US-Trio sagt “hello”, einer “do videnia!”


Es scheint als würden Bambergs Macher beim Spielerkader rasch Nägel mit Köpfen machen wollen. Nachdem bereits mit Daniel Theis ein echter Coup gelungen war, gesellten sich in den vergangenen Tage gleich drei hochklassige US-Spieler hinzu: Power Forward Josh Duncan (Hapoel Jerusalem), Spielmacher Brad Wanamaker (Giorgio Tesi Pistoia) und Swingman Ryan Thompson (Telenet Oostende).

Maj sa dobre, Tono!

Bei aller Euphorie heißt es aber auch Abschied nehmen vom bisherigen DNA-Spieler und dem riesigen Herz der Brose Baskets. Anton Gavel verlässt Bamberg definitiv und möchte sich einer neuen Herausforderung stellen. Diese kann an der Isar liegen, jedoch gibt es wohl auch weitere potente Interessenten aus der Euroleague. Bamberg hat Anton Gavel viel zu verdanken, aber auch anders herum wird ein (Basketball-)Schuh draus. Nach einigen Wanderjahren als Rollenspieler durch die südeuropäischen Ligen, gelang Bamberg mit seiner Verpflichtung aus der Slowakischen Liga ein echter “Home Run”. Sieben nationale Titel fallen in die Gavel´sche Ära und der gebürtige Slowake hat sich von einem durchaus talentierten, aber nicht sonderlich herausragenden Akteur zu einem echten Spitzenspieler und “Spielermarke” gemausert. Nach so viel Erreichtem und den Jahren in der fränkischen Provinz, sei es ihm gegönnt noch einmal etwas anderes in seinem Sportlerleben zu erleben. Bamberg ist ihm in jedem Fall zu großem Dank verpflichtet, auch wenn es wieder Fans geben wird, die dies nun anders sehen. Denen ist aber eh nicht zu helfen. Maj sa dobre, Tono!

 

Die Neuen

Blicken wir aber nun voraus auf die drei neuen US-Amerikaner und das der Position auf dem Feld nach.

Der Spielmacher

Der erste im Bunde wäre somit Brad Wanamaker. Er war einer der Topspieler in der ersten Italienischen Liga und ist mit seinem Team erst im fünften Spiel am späteren Meister aus Mailand gescheitert.

Giorgio Tesi Pistoia (Lega A / ITA)
16.2 ppg | 2.9 rpg | 4.7 apg | 44 % 3er-Quote

Er ist Bambergs neuer Spielmacher Nr. 1 und bring viele mit, was man sich schon von Zack Wright versprochen hat. Gemeinhin gilt er als Playmaker mit ausgezeichnetem Pick and Roll-Verständnis und einem guten Zug zum Korb. Zwar ist er kein ausgewiesener Distanzwerfer, aber dafür mit guter Wurfauswahl und guter Quote. Dazu sind 1.93 m geradezu Gardemaß für die “Eins”, gepaart mit seiner Athletik sollte uns diese Physis vorne wie hinten etwas zählbaren geben. Wanamaker ist sicherlich noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Mit 24 Jahren ist er immer noch ein sehr junger Spieler, der aber bereits vier Jahre in guten europäischen Ligen hinter sich hat. Dabei war die abgelaufene Saison sein großer Durchbruch. Eine gute Basis, um in Bamberg den nächsten Schritt zu machen und eine erfolgreiche europäisch aktive Mannschaft zu führen.

Spielerseite Wanamaker von Pistoia mit Fotos und Videos

 

Der variable Forward

Die offizielle Bestätigung von Clubseite steht zwar noch aus, aber sowohl der Agent wie auch Ryan Thompson selbst bestätigen den Wechsel. Auf diesen Spieler bin ich erstmal bei den Live-Spielen zu Euroleague-Quali gestoßen. Dort hat es Oostende überraschend bis ins Endspiel geschafft und der US-Spieler war der überragende Akteur. Damals hatte ich mich gefragt, was ist das für ein Spieler? Er schien alle Positionen zu spielen. Mal Ballvorträger und Spielmacherersatz, mal Dreierschütze, mal Scorer in der Zone, mal Rebounder. Das komplette Paket hat er damals gezeigt und ein “Whow” bei mir erzeugt. Ähnliches erwartet man von keinen Bruder des NBA-Profis Jason Thompson.  Alles gut zu können, verhinderte wohl bisher eine NBA-Karriere, ist aber die beste Voraussetzung um in Europa ein dominanter Spieler zu werden. Dominant war seine Saison aus in Oostende, wo er neben der Fast-Euroleagueteilnahme auch den Pokal und die Meisterschaft feiern konnte.

Telnet Oostende (Ethias League / BEL)
16.3 ppg | 2.8 rpg | 2.2 apg | 43 % 3er-Quote

Der Rider-Absolvent spielt auf den Positionen Shooting Guard und Small Forward und erinnert nicht nur von seiner Physis her an den großen Michael Jordan: 1.98 m und 100 kg. Mit diesen Anlagen könnte er insgesamt etwas besser rebounden, aber es sind genug  anderen Anlagen vorhanden, die ihn zu einem echte “Steal” machen könnten. Er hat ein schier unerschöpfliches Arsenal zu Punkten: Einen sicherer Dreier, ein gutes Midrange-Game, Cleverness und Power sich am Brett durchzusetzen (er bringt gerne seinen Körper zwischen Gegner und Ball) und ein guter Werfer von der Freiwurflinie. Genug, um die gegnerischen Verteidigungsreihen zu vermehrten Aspirinkonsum zu nötigen. Er kann in Bamberg den ganz großen Durchbruch schaffen, wie bereits einige Amerikaner vor ihm. Ich traue ihm zu, dass er die Zuschauer von den Hockern der Brose Arena reißt, wenn diese bis Saisonbeginn nach dem Qualitätsdesaster wieder funktionsfähig sind.

 

Der Große mit dem großen Name

Duncan, als Tim einer der All-NBA-Greatest, als Josh der neue Power Forward der Brose Basket mit der Option zum schnellen Center.  Beim isrealischen Top Club war der Xavier-Absolvent im Eurocup Topscorer, in einer Mannschaft die mit vielen weiteren Starts gespickt war: Yotam Halperin, Lior Elyahu, Ronand Dupree, Derwin Kitchen, Bracey Wright.

Hapoel Migdal Jerusalem (Winner Super League / ISR)
15.0 ppg | 6.7 rpg | 1.0 apg | 47 % 3er-Quote

Der Amerikaner ist einer hervorragender Pick-an-Pop Spieler. Als Vierer oder Fünfer versenkte er einen Dreier pro Partie im Korb des Gegners, dazu ist er brandgefährlich mit seinem Mitteldistanzwurf, ein klassischer Back-to-the-Basket-Typ ist er also nicht. Die Kombi Wanamaker-Duncan kann man sich also bereits gut in der Funktionsweise vorstellen. Seine eher durchschnittliche Sprungkraft hindert Duncan jedoch nicht daran genug Wege zu finden, um sich auch am Brett durchzusetzen. Seine große Stärke ist auf jeden Fall der Wurf, seit 2011 lagen seine Dreierquoten nie unter 41 % und seine Freiwurfquote nie unter 84 %. Pest oder Cholera also für den Gegenspiel, wenn es darum geht Duncan werfen zu lassen oder zu faulen.

