US-Trio sagt “hello”, einer “do videnia!”


Es scheint als würden Bambergs Macher beim Spielerkader rasch Nägel mit Köpfen machen wollen. Nachdem bereits mit Daniel Theis ein echter Coup gelungen war, gesellten sich in den vergangenen Tage gleich drei hochklassige US-Spieler hinzu: Power Forward Josh Duncan (Hapoel Jerusalem), Spielmacher Brad Wanamaker (Giorgio Tesi Pistoia) und Swingman Ryan Thompson (Telenet Oostende).

Maj sa dobre, Tono!

Bei aller Euphorie heißt es aber auch Abschied nehmen vom bisherigen DNA-Spieler und dem riesigen Herz der Brose Baskets. Anton Gavel verlässt Bamberg definitiv und möchte sich einer neuen Herausforderung stellen. Diese kann an der Isar liegen, jedoch gibt es wohl auch weitere potente Interessenten aus der Euroleague. Bamberg hat Anton Gavel viel zu verdanken, aber auch anders herum wird ein (Basketball-)Schuh draus. Nach einigen Wanderjahren als Rollenspieler durch die südeuropäischen Ligen, gelang Bamberg mit seiner Verpflichtung aus der Slowakischen Liga ein echter “Home Run”. Sieben nationale Titel fallen in die Gavel´sche Ära und der gebürtige Slowake hat sich von einem durchaus talentierten, aber nicht sonderlich herausragenden Akteur zu einem echten Spitzenspieler und “Spielermarke” gemausert. Nach so viel Erreichtem und den Jahren in der fränkischen Provinz, sei es ihm gegönnt noch einmal etwas anderes in seinem Sportlerleben zu erleben. Bamberg ist ihm in jedem Fall zu großem Dank verpflichtet, auch wenn es wieder Fans geben wird, die dies nun anders sehen. Denen ist aber eh nicht zu helfen. Maj sa dobre, Tono!

 

Die Neuen

Blicken wir aber nun voraus auf die drei neuen US-Amerikaner und das der Position auf dem Feld nach.

Der Spielmacher

Der erste im Bunde wäre somit Brad Wanamaker. Er war einer der Topspieler in der ersten Italienischen Liga und ist mit seinem Team erst im fünften Spiel am späteren Meister aus Mailand gescheitert.

Giorgio Tesi Pistoia (Lega A / ITA)
16.2 ppg | 2.9 rpg | 4.7 apg | 44 % 3er-Quote

Er ist Bambergs neuer Spielmacher Nr. 1 und bring viele mit, was man sich schon von Zack Wright versprochen hat. Gemeinhin gilt er als Playmaker mit ausgezeichnetem Pick and Roll-Verständnis und einem guten Zug zum Korb. Zwar ist er kein ausgewiesener Distanzwerfer, aber dafür mit guter Wurfauswahl und guter Quote. Dazu sind 1.93 m geradezu Gardemaß für die “Eins”, gepaart mit seiner Athletik sollte uns diese Physis vorne wie hinten etwas zählbaren geben. Wanamaker ist sicherlich noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Mit 24 Jahren ist er immer noch ein sehr junger Spieler, der aber bereits vier Jahre in guten europäischen Ligen hinter sich hat. Dabei war die abgelaufene Saison sein großer Durchbruch. Eine gute Basis, um in Bamberg den nächsten Schritt zu machen und eine erfolgreiche europäisch aktive Mannschaft zu führen.

Spielerseite Wanamaker von Pistoia mit Fotos und Videos

 

Der variable Forward

Die offizielle Bestätigung von Clubseite steht zwar noch aus, aber sowohl der Agent wie auch Ryan Thompson selbst bestätigen den Wechsel. Auf diesen Spieler bin ich erstmal bei den Live-Spielen zu Euroleague-Quali gestoßen. Dort hat es Oostende überraschend bis ins Endspiel geschafft und der US-Spieler war der überragende Akteur. Damals hatte ich mich gefragt, was ist das für ein Spieler? Er schien alle Positionen zu spielen. Mal Ballvorträger und Spielmacherersatz, mal Dreierschütze, mal Scorer in der Zone, mal Rebounder. Das komplette Paket hat er damals gezeigt und ein “Whow” bei mir erzeugt. Ähnliches erwartet man von keinen Bruder des NBA-Profis Jason Thompson.  Alles gut zu können, verhinderte wohl bisher eine NBA-Karriere, ist aber die beste Voraussetzung um in Europa ein dominanter Spieler zu werden. Dominant war seine Saison aus in Oostende, wo er neben der Fast-Euroleagueteilnahme auch den Pokal und die Meisterschaft feiern konnte.

Telnet Oostende (Ethias League / BEL)
16.3 ppg | 2.8 rpg | 2.2 apg | 43 % 3er-Quote

Der Rider-Absolvent spielt auf den Positionen Shooting Guard und Small Forward und erinnert nicht nur von seiner Physis her an den großen Michael Jordan: 1.98 m und 100 kg. Mit diesen Anlagen könnte er insgesamt etwas besser rebounden, aber es sind genug  anderen Anlagen vorhanden, die ihn zu einem echte “Steal” machen könnten. Er hat ein schier unerschöpfliches Arsenal zu Punkten: Einen sicherer Dreier, ein gutes Midrange-Game, Cleverness und Power sich am Brett durchzusetzen (er bringt gerne seinen Körper zwischen Gegner und Ball) und ein guter Werfer von der Freiwurflinie. Genug, um die gegnerischen Verteidigungsreihen zu vermehrten Aspirinkonsum zu nötigen. Er kann in Bamberg den ganz großen Durchbruch schaffen, wie bereits einige Amerikaner vor ihm. Ich traue ihm zu, dass er die Zuschauer von den Hockern der Brose Arena reißt, wenn diese bis Saisonbeginn nach dem Qualitätsdesaster wieder funktionsfähig sind.

 

Der Große mit dem großen Name

Duncan, als Tim einer der All-NBA-Greatest, als Josh der neue Power Forward der Brose Basket mit der Option zum schnellen Center.  Beim isrealischen Top Club war der Xavier-Absolvent im Eurocup Topscorer, in einer Mannschaft die mit vielen weiteren Starts gespickt war: Yotam Halperin, Lior Elyahu, Ronand Dupree, Derwin Kitchen, Bracey Wright.

