Der Bock Bagaric


Dalibor Bagaric, seines Zeichens sehr dezent eingesetzer Centerhüne der Brose Baskets, ist eine durchweg stattliche Erscheinung. Mit 2.16 m Körperlänge und einem Kampfgewicht von 135 kg ist er ehemalige NBA-Akteur in beiden Kategorien das Maximum was der Kader zu bieten hat. Bisher hat diese Erscheinung in den 5 Beko BBL Partien wertfreie 1.0 Punkte und 1.0 Rebounds im Schnitt zu Stande gebracht. Dennoch ist jede, der seltenen, Minuten ein echtes Spektakel.

Der ehemalig NBA -Spieler mit deutschem Pass wirkt wie ein Centerfossil aus vergangenen Tagen als Center in der Hauptsache groß und breit sein mussten und Wurftechnik, Athletik oder Schnelligkeit nicht so wichtig waren. Es ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass ich der gebürtige Kroate im Frühwinter seiner langen Karriere befindet, dass gegen ihn selbst Sascha Hupmann in der Erinnerung irgendwie agil abschneidet. Dennoch ist der Koloss in Bamberg durchaus beliebt beim Volk. Das mag erstmal verwundern, wenn man aber tiefer in den lokalen Mikrokosmos eintaucht, dann findet man dort Antworten.

Langsam, scheinbar wenig kontrolliert wälzt die Nummer 4 in der Brose Arena durch die Zone zum Korb. Dabei werden durch Blocks noch diverse Gegenspieler angerempelt oder umgerannt. Die die im Physikunterricht gut aufgepasst haben, gehen Bagaric lieber gleich aus dem Weg.

Vieles von dem, was sich auf dem Feld abspielt hat jeder Bamberger Bierkonsument schon häufig durchlebt – das schafft Identifikation und ein Wir-Gefühl.  Die Bewegungsabläufe ähneln stark dem eigenen Treiben bei den Bockbieranstichen in den Brauereien in der Stadt und Region. Nach dem zweiten 0,5 l Bockbier tanken sich viele Gerstensaftkonsumenten ähnlich filigran durch das Gemenge aus Genuss, Promille oder Bierpförtz: Langsam, scheinbar wenig kontrolliert und vieles an- und umrempelnd.

Bagaric ist ein Spieler der Bock macht. Deshalb kann es für ihn nur einen Spitznamen geben: Dalibor “echt Schlenkerla Eiche” Bagaric.

Basketball vom Italiener

Der neue Spielmacher Brad Wanamaker leitet den Angriff.

Gestern hat im Bamberger Basketball die neue Zeitrechnung auch offiziell begonnen. Das runderneuerte Brose-Team hat knapp und glücklich 83:82 gegen frech aufspielende Bremerhavener Eisbären gewonnen. Nach vier Jahren Systembasketball unter der Herrschaft des großartigen Chris Fleming, haben die 6.800 Zuschauer in der Arena ein echtes Kontrastprogramm serviert bekommen.

Neuer Spielstil im Angriff

Der neue italienische Chefcoach Andrea Trinchieri lässt es auf dem Feld vermeintlich lockerer angehen, mit südländischer Gelassenheit. Dabei bedeutet das keineswegs die Akzeptanz von mangelnder Disziplin, vielmehr lässt der seinen Spieler mehr Raum zu eigenen Entscheidungen in einem funktionalen Rahmen. Die richtigen Spielertypen für diese Interpretation hat er auf jeden Fall um sich versammelt. Brad Wanamaker, Carlon Brown und Ryan Thompson und Trevor Mbakwe vereinen viel “NBA-Style” in ihrer Spielweise und suchen ihren Vorteil immer wieder in Eins-gegen-eins oder Eins-gegen-viele-Situationen.
Für den treuen Bamberger Zuschauer mochte das Spiel phasenweise etwas wild wirken. Unterstrichen wurde dieser Eindruck auch, weil gute Wurfsituationen ungenutzt blieben. Ein ums andere Mal tänzelte der Ball am Ring und hat es sich doch noch anders überlegt. Auch fanden so manche Pässe das Ziel noch nicht, weil ein gewisse Konfusion bei Laufwegen und Positionen deutlich zu beobachten war. Dies mag weniger mangelnden Könnens, als vielmehr präsenter Nervosität im jungen Team geschuldet sein. Ein grauer Leitwolf, wie es Sven Schultze als Eisbär war, hätte dem Team gestern gut getan.