 

Was heißen die beiden neuen nun also für den Rest der Wackelkandidaten im Kader. Jamar Smith als Comboguard mit überragenden Wurf, Rakim Sanders als talentierter “Tweener” und Maik Zirbes als klassischer Brettcenter würden durchaus gut zum Rest passen. Nimmt man die Wackelkandidaten (egal ob Vertrag, Option oder sonst etwas) mal außer Acht, benötigt Bamberg wohl noch einen Spielmacher von der Bank, einen Comboguard, einen Flügelspieler und zwei Center. Dabei wären noch drei Plätze an Ausländer zu vergeben, zwei müssten Inländer sein. Durch den neuen isrealischen Pass wird ein Verbleib von “Fingerzeiger” D’or Fischer unwahrscheinlicher. Nach seiner guten letzten Saison ist eher davon auszugehen, dass er sich den Pass, passend zum Vornamen, vergolden lässt und in einer südeuropäischen Liga anheuert, wo die Ausländerregelung diesen speziell honoriert.

 

Bisheriger Kader (mit Vertrag oder Option)

Brad Wanamaker | Pos. 1 | USA
Jamar Smith | Pos. 1/2 | USA
Karsten Tadda | Pos. 2/3 | D
Ryan Thompson | Pos. 2/3 | USA
Rakim Sanders | Pos. 3/4 | USA
Elias Harris | Pos. 3/4 | USA
Johannes Thiemann | Pos. 4 | D
Daniel Theis | Pos. 4/5 | D
Josh Duncan | Pos. 4/5 | USA
Maik Zirbes | Pos. 5 |D

Andrea Trinchieri | HC | ITA

 

 

Andiamo Brose Baskets!


Die Lage unter Bambergs Basketballfans hat sich wieder merklich beruhigt. Das liegt vor allem am neuen Chefcoach der Brose Baskets, Andrea Trinchieri. Der Italiener hinterlässt mit seiner eigenen Art bisher einen hervorragende Eindruck und es fällt jedem Basketballinteressieren schwer, sich der Aura des ehemaligen Kazan-Trainers zu entziehen.

In seinem ersten großen Interview mit Spox.com wurde deutlich, dass Trinchieri eine durchaus interessante  und intelligente Sicht auf die Liga hat. So das Zeug zum Kulttrainer könnte man ihm attestieren, wenn man den Vergleich von Jan Pommer mit Steve Jobs oder die Aussagen, dass die Bayern nerven, sieht. Auf jeden Fall bringt er eine neue, souverän-interlektuelle Qualität in die Außendarstellung der sportlichen Führung.

Bevor sich jemand langweilt, warne ich jeden vor: Ich werde im Interview häufig ein Wort aus dem Englischen nutzen, um die Entscheidung zu erklären. Es lautet: “sustainability”. Die BBL ist die nachhaltigste, stabilste und zukunftsfähigste Liga außerhalb der NBA. – Andrea Trinchieri

Spox.com Interview mit Andrea Trinchieri

Altlasten will das Sportmanagement dem neuen Majestro an der Seitenlinie keine hinterlassen und das ist auch gut so. Deshalb war es nur konsequent die Optionen bei Jared Jordan und Sharrod Ford nicht wahr zu nehmen. Ein nahezu unbesetzer Kader ermöglicht eine Mannschaft nach dem Gusto von Trinchieri.

 

Freie Hand

Aus dem letztjährigen Stammkader haben nur Elias Harris, Jamar Smith und Rakim Sanders einen Vertrag für die kommen Saison, auch bei Center Maik Zirbes gibt es wohl irgendeine Vertragsoption auf der einen oder anderen Seite. Wobei davon auszugehen ist, dass die beiden, im vergangenen Jahr teils enttäuschenden, Amerikaner abgegeben werden sollen. Bleiben hingegen wird Karsten Tadda und das bis 2016. Trinchieri hat keinen Heel daraus gemacht, den Gundelsheimer unbedingt behalten zu wollen, weil er dessen Spielweise schätze und ihn als große Integrations- und Identifikationsfigur sieht.

Den zuletzt gescholtenen Tadda, Harris und wohl auch Zirbes, wird ein gewisser Neuanfang gut tun. Vor allem die beiden Insidespieler würden sicherlich profitieren, wenn sich das Spieler der Bamberger wieder etwas ausgeglichener zwischen Inside-Outside-Game gestaltet.

Dass dies möglich erscheint, zeigt die erste Neuverpflichtung. Mit Daniel Theis aus Ulm wird sich ein weiterer Nationalspieler zu den bewährten Kräften gesellen. Der 23-jährige Forward gilt als der kommende deutsche Spieler in der Liga. Mit seiner Verpflichtung haben die Brose Basket in der Szene ein echtes Ausrufezeichen gesetzt, auch wenn sich Ulm Manager öffentlich über ein unverschämt hohen Angebot spricht. Pleiß und Theis reimt sich nicht nur hervorragend, sondern werden die kommenden zehn Jahre den Frontcourt der deutschen Nationalmannschaft dominieren. Der gebürtige Salzgitterer bleibt bis mindestens 2016 und ist einer der Köpfe, um die Trinchieri eine nachhaltig erfolgreiche Mannschaft bauen will.

Statistiken Daniel Theis (ratiopharm Ulm 2013/14)
9.7 ppg | 6.2 rpg | 1.3 bpg in 21 Min.

 

Geht Gavel, kommt Duncan?

Zwar dementieren bisher alle Parteien vehement, dass eine Entscheidung in der Causa Anton Gavel gefallen ist, ein Abschied liegt momentan jedoch irgendwie näher als ein Verbleib. Angeblich bezahlt der FC Bayern München dem Deutsch-Slowaken 1.2 Mio. US-$ für zwei Jahre (Quelle: sportando.net). Bis Ende des Monats sollte eine Entscheidung auch öffentlich werden, um den Investitionsstau aufzulösen.

Einige amerikanische Topspieler aus europäischen Ligen werden momentan mit Bamberg in Verbindung gebracht. Zwar gab Trinchieri im Spox.com Interview bekannt, dass ihn der FC Bayern München nerve, weil sich bei jeder Spielerverpflichtung störend aktiv würden, aber bei den gehandelten Namen ist die Konkurrenz groß und sogar noch größer als die von der Isar.

Sehr weit fortgeschritten scheinen die Bemühungen um den variablen US-Power Forward Josh Duncan vom israelischen Top-Club Hapoel Jerusalem zu sein. Laut Sportando.net wird der 2.03 m Athlet einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Zuletzt soll auch Euroleague-Sieger Maccabi Tel Aviv Interesse gezeigt haben. Er gilt als sehr konstanter Spieler mit gutem Gefühl für das Spiel, der immer eine erwartbare Leistung abruft. Zudem ist er ein guter Schütze aus allen Distanzen, bis hinaus zur Dreierlinie, was vor allem bei “Pick and Pop”-Situationen zur Geltung kommt.

Statistiken Josh Duncan (Hapoel TA 2013/14)
14.9 ppg | 6.7 rpg | 47% 3er in 26 min.

Eher unwahrscheinlich wird damit die Verpflichtung von Ex-Cantu Spieler Marty Leeunen, den Trinchieri bereits dort mehrere Jahre in seinem Team hatte und als echter Glue-Guy gilt mit hohem Basketball-IQ gilt. Mit Harris, Theis und eben Duncan wäre die Position bereits sehr stark besetzt. Ein anderer gehandelter Name ist Carlon Brown, ein Statistik-füllender (19,6 Punkte, 4,6 Rebounds und 4,5 Assists) Shooting Guard von Hapoel Tel Aviv. Aktuell ist aber wohl Olympiakos Piräus das Team, mit den größten Chancen auf den Amerikaner.

 

Der Kader

Elias Harris / 2.03 m / PF / D
Karsten Tadda / 1.92 / SG / D
Daniel Theis / 2.04 m / PF / D
Josh Duncan / 2.03 m / F / USA (?)