Hapoel Migdal Jerusalem (Winner Super League / ISR)
15.0 ppg | 6.7 rpg | 1.0 apg | 47 % 3er-Quote

Der Amerikaner ist einer hervorragender Pick-an-Pop Spieler. Als Vierer oder Fünfer versenkte er einen Dreier pro Partie im Korb des Gegners, dazu ist er brandgefährlich mit seinem Mitteldistanzwurf, ein klassischer Back-to-the-Basket-Typ ist er also nicht. Die Kombi Wanamaker-Duncan kann man sich also bereits gut in der Funktionsweise vorstellen. Seine eher durchschnittliche Sprungkraft hindert Duncan jedoch nicht daran genug Wege zu finden, um sich auch am Brett durchzusetzen. Seine große Stärke ist auf jeden Fall der Wurf, seit 2011 lagen seine Dreierquoten nie unter 41 % und seine Freiwurfquote nie unter 84 %. Pest oder Cholera also für den Gegenspiel, wenn es darum geht Duncan werfen zu lassen oder zu faulen.

 

Was heißen die beiden neuen nun also für den Rest der Wackelkandidaten im Kader. Jamar Smith als Comboguard mit überragenden Wurf, Rakim Sanders als talentierter “Tweener” und Maik Zirbes als klassischer Brettcenter würden durchaus gut zum Rest passen. Nimmt man die Wackelkandidaten (egal ob Vertrag, Option oder sonst etwas) mal außer Acht, benötigt Bamberg wohl noch einen Spielmacher von der Bank, einen Comboguard, einen Flügelspieler und zwei Center. Dabei wären noch drei Plätze an Ausländer zu vergeben, zwei müssten Inländer sein. Durch den neuen isrealischen Pass wird ein Verbleib von “Fingerzeiger” D’or Fischer unwahrscheinlicher. Nach seiner guten letzten Saison ist eher davon auszugehen, dass er sich den Pass, passend zum Vornamen, vergolden lässt und in einer südeuropäischen Liga anheuert, wo die Ausländerregelung diesen speziell honoriert.

 

Bisheriger Kader (mit Vertrag oder Option)

Brad Wanamaker | Pos. 1 | USA
Jamar Smith | Pos. 1/2 | USA
Karsten Tadda | Pos. 2/3 | D
Ryan Thompson | Pos. 2/3 | USA
Rakim Sanders | Pos. 3/4 | USA
Elias Harris | Pos. 3/4 | USA
Johannes Thiemann | Pos. 4 | D
Daniel Theis | Pos. 4/5 | D
Josh Duncan | Pos. 4/5 | USA
Maik Zirbes | Pos. 5 |D

Andrea Trinchieri | HC | ITA

 

 

Andiamo Brose Baskets!


Die Lage unter Bambergs Basketballfans hat sich wieder merklich beruhigt. Das liegt vor allem am neuen Chefcoach der Brose Baskets, Andrea Trinchieri. Der Italiener hinterlässt mit seiner eigenen Art bisher einen hervorragende Eindruck und es fällt jedem Basketballinteressieren schwer, sich der Aura des ehemaligen Kazan-Trainers zu entziehen.

In seinem ersten großen Interview mit Spox.com wurde deutlich, dass Trinchieri eine durchaus interessante  und intelligente Sicht auf die Liga hat. So das Zeug zum Kulttrainer könnte man ihm attestieren, wenn man den Vergleich von Jan Pommer mit Steve Jobs oder die Aussagen, dass die Bayern nerven, sieht. Auf jeden Fall bringt er eine neue, souverän-interlektuelle Qualität in die Außendarstellung der sportlichen Führung.

Bevor sich jemand langweilt, warne ich jeden vor: Ich werde im Interview häufig ein Wort aus dem Englischen nutzen, um die Entscheidung zu erklären. Es lautet: “sustainability”. Die BBL ist die nachhaltigste, stabilste und zukunftsfähigste Liga außerhalb der NBA. – Andrea Trinchieri

Spox.com Interview mit Andrea Trinchieri

Altlasten will das Sportmanagement dem neuen Majestro an der Seitenlinie keine hinterlassen und das ist auch gut so. Deshalb war es nur konsequent die Optionen bei Jared Jordan und Sharrod Ford nicht wahr zu nehmen. Ein nahezu unbesetzer Kader ermöglicht eine Mannschaft nach dem Gusto von Trinchieri.

 

Freie Hand

Aus dem letztjährigen Stammkader haben nur Elias Harris, Jamar Smith und Rakim Sanders einen Vertrag für die kommen Saison, auch bei Center Maik Zirbes gibt es wohl irgendeine Vertragsoption auf der einen oder anderen Seite. Wobei davon auszugehen ist, dass die beiden, im vergangenen Jahr teils enttäuschenden, Amerikaner abgegeben werden sollen. Bleiben hingegen wird Karsten Tadda und das bis 2016. Trinchieri hat keinen Heel daraus gemacht, den Gundelsheimer unbedingt behalten zu wollen, weil er dessen Spielweise schätze und ihn als große Integrations- und Identifikationsfigur sieht.

Den zuletzt gescholtenen Tadda, Harris und wohl auch Zirbes, wird ein gewisser Neuanfang gut tun. Vor allem die beiden Insidespieler würden sicherlich profitieren, wenn sich das Spieler der Bamberger wieder etwas ausgeglichener zwischen Inside-Outside-Game gestaltet.

Dass dies möglich erscheint, zeigt die erste Neuverpflichtung. Mit Daniel Theis aus Ulm wird sich ein weiterer Nationalspieler zu den bewährten Kräften gesellen. Der 23-jährige Forward gilt als der kommende deutsche Spieler in der Liga. Mit seiner Verpflichtung haben die Brose Basket in der Szene ein echtes Ausrufezeichen gesetzt, auch wenn sich Ulm Manager öffentlich über ein unverschämt hohen Angebot spricht. Pleiß und Theis reimt sich nicht nur hervorragend, sondern werden die kommenden zehn Jahre den Frontcourt der deutschen Nationalmannschaft dominieren. Der gebürtige Salzgitterer bleibt bis mindestens 2016 und ist einer der Köpfe, um die Trinchieri eine nachhaltig erfolgreiche Mannschaft bauen will.

Statistiken Daniel Theis (ratiopharm Ulm 2013/14)
9.7 ppg | 6.2 rpg | 1.3 bpg in 21 Min.

 

Geht Gavel, kommt Duncan?

Zwar dementieren bisher alle Parteien vehement, dass eine Entscheidung in der Causa Anton Gavel gefallen ist, ein Abschied liegt momentan jedoch irgendwie näher als ein Verbleib. Angeblich bezahlt der FC Bayern München dem Deutsch-Slowaken 1.2 Mio. US-$ für zwei Jahre (Quelle: sportando.net). Bis Ende des Monats sollte eine Entscheidung auch öffentlich werden, um den Investitionsstau aufzulösen.

