibt für Greene im Winter seiner Karriere, bei dieser Konkurrenz, wohl nur noch eine Statistenrolle übrig.

Bewertung: 8/10 Punkten

Frontcourt: Lawrence Roberts, Chevon Troutman, Jared Homan, Aleksander Nadjfeji, Jan-Hendrik Jagla, Bogdan Radoslavjlevic

Was im AudiDome in der Zone steht, dass kommt schon einem RS8 gleich. Mehr geht fast nicht. Troutman und Homan haben nach ihrer Eingewöhnungszeit perfekt zueinander gefunden und bereits vergangene Saison eines der besten Frontcourt-Duos der Liga gebildet. Für Animateur Hall wurde der athletische Power-Spieler Roberts verpflichtet, der sowohl als Power Forward wie auch als Center für Furore sorgen kann und in seiner Spielweise an den ehemaligen Bamberger Marcus Slaughter erinnert. Der neue DBB-Kapitän kommt zwar auch einer eher mäßigen Saison, ist aber immerhin ein Premiumspieler auf dieser Position mit deutschem Pass und immer wieder für eine gute Partie gut. Nadfeji wird wahrscheinlich der siebte Ausländer werden und nur im Verletzungsfall zum Zug kommen, Toptalent Radoslavjlevic bekam zuletzt in aller Öffentlichkeit die Leviten gelesen härter an sich zu arbeiten.

Bewertung: 9/10 Punkte
Insgesamt ist die Truppe von Dirk Bauermann ein der Topanwärten auf die nationalen Titel. Um diesen Schuh kommen die Dribbler aus der Landeshauptstadt nicht mehr rum. Mit einem Jahr Beko BBL Erfahrung im Rücken sowie den prominenten und sinnvollen Ergänzungen wird man souveräner agieren und keine eklatante Auswärtsschwäche mehr zeigen. Man darf gespannt sein, ob Bauermann die vorhandene Qualität bei den Aufbauspielern nutzt, um das Tempo noch mehr zu variieren, als er das zuletzt durch Hamann und Wallace zugelassen hat.

Euer Kosmonaut

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Bummbum bumbummberumbumm bumm bumm


Ich gebe es frank und frei zu: Dank eines mittleren Planungsgaus der Verantwortlichen, die Sambafest und Bamberg zaubert auf das gleiche Wochenende gelebt haben, habe ich Bamberg den Rücken gekehrt und bin ab nach Coburg gedüst. Frei nach dem Motto: Bummbum bumbummberumbumm bumm bumm und Sambatänzerinnen stechen Zisch, Peng und Klaus Stieringer (Sorry, Klaus – Sonntag bin ich dabei).

Es ist immer wieder beeindrucken, wenn sich schon beim Hineinlaufen dieser Trommelorkan aus dem Lärm von zig Sambagruppen aus aller Welt zu einem Geräusch vereint, dem man nur folgen muss, bis man schließlich in der wunderschönen Innenstadt zwischen Markt- uns Schlossplatz das Weltzentrum des Samba außerhalb Brasilien erreicht hat. Neben den organisierten “Krachmachern”, die auf den vielen Bühnen und in den beschaulichen Gässchen der Innenstadt bis zur Extase zucken, gibt es allenorts jede Menge pseudobrasilianischen Kitsch, lecker duftende Kulinarangebote und natürlich jede Menge Caipi-Bars. Wer zudem dazu neigt, einen herrlichen Nachbarschaftsstreit vom Zaun zu brechen, dem sei zum Erwerb einer Sambatrommel nebst Schlagwerkzeug an einem der vielen Händlerstände geraten.

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Man hat Spaß in Coburg, sowohl die Sambistas auf den Bühnen, die trommeln und singen sowie auch die vielen Besucher jeglichen Alters, bis hin zu Greisen, die ihre künstlichen Hüften zu den Rhythmen schwingen lassen. Durchaus eleganter bewerkstelligen die unzähligen Sambatänzerinnen in ihren bunten, traumhaft schönen Kostümen die Hüftwackelei. Der gemeine Mitteleuropäer muss sich hier fast zwangsläufig die Frage stellen, welche paar Pomuskeln die brasilianische Rasse mehr ihr eigen nennen oder ob findige Chirurgen in Hinterhofpraxen der Favelas, den Schönheiten aus Rio bereits in jungen Jahren Althandys mit Vibrationsakku in die beiden Pobacken einbauen, die auf Knopfdruck vom Sambagruppenleiter gesteuert werden. Den Männern gefällt’s und auch die Frauen legen kaum Popo-Neid an den Tag, sondern sind in immer wachsender Anzahl mit Hüftwackeltüchern samt Klimperzeug zu sichten und das in jeder Hinterngröße von XS bis XXXXL. So sieht dann friedliche Co(burg)-Existenz zwischen Mann und Frau aus.

Es geht ja auch durchaus romantisch zu, wenn die Sonne über Ehrenburg und Landestheater untergeht und die Nacht aufzieht. Wenn der Caipi schmeckt, die Sambamusik in die Ohren fließt und die bunten Lichteffekte von den Bühnen Teelichtschein ersetzen. Dann kommt man so langsam in Stimmung und fügt sich zwangsläufig in den Rhythmus ein, ohne dass man sich dagegen wehren kann und geht voll und ganz in der wunderschönen Sambawelt auf. Man vergisst, dass man “nur” in einem beschaulichen Städtchen in der oberfränkischen Provinz – von Brose und HUK gesprägt – ist, sondern wähnt sich im lockeren Lebensgefühl zwischen Zuckerhut und Copacabana.

In diesem Sinne, mit meinem Ohrwurm: Bummbum bumbummberumbumm bumm bumm…!