Maik Zirbes / 2.08 m / C / D (?)
Rakim Sanders / 1.96 m / F / USA (?)
Jamar Smith / 1.91 m / G / USA (?)

Es wird ein spannender Sommer in Bamberg. Ich selbst freue mich wie ein kleines Kind auf den neuen Zyklus und welche Spieler der Eurocup-Trainer des Jahres nach Bamberg lotsen kann. Zu hohe Erwartung sollte man jedoch nicht haben, wie hatte er doch betont,  dass in Kazan 90 % des Etats in die Spieler wanderte, in Bamberg seien es nur circa 50 %. Doch ihm liegt dieses nachhaltige Haushalten in die Investition als Programm in Infrastruktur und Nachwuchs mehr am Herzen als nur große Namen zu coachen.

Unterm Strich wirkt’s manchmal recht nütern


Leicht fällt es mir nicht, die Ereignisse der vergangenen Tage und Woche zu sortieren und einen objektiven Maßstab an den Tag zu legen. Einen objektiven Maßstab, den viele Meinungen rund um den Status Quo der Brose Baskets in Bamberg sträfliche vermissen lassen. Vielmehr zeigen sich Parallelen zu den Bürgerkriegsartigen Zuständen in der Urkraine, nur dass sich in Franken auf die Waffengattung “Wort” beschränkt wird. Eine Spaltung der Fangemeinde scheint unausweichlich. Entweder Du stehts auf der Seite des mächtigen Clubeigners Michael Stoschek oder eben auf der Seite von Wolfgang Heyder und Chris Fleming.

Dabei war es auch die kontraproduktive Kommunikationspolitik des Aufsichtsrats, die zu Eskalation beitrugen. Der Erfolgsunternehmer musste lernen, dass die emotionale Anhängerschaft mit anderen Botschaften zu adressieren ist, als es in einem B2B-Umfeld mit Managern und Fachpresse üblich sind. Dennoch geht die Michael Stoschek entgegen gebrauchte Kritik bisweilen zu heftig unter die Gürtellinie. Zurecht fordert er mehr Respekt für seine Leistung seit vielen Jahren für die Brose Baskets ein.

Eine gemäßigte Mitte, zu der ich mich zähle, geht im Wortgefecht der polarisierenden Meinungen fast unter. Es folgt der Versuch die vorgetragenen Entscheidungskriterien von Michael Stoschek zu reflektieren und die Entscheidung, die ihm als verantwortlicher Eigentümer zusteht, auch so zu akzeptieren.

 

Ziele verfehlt

“Die Ziele und die Realität waren in dieser Saison weiter auseinander als je zuvor. Die gesamte Leistung war im Vergleich zu dem Aufwand, den wir treiben, noch nie so schlecht.” -Michael Stoschek

Auf den ersten Blick es hieran keinen Zweifel zu geben und auch beim zweiten und dritten werden die Diskrepanzen zwischen Anspruch und Realität mehr als deutlich:

  • 2009/10: Deutscher Meister und Pokalsieger, Eurocup Last 16 2S/4N
  • 2010/11: Deutscher Meister und Pokalsieger, Euroleague Vorrunde 4S/6N
  • 2011/12: Deutscher Meister und Pokalsieger, Euroleague Vorrunde 3S/7N
  • 2012/13: Deutscher Meister, Pokal Viertelfinale, Euroleague Top 16 3S/21N
  • 2013/14: Play-Off Viertelfinale, Pokal Halbfinale, Euroleague Vorrunde 3S/7N, Eurocup Last32 S3/3N

Um eine gerechte Wertung abzugeben, müssen die Saisonziele betrachtet werden, die von offizieller Seite wie folgt formuliert wurden:

Kontinuität in den Ligen. Also Meisterschaft (wenn auch nicht zwingend Erster) und Euroleague (möglichst das Erreichen der TOP 8). - wbeyersdorf.de unter Berufung auf Wolfgang Heyder

“Das Ziel muss aus meiner Sicht sein, auf jeden Fall ins Halbfinale zu kommen, möglichst ins Endspiel.”Wolfgang Heyder (nach dem Euroleague-Aus)

Der Interpretationsspielraum ist hier gering. Am Ende muss klar attestiert werden, dass alle sportlichen Ziele klar verfehlt wurden, auch wenn Wolfgang Heyder klar betont, der der Titel kein Automatismus sein kann. Sofern ist der Aussage von Michael Stoschek kaum etwas hinzu zu fügen. Sie ist sachlich korrekt. Selbst die spielerische Leistung auf dem Feld bliebt hinter den Erwartungen zurück. Von einem Desaster zu sprechen, ist jedoch übertrieben. In der Euroleague waren individuelle Fehler für zwei entscheidende Niederlagen verantwortlich, im Spiel um Platz 1 sowie in der Playoffs Serie gegen die Artland Dragons bei den knappen Heimspielen ebenso. Wären in jeweils einer Spielszene jeweils anderen Entscheidungen getroffen worden, dann wäre Bamberg im Top16 gestanden und würde jetzt mit ALBA Berlin um den Einzug in das Beko BBL Finale kämpfen. Ob man dies Chris Fleming anlasten kann, darf durchaus kontrovers diskutiert werden.

 

Spieler entwickelten sich nicht weiter

Julius Jenkins und Jared Jordan wurden als prominente Beispiele gebraucht, um eine negative Entwicklung zu attestieren. Natürlich kommt einem er ehemaliger Bonner Spielmacher sofort in den Sinn. Große Erwartungen waren an den vermeintlichen Königstransfer verknüpft. Er sollte endlich die ordnende Hand sein und als letzten Puzzleteil den Erfolg bringen. Eine neue Rolle, der späte Saisonzeitpunkt und die promte Verletzungpause machten dem Floor General das Leben schwer. An seine Glanztaten in Bonn, konnte Jordan in Franken nicht anknüpfen.

Effektivitätswerte Beko BBL

Jared Jordan: 16.4 (2013/14 in Bonn) > 10.8 (2014 in Bamberg)
Julius Jenkins: 12.1 (201/11) in Berlin) > 7.7 (2011/12 in Bamberg) > 11.0 (2012/13 in Oldenburg)

Anton Gavel:  14.3 (2012/13) > 12.2 (2013/14)
Maik Zirbes:  11.2 (2012/13) > 9.4 (2013/14)
Philipp Neumann: 7.3  (2012/13) > 6.0  (2013/14)
Karsten Tadda: 4.1 (2012/13) > 2.9 (2013/14)
Sharrod Ford: 13.8 (2012/13) > 10.3 (2013/14)

 

Alle U30-Stammspieler (Casey Jacobsen und John Goldsberry bleiben bewusst unberücksichtigt), haben in dieser Saison einen klaren Abwärtstrend zu verzeichnen. Auch die jungen Nationalspieler, von denen eigentlich erwartet werden konnte, dass sie einen Schritt nach vorne machen anstatt zu stagnieren. Die eigene Verantwortung der Spieler bei einer solchen Entwicklung darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Nicht in jedem Falle ist ausschließlich der Headcoach dafür verantwortlich zu machen. Zu häufig sind es auch persönliche Befindlichkeiten der Spieler oder ein neues Teamgefüge und eine andere Rolle, welches in die Einzelbetrachtung einbezogen werden muss.