Einige amerikanische Topspieler aus europäischen Ligen werden momentan mit Bamberg in Verbindung gebracht. Zwar gab Trinchieri im Spox.com Interview bekannt, dass ihn der FC Bayern München nerve, weil sich bei jeder Spielerverpflichtung störend aktiv würden, aber bei den gehandelten Namen ist die Konkurrenz groß und sogar noch größer als die von der Isar.

Sehr weit fortgeschritten scheinen die Bemühungen um den variablen US-Power Forward Josh Duncan vom israelischen Top-Club Hapoel Jerusalem zu sein. Laut Sportando.net wird der 2.03 m Athlet einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Zuletzt soll auch Euroleague-Sieger Maccabi Tel Aviv Interesse gezeigt haben. Er gilt als sehr konstanter Spieler mit gutem Gefühl für das Spiel, der immer eine erwartbare Leistung abruft. Zudem ist er ein guter Schütze aus allen Distanzen, bis hinaus zur Dreierlinie, was vor allem bei “Pick and Pop”-Situationen zur Geltung kommt.

Statistiken Josh Duncan (Hapoel TA 2013/14)
14.9 ppg | 6.7 rpg | 47% 3er in 26 min.

Eher unwahrscheinlich wird damit die Verpflichtung von Ex-Cantu Spieler Marty Leeunen, den Trinchieri bereits dort mehrere Jahre in seinem Team hatte und als echter Glue-Guy gilt mit hohem Basketball-IQ gilt. Mit Harris, Theis und eben Duncan wäre die Position bereits sehr stark besetzt. Ein anderer gehandelter Name ist Carlon Brown, ein Statistik-füllender (19,6 Punkte, 4,6 Rebounds und 4,5 Assists) Shooting Guard von Hapoel Tel Aviv. Aktuell ist aber wohl Olympiakos Piräus das Team, mit den größten Chancen auf den Amerikaner.

 

Der Kader

Elias Harris / 2.03 m / PF / D
Karsten Tadda / 1.92 / SG / D
Daniel Theis / 2.04 m / PF / D
Josh Duncan / 2.03 m / F / USA (?)

Maik Zirbes / 2.08 m / C / D (?)
Rakim Sanders / 1.96 m / F / USA (?)
Jamar Smith / 1.91 m / G / USA (?)

Es wird ein spannender Sommer in Bamberg. Ich selbst freue mich wie ein kleines Kind auf den neuen Zyklus und welche Spieler der Eurocup-Trainer des Jahres nach Bamberg lotsen kann. Zu hohe Erwartung sollte man jedoch nicht haben, wie hatte er doch betont,  dass in Kazan 90 % des Etats in die Spieler wanderte, in Bamberg seien es nur circa 50 %. Doch ihm liegt dieses nachhaltige Haushalten in die Investition als Programm in Infrastruktur und Nachwuchs mehr am Herzen als nur große Namen zu coachen.

Mit dem BMW i3 auf Testfahrt


Elektrisch durch den Stadtverkehr könnte die Zukunft der Mobilität sein. Ich habe das Szenario bereits einmal mit dem brandneuen BMW i3 testen können. Dabei war das, oft kritisierte, Fahrgefühl durchaus vielversprechend und auch das fehlende Motorengeräusch war eher angenehm als irritierend. Das leichte Surren erinnerte sogar ein wenig an Science Fiction. Besonderd beeindrucken ist die Beschleunigung an den Ampeln. Ein kurzes Antippen des Gaspedals und innerhalb weniger Sekunden ist das Auto bei 70 bis 80 km/h, während die Verkehrsteilnehmer hinter einem, noch bei der Gangsuche sind. Das geht richtig ab, ähnlich wie bei einer Achterbahn. Zu meiner Verteidigung muss ich anbringen, dass ich extra auf Landstraßen mit Ampeln in der 100er-Zone ausgewichen bin um die Beschleunigung zu testen. Ebenso beeindruckend ist die Durchzugskraft des Elektroautos auf 120 bis 130 km/h – bei 152 km/h Spitze ist übrigens Ende.

Aufmerksamkeitserreger mit praktischen Mängeln

Ein Hingucker war das Vehikel allemal. Während sich nach einem Porsche 911 heute niemand mehr umdreht, hatte ich im i3 durchaus Aufmerksamkeit und die Gelegenheit zu Small Talk. Cool ist dabei auch der Innenraum mit großen Displays und extrem leichten Materialien, die aber manchmal nicht ganz so hochwertig wirken wie ein hochwertiges Wurzelholzdekor. Auch die fehlende B-Säule und die somit umgekehrt zu öffnenden Türen im Fond sind ein netter Gag, jedoch unpraktisch, weil sich die hinteren Insassen nur sehr beschwerlich selbst aus dem modernen Fahrzeug befreien können. Auch eine Art Kindersicherung. Der Kofferraum ist, wie bei allen Elektroautos klein, reicht aber für einen Wocheneinkauf und eine Kiste Bier aus.

Das Zeug zum sehr, sehr teuren Zweitwagen

Für den Einsatz als Zweitwagen für den Transfer von der Wohnung zum Arbeitsplatz oder für Einkäufe ist das Auto auf jeden Fall geeignet, für lange Autobahnfahrten aufgrund des Topspeeds und der begrenzten Reichweite eher nicht. Zwar hat mich das Fahrgefühl im Stadtverkehr durchaus überzeugt, aber bei einem Listenpreis des Testwagens von 55.709 €, bleib ich aus rein wirtschaftlichen Gründen wohl noch einige Jahre beim normalen Benzin-Automobil.

Unterm Strich wirkt’s manchmal recht nütern


Leicht fällt es mir nicht, die Ereignisse der vergangenen Tage und Woche zu sortieren und einen objektiven Maßstab an den Tag zu legen. Einen objektiven Maßstab, den viele Meinungen rund um den Status Quo der Brose Baskets in Bamberg sträfliche vermissen lassen. Vielmehr zeigen sich Parallelen zu den Bürgerkriegsartigen Zuständen in der Urkraine, nur dass sich in Franken auf die Waffengattung “Wort” beschränkt wird. Eine Spaltung der Fangemeinde scheint unausweichlich. Entweder Du stehts auf der Seite des mächtigen Clubeigners Michael Stoschek oder eben auf der Seite von Wolfgang Heyder und Chris Fleming.

Dabei war es auch die kontraproduktive Kommunikationspolitik des Aufsichtsrats, die zu Eskalation beitrugen. Der Erfolgsunternehmer musste lernen, dass die emotionale Anhängerschaft mit anderen Botschaften zu adressieren ist, als es in einem B2B-Umfeld mit Managern und Fachpresse üblich sind. Dennoch geht die Michael Stoschek entgegen gebrauchte Kritik bisweilen zu heftig unter die Gürtellinie. Zurecht fordert er mehr Respekt für seine Leistung seit vielen Jahren für die Brose Baskets ein.