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Erste Brose Baskets Eindrücke


Seit gestern Abend 19 Uhr ist die Basketball lose Zeit in Bamberg zu Ende. Das erste Testspiel der neu formierten Bamberger nahm seinen Lauf: 35 % Brose Baskets gegen 85 % Ratiopharm Ulm.  Die 84 – 102 Niederlage der arg dezimierten Brose Truppe gegen die fast kompletten Ulmer ist dabei eher nebensächlich, wirklich interessant war ein erster Blick auf die neuen Spieler.

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US-Trio sagt “hello”, einer “do videnia!”


Es scheint als würden Bambergs Macher beim Spielerkader rasch Nägel mit Köpfen machen wollen. Nachdem bereits mit Daniel Theis ein echter Coup gelungen war, gesellten sich in den vergangenen Tage gleich drei hochklassige US-Spieler hinzu: Power Forward Josh Duncan (Hapoel Jerusalem), Spielmacher Brad Wanamaker (Giorgio Tesi Pistoia) und Swingman Ryan Thompson (Telenet Oostende).

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Unterm Strich wirkt’s manchmal recht nütern

beko bbl semester awards

Leicht fällt es mir nicht, die Ereignisse der vergangenen Tage und Woche zu sortieren und einen objektiven Maßstab an den Tag zu legen. Einen objektiven Maßstab, den viele Meinungen rund um den Status Quo der Brose Baskets in Bamberg sträfliche vermissen lassen. Vielmehr zeigen sich Parallelen zu den Bürgerkriegsartigen Zuständen in der Urkraine, nur dass sich in Franken auf die Waffengattung “Wort” beschränkt wird. Eine Spaltung der Fangemeinde scheint unausweichlich. Entweder Du stehts auf der Seite des mächtigen Clubeigners Michael Stoschek oder eben auf der Seite von Wolfgang Heyder und Chris Fleming.

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Saisonrückblick


Es wird erstmals seit 2009 einen Deutschen Basketballmeister geben, der nicht Brose Baskets heißt. Was während der Saison bereits abzusehen war, wurde von gut aufgelegten Dragons aus dem Artland im Playoffs-Viertelfinale bitter bestätigt. Das frühe Saison-Aus darf mit “leistungsgerecht” und “verdient” betitelt werden. Die Mannschaft hat sich während der gesamten Saison nie so gefunden, um ihrer Favoritenrolle mit der entsprechenden Geschlossenheit gerecht zu werden. Insgesamt lag auch die spielerische Qualität, nicht auf dem Niveau der erfolgreichen Vorjahre. Damit wurde vor wenigen Tagen auch das letzte Saisonziel verfehlt. Der Auftakt einer aktuell unsäglichen Spaltung der Anhänger in Oberfranken: Während die einen Verständnis für einen Neuanfang mit unverbrauchtem sportlichen Personal befürworten, halten die anderen treu zu Trainer Chris Fleming und verdammen den mächtigen Clubchef Michael Stoschek auf allen Kanälen. In einer Phase, in der viele Emotionen überquellen, möchte ich versuchen die Saison rein sportlich Revue passieren zu lassen und einen Blick auf die Leistung der Spieler zu werfen.

Sportliche Ziele der Saison 2013/14

  1. Euroleague Top 16: verpasst
  2. Eurocup Last 8: verpasst
  3. Top4-Pokal: Niederlage im Halbfinale gegen ALBA Berlin
  4. Play-Offs: 1-3 in der ersten Runde gegen die Artland Dragons ausgeschieden

 

Dabei war der Spielerkader zu Saisonbeginn von Trainer Chris Fleming und Manager Wolfgang Heyder wirklich durchdacht und logisch geplant worden. Ausgemachte Schwachstellen aus der Vorsaison wurden auf dem Papier klar behoben, lediglich die beiden jungen Deutschen Center schienen ein kalkulierbares Risiko, um Raum für Entwicklung zu schaffen:

  • Athletischer Spielmacher
  • Starker Werfer in Backcourt
  • International erfahrener Europäer am Flügel
  • Athletik auf der Flügelposition

Am Ende kam vieles anders als geplant. Zack Wright fand als Spielmacher nie die Bindung zum Team und verließ die Mannschaft in Richtung Panathinaikos Athen. Novica Velikovic wurde nie so fit, dass er die Rolle eines Leistungsträgers einnehmen konnte. Sein Vertrag wurde folgerichtig aufgelöst und Jungcenter Philipp Neumann unabhängig davon an die EWE Baskets Oldenburg ausgeliehen. Die Bilanz der, fast schon obligatorischen, Einkaufstour während der Saison kann sich durchaus sehen lassen: D’Or Fischer, Elias Harris und Jared Jordan. Die Schwachstelle am Brett wurde richtig stark adressiert, zugleich aber auch die Athletik im Backcourt über Bord geworfen und die langjährige Erfolgskomponente eines spielintelligenten großen Flügelspielers mit europäischer Basketballschule war Vergangenheit.

