BBL-Ausblick: S.Oliver Baskets Würzburg


Die S.Oliver Baskets Würzburg mögen für manch einen befremdlich in der Liste der Beko BBL Meisterschaftsfavoriten klingen, jedoch haben sie für mich mehr denn je den Status des Überraschungsteams der Liga, welches eine ganz große Saison spielen könnte. Nach der Posse um Cheftrainer John Patrick haben die Unterfranken vor allem mit guter und wohlüberlegter Personalpolitik wieder positive Schlagzeilen gemacht. Für viele sind die Artland Dragons bisher Gewinner bei den Verpflichtungen in Rahmen der spezifischen Möglichkeiten, ich sehe diese Auszeichnung in Würzburg. Nach dem Überraschungscoup gegen ALBA Berlin und dem Einzug ins Halbfinale, muss der letzjährige Aufsteiger im Oberhaus beweisen, dass dieser Erfolg keine Eintagsfliege war, sondern der Auftakt zu einer positive Entwicklung, an deren Ende die neue große Arena steht.

Neuzugänge: Chris McNaughton (C), Jimmy McKinney (F), Maurice Stuckey (G) Dwayne Anderson (F), Lamont McIntosh (G)

 

Sämtliche Neuverpflichtungen haben bereits eine gewisse Karriere in Deutschlands höchster Spielklasse hinter sich, das minimiert die Chance auf negative Überraschungen. Zudem hatten alle Spieler, bis auf Mo Stuckey, jeweils tragende Rollen bei ihren erfolgreichen Team inne. Werden die Abgänge gegenüber gestellt, dann muss mal für jede Position ein (deutliches) Upgrade zum vorherigen Akteur attestieren.

Backcourt: Ben Jacobsen, John Little, Lamont McIntosh, Maurice Stuckey, Christoph Henneberger, Jimmy McKinney, Alex King.

Über das Duo Jacobsen & Little muss man nicht mehr viel schreiben, die beiden Spieler harmonieren einfach perfekt und sind über Jahre hinweg die Agressive Leader ihrer Teams, wobei vor allem Little einem Mark van Bommel kaum nachsteht und gerne auch mal den Bad Guy spielt, der nicht nur dahin geht wo es weh tut, sondern auch dem Gegner weh tut. Ein Helmanis in Kleinformat. McIntosh hat bereits drei erfolgreiche Jahre im Artland sein Können aufblitzen lassen, als variabler Comboguard ist er wohl von draußen gefährlich sowie auch beim Zug zum Korb. Stuckey kommt als Leihgabe aus Bamberg, quasi Hilfe unter Nachbarn. Bleibt der talentierte Comboguard endlich einmal gesund, wir er nicht nur der Deutschenquote von Würzburg helfen sondern mit seiner unerschrockenen Spielweise auch ihrem Spiel. Henneberger bleibt die angenehme Rolle als Local Hero.

Durchaus als Coup darf man die Verpflichtung des verlässlichen McKinney vom Nachbarn der anderen Richtung aus Frankfurt bezeichnen. Ein Spieler, der sich stetig weiter entwickeln konnte und mittlerweile auf gehobenen BBL Niveau angekommen ist. Seine hervorragende Verteidigung gepaart mit einem gefährlichen Wurf aus der Distanz sind eine echte Waffe auf dem Flügel. King darf dort die Rolle des Mannes mit Spezialaufgaben einnehmen, wenn Einsatz und Kampf gefragt sind, da beim restlichen Personal damit zu rechnen ist, dass Würzburg auch öfters eine gepflegte Three-Guard-Offence aufs Parkett legt.

Bewertung: 6,5/10

Frontcourt: Dwayne Anderson, Maxi Kleber, Oliver Clay, Chris McNaughton, Jason Boone

Der ehemalige Göttinger Assistenztrainer Schöder setzt auch hier auf bewährte Kräfte, angereichert mit einer Schuß Jugend und Talent. Mit Anderson kommt eine klare Verstärkung zu Elliott. Der agile Flügelspieler überzeugte bei alle seinen Stationen mit hervorragenden Punkt- und Reboundwerten und passt perfekt in die athetische Spielerweise der Beko BBL. Mit ihm hat Würzburg einen ständigen Unruheherd auf dem großen Flügel. Dahinter darf sich mit Kleber das Toptalent Deutschlands auf dieser Position entwickelt. Nach diversen klasse Auftritten im vergangenen Jahr erwarten alle einen weiteren Sprung nach vorne und es scheint so, also würde er in Wurzburg hier die passende Plattform vorfinden.

Am Brett räumt der bullige Boone weiterhin ab. Erstaunlich wie gut sich der US-Center seit seinem ersten Auftritt vor ein paar Jahren in Göttingen entwickelt hat. Diese Kraft und Athletik sind in der Zone kaum zu überwinden. Sein Partner ist in McNaughton einer der besten langen Deutschen. Eine starke Verpflichtung, nicht nur wegen der 6/6-Quote, auch weil der lange Mann aus der Nürnberger Region wirklich spielen kann und für etliche Punkten und Rebounds am Brett sorgen wird. Beide bilden eines der besseren Centerduos in der Liga und kompensieren die Schwächen gegenseitig. Clay wird hier das nachsehen haben und wohl kaum über die Rolle des Backdrückers hinaus kommen. Groß weiter entwickeln wird sich der Berliner nicht mehr und die Förderungspriorität liegt jetzt sicherlich bei Stuckey und Kleber.

Bewertung: 6,5/10

Eine mehr als solide Mannschaft, welche die S.Oliver Baskets hier ins Rennen schicken. Für einen kürzlichen Aufsteiger, der aber auch Halbfinalist war sogar eine wirklich gute Truppe. Vor allem scheint die Mannschaft mit Bedacht zusammen gestellt. Viele Bausteine haben bereits in Göttingen perfekt harmoniert, McIntosh und McKinney waren viele Jahre hochgelobte Charaktere bei ihren jeweiligen Club, die eine neue Qualität an den Main bringen. Die sechs Deutschen sind interessant, vom etablierten Center auf Nationalmannschaftsniveau, über Toptalente die sich beweisen wollen bis hin zu perfekten Rollenspielern. Mit ein wenig Fortune darf man in Unterfranken durchaus mit einem ähnlich erfolgreichen Ausgang der Saison rechnen, auch wenn die Etablierten in der Sommerpause alles tun um verloren gegangenes Terrain wieder zurück erobern.