Eine gemäßigte Mitte, zu der ich mich zähle, geht im Wortgefecht der polarisierenden Meinungen fast unter. Es folgt der Versuch die vorgetragenen Entscheidungskriterien von Michael Stoschek zu reflektieren und die Entscheidung, die ihm als verantwortlicher Eigentümer zusteht, auch so zu akzeptieren.

 

Ziele verfehlt

“Die Ziele und die Realität waren in dieser Saison weiter auseinander als je zuvor. Die gesamte Leistung war im Vergleich zu dem Aufwand, den wir treiben, noch nie so schlecht.” -Michael Stoschek

Auf den ersten Blick es hieran keinen Zweifel zu geben und auch beim zweiten und dritten werden die Diskrepanzen zwischen Anspruch und Realität mehr als deutlich:

  • 2009/10: Deutscher Meister und Pokalsieger, Eurocup Last 16 2S/4N
  • 2010/11: Deutscher Meister und Pokalsieger, Euroleague Vorrunde 4S/6N
  • 2011/12: Deutscher Meister und Pokalsieger, Euroleague Vorrunde 3S/7N
  • 2012/13: Deutscher Meister, Pokal Viertelfinale, Euroleague Top 16 3S/21N
  • 2013/14: Play-Off Viertelfinale, Pokal Halbfinale, Euroleague Vorrunde 3S/7N, Eurocup Last32 S3/3N

Um eine gerechte Wertung abzugeben, müssen die Saisonziele betrachtet werden, die von offizieller Seite wie folgt formuliert wurden:

Kontinuität in den Ligen. Also Meisterschaft (wenn auch nicht zwingend Erster) und Euroleague (möglichst das Erreichen der TOP 8). - wbeyersdorf.de unter Berufung auf Wolfgang Heyder

“Das Ziel muss aus meiner Sicht sein, auf jeden Fall ins Halbfinale zu kommen, möglichst ins Endspiel.”Wolfgang Heyder (nach dem Euroleague-Aus)

Der Interpretationsspielraum ist hier gering. Am Ende muss klar attestiert werden, dass alle sportlichen Ziele klar verfehlt wurden, auch wenn Wolfgang Heyder klar betont, der der Titel kein Automatismus sein kann. Sofern ist der Aussage von Michael Stoschek kaum etwas hinzu zu fügen. Sie ist sachlich korrekt. Selbst die spielerische Leistung auf dem Feld bliebt hinter den Erwartungen zurück. Von einem Desaster zu sprechen, ist jedoch übertrieben. In der Euroleague waren individuelle Fehler für zwei entscheidende Niederlagen verantwortlich, im Spiel um Platz 1 sowie in der Playoffs Serie gegen die Artland Dragons bei den knappen Heimspielen ebenso. Wären in jeweils einer Spielszene jeweils anderen Entscheidungen getroffen worden, dann wäre Bamberg im Top16 gestanden und würde jetzt mit ALBA Berlin um den Einzug in das Beko BBL Finale kämpfen. Ob man dies Chris Fleming anlasten kann, darf durchaus kontrovers diskutiert werden.

 

Spieler entwickelten sich nicht weiter

Julius Jenkins und Jared Jordan wurden als prominente Beispiele gebraucht, um eine negative Entwicklung zu attestieren. Natürlich kommt einem er ehemaliger Bonner Spielmacher sofort in den Sinn. Große Erwartungen waren an den vermeintlichen Königstransfer verknüpft. Er sollte endlich die ordnende Hand sein und als letzten Puzzleteil den Erfolg bringen. Eine neue Rolle, der späte Saisonzeitpunkt und die promte Verletzungpause machten dem Floor General das Leben schwer. An seine Glanztaten in Bonn, konnte Jordan in Franken nicht anknüpfen.

Effektivitätswerte Beko BBL

Jared Jordan: 16.4 (2013/14 in Bonn) > 10.8 (2014 in Bamberg)
Julius Jenkins: 12.1 (201/11) in Berlin) > 7.7 (2011/12 in Bamberg) > 11.0 (2012/13 in Oldenburg)

Anton Gavel:  14.3 (2012/13) > 12.2 (2013/14)
Maik Zirbes:  11.2 (2012/13) > 9.4 (2013/14)
Philipp Neumann: 7.3  (2012/13) > 6.0  (2013/14)
Karsten Tadda: 4.1 (2012/13) > 2.9 (2013/14)
Sharrod Ford: 13.8 (2012/13) > 10.3 (2013/14)

 

Alle U30-Stammspieler (Casey Jacobsen und John Goldsberry bleiben bewusst unberücksichtigt), haben in dieser Saison einen klaren Abwärtstrend zu verzeichnen. Auch die jungen Nationalspieler, von denen eigentlich erwartet werden konnte, dass sie einen Schritt nach vorne machen anstatt zu stagnieren. Die eigene Verantwortung der Spieler bei einer solchen Entwicklung darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Nicht in jedem Falle ist ausschließlich der Headcoach dafür verantwortlich zu machen. Zu häufig sind es auch persönliche Befindlichkeiten der Spieler oder ein neues Teamgefüge und eine andere Rolle, welches in die Einzelbetrachtung einbezogen werden muss.

 

Viele Nachverpflichtungen

Die Fluktuation in den beiden letzten Kadern war überdurchschnittlich. An das Märchen der Kostenneutralität, die immer wieder kolportiert wurde, ist nur schwer die glauben. Zumindest Matt Walsh und Jared Jordan haben ordentlich Ablösesumme gekostet, dabei mag es Ironie des Schicksals sein, dass sie in Bamberg wegen Verletzungen nicht richtig zur Entfaltung kamen. Die beiden besagten Amerikaner sowie ihre teils prominenten Kameraden gehörten ob ihrer Vita allesamt nicht unbedingt zur Kategorie “Sonderschnäppchen”. Dabei war der Kader zu Saison 2013/14 wirklich durchdacht zusammengestellt. Leider hat er sich auf dem Platz nur nie gefunden.

Nachverpflichtungen während der Saison

Saison 2010/11: 1
Saison 2011/12: 0
Saison 2012/13: 4
Saison 2013/14: 4

In der Tat ist es auffällig, dass sowohl in der vorletzten, wie auch in der vergangenen Saison viele Wechsel im Spielerkader waren. Während vergangene Saison die Nachkäufe noch in einem Titel resultierten (am Ende stand davon nur Alex Renfroe im Kader), war die Bilanz zuletzt trotz der teilweise etablierten Qualitätsspieler mau. Gerade zuletzt hat Bamberg eigentlich gut nachverpflichtet. Die tragische Verletzungshistorie von Novica Velickovic und die Ablehnung der Führungsspielerrolle von Zack Wright machten Handeln notwendig. D’Or Fischer erwies sich als goldrichtiger Zugang und auch Nationalspieler Elias Harris sowie Spielmacher-Crack Jared Jordan erschienen als “No-Brainer”. Ein wichtiger zweiter und dritter Führungsspieler in der jungen Mannschaft neben Anton Gavel war dennoch nicht im Kader präsent.