 

Viele Nachverpflichtungen

Die Fluktuation in den beiden letzten Kadern war überdurchschnittlich. An das Märchen der Kostenneutralität, die immer wieder kolportiert wurde, ist nur schwer die glauben. Zumindest Matt Walsh und Jared Jordan haben ordentlich Ablösesumme gekostet, dabei mag es Ironie des Schicksals sein, dass sie in Bamberg wegen Verletzungen nicht richtig zur Entfaltung kamen. Die beiden besagten Amerikaner sowie ihre teils prominenten Kameraden gehörten ob ihrer Vita allesamt nicht unbedingt zur Kategorie “Sonderschnäppchen”. Dabei war der Kader zu Saison 2013/14 wirklich durchdacht zusammengestellt. Leider hat er sich auf dem Platz nur nie gefunden.

Nachverpflichtungen während der Saison

Saison 2010/11: 1
Saison 2011/12: 0
Saison 2012/13: 4
Saison 2013/14: 4

In der Tat ist es auffällig, dass sowohl in der vorletzten, wie auch in der vergangenen Saison viele Wechsel im Spielerkader waren. Während vergangene Saison die Nachkäufe noch in einem Titel resultierten (am Ende stand davon nur Alex Renfroe im Kader), war die Bilanz zuletzt trotz der teilweise etablierten Qualitätsspieler mau. Gerade zuletzt hat Bamberg eigentlich gut nachverpflichtet. Die tragische Verletzungshistorie von Novica Velickovic und die Ablehnung der Führungsspielerrolle von Zack Wright machten Handeln notwendig. D’Or Fischer erwies sich als goldrichtiger Zugang und auch Nationalspieler Elias Harris sowie Spielmacher-Crack Jared Jordan erschienen als “No-Brainer”. Ein wichtiger zweiter und dritter Führungsspieler in der jungen Mannschaft neben Anton Gavel war dennoch nicht im Kader präsent.

 

Probleme gegen schwächere Teams

Er hat bei uns ein Aufsteiger noch nicht einmal Respekt, der gegen uns spielt. - Michael Stoschek

Die Liga ist ausgeglichener geworden, dennoch missfiel es Michael Stoschek, dass sich die Brose Baskets immer wieder gegen die schwächeren Team schwer taten. Gefühlt würde ich ihm recht geben, doch es lohnt ein Blick auf die Zahlen. Im Schnitt wurden die Spiele gegen die fünf schwächsten Teams mit respektablen 13,9 Punkten Unterschied gewonnen. Eine Zahl, die auch in der Höhe durchaus legitim ist und einen Qualitätsunterschied vermuten lässt. Verzerrt wird die Statistik aber ein wenig durch den Kantersieg gegen die S.Oliver Baskets beim Jared Jordan Debüt mit sage und schreibe +38 Differenz. Ganze sechs Partien gingen am Ende mit sechs oder weniger Punkten an die Brose Baskets, verloren haben sie dafür keine einziges der insgesamt zehn Spiele.

Siege-/Niederlagen-Bilanz:

Insgesamt: 31 Siege / 11 Niederlagen
Playoff-Halbfinalisten: 6 Siege / 10 Niederlagen
Last5-Teams: 10 Siege / 0 Niederlagen

Gegen die vier Halbfinalisten sieht es anders aus. Hier ist die Bilanz (Ligaspiele, Pokal, Playoffs) klar negativ. Sechs Siege gegen die Artland Dragons, den FC Bayern München, ALBA Berlin und den EWE Baskets Oldenburg stehen zehn Niederlagen gegenüber. Dabei war vor allem die Ausbeute ab der Halbserie bei nur noch zwei Siegen und sieben Niederlagen gegen das Quartett schon ein Fingerzeig zur Wettbewerbsfähigkeit.

 

Sportlich nachvollziehbare Trainerentscheidung

Unterm Strich kann man die Entscheidung sportlich wohl nachvollziehen – frei von jeglicher Sympathie oder eigenen Loyalitätsvorstellungen. Die sportlichen Ziele wurden verfehlt, die Attraktivität des gezeigten Sports lies häufig zu wünschen übrig und die Entwicklung als Kollektiv sowie individueller Spieler war am Ende negativ. Der Zyklus ist am Ende und der Kredit an Vertrauen in Chris Fleming, für den Beginn einen neuen erfolgreichen Abschnitts, war bei dem Entscheidungsträger verbraucht. Somit musste es zweifellos zu einer klaren Trennung kommen, auch damit der Trainer nicht von Beginn an unter Dauerfeuer steht. Mit dem Namen Fleming bleibt ein Rekord für die Ewigkeit in der Bamberger Basketballhistorie: 7 Titel sind eine grandiose Bilanz die bleiben wird.

 

Heyder wird fehlen

Noch bedeutender ist der Rückzug des Architekten der Basketballerfolggeschichte, Wolfgang Heyder. Für die Stelle des sportlichen Leiters konnte man sich keinen Besseren vorstellen: Workaholic, Experte, Nachwuchsförderer, Lospolterer, Bamberger Original, Herzblutopferer. Freiwillig heißt es, aber ebenso, dass es deutliche Differenzen zwischen ihm und dem Inhaber zur sportlichen Analyse und Ausrichtung gegeben hat. Zwei Alphatiere in einem Gehege geht selten gut. Umso konsequenter ist der Schritt des ehemaligen Managers, bevor er einem ständigen Kampf ausgesetzt ist, den er nicht gewinnen kann. Ein Denkmal gehört ihm gesetzt. Dort im Mittelgang zu den Gästekabinen. In der typischen Wolle-Pose mit grimmig-zusammengezogenen Augenbrauen und der abwinkenden Gesten, wenn er sich über eine Entscheidung auf dem Feld ärgerte. Er wird fehlen, sportlich und als Kultfigur am Rande.

 

Lieferverpflichtung

Welche Köpfe denen neuen Zyklus beginnen sollen wird spannend. Wolfgang Heyder hatte einen Plan, Michael Stoschek hat einen anderen. Letzterer ist nun am Zug. Jede Verpflichtung wird nun mit Argusaugen beobachtet werden. Letztendlich darf jetzt derjenige liefern, der das – in genau diesem Wortlaut – mehr als einmal von seinem sportlichen Führungspersonal eingefordert hat. Statt auf kleine Brötchen gut zu finden, schätze ich den Brose-Magnaten eher in der Kategorie “think big”. Ich harre der Dinge und blicke mit einer gewissen Vorfreude auf das Kommende.

Euer Kosmonaut

Saisonrückblick


Es wird erstmals seit 2009 einen Deutschen Basketballmeister geben, der nicht Brose Baskets heißt. Was während der Saison bereits abzusehen war, wurde von gut aufgelegten Dragons aus dem Artland im Playoffs-Viertelfinale bitter bestätigt. Das frühe Saison-Aus darf mit “leistungsgerecht” und “verdient” betitelt werden. Die Mannschaft hat sich während der gesamten Saison nie so gefunden, um ihrer Favoritenrolle mit der entsprechenden Geschlossenheit gerecht zu werden. Insgesamt lag auch die spielerische Qualität, nicht auf dem Niveau der erfolgreichen Vorjahre. Damit wurde vor wenigen Tagen auch das letzte Saisonziel verfehlt. Der Auftakt einer aktuell unsäglichen Spaltung der Anhänger in Oberfranken: Während die einen Verständnis für einen Neuanfang mit unverbrauchtem sportlichen Personal befürworten, halten die anderen treu zu Trainer Chris Fleming und verdammen den mächtigen Clubchef Michael Stoschek auf allen Kanälen. In einer Phase, in der viele Emotionen überquellen, möchte ich versuchen die Saison rein sportlich Revue passieren zu lassen und einen Blick auf die Leistung der Spieler zu werfen.