 

EINZELBWERTUNG DER SPIELER:

#5 John Goldsberry

Beim Blick auf die Statistik (3.1 Punkte, 29 % Dreiequote und 3.0 Assists pro Partie) könnte man meinen, dass die Saison mau war. Als 7. Ausländer geplant, war er  am Ende dennoch in 22 Ligaspielen auf dem Feld gestanden und hat wieder halbwegs Ordnung in den latenten Chaosaufbau gebracht. Dabei war er, wie immer, ein Vorbild an Einstellung und Kampfgeist für seine Mitspieler. Der altgediente Spielmacher tat sich aber gegen die schnellen athletischen Gegner schwer. Nicht weil er nicht wollte, sondern weil sein Körper nicht mehr her gab.

Vertrag ausgelaufen. Er bleibt in Bamberg als Trikot unter dem Hallendach. Der “Eiergott” beendet, nach mehreren gefühlten Sportinvaliditäten, jetzt wirklich seine Karriere.

 

#7 Rakim Sanders

Der Überathlet ist ein Spieler der entweder richtig Spaß machte oder viele Haare kostete. Der 24-Jährige hat alles, um ein prägender Spieler auf der Forward-Position zu werden: Ordentlicher Schuss (91. Punkte pro Spiel), hohe Grundschnelligkeit, gutes Reboundverhalten, starke Verteidigung, eine Nase für den Steal, überragende Sprungkraft etc. Seine Leistungen waren hochvolatil und in den entscheidenden Spielen tauchte er regelmäßig ab. Manchmal schien er mit dem Kopf nicht auf der Höhe des Geschehens. Es fehlte die erhoffte Konstanz und manchmal das richtige Zielwasser: 30 % von der Dreierlinie sind ausbaufähig, 47 % Freiwurfquote eigentlich indiskutabel.

Vertrag bis 2015. Sanders hat das Potential in der kommenden Saison einen großen Schritt nach vorne zu machen.

 

#9 Karsten Tadda

Das Eigengewächs für die Sonderaufgaben hatte wirklich keine gute Saison und die Nationalmannschaft ist in weiter Ferne. Für ihn war wenig Platz im voll gestopften Backcourt und seine Harmlosigkeit in der Offensive (1.9 Punkte pro Partie, 22 % Dreierquote)) lies dem Trainer auch kaum eine andere Wahl. Am Ende war er wieder in seine Rolle als Kettenkund mit vollem Einsatz dabei. Insgesamt war die Saison ein Rückschritt für ihn.

Vertrag ist ausgelaufen. Nach sieben Jahre in Bamberg-Trikot, deutet einiges auf eine Luftveränderung hin.

 

#10 Jared Jordan

Der beste Spielmacher der Liga kam nach Bamberg, um Titel zu gewinnen. Er sollte der letzte Baustein für eine erfolgreiche Mannschaft sein. Das Glück war ihm nicht hold, und er musste lange pausieren. Hie hohen Erwartungen konnte Jordan aber auch in den anderen Partien kaum bestätigen. Zwar war er auch in Bamberg der top Vorlagengeber (6.5 Assists pro Partie) der Liga, in der Offensive selbst aber oft zu harmlos (5.3 Punkte pro Partie, 24 % Dreierquote), um den Gegner adäquat unter Druck zu setzen. An seine überragende Vorstellung als Bonner Playmaker knüpfte er in Franken nicht an. Bei den Brose Baskets war seine Rolle aber auch eine andere. Eine klare Linie in das Brose-Spiel und den Turnaround, konnte der Amerikaner in der Kürze der Zeit aber auch nicht bringen.

Vertrag mit Option auf eine weitere Saison. Ob diese gezogen wird, ist fraglich.

Stats-Vergleich

Bonn:
10.o ppg | 7.8 apg | 3.6 rpg | 1.6 spg | 49 %  FG | 37 % 3er

Bamberg:
5.3 ppg | 6.5 apg | 3.2 rpg | 1.2 spg | 40 % FG | 24 % 3er

 

#12 Daniel Schmidt

Der Nachwuchsmann auf der Spielmacherposition schaffte es nicht in die Rotation und spielte keine Rolle auf dem Parkett. Ein Schritt nach vorne bleib ihm im voll besetzten Kader verwehrt.

Vertrag endet. Er könnte sich nach einem Club umsehen, wo er Aussicht auf mehr Spielzeit hat.