 

Probleme gegen schwächere Teams

Er hat bei uns ein Aufsteiger noch nicht einmal Respekt, der gegen uns spielt. - Michael Stoschek

Die Liga ist ausgeglichener geworden, dennoch missfiel es Michael Stoschek, dass sich die Brose Baskets immer wieder gegen die schwächeren Team schwer taten. Gefühlt würde ich ihm recht geben, doch es lohnt ein Blick auf die Zahlen. Im Schnitt wurden die Spiele gegen die fünf schwächsten Teams mit respektablen 13,9 Punkten Unterschied gewonnen. Eine Zahl, die auch in der Höhe durchaus legitim ist und einen Qualitätsunterschied vermuten lässt. Verzerrt wird die Statistik aber ein wenig durch den Kantersieg gegen die S.Oliver Baskets beim Jared Jordan Debüt mit sage und schreibe +38 Differenz. Ganze sechs Partien gingen am Ende mit sechs oder weniger Punkten an die Brose Baskets, verloren haben sie dafür keine einziges der insgesamt zehn Spiele.

Siege-/Niederlagen-Bilanz:

Insgesamt: 31 Siege / 11 Niederlagen
Playoff-Halbfinalisten: 6 Siege / 10 Niederlagen
Last5-Teams: 10 Siege / 0 Niederlagen

Gegen die vier Halbfinalisten sieht es anders aus. Hier ist die Bilanz (Ligaspiele, Pokal, Playoffs) klar negativ. Sechs Siege gegen die Artland Dragons, den FC Bayern München, ALBA Berlin und den EWE Baskets Oldenburg stehen zehn Niederlagen gegenüber. Dabei war vor allem die Ausbeute ab der Halbserie bei nur noch zwei Siegen und sieben Niederlagen gegen das Quartett schon ein Fingerzeig zur Wettbewerbsfähigkeit.

 

Sportlich nachvollziehbare Trainerentscheidung

Unterm Strich kann man die Entscheidung sportlich wohl nachvollziehen – frei von jeglicher Sympathie oder eigenen Loyalitätsvorstellungen. Die sportlichen Ziele wurden verfehlt, die Attraktivität des gezeigten Sports lies häufig zu wünschen übrig und die Entwicklung als Kollektiv sowie individueller Spieler war am Ende negativ. Der Zyklus ist am Ende und der Kredit an Vertrauen in Chris Fleming, für den Beginn einen neuen erfolgreichen Abschnitts, war bei dem Entscheidungsträger verbraucht. Somit musste es zweifellos zu einer klaren Trennung kommen, auch damit der Trainer nicht von Beginn an unter Dauerfeuer steht. Mit dem Namen Fleming bleibt ein Rekord für die Ewigkeit in der Bamberger Basketballhistorie: 7 Titel sind eine grandiose Bilanz die bleiben wird.

 

Heyder wird fehlen

Noch bedeutender ist der Rückzug des Architekten der Basketballerfolggeschichte, Wolfgang Heyder. Für die Stelle des sportlichen Leiters konnte man sich keinen Besseren vorstellen: Workaholic, Experte, Nachwuchsförderer, Lospolterer, Bamberger Original, Herzblutopferer. Freiwillig heißt es, aber ebenso, dass es deutliche Differenzen zwischen ihm und dem Inhaber zur sportlichen Analyse und Ausrichtung gegeben hat. Zwei Alphatiere in einem Gehege geht selten gut. Umso konsequenter ist der Schritt des ehemaligen Managers, bevor er einem ständigen Kampf ausgesetzt ist, den er nicht gewinnen kann. Ein Denkmal gehört ihm gesetzt. Dort im Mittelgang zu den Gästekabinen. In der typischen Wolle-Pose mit grimmig-zusammengezogenen Augenbrauen und der abwinkenden Gesten, wenn er sich über eine Entscheidung auf dem Feld ärgerte. Er wird fehlen, sportlich und als Kultfigur am Rande.

 

Lieferverpflichtung

Welche Köpfe denen neuen Zyklus beginnen sollen wird spannend. Wolfgang Heyder hatte einen Plan, Michael Stoschek hat einen anderen. Letzterer ist nun am Zug. Jede Verpflichtung wird nun mit Argusaugen beobachtet werden. Letztendlich darf jetzt derjenige liefern, der das – in genau diesem Wortlaut – mehr als einmal von seinem sportlichen Führungspersonal eingefordert hat. Statt auf kleine Brötchen gut zu finden, schätze ich den Brose-Magnaten eher in der Kategorie “think big”. Ich harre der Dinge und blicke mit einer gewissen Vorfreude auf das Kommende.

Euer Kosmonaut

Besuchstipp: Coburger Designtage


Lange war mein Verhältnis zu Coburg ambivalent. Als junger Student an der FH Coburg war mir die Stadt zu klein und irgendwie auch zu spießig. Heute ist mein Bild ein anderes. Ich bin geradezu zum Coburg-Fan mutiert. Vor allem die vielen hochwertigen Veranstaltungen, die vor allem in der Sommersaison fast wöchentlich in der herrlichen Stadtkulisse stattfinden, zieht mich immer wieder Richtung Norden.

Design in der Industrieanlage

Statt mondäner Schlossplatzatmosphäre war diesmal urbaner Industrieanlangen-Flair angesagt.  Seit dem 27. Mai laden die Coburger Designtage in den ehemaligen Lagerhallen des alten Güterbahnhofs. Noch bis 1. Juni gibt es in dieser super Location großes Coburger Design und Innovationen aus allen Richtungen und in vielen Variationen zu sehen. Dabei stellen sowohl etablierte Unternehmen, aber auch junge Talente der örtlichen Fakultät ihre individuellen Stücke aus. Wer sich das ein oder andere Designerstück gleich mit nach Hause nehmen will, der wird von den moderaten Preisen überrascht sein.

Chillen und Bier

Alleine der hergerichtete alte Güterbahnhof ist schon einen Besuch wert. Und neben dem Backsteinambiente warte eine coole Außenfläche mit kleinem See zum chillen und Bierchen trinken sowie ein Urban-Designspielplatz für die Kids an. Der geht übrigens nach dem Ende der Designertage als soziales Projekt direkt nach Kirgisien. Stark!