Sportliche Ziele der Saison 2013/14

  1. Euroleague Top 16: verpasst
  2. Eurocup Last 8: verpasst
  3. Top4-Pokal: Niederlage im Halbfinale gegen ALBA Berlin
  4. Play-Offs: 1-3 in der ersten Runde gegen die Artland Dragons ausgeschieden

 

Dabei war der Spielerkader zu Saisonbeginn von Trainer Chris Fleming und Manager Wolfgang Heyder wirklich durchdacht und logisch geplant worden. Ausgemachte Schwachstellen aus der Vorsaison wurden auf dem Papier klar behoben, lediglich die beiden jungen Deutschen Center schienen ein kalkulierbares Risiko, um Raum für Entwicklung zu schaffen:

  • Athletischer Spielmacher
  • Starker Werfer in Backcourt
  • International erfahrener Europäer am Flügel
  • Athletik auf der Flügelposition

Am Ende kam vieles anders als geplant. Zack Wright fand als Spielmacher nie die Bindung zum Team und verließ die Mannschaft in Richtung Panathinaikos Athen. Novica Velikovic wurde nie so fit, dass er die Rolle eines Leistungsträgers einnehmen konnte. Sein Vertrag wurde folgerichtig aufgelöst und Jungcenter Philipp Neumann unabhängig davon an die EWE Baskets Oldenburg ausgeliehen. Die Bilanz der, fast schon obligatorischen, Einkaufstour während der Saison kann sich durchaus sehen lassen: D’Or Fischer, Elias Harris und Jared Jordan. Die Schwachstelle am Brett wurde richtig stark adressiert, zugleich aber auch die Athletik im Backcourt über Bord geworfen und die langjährige Erfolgskomponente eines spielintelligenten großen Flügelspielers mit europäischer Basketballschule war Vergangenheit.

 

EINZELBWERTUNG DER SPIELER:

#5 John Goldsberry

Beim Blick auf die Statistik (3.1 Punkte, 29 % Dreiequote und 3.0 Assists pro Partie) könnte man meinen, dass die Saison mau war. Als 7. Ausländer geplant, war er  am Ende dennoch in 22 Ligaspielen auf dem Feld gestanden und hat wieder halbwegs Ordnung in den latenten Chaosaufbau gebracht. Dabei war er, wie immer, ein Vorbild an Einstellung und Kampfgeist für seine Mitspieler. Der altgediente Spielmacher tat sich aber gegen die schnellen athletischen Gegner schwer. Nicht weil er nicht wollte, sondern weil sein Körper nicht mehr her gab.

Vertrag ausgelaufen. Er bleibt in Bamberg als Trikot unter dem Hallendach. Der “Eiergott” beendet, nach mehreren gefühlten Sportinvaliditäten, jetzt wirklich seine Karriere.

 

#7 Rakim Sanders

Der Überathlet ist ein Spieler der entweder richtig Spaß machte oder viele Haare kostete. Der 24-Jährige hat alles, um ein prägender Spieler auf der Forward-Position zu werden: Ordentlicher Schuss (91. Punkte pro Spiel), hohe Grundschnelligkeit, gutes Reboundverhalten, starke Verteidigung, eine Nase für den Steal, überragende Sprungkraft etc. Seine Leistungen waren hochvolatil und in den entscheidenden Spielen tauchte er regelmäßig ab. Manchmal schien er mit dem Kopf nicht auf der Höhe des Geschehens. Es fehlte die erhoffte Konstanz und manchmal das richtige Zielwasser: 30 % von der Dreierlinie sind ausbaufähig, 47 % Freiwurfquote eigentlich indiskutabel.

Vertrag bis 2015. Sanders hat das Potential in der kommenden Saison einen großen Schritt nach vorne zu machen.

 

#9 Karsten Tadda

Das Eigengewächs für die Sonderaufgaben hatte wirklich keine gute Saison und die Nationalmannschaft ist in weiter Ferne. Für ihn war wenig Platz im voll gestopften Backcourt und seine Harmlosigkeit in der Offensive (1.9 Punkte pro Partie, 22 % Dreierquote)) lies dem Trainer auch kaum eine andere Wahl. Am Ende war er wieder in seine Rolle als Kettenkund mit vollem Einsatz dabei. Insgesamt war die Saison ein Rückschritt für ihn.

Vertrag ist ausgelaufen. Nach sieben Jahre in Bamberg-Trikot, deutet einiges auf eine Luftveränderung hin.

 

#10 Jared Jordan

Der beste Spielmacher der Liga kam nach Bamberg, um Titel zu gewinnen. Er sollte der letzte Baustein für eine erfolgreiche Mannschaft sein. Das Glück war ihm nicht hold, und er musste lange pausieren. Hie hohen Erwartungen konnte Jordan aber auch in den anderen Partien kaum bestätigen. Zwar war er auch in Bamberg der top Vorlagengeber (6.5 Assists pro Partie) der Liga, in der Offensive selbst aber oft zu harmlos (5.3 Punkte pro Partie, 24 % Dreierquote), um den Gegner adäquat unter Druck zu setzen. An seine überragende Vorstellung als Bonner Playmaker knüpfte er in Franken nicht an. Bei den Brose Baskets war seine Rolle aber auch eine andere. Eine klare Linie in das Brose-Spiel und den Turnaround, konnte der Amerikaner in der Kürze der Zeit aber auch nicht bringen.

Vertrag mit Option auf eine weitere Saison. Ob diese gezogen wird, ist fraglich.

Stats-Vergleich

Bonn:
10.o ppg | 7.8 apg | 3.6 rpg | 1.6 spg | 49 %  FG | 37 % 3er

Bamberg:
5.3 ppg | 6.5 apg | 3.2 rpg | 1.2 spg | 40 % FG | 24 % 3er

 

#12 Daniel Schmidt

Der Nachwuchsmann auf der Spielmacherposition schaffte es nicht in die Rotation und spielte keine Rolle auf dem Parkett. Ein Schritt nach vorne bleib ihm im voll besetzten Kader verwehrt.

Vertrag endet. Er könnte sich nach einem Club umsehen, wo er Aussicht auf mehr Spielzeit hat.

 

#15 Sharrod Ford

Der Powerforward konnte nie an seine überragenden Playoffs 2013 anknüpfen. Eine lange Verletzungspause war ihn offensichtlich zurück. Danach tat sich Ford schwer, als Führungsspieler zurück aufs Parkett zu finden. Vielleicht war er der stabilste Verteidiger auf den großen Positionen, dafür ging seine Effektivität (13.8 > 10.3) und seine Punktausbeute (12.3 > 8.3 Punkte pro Partie) im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Insgesamt bleibt eine solide Saison für den 31-jährigen.

Vertrag bis 2015. Er kann, als athletischer Insidespieler mit Distanzwurf, wieder ein wichtiger Baustein im neuen Kader sein.

 

#20 Elias Harris

An den Nationalspieler wurden hohe Erwartungen gestellt. Man hat ihm schnell angemerkt, dass er sich nach vielen Jahren in den USA, erst auf den europäischen Basketball einlassen muss. Seine Leistungen waren insgesamt noch nicht konstant, aber seine Potential hat er immer wieder angedeutet. Der 24-Jährige trat  (10.4 Punkte pro Partie,  37% Dreierquote) als guter Scorer in Erscheinung. Mit seiner Athletik muss er aber noch besser in der Teamverteidigung agieren und am Brett (3.4 Rebounds pro Partie) stärker zupacken.

Vertrag bis 2015 mit NBA-Ausstiegsoption im Sommer. Er ist sicherlich ein Eckpfeiler in der neuen Mannschaft.