 

#15 Sharrod Ford

Der Powerforward konnte nie an seine überragenden Playoffs 2013 anknüpfen. Eine lange Verletzungspause war ihn offensichtlich zurück. Danach tat sich Ford schwer, als Führungsspieler zurück aufs Parkett zu finden. Vielleicht war er der stabilste Verteidiger auf den großen Positionen, dafür ging seine Effektivität (13.8 > 10.3) und seine Punktausbeute (12.3 > 8.3 Punkte pro Partie) im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Insgesamt bleibt eine solide Saison für den 31-jährigen.

Vertrag bis 2015. Er kann, als athletischer Insidespieler mit Distanzwurf, wieder ein wichtiger Baustein im neuen Kader sein.

 

#20 Elias Harris

An den Nationalspieler wurden hohe Erwartungen gestellt. Man hat ihm schnell angemerkt, dass er sich nach vielen Jahren in den USA, erst auf den europäischen Basketball einlassen muss. Seine Leistungen waren insgesamt noch nicht konstant, aber seine Potential hat er immer wieder angedeutet. Der 24-Jährige trat  (10.4 Punkte pro Partie,  37% Dreierquote) als guter Scorer in Erscheinung. Mit seiner Athletik muss er aber noch besser in der Teamverteidigung agieren und am Brett (3.4 Rebounds pro Partie) stärker zupacken.

Vertrag bis 2015 mit NBA-Ausstiegsoption im Sommer. Er ist sicherlich ein Eckpfeiler in der neuen Mannschaft.

 

#23 Casey Jacobsen

Das sechste Jahr des Flügelspielers war sein schlechtestes. Der Kapitän war wieder ein Vorbild an Einstellung, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, hat der die Leistungskurve aber nicht mehr gekriegt. Er kam nicht mehr so um die Blöcke, wie in den vergangene Jahren und wurde kaum noch effektiv in Szene gesetzt. Seine Dreierquote sank erstmals deutlich unter 40 % (43.3 % > 36.6 %) und sein Effektivitätwert (12,7 > 7.8) brach fast um die Hälfte im Vergleich zu Vorsaison ein. Und der Ansammlung gefühlter Freiwurflegastheniker, war Jacobsen (85 % Freiwurfquote) eine positive Ausnahme. In der Defensive war der Kalifornier gegen athletische Gegner leider eine ständige Schwachstelle  und musste insgesamt mehr Minuten abspulen als geplant war.

Vertrag ausgelaufen. Jacobsen hat seine Karriere mittlerweile beendet. Nach fünf Meistertiteln und drei Pokalsiegen mit Bamberg hängt das Trikot mit der Nummer 23 jetzt zurecht für immer unter dem Arenadach.

 

#25 Anton Gavel

Er war der unumstrittene Führungsspieler der abgelaufenen Saison, der immer Verantwortung übernommen hat. Der unermüdliche Kämpfer war Topscorer (12.4 Punkte pro Partie) der Mannschaft, wirke jedoch zu oft auf sich alleine gestellt. Ausgelaugt und überspielt war oft der Eindruck, den man als Betrachter gewinnen konnte - auch weil er keinen verlässlichen “Side-Kick” fand. KAus Mangel an funktionierenden Alternativen, musste es “Hulk” immer wieder auf eigene Faust versuchen und zeitweise auch noch die wenig geliebte Point Guard-Position spielen. Ohne ihn wäre die Saison noch weitaus enttäuschender verlaufen.

Vertrag ausgelaufen. Nach fünf Jahre in Bamberg, darf man Tono nicht böse sein, wenn er eine neue Herausforderung sucht, selbst wenn diese in München liegt. Die Zeichen stehen eher auf Abschied.

Stats-Vergleich:

2013/2014:
12.4 ppg | 2.6 rpg | 3.5 apg | 1.7 topg | 45 % FG | 39 % 3er | 12.2 eff

2012/2013:
14.8 ppg | 2.7 rpg | 3.3 apg | 1.3 topg | 49 % FG | 44 % 3er | 14.3 eff

 

# 31 Jamar Smith

Der Guard kam, als Wunschspieler von Chris Fleming, vielen Vorschusslorbeeren. Von einem zweiten Brian Roberts war die Rede. Letztendlich hat er die Erwartung nicht erfüllen können. Der Plan, ihn als Spielmacher-Backup einzusetzen, wurde schnell ad acta gelegt. Es blieb also ein purer Shooter mit einem überragenden Wurf (10.5 Punkte pro Partie, 39 % 3er) und so ist es nicht verwunderlich, dass Smith die meisten Punkte pro Minute auf die Anzeigentafel brachte. Seine Entscheidungen in der Offensive aber immer wieder überhastet und egoistisch - vor allem in entscheidenden Phasen waren es zu oft die falschen. In der Verteidigung hat er noch Potential nach oben und muss lernen seinen Gegner über das Feld zu jagen. Es bleibt eine Saison mit Höhen und Tiefen, die ihn zeitweise eine Degradierung zum 7. Ausländer einbrachten.