Wer also Designliebhaber ist, etwas Inspiration für die eigenen vier Wände sucht oder ein wirklich außergewöhnliches Ausflugsziel sucht, der sollte die Coburger Designtage nicht verpassen.


Mehr Infos online:

www.coburger-designtage.de

Saisonrückblick


Es wird erstmals seit 2009 einen Deutschen Basketballmeister geben, der nicht Brose Baskets heißt. Was während der Saison bereits abzusehen war, wurde von gut aufgelegten Dragons aus dem Artland im Playoffs-Viertelfinale bitter bestätigt. Das frühe Saison-Aus darf mit “leistungsgerecht” und “verdient” betitelt werden. Die Mannschaft hat sich während der gesamten Saison nie so gefunden, um ihrer Favoritenrolle mit der entsprechenden Geschlossenheit gerecht zu werden. Insgesamt lag auch die spielerische Qualität, nicht auf dem Niveau der erfolgreichen Vorjahre. Damit wurde vor wenigen Tagen auch das letzte Saisonziel verfehlt. Der Auftakt einer aktuell unsäglichen Spaltung der Anhänger in Oberfranken: Während die einen Verständnis für einen Neuanfang mit unverbrauchtem sportlichen Personal befürworten, halten die anderen treu zu Trainer Chris Fleming und verdammen den mächtigen Clubchef Michael Stoschek auf allen Kanälen. In einer Phase, in der viele Emotionen überquellen, möchte ich versuchen die Saison rein sportlich Revue passieren zu lassen und einen Blick auf die Leistung der Spieler zu werfen.

Sportliche Ziele der Saison 2013/14

  1. Euroleague Top 16: verpasst
  2. Eurocup Last 8: verpasst
  3. Top4-Pokal: Niederlage im Halbfinale gegen ALBA Berlin
  4. Play-Offs: 1-3 in der ersten Runde gegen die Artland Dragons ausgeschieden

 

Dabei war der Spielerkader zu Saisonbeginn von Trainer Chris Fleming und Manager Wolfgang Heyder wirklich durchdacht und logisch geplant worden. Ausgemachte Schwachstellen aus der Vorsaison wurden auf dem Papier klar behoben, lediglich die beiden jungen Deutschen Center schienen ein kalkulierbares Risiko, um Raum für Entwicklung zu schaffen:

  • Athletischer Spielmacher
  • Starker Werfer in Backcourt
  • International erfahrener Europäer am Flügel
  • Athletik auf der Flügelposition

Am Ende kam vieles anders als geplant. Zack Wright fand als Spielmacher nie die Bindung zum Team und verließ die Mannschaft in Richtung Panathinaikos Athen. Novica Velikovic wurde nie so fit, dass er die Rolle eines Leistungsträgers einnehmen konnte. Sein Vertrag wurde folgerichtig aufgelöst und Jungcenter Philipp Neumann unabhängig davon an die EWE Baskets Oldenburg ausgeliehen. Die Bilanz der, fast schon obligatorischen, Einkaufstour während der Saison kann sich durchaus sehen lassen: D’Or Fischer, Elias Harris und Jared Jordan. Die Schwachstelle am Brett wurde richtig stark adressiert, zugleich aber auch die Athletik im Backcourt über Bord geworfen und die langjährige Erfolgskomponente eines spielintelligenten großen Flügelspielers mit europäischer Basketballschule war Vergangenheit.

 

EINZELBWERTUNG DER SPIELER:

#5 John Goldsberry

Beim Blick auf die Statistik (3.1 Punkte, 29 % Dreiequote und 3.0 Assists pro Partie) könnte man meinen, dass die Saison mau war. Als 7. Ausländer geplant, war er  am Ende dennoch in 22 Ligaspielen auf dem Feld gestanden und hat wieder halbwegs Ordnung in den latenten Chaosaufbau gebracht. Dabei war er, wie immer, ein Vorbild an Einstellung und Kampfgeist für seine Mitspieler. Der altgediente Spielmacher tat sich aber gegen die schnellen athletischen Gegner schwer. Nicht weil er nicht wollte, sondern weil sein Körper nicht mehr her gab.

Vertrag ausgelaufen. Er bleibt in Bamberg als Trikot unter dem Hallendach. Der “Eiergott” beendet, nach mehreren gefühlten Sportinvaliditäten, jetzt wirklich seine Karriere.

 

#7 Rakim Sanders

Der Überathlet ist ein Spieler der entweder richtig Spaß machte oder viele Haare kostete. Der 24-Jährige hat alles, um ein prägender Spieler auf der Forward-Position zu werden: Ordentlicher Schuss (91. Punkte pro Spiel), hohe Grundschnelligkeit, gutes Reboundverhalten, starke Verteidigung, eine Nase für den Steal, überragende Sprungkraft etc. Seine Leistungen waren hochvolatil und in den entscheidenden Spielen tauchte er regelmäßig ab. Manchmal schien er mit dem Kopf nicht auf der Höhe des Geschehens. Es fehlte die erhoffte Konstanz und manchmal das richtige Zielwasser: 30 % von der Dreierlinie sind ausbaufähig, 47 % Freiwurfquote eigentlich indiskutabel.

Vertrag bis 2015. Sanders hat das Potential in der kommenden Saison einen großen Schritt nach vorne zu machen.

 

#9 Karsten Tadda

Das Eigengewächs für die Sonderaufgaben hatte wirklich keine gute Saison und die Nationalmannschaft ist in weiter Ferne. Für ihn war wenig Platz im voll gestopften Backcourt und seine Harmlosigkeit in der Offensive (1.9 Punkte pro Partie, 22 % Dreierquote)) lies dem Trainer auch kaum eine andere Wahl. Am Ende war er wieder in seine Rolle als Kettenkund mit vollem Einsatz dabei. Insgesamt war die Saison ein Rückschritt für ihn.

Vertrag ist ausgelaufen. Nach sieben Jahre in Bamberg-Trikot, deutet einiges auf eine Luftveränderung hin.

 

#10 Jared Jordan

Der beste Spielmacher der Liga kam nach Bamberg, um Titel zu gewinnen. Er sollte der letzte Baustein für eine erfolgreiche Mannschaft sein. Das Glück war ihm nicht hold, und er musste lange pausieren. Hie hohen Erwartungen konnte Jordan aber auch in den anderen Partien kaum bestätigen. Zwar war er auch in Bamberg der top Vorlagengeber (6.5 Assists pro Partie) der Liga, in der Offensive selbst aber oft zu harmlos (5.3 Punkte pro Partie, 24 % Dreierquote), um den Gegner adäquat unter Druck zu setzen. An seine überragende Vorstellung als Bonner Playmaker knüpfte er in Franken nicht an. Bei den Brose Baskets war seine Rolle aber auch eine andere. Eine klare Linie in das Brose-Spiel und den Turnaround, konnte der Amerikaner in der Kürze der Zeit aber auch nicht bringen.