 

#23 Casey Jacobsen

Das sechste Jahr des Flügelspielers war sein schlechtestes. Der Kapitän war wieder ein Vorbild an Einstellung, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, hat der die Leistungskurve aber nicht mehr gekriegt. Er kam nicht mehr so um die Blöcke, wie in den vergangene Jahren und wurde kaum noch effektiv in Szene gesetzt. Seine Dreierquote sank erstmals deutlich unter 40 % (43.3 % > 36.6 %) und sein Effektivitätwert (12,7 > 7.8) brach fast um die Hälfte im Vergleich zu Vorsaison ein. Und der Ansammlung gefühlter Freiwurflegastheniker, war Jacobsen (85 % Freiwurfquote) eine positive Ausnahme. In der Defensive war der Kalifornier gegen athletische Gegner leider eine ständige Schwachstelle  und musste insgesamt mehr Minuten abspulen als geplant war.

Vertrag ausgelaufen. Jacobsen hat seine Karriere mittlerweile beendet. Nach fünf Meistertiteln und drei Pokalsiegen mit Bamberg hängt das Trikot mit der Nummer 23 jetzt zurecht für immer unter dem Arenadach.

 

#25 Anton Gavel

Er war der unumstrittene Führungsspieler der abgelaufenen Saison, der immer Verantwortung übernommen hat. Der unermüdliche Kämpfer war Topscorer (12.4 Punkte pro Partie) der Mannschaft, wirke jedoch zu oft auf sich alleine gestellt. Ausgelaugt und überspielt war oft der Eindruck, den man als Betrachter gewinnen konnte – auch weil er keinen verlässlichen “Side-Kick” fand. KAus Mangel an funktionierenden Alternativen, musste es “Hulk” immer wieder auf eigene Faust versuchen und zeitweise auch noch die wenig geliebte Point Guard-Position spielen. Ohne ihn wäre die Saison noch weitaus enttäuschender verlaufen.

Vertrag ausgelaufen. Nach fünf Jahre in Bamberg, darf man Tono nicht böse sein, wenn er eine neue Herausforderung sucht, selbst wenn diese in München liegt. Die Zeichen stehen eher auf Abschied.

Stats-Vergleich:

2013/2014:
12.4 ppg | 2.6 rpg | 3.5 apg | 1.7 topg | 45 % FG | 39 % 3er | 12.2 eff

2012/2013:
14.8 ppg | 2.7 rpg | 3.3 apg | 1.3 topg | 49 % FG | 44 % 3er | 14.3 eff

 

# 31 Jamar Smith

Der Guard kam, als Wunschspieler von Chris Fleming, vielen Vorschusslorbeeren. Von einem zweiten Brian Roberts war die Rede. Letztendlich hat er die Erwartung nicht erfüllen können. Der Plan, ihn als Spielmacher-Backup einzusetzen, wurde schnell ad acta gelegt. Es blieb also ein purer Shooter mit einem überragenden Wurf (10.5 Punkte pro Partie, 39 % 3er) und so ist es nicht verwunderlich, dass Smith die meisten Punkte pro Minute auf die Anzeigentafel brachte. Seine Entscheidungen in der Offensive aber immer wieder überhastet und egoistisch – vor allem in entscheidenden Phasen waren es zu oft die falschen. In der Verteidigung hat er noch Potential nach oben und muss lernen seinen Gegner über das Feld zu jagen. Es bleibt eine Saison mit Höhen und Tiefen, die ihn zeitweise eine Degradierung zum 7. Ausländer einbrachten.

Vertrag bis 2015. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn Smith Bamberg dennoch verlassen würde, falls er nicht in das neue sportliche Konzept passt.

 

#33 Maik Zirbes

Viel Kritik prasselte auf den deutschen Nationalspieler ein. Sowohl von den Fans aber auch immer wieder öffentlich vom Manager. Manchmal wirkte der 2.08 Hüne in der Tat lethargisch und ohne Selbstvertrauen auf dem Feld. Dabei ist seine Leistung in der Offensive (8.2 Punkte pro Partie, 66 % FG, 73 % FW) durchaus respektabel und im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung. Problematischer waren sein Verteidigung und das Reboundverhalten, hier schnappte sich Zirbes weniger Abpraller (3.7 Rebounds pro Partie | 5.1 im Vorjahr), als erwartet. In D’Or Fischer bekam er einen hochklassigen Center-Kollegen zur Seite gestellt, gegen den er in der Außendarstellung manchmal blass aussah. Alles in allem aber eine ordentliche und grundsolide Saison in der er erneut bewiesen hat, dass er der beste deutsche Center in der Beko BBL ist.

Vertrag bis 2015. Er sollte wie Harris, wieder ein wichtiger Baustein im neuen Spielerkader sein.

 

# 40 D’Or Fischer

Die wichtige Nachverpflichtung war einer der effektivsten Spieler (16.7 eff) in der Saison. In der Verteidigung hat der Blockexperte (2.6 pro Partie) das Spiel des Gegnern nachhaltig beeinflusst. Im Angriff war sein sicherer Mitteldistanzwurf, mit dem er in entscheidenden Phasen Verantwortung übernahm, mehr als einmal Gold wert. Unterm Strich war der athletische Centerspieler (10.7 Punkte, 6.1 Rebounds pro Partie, 64 % FG) Bambergs Bester in der vergangenen Spielzeit und erwies sich als deutliches Upgrade am Brett. Bei den Fans ist der Stirnbandträger, ob seiner Gesten und spektakulären Aktionen zudem zum Publikumsliebling avanciert.

Vertrag ausgelaufen. Fischer sollte gehalten werden.  Allerdings würde eine Weiterverpflichtung des Weltenbummlers ein teures Unterfangen.

 

Bevor Entscheidungen im Spielerkader fallen, muss sich der Aufsichtsrat im Michael Stoschek und Carl Steiner mit der Situation bei der sportlichen Leistung auseinander setzen. Ich wünsche Ihnen hierfür eine glückliche Hand. Egal, wie entschieden wird, wichtig ist, dass die Fans in Bamberg geeint bleiben. Und so richtet sich mein Appell an alle Freunde des orangen Leders, über den Sommer die ein oder anderen Enttäuschung mit einem kühlen Kellerbier hinab zu spülen und pünktlich zur neuen Saison wieder da zu sein.

Euer Kosmonaut

 

Statistiken jeweils aus der Beko BBL

Mit dem Rücken zur Wand.


13 – 11 – 168

So lauten die Zahl, die viele Basketballfans gestern Abend und heute beschäftigen. Sie umschreiben die große Playoff-Heldentat einen großen kleines Mannes. Sage und schreibe 13 Punkte in Serie hat die Nr. 11 der Artland Dragons den Brose Baskets in Serie eingeschenkt. Dabei war der nur 168 cm lange David Hosten in der Schlußphase der Größte auf dem Feld und hat das Spiel fast im Alleingang gedreht.

Holstons Heldentaten entscheidend

Nach der erneuten 75-77 Heimniederlage steht der amtierende Meister, nach vier Titeln in Serie, plötzlich vor dem Ende seiner Ära. Dabei hat die Bamberger Mannschaft gestern endlich die Playoff-Eigenschaften gezeigt, die viele Anhänger lange angezweifelt haben. Spielmacher Jordan war spielfreudig, Sanders endlich präsent und alle Spieler haben mit vollem Einsatz um jeden Ball gekämpft, was mit Standing Ovation quittiert wurde. Bis tief in den letzten Abschnitt hatte Brose das Spiel im Griff.  Dann betrat David Holston die Bühne für seine Heldentat. Jeder, noch so kleinen Bamberger Fehler hat der Playmaker gnadenlos und maximal betraft hat. Die Zuseher waren Zeuge einer Vorstellung, wie sie sonst nur von europäischen Spitzenclubs mit Weltklassespielern zu erwarten ist.