Vertrag bis 2015. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn Smith Bamberg dennoch verlassen würde, falls er nicht in das neue sportliche Konzept passt.

 

#33 Maik Zirbes

Viel Kritik prasselte auf den deutschen Nationalspieler ein. Sowohl von den Fans aber auch immer wieder öffentlich vom Manager. Manchmal wirkte der 2.08 Hüne in der Tat lethargisch und ohne Selbstvertrauen auf dem Feld. Dabei ist seine Leistung in der Offensive (8.2 Punkte pro Partie, 66 % FG, 73 % FW) durchaus respektabel und im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung. Problematischer waren sein Verteidigung und das Reboundverhalten, hier schnappte sich Zirbes weniger Abpraller (3.7 Rebounds pro Partie | 5.1 im Vorjahr), als erwartet. In D’Or Fischer bekam er einen hochklassigen Center-Kollegen zur Seite gestellt, gegen den er in der Außendarstellung manchmal blass aussah. Alles in allem aber eine ordentliche und grundsolide Saison in der er erneut bewiesen hat, dass er der beste deutsche Center in der Beko BBL ist.

Vertrag bis 2015. Er sollte wie Harris, wieder ein wichtiger Baustein im neuen Spielerkader sein.

 

# 40 D’Or Fischer

Die wichtige Nachverpflichtung war einer der effektivsten Spieler (16.7 eff) in der Saison. In der Verteidigung hat der Blockexperte (2.6 pro Partie) das Spiel des Gegnern nachhaltig beeinflusst. Im Angriff war sein sicherer Mitteldistanzwurf, mit dem er in entscheidenden Phasen Verantwortung übernahm, mehr als einmal Gold wert. Unterm Strich war der athletische Centerspieler (10.7 Punkte, 6.1 Rebounds pro Partie, 64 % FG) Bambergs Bester in der vergangenen Spielzeit und erwies sich als deutliches Upgrade am Brett. Bei den Fans ist der Stirnbandträger, ob seiner Gesten und spektakulären Aktionen zudem zum Publikumsliebling avanciert.

Vertrag ausgelaufen. Fischer sollte gehalten werden.  Allerdings würde eine Weiterverpflichtung des Weltenbummlers ein teures Unterfangen.

 

Bevor Entscheidungen im Spielerkader fallen, muss sich der Aufsichtsrat im Michael Stoschek und Carl Steiner mit der Situation bei der sportlichen Leistung auseinander setzen. Ich wünsche Ihnen hierfür eine glückliche Hand. Egal, wie entschieden wird, wichtig ist, dass die Fans in Bamberg geeint bleiben. Und so richtet sich mein Appell an alle Freunde des orangen Leders, über den Sommer die ein oder anderen Enttäuschung mit einem kühlen Kellerbier hinab zu spülen und pünktlich zur neuen Saison wieder da zu sein.

Euer Kosmonaut

 

Statistiken jeweils aus der Beko BBL

Mit dem Rücken zur Wand.


13 – 11 – 168

So lauten die Zahl, die viele Basketballfans gestern Abend und heute beschäftigen. Sie umschreiben die große Playoff-Heldentat einen großen kleines Mannes. Sage und schreibe 13 Punkte in Serie hat die Nr. 11 der Artland Dragons den Brose Baskets in Serie eingeschenkt. Dabei war der nur 168 cm lange David Hosten in der Schlußphase der Größte auf dem Feld und hat das Spiel fast im Alleingang gedreht.

Holstons Heldentaten entscheidend

Nach der erneuten 75-77 Heimniederlage steht der amtierende Meister, nach vier Titeln in Serie, plötzlich vor dem Ende seiner Ära. Dabei hat die Bamberger Mannschaft gestern endlich die Playoff-Eigenschaften gezeigt, die viele Anhänger lange angezweifelt haben. Spielmacher Jordan war spielfreudig, Sanders endlich präsent und alle Spieler haben mit vollem Einsatz um jeden Ball gekämpft, was mit Standing Ovation quittiert wurde. Bis tief in den letzten Abschnitt hatte Brose das Spiel im Griff.  Dann betrat David Holston die Bühne für seine Heldentat. Jeder, noch so kleinen Bamberger Fehler hat der Playmaker gnadenlos und maximal betraft hat. Die Zuseher waren Zeuge einer Vorstellung, wie sie sonst nur von europäischen Spitzenclubs mit Weltklassespielern zu erwarten ist.

Hände hoch!

Wer gegen Holstons Fade-Away-Würfe die Arme in der Verteidigung oben hatte und wer nicht:

  • Ford: Arme oben
  • Tadda: Arme oben
  • Jordan: Arme zu spät oben
  • Fischer: Arme unten, ausgespielt

Starkes Drachenkollektiv

Die Dragons spielen ohne Zweifel eine kontant starke Serie. Die vermeintlich kurze Rotation und gewohnte Leistungsvarianzen sind kein Faktor. Statt dessen liefern alle Kaderspieler einen wichtige Beitrag, es gibt keinen Ausfall im Team zu beklagen. Trainer McCoy hat die Mannschaft unglaublich gut eingestellt und versteht es die Bamberger Problemstellen ein ums andere mal zu seinem Vorteil zu nutzen. Mit dem Brot-und-Butter-Spiel “Pick-and-Roll” erzeugen die wieselflinken Guards immer wieder “Missmatches”. Entweder nutzt der Aufbauspieler selbst die Chance gegen den langsameren, größeren Gegenspieler oder sie setzen großen Mann am Brett effektiv in Szene. Neben Spielmacher Holston und Center King ist das aktuell gut harmonierende Kollektiv der Rede wert. Shooting Guard Graves (9.5 ppg) bietet Gavel eine unerbittliches Match-Up und jagt den Bamberger Star mit seiner Fitness quer über jeden Quadratmeter des Felds. Power Forward Lawrence Hill (11.5 ppg, 6.5 rpg, 0.9 bpg) ist der vielleicht meist unterschätzte Spieler der gesamten Liga. Auf dem Feld wirkt der Amerikaner extrem ruhig, ist aber vor allem durch sein variables Spiel (46 % Dreierquote) ungemein effektiv und begeht kaum Fehler.

Charaktertest am Sonntag

Manager Heyder hat das Spiel am Sonntag zum großen Charaktertest ausgerufen. Charakter hat die Mannschaft auf jeden Fall beim Sieg in Quakenbrück und auch im unglücklich verlorenen Heimspiel bewiesen. In manchen Phasen muss Bamberg abgeklärter agieren und seine Vorteile besser verteidigen. Gerade hier zeigten die Brose Baskets in dieser Saison immer wieder Schwächen, haben aber beim 1-1 Ausgleich bewiesen, dass es auch anders geht. Ein Charaktertest wäre die richtige Aufgabe für den alten Haudegen Goldsberry. Vor allem weil Smith mit unreifen Offensivaktionen und schwacher Verteidigung nicht überzeugen konnte. Trainer Fleming könnte aber auch weiterhin auf die bisherige Mannschaft vertrauen. Zum einen um Unruhe zu vermeiden und weil Smith’ Wurfqualitäten in schlechten Offensivphasen wichtig sein können. Egal wer sich das Trikot anzieht,   spielt Bamberg am Sonntag so, wie über 38 Minuten hinweg am gestrigen Abend, dann besteht eine wirklich gute Chance auf Spiel 5 am Dienstag in der heimischen Arena.

 

 

Alle für das E1NS-E1NS


Nach dem 0-1 im Playoff-Auftakt gegen die Artland Dragons hängt der Haussegen in Bamberg einigermaßen Schief. Nicht wenige singen bereits einen munteren Abgesang auf die Brose Baskets Version 2013/14 und scheinen dabei deutlich lauter zu sein, als sie es gestern in der Brose Arena waren. Unbestritten ist die bestenfalls durchwachsene Leistung des, mit hohen Ansprüchen ausgestatteten, Titelverteidigers. Die Dragons waren gestern mehr Bereit für Playoff-Basketball als die Bamberger Truppe. Eine konstant umgesetzter Gameplan der Gäste teils eklatante Schwächen der Bamberger, die die Gäste ein ums andere mal clever ausgenutzt haben, besiegelten den überraschende Heimniederlage. Nicht umsonst heißt es “never underestimate the heart of a champion”, jedoch muss sich bis zu Spiel zwei am Dienstag einiges ändern um ein 0-2 Situation des amtierenden Meisters zu verhindern.

1. Kommunikation

Teilweise wirkte die Teamverteidigung hilflos und unkoordiniert. Eine Auswirkung mangelnder Kommunikation in den Switch-Situationen und bei der Help-Defense. Wenn ein Teil der Mannschaft oder die Pick-and-Roll-Situation switched (wechselt) und der andere nicht, dann bekommt Artland sehr einfache Punkte und Coach Fleming Bluthöchstdruck. Während Gavel und Tadda bravourös versuchen, sich um jeden Block zu kämpfen, sind Smith und Jordan schwächere Verteidiger und leidenschaftliche Switcher hin zu Mißmatches für den Gegner. Eine bessere Kommunikation zwischen den Spielern und ein offenes Ohr die Anweisungen den Trainers, ist für eine Playoff-würdige Verteidigung unerlässlich.

2. Rebound

Mit satten zehn Rebounds unterschied haben die Bamberger das Reboundduell verloren. Durch das Mehr an Ballbesitzen und Angriffssequenzen, hatten die Dragons einen Vorteil, der am Ende gold wert war. Zwar war Fischer mit 14 Punkten und 9 Rebounds durchaus effektiv, aber die entscheidenden Bälle am Ende haben allesamt die Gegner gefischt. Nimmt man ganze sechs (!) Rebounds des kompletten übrigen Frontcourts um Zirbes, Ford und Harris hinzu, dann müssen sich die Insidespieler Bambergs gewaltig steigern. Im Vergleich hierzu hat Artlands Frontcourt alleine 26 Rebounds gefischt. Dazu gelangen dem 1.70 m Zwerg Holston stolze sechs Rebounds, drei davon am Bamberger Brett. Rebound ist eben doch keine reine Sache der Körperlänge sondern Einstellungssache.

3. Fitness

In den Playoffs können nur fitte Spieler helfen. Spielmacher Jordan war dies gestern offensichtlich nicht. Trotz sechs Assists war sein Wirkungskreis sehr überschaubar. Am Ende war er für einen unnötigen Ballverlust und Holstens Dreier mitverantwortlich, in beiden Situation war er zu langsam. Nach vier Wochen Wettkampfpause fehle ihm offensichtlich die Grundschnelligkeit und der Antritt. Kann er noch fitter werden oder funktioniert die Mannschaft mit dem Playoff-harten Goldsberry besser?
Bei Sanders liegt die mangelnde Fitness wohl eher im mentalen Bereich. Für eine erfolgreiche Serie wird der Athlet jedoch dringend auf dem Feld benötigt. Der bemühte Jacobsen kann den Artland-Topscorer Thomas nicht über ein Spiel vor sich halten. Findet Sanders nicht in die Serie und produziert nicht, dann wird es schwer die erste Runde zu überstehen.

4. Konstanz

Bamberg fehlte es schon über die ganze Saison an Konstanz. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie sich mit Leidenschaft und spielerischer Klasse wieder aus einem tiefen Loch raus kämpfen kann. Doch anstatt sich dann weiterhin an den Gameplan zu halten und gute Würfe zu kreieren, wurde schlechte und überhastete Optionen gewählt. Sinnbildlich ist hier die Aktion von Smith, der ohne Not und über motiviert, direkt aus dem Ballvortrag den schlechten Mitteldistanz-Jumpshot genommen hat. Bamberg hat es nicht geschafft, fünf gute und durchgespielte Angriffe hintereinander vorzutragen (egal ob Treffer oder Fehlwurf). Hier ist mehr Abgeklärtheit und Coolness von der Mannschaft gefragt. Playoff-Rookies sollten sich mehr an den halten Haudegen orientieren.

P.S. Eine konstant gute Freiwurfquote ist obligatroisch. (Ach Anton…)

5. Fans

Spiel eins war eine ziemlich müde Veranstaltung. So konnte man die vielen freien Plätze gerade noch mit der führen Jump-Zeit begründen, eine Ausrede der Anhänger für den mangelnden Support wird jedoch schwierig. Pfiffe für die eigenen Mannschaft in den Playoffs, bei einem zehn Punkten Rückstand sind indiskutabel und unerhört. Von den Rängen muss es mehr bedingungslose Unterstützung geben anstatt Verunsicherung zu zündeln. Die “Alle für die F5NF”-Kampagne scheint bisher nicht in Bamberg formerly known as Freak City angekommen zu sein.

In diesem Sinne “Alle für das “E1NS-E1NS”

Beko BBL Awards 2013/14 – Kosmonauts Edition


Die Hauptrunde in fast zu Ende gespielt und die Play-Offs nahen rasant. Über die Sozialen Netzwerke vermeldet die Beko BBL schon fast im Stundentakt die individuellen Awards in dieser Saison. Damit wird es auch für mich Zeit, meine ganz persönlichen Auszeichnungen in den obligatorien Kategorien zu vergeben.

MVP: Reggie Redding (ALBA Berlin)

Das Schweizer Taschenmesser des Pokalsiegers spielt eine starke Saison in einem Topteam der Liga. Er gibt der Mannschaft nicht nur eine sichere Scoring-Option (12.2 ppg) im Backcourt sondern setzt auch noch seine Mitspieler gut in Szene (3.5 apg)  und packt am Brett (4.2 rpg) ordentlich zu. Kurzum, er ist der konstante Erfolgsgarant für den Höhenflug de Albatrosse und macht das Team zu einem der Topfavoriten auf den Titel. Co-Runner-Up: Malcom Delaney (FC Bayern München Basketball), Anton Gavel (Brose Baskets)

Beko BBL MVP: Malcom Delaney (FC Bayern München Basketball)
Kosmonaut Midseason MVP: Anton Gavel (Brose Baskets)

 

DPOY: D´Or Fischer (Brose Baskets)

Kein anderer Spieler der Liga verändert die Angriffsbemühungen der Gegner so nachhaltig wie der amerikanische Centerspieler des Meisters. In gut 20 Min. Spielzeit sammelt der 2.11 m lange Stirnbandträger 6.0 rpg und blockt seine Gegenspieler satte 2.7 mal. Dazu sitzt Fischer stets in den Köpfen der Spieler, die sich zweimal überlegen, ob sie gegen ihn in die Zone ziehen wollen. Runner-Up: Chris Kramer (EWE Baskets Oldenburg)

Beko BBL DPOY: Clifford Hammonds (ALBA Berlin)
Kosmonaut Midseason MVP: D’Or Fischer (Brose Baskets)

 

Offensiv-POY: Darius Adams (Eisbären Bremerhaven)

Der quirlige Aufbauspieler aus dem hohen Norden ist sowohl ein begnadeter Scorer (17.9 ppg) wie auch ein guter Spielmacher (3.8 apg), der seine Mitspieler in Szene setzt. Mit seinen nur 1.82 m fischt der Spielmacher zudem noch 4.2 rpg. Runner-Up: Isaiah Swann (New Yorker Phantoms Braunschweig)

Beko BBL OPOY: Darius Adams (Eisbären Bremerhaven)
Kosmonaut Midseason OPOY: Andy Rautins (Fraport Skyliners)

 

Most Improved POY: Danilo Barthel (Fraport Skyliners)

Der deutsche Flügelspieler der Frankfurter hat diese Saison einen riesen Schritt nach vorne gemacht und kommt auf stolze 11.4 ppg und 5.0. Im Vergleich zu vergangenen Saison schafft der 23-Jährige damit +7.1 ppg und +2.1 rpg. Damit ist er eine der tragenden Säulen der Fraport Skyliners. Runner-Up: Maxi Kleber (S.Oliver Baskets Würzburg)

Beko BBL MIP: Danilo Barthel (Fraport Skyliners)
Kosmonaut Midseason MIP: Larry Gordon (Phoenix Hagen)

 

Coach OY: Silvano Poropat (Mitteldeutscher Basketball Club)

Der Kroate steht mit einer Mannschaft, die viele als ersten Abstiegskandidaten vor Saisonbeginn eingeschätzt haben, nun mit einem ausgeglichenen Punktekonto am Rande der Play-Offs. Er hat die richtigen “namenlosen” Spieler gefunden und aus ihnen eine Mannschaft geformt, die konstant gute Leistungen in der Liga zeigt. Zudem hat er mit Angelo Caloiaro (14.5 ppg, 7.0 rpg) den wohl besten Steal in diesem Jahr aus der bulgarischen Liga geholt und auch mit der Nachverpflichtung des erfahrenen Spielmachers Marcus Hatten (13.7 ppg, 4.9 apg) ein goldrichtiges Händchen bewiesen. Runner-Up: Sacha Obradovic (ALBA Berlin)

Beko BBL COY: Silvano Poropat (MBC)
Kosmonaut Midseason Co-COY: Silvano Poropat (MBC), Gordon Herbert (Fraport Skyliners)

 

All-Beko-BBL-First Team:

PG: Malcom Delaney (FC Bayern München Basketball)
SG: Anton Gavel (Brose Baskets)
SF: Reggie Redding (ALBA Berlin)
PF: Angelo Caloario (Mitteldeutscher Basketball Club)
CE: D’or Fischer (Brose Baskets)

 

All-Beko-BBL-Second Team:

PG: Jared Jordan (Brose Baskets / Telekom Baskets Bonn)
SG: Darius Adams (Eisbären Bremerhaven)
SF: Larry Gordon (Phoenix Hagen)
PF: Jamel McLean (Telekom Baskets Bonn)
CE: Anthony King (Artland Dragons)

 

Jetzt wird es Zeit für alle individuell Ausgezeichneten für ihre Farben in den Play-Offs neue Heldentaten zu vollbringen. Letztendlich machen gute Spieler auch immer ihre Mannschaft besser und am Ende ist der einzige Titel der zählt, der Deutsche Meistertitel.

Kosmonaut