Vertrag mit Option auf eine weitere Saison. Ob diese gezogen wird, ist fraglich.

Stats-Vergleich

Bonn:
10.o ppg | 7.8 apg | 3.6 rpg | 1.6 spg | 49 %  FG | 37 % 3er

Bamberg:
5.3 ppg | 6.5 apg | 3.2 rpg | 1.2 spg | 40 % FG | 24 % 3er

 

#12 Daniel Schmidt

Der Nachwuchsmann auf der Spielmacherposition schaffte es nicht in die Rotation und spielte keine Rolle auf dem Parkett. Ein Schritt nach vorne bleib ihm im voll besetzten Kader verwehrt.

Vertrag endet. Er könnte sich nach einem Club umsehen, wo er Aussicht auf mehr Spielzeit hat.

 

#15 Sharrod Ford

Der Powerforward konnte nie an seine überragenden Playoffs 2013 anknüpfen. Eine lange Verletzungspause war ihn offensichtlich zurück. Danach tat sich Ford schwer, als Führungsspieler zurück aufs Parkett zu finden. Vielleicht war er der stabilste Verteidiger auf den großen Positionen, dafür ging seine Effektivität (13.8 > 10.3) und seine Punktausbeute (12.3 > 8.3 Punkte pro Partie) im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Insgesamt bleibt eine solide Saison für den 31-jährigen.

Vertrag bis 2015. Er kann, als athletischer Insidespieler mit Distanzwurf, wieder ein wichtiger Baustein im neuen Kader sein.

 

#20 Elias Harris

An den Nationalspieler wurden hohe Erwartungen gestellt. Man hat ihm schnell angemerkt, dass er sich nach vielen Jahren in den USA, erst auf den europäischen Basketball einlassen muss. Seine Leistungen waren insgesamt noch nicht konstant, aber seine Potential hat er immer wieder angedeutet. Der 24-Jährige trat  (10.4 Punkte pro Partie,  37% Dreierquote) als guter Scorer in Erscheinung. Mit seiner Athletik muss er aber noch besser in der Teamverteidigung agieren und am Brett (3.4 Rebounds pro Partie) stärker zupacken.

Vertrag bis 2015 mit NBA-Ausstiegsoption im Sommer. Er ist sicherlich ein Eckpfeiler in der neuen Mannschaft.

 

#23 Casey Jacobsen

Das sechste Jahr des Flügelspielers war sein schlechtestes. Der Kapitän war wieder ein Vorbild an Einstellung, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, hat der die Leistungskurve aber nicht mehr gekriegt. Er kam nicht mehr so um die Blöcke, wie in den vergangene Jahren und wurde kaum noch effektiv in Szene gesetzt. Seine Dreierquote sank erstmals deutlich unter 40 % (43.3 % > 36.6 %) und sein Effektivitätwert (12,7 > 7.8) brach fast um die Hälfte im Vergleich zu Vorsaison ein. Und der Ansammlung gefühlter Freiwurflegastheniker, war Jacobsen (85 % Freiwurfquote) eine positive Ausnahme. In der Defensive war der Kalifornier gegen athletische Gegner leider eine ständige Schwachstelle  und musste insgesamt mehr Minuten abspulen als geplant war.

Vertrag ausgelaufen. Jacobsen hat seine Karriere mittlerweile beendet. Nach fünf Meistertiteln und drei Pokalsiegen mit Bamberg hängt das Trikot mit der Nummer 23 jetzt zurecht für immer unter dem Arenadach.

 

#25 Anton Gavel

Er war der unumstrittene Führungsspieler der abgelaufenen Saison, der immer Verantwortung übernommen hat. Der unermüdliche Kämpfer war Topscorer (12.4 Punkte pro Partie) der Mannschaft, wirke jedoch zu oft auf sich alleine gestellt. Ausgelaugt und überspielt war oft der Eindruck, den man als Betrachter gewinnen konnte - auch weil er keinen verlässlichen “Side-Kick” fand. KAus Mangel an funktionierenden Alternativen, musste es “Hulk” immer wieder auf eigene Faust versuchen und zeitweise auch noch die wenig geliebte Point Guard-Position spielen. Ohne ihn wäre die Saison noch weitaus enttäuschender verlaufen.

Vertrag ausgelaufen. Nach fünf Jahre in Bamberg, darf man Tono nicht böse sein, wenn er eine neue Herausforderung sucht, selbst wenn diese in München liegt. Die Zeichen stehen eher auf Abschied.

Stats-Vergleich:

2013/2014:
12.4 ppg | 2.6 rpg | 3.5 apg | 1.7 topg | 45 % FG | 39 % 3er | 12.2 eff

2012/2013:
14.8 ppg | 2.7 rpg | 3.3 apg | 1.3 topg | 49 % FG | 44 % 3er | 14.3 eff

 

# 31 Jamar Smith

Der Guard kam, als Wunschspieler von Chris Fleming, vielen Vorschusslorbeeren. Von einem zweiten Brian Roberts war die Rede. Letztendlich hat er die Erwartung nicht erfüllen können. Der Plan, ihn als Spielmacher-Backup einzusetzen, wurde schnell ad acta gelegt. Es blieb also ein purer Shooter mit einem überragenden Wurf (10.5 Punkte pro Partie, 39 % 3er) und so ist es nicht verwunderlich, dass Smith die meisten Punkte pro Minute auf die Anzeigentafel brachte. Seine Entscheidungen in der Offensive aber immer wieder überhastet und egoistisch - vor allem in entscheidenden Phasen waren es zu oft die falschen. In der Verteidigung hat er noch Potential nach oben und muss lernen seinen Gegner über das Feld zu jagen. Es bleibt eine Saison mit Höhen und Tiefen, die ihn zeitweise eine Degradierung zum 7. Ausländer einbrachten.

Vertrag bis 2015. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn Smith Bamberg dennoch verlassen würde, falls er nicht in das neue sportliche Konzept passt.

 

#33 Maik Zirbes

Viel Kritik prasselte auf den deutschen Nationalspieler ein. Sowohl von den Fans aber auch immer wieder öffentlich vom Manager. Manchmal wirkte der 2.08 Hüne in der Tat lethargisch und ohne Selbstvertrauen auf dem Feld. Dabei ist seine Leistung in der Offensive (8.2 Punkte pro Partie, 66 % FG, 73 % FW) durchaus respektabel und im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung. Problematischer waren sein Verteidigung und das Reboundverhalten, hier schnappte sich Zirbes weniger Abpraller (3.7 Rebounds pro Partie | 5.1 im Vorjahr), als erwartet. In D’Or Fischer bekam er einen hochklassigen Center-Kollegen zur Seite gestellt, gegen den er in der Außendarstellung manchmal blass aussah. Alles in allem aber eine ordentliche und grundsolide Saison in der er erneut bewiesen hat, dass er der beste deutsche Center in der Beko BBL ist.