Hände hoch!

Wer gegen Holstons Fade-Away-Würfe die Arme in der Verteidigung oben hatte und wer nicht:

  • Ford: Arme oben
  • Tadda: Arme oben
  • Jordan: Arme zu spät oben
  • Fischer: Arme unten, ausgespielt

Starkes Drachenkollektiv

Die Dragons spielen ohne Zweifel eine kontant starke Serie. Die vermeintlich kurze Rotation und gewohnte Leistungsvarianzen sind kein Faktor. Statt dessen liefern alle Kaderspieler einen wichtige Beitrag, es gibt keinen Ausfall im Team zu beklagen. Trainer McCoy hat die Mannschaft unglaublich gut eingestellt und versteht es die Bamberger Problemstellen ein ums andere mal zu seinem Vorteil zu nutzen. Mit dem Brot-und-Butter-Spiel “Pick-and-Roll” erzeugen die wieselflinken Guards immer wieder “Missmatches”. Entweder nutzt der Aufbauspieler selbst die Chance gegen den langsameren, größeren Gegenspieler oder sie setzen großen Mann am Brett effektiv in Szene. Neben Spielmacher Holston und Center King ist das aktuell gut harmonierende Kollektiv der Rede wert. Shooting Guard Graves (9.5 ppg) bietet Gavel eine unerbittliches Match-Up und jagt den Bamberger Star mit seiner Fitness quer über jeden Quadratmeter des Felds. Power Forward Lawrence Hill (11.5 ppg, 6.5 rpg, 0.9 bpg) ist der vielleicht meist unterschätzte Spieler der gesamten Liga. Auf dem Feld wirkt der Amerikaner extrem ruhig, ist aber vor allem durch sein variables Spiel (46 % Dreierquote) ungemein effektiv und begeht kaum Fehler.

Charaktertest am Sonntag

Manager Heyder hat das Spiel am Sonntag zum großen Charaktertest ausgerufen. Charakter hat die Mannschaft auf jeden Fall beim Sieg in Quakenbrück und auch im unglücklich verlorenen Heimspiel bewiesen. In manchen Phasen muss Bamberg abgeklärter agieren und seine Vorteile besser verteidigen. Gerade hier zeigten die Brose Baskets in dieser Saison immer wieder Schwächen, haben aber beim 1-1 Ausgleich bewiesen, dass es auch anders geht. Ein Charaktertest wäre die richtige Aufgabe für den alten Haudegen Goldsberry. Vor allem weil Smith mit unreifen Offensivaktionen und schwacher Verteidigung nicht überzeugen konnte. Trainer Fleming könnte aber auch weiterhin auf die bisherige Mannschaft vertrauen. Zum einen um Unruhe zu vermeiden und weil Smith’ Wurfqualitäten in schlechten Offensivphasen wichtig sein können. Egal wer sich das Trikot anzieht,   spielt Bamberg am Sonntag so, wie über 38 Minuten hinweg am gestrigen Abend, dann besteht eine wirklich gute Chance auf Spiel 5 am Dienstag in der heimischen Arena.

 

 

Alle für das E1NS-E1NS


Nach dem 0-1 im Playoff-Auftakt gegen die Artland Dragons hängt der Haussegen in Bamberg einigermaßen Schief. Nicht wenige singen bereits einen munteren Abgesang auf die Brose Baskets Version 2013/14 und scheinen dabei deutlich lauter zu sein, als sie es gestern in der Brose Arena waren. Unbestritten ist die bestenfalls durchwachsene Leistung des, mit hohen Ansprüchen ausgestatteten, Titelverteidigers. Die Dragons waren gestern mehr Bereit für Playoff-Basketball als die Bamberger Truppe. Eine konstant umgesetzter Gameplan der Gäste teils eklatante Schwächen der Bamberger, die die Gäste ein ums andere mal clever ausgenutzt haben, besiegelten den überraschende Heimniederlage. Nicht umsonst heißt es “never underestimate the heart of a champion”, jedoch muss sich bis zu Spiel zwei am Dienstag einiges ändern um ein 0-2 Situation des amtierenden Meisters zu verhindern.

1. Kommunikation

Teilweise wirkte die Teamverteidigung hilflos und unkoordiniert. Eine Auswirkung mangelnder Kommunikation in den Switch-Situationen und bei der Help-Defense. Wenn ein Teil der Mannschaft oder die Pick-and-Roll-Situation switched (wechselt) und der andere nicht, dann bekommt Artland sehr einfache Punkte und Coach Fleming Bluthöchstdruck. Während Gavel und Tadda bravourös versuchen, sich um jeden Block zu kämpfen, sind Smith und Jordan schwächere Verteidiger und leidenschaftliche Switcher hin zu Mißmatches für den Gegner. Eine bessere Kommunikation zwischen den Spielern und ein offenes Ohr die Anweisungen den Trainers, ist für eine Playoff-würdige Verteidigung unerlässlich.

2. Rebound

Mit satten zehn Rebounds unterschied haben die Bamberger das Reboundduell verloren. Durch das Mehr an Ballbesitzen und Angriffssequenzen, hatten die Dragons einen Vorteil, der am Ende gold wert war. Zwar war Fischer mit 14 Punkten und 9 Rebounds durchaus effektiv, aber die entscheidenden Bälle am Ende haben allesamt die Gegner gefischt. Nimmt man ganze sechs (!) Rebounds des kompletten übrigen Frontcourts um Zirbes, Ford und Harris hinzu, dann müssen sich die Insidespieler Bambergs gewaltig steigern. Im Vergleich hierzu hat Artlands Frontcourt alleine 26 Rebounds gefischt. Dazu gelangen dem 1.70 m Zwerg Holston stolze sechs Rebounds, drei davon am Bamberger Brett. Rebound ist eben doch keine reine Sache der Körperlänge sondern Einstellungssache.

3. Fitness

In den Playoffs können nur fitte Spieler helfen. Spielmacher Jordan war dies gestern offensichtlich nicht. Trotz sechs Assists war sein Wirkungskreis sehr überschaubar. Am Ende war er für einen unnötigen Ballverlust und Holstens Dreier mitverantwortlich, in beiden Situation war er zu langsam. Nach vier Wochen Wettkampfpause fehle ihm offensichtlich die Grundschnelligkeit und der Antritt. Kann er noch fitter werden oder funktioniert die Mannschaft mit dem Playoff-harten Goldsberry besser?
Bei Sanders liegt die mangelnde Fitness wohl eher im mentalen Bereich. Für eine erfolgreiche Serie wird der Athlet jedoch dringend auf dem Feld benötigt. Der bemühte Jacobsen kann den Artland-Topscorer Thomas nicht über ein Spiel vor sich halten. Findet Sanders nicht in die Serie und produziert nicht, dann wird es schwer die erste Runde zu überstehen.

4. Konstanz

Bamberg fehlte es schon über die ganze Saison an Konstanz. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie sich mit Leidenschaft und spielerischer Klasse wieder aus einem tiefen Loch raus kämpfen kann. Doch anstatt sich dann weiterhin an den Gameplan zu halten und gute Würfe zu kreieren, wurde schlechte und überhastete Optionen gewählt. Sinnbildlich ist hier die Aktion von Smith, der ohne Not und über motiviert, direkt aus dem Ballvortrag den schlechten Mitteldistanz-Jumpshot genommen hat. Bamberg hat es nicht geschafft, fünf gute und durchgespielte Angriffe hintereinander vorzutragen (egal ob Treffer oder Fehlwurf). Hier ist mehr Abgeklärtheit und Coolness von der Mannschaft gefragt. Playoff-Rookies sollten sich mehr an den halten Haudegen orientieren.

P.S. Eine konstant gute Freiwurfquote ist obligatroisch. (Ach Anton…)

5. Fans

Spiel eins war eine ziemlich müde Veranstaltung. So konnte man die vielen freien Plätze gerade noch mit der führen Jump-Zeit begründen, eine Ausrede der Anhänger für den mangelnden Support wird jedoch schwierig. Pfiffe für die eigenen Mannschaft in den Playoffs, bei einem zehn Punkten Rückstand sind indiskutabel und unerhört. Von den Rängen muss es mehr bedingungslose Unterstützung geben anstatt Verunsicherung zu zündeln. Die “Alle für die F5NF”-Kampagne scheint bisher nicht in Bamberg formerly known as Freak City angekommen zu sein.

In diesem Sinne “Alle für das “E1NS-E1NS”

Beko BBL Awards 2013/14 – Kosmonauts Edition


Die Hauptrunde in fast zu Ende gespielt und die Play-Offs nahen rasant. Über die Sozialen Netzwerke vermeldet die Beko BBL schon fast im Stundentakt die individuellen Awards in dieser Saison. Damit wird es auch für mich Zeit, meine ganz persönlichen Auszeichnungen in den obligatorien Kategorien zu vergeben.

MVP: Reggie Redding (ALBA Berlin)

Das Schweizer Taschenmesser des Pokalsiegers spielt eine starke Saison in einem Topteam der Liga. Er gibt der Mannschaft nicht nur eine sichere Scoring-Option (12.2 ppg) im Backcourt sondern setzt auch noch seine Mitspieler gut in Szene (3.5 apg)  und packt am Brett (4.2 rpg) ordentlich zu. Kurzum, er ist der konstante Erfolgsgarant für den Höhenflug de Albatrosse und macht das Team zu einem der Topfavoriten auf den Titel. Co-Runner-Up: Malcom Delaney (FC Bayern München Basketball), Anton Gavel (Brose Baskets)

Beko BBL MVP: Malcom Delaney (FC Bayern München Basketball)
Kosmonaut Midseason MVP: Anton Gavel (Brose Baskets)

 

DPOY: D´Or Fischer (Brose Baskets)

Kein anderer Spieler der Liga verändert die Angriffsbemühungen der Gegner so nachhaltig wie der amerikanische Centerspieler des Meisters. In gut 20 Min. Spielzeit sammelt der 2.11 m lange Stirnbandträger 6.0 rpg und blockt seine Gegenspieler satte 2.7 mal. Dazu sitzt Fischer stets in den Köpfen der Spieler, die sich zweimal überlegen, ob sie gegen ihn in die Zone ziehen wollen. Runner-Up: Chris Kramer (EWE Baskets Oldenburg)

Beko BBL DPOY: Clifford Hammonds (ALBA Berlin)
Kosmonaut Midseason MVP: D’Or Fischer (Brose Baskets)

 

Offensiv-POY: Darius Adams (Eisbären Bremerhaven)

Der quirlige Aufbauspieler aus dem hohen Norden ist sowohl ein begnadeter Scorer (17.9 ppg) wie auch ein guter Spielmacher (3.8 apg), der seine Mitspieler in Szene setzt. Mit seinen nur 1.82 m fischt der Spielmacher zudem noch 4.2 rpg. Runner-Up: Isaiah Swann (New Yorker Phantoms Braunschweig)

Beko BBL OPOY: Darius Adams (Eisbären Bremerhaven)
Kosmonaut Midseason OPOY: Andy Rautins (Fraport Skyliners)

 

Most Improved POY: Danilo Barthel (Fraport Skyliners)

Der deutsche Flügelspieler der Frankfurter hat diese Saison einen riesen Schritt nach vorne gemacht und kommt auf stolze 11.4 ppg und 5.0. Im Vergleich zu vergangenen Saison schafft der 23-Jährige damit +7.1 ppg und +2.1 rpg. Damit ist er eine der tragenden Säulen der Fraport Skyliners. Runner-Up: Maxi Kleber (S.Oliver Baskets Würzburg)

Beko BBL MIP: Danilo Barthel (Fraport Skyliners)
Kosmonaut Midseason MIP: Larry Gordon (Phoenix Hagen)

 

Coach OY: Silvano Poropat (Mitteldeutscher Basketball Club)

Der Kroate steht mit einer Mannschaft, die viele als ersten Abstiegskandidaten vor Saisonbeginn eingeschätzt haben, nun mit einem ausgeglichenen Punktekonto am Rande der Play-Offs. Er hat die richtigen “namenlosen” Spieler gefunden und aus ihnen eine Mannschaft geformt, die konstant gute Leistungen in der Liga zeigt. Zudem hat er mit Angelo Caloiaro (14.5 ppg, 7.0 rpg) den wohl besten Steal in diesem Jahr aus der bulgarischen Liga geholt und auch mit der Nachverpflichtung des erfahrenen Spielmachers Marcus Hatten (13.7 ppg, 4.9 apg) ein goldrichtiges Händchen bewiesen. Runner-Up: Sacha Obradovic (ALBA Berlin)

Beko BBL COY: Silvano Poropat (MBC)
Kosmonaut Midseason Co-COY: Silvano Poropat (MBC), Gordon Herbert (Fraport Skyliners)

 

All-Beko-BBL-First Team:

PG: Malcom Delaney (FC Bayern München Basketball)
SG: Anton Gavel (Brose Baskets)
SF: Reggie Redding (ALBA Berlin)
PF: Angelo Caloario (Mitteldeutscher Basketball Club)
CE: D’or Fischer (Brose Baskets)

 

All-Beko-BBL-Second Team:

PG: Jared Jordan (Brose Baskets / Telekom Baskets Bonn)
SG: Darius Adams (Eisbären Bremerhaven)
SF: Larry Gordon (Phoenix Hagen)
PF: Jamel McLean (Telekom Baskets Bonn)
CE: Anthony King (Artland Dragons)

 

Jetzt wird es Zeit für alle individuell Ausgezeichneten für ihre Farben in den Play-Offs neue Heldentaten zu vollbringen. Letztendlich machen gute Spieler auch immer ihre Mannschaft besser und am Ende ist der einzige Titel der zählt, der Deutsche Meistertitel.

Kosmonaut

Was wäre wenn?


In dieser Saison wurde der Kader der Brose Baskets heftig wie nie diskutiert. Während der Saison waren die Leistungen, hinter den Erwartungen vieler Anhänger zurück blieben und das Verfehlen von zwei sportlichen Zielen in der Euroleague und im Pokal ausschlaggebend. Doch lasst uns zurück blicken. Für viele ist die Transferperiode fast der spannendste Saisonabschnitt und auch ich habe hier in diesem Blog mein Vorstellungen unter der Überschrift “Wünsch Dir was” kund getan. Jetzt, wo zwei Drittel der Saison vorüber sind, möchte ich einen Blick auf “meine” ausgewählten Spieler werfen: Wo sie spielen, wie sie sich dort schlagen und mit den von Bamberg unter Vertrag genommenen Akteuren vergleichen.

Nachdem Jamar Smith bereits sehr schnell als Neuzugang präsentiert wurde, waren folgende Akteure meine Picks für den Brose Kader 2013/14

  • Curtis Jerrells – PG – jetzt Olimpia Milano – dafür im