Vertrag bis 2015. Er sollte wie Harris, wieder ein wichtiger Baustein im neuen Spielerkader sein.

 

# 40 D’Or Fischer

Die wichtige Nachverpflichtung war einer der effektivsten Spieler (16.7 eff) in der Saison. In der Verteidigung hat der Blockexperte (2.6 pro Partie) das Spiel des Gegnern nachhaltig beeinflusst. Im Angriff war sein sicherer Mitteldistanzwurf, mit dem er in entscheidenden Phasen Verantwortung übernahm, mehr als einmal Gold wert. Unterm Strich war der athletische Centerspieler (10.7 Punkte, 6.1 Rebounds pro Partie, 64 % FG) Bambergs Bester in der vergangenen Spielzeit und erwies sich als deutliches Upgrade am Brett. Bei den Fans ist der Stirnbandträger, ob seiner Gesten und spektakulären Aktionen zudem zum Publikumsliebling avanciert.

Vertrag ausgelaufen. Fischer sollte gehalten werden.  Allerdings würde eine Weiterverpflichtung des Weltenbummlers ein teures Unterfangen.

 

Bevor Entscheidungen im Spielerkader fallen, muss sich der Aufsichtsrat im Michael Stoschek und Carl Steiner mit der Situation bei der sportlichen Leistung auseinander setzen. Ich wünsche Ihnen hierfür eine glückliche Hand. Egal, wie entschieden wird, wichtig ist, dass die Fans in Bamberg geeint bleiben. Und so richtet sich mein Appell an alle Freunde des orangen Leders, über den Sommer die ein oder anderen Enttäuschung mit einem kühlen Kellerbier hinab zu spülen und pünktlich zur neuen Saison wieder da zu sein.

Euer Kosmonaut

 

Statistiken jeweils aus der Beko BBL

Mit dem Rücken zur Wand.


13 – 11 – 168

So lauten die Zahl, die viele Basketballfans gestern Abend und heute beschäftigen. Sie umschreiben die große Playoff-Heldentat einen großen kleines Mannes. Sage und schreibe 13 Punkte in Serie hat die Nr. 11 der Artland Dragons den Brose Baskets in Serie eingeschenkt. Dabei war der nur 168 cm lange David Hosten in der Schlußphase der Größte auf dem Feld und hat das Spiel fast im Alleingang gedreht.

Holstons Heldentaten entscheidend

Nach der erneuten 75-77 Heimniederlage steht der amtierende Meister, nach vier Titeln in Serie, plötzlich vor dem Ende seiner Ära. Dabei hat die Bamberger Mannschaft gestern endlich die Playoff-Eigenschaften gezeigt, die viele Anhänger lange angezweifelt haben. Spielmacher Jordan war spielfreudig, Sanders endlich präsent und alle Spieler haben mit vollem Einsatz um jeden Ball gekämpft, was mit Standing Ovation quittiert wurde. Bis tief in den letzten Abschnitt hatte Brose das Spiel im Griff.  Dann betrat David Holston die Bühne für seine Heldentat. Jeder, noch so kleinen Bamberger Fehler hat der Playmaker gnadenlos und maximal betraft hat. Die Zuseher waren Zeuge einer Vorstellung, wie sie sonst nur von europäischen Spitzenclubs mit Weltklassespielern zu erwarten ist.

Hände hoch!

Wer gegen Holstons Fade-Away-Würfe die Arme in der Verteidigung oben hatte und wer nicht:

  • Ford: Arme oben
  • Tadda: Arme oben
  • Jordan: Arme zu spät oben
  • Fischer: Arme unten, ausgespielt

Starkes Drachenkollektiv

Die Dragons spielen ohne Zweifel eine kontant starke Serie. Die vermeintlich kurze Rotation und gewohnte Leistungsvarianzen sind kein Faktor. Statt dessen liefern alle Kaderspieler einen wichtige Beitrag, es gibt keinen Ausfall im Team zu beklagen. Trainer McCoy hat die Mannschaft unglaublich gut eingestellt und versteht es die Bamberger Problemstellen ein ums andere mal zu seinem Vorteil zu nutzen. Mit dem Brot-und-Butter-Spiel “Pick-and-Roll” erzeugen die wieselflinken Guards immer wieder “Missmatches”. Entweder nutzt der Aufbauspieler selbst die Chance gegen den langsameren, größeren Gegenspieler oder sie setzen großen Mann am Brett effektiv in Szene. Neben Spielmacher Holston und Center King ist das aktuell gut harmonierende Kollektiv der Rede wert. Shooting Guard Graves (9.5 ppg) bietet Gavel eine unerbittliches Match-Up und jagt den Bamberger Star mit seiner Fitness quer über jeden Quadratmeter des Felds. Power Forward Lawrence Hill (11.5 ppg, 6.5 rpg, 0.9 bpg) ist der vielleicht meist unterschätzte Spieler der gesamten Liga. Auf dem Feld wirkt der Amerikaner extrem ruhig, ist aber vor allem durch sein variables Spiel (46 % Dreierquote) ungemein effektiv und begeht kaum Fehler.

Charaktertest am Sonntag

Manager Heyder hat das Spiel am Sonntag zum großen Charaktertest ausgerufen. Charakter hat die Mannschaft auf jeden Fall beim Sieg in Quakenbrück und auch im unglücklich verlorenen Heimspiel bewiesen. In manchen Phasen muss Bamberg abgeklärter agieren und seine Vorteile besser verteidigen. Gerade hier zeigten die Brose Baskets in dieser Saison immer wieder Schwächen, haben aber beim 1-1 Ausgleich bewiesen, dass es auch anders geht. Ein Charaktertest wäre die richtige Aufgabe für den alten Haudegen Goldsberry. Vor allem weil Smith mit unreifen Offensivaktionen und schwacher Verteidigung nicht überzeugen konnte. Trainer Fleming könnte aber auch weiterhin auf die bisherige Mannschaft vertrauen. Zum einen um Unruhe zu vermeiden und weil Smith’ Wurfqualitäten in schlechten Offensivphasen wichtig sein können. Egal wer sich das Trikot anzieht,   spielt Bamberg am Sonntag so, wie über 38 Minuten hinweg am gestrigen Abend, dann besteht eine wirklich gute Chance auf Spiel 5 am Dienstag in der heimischen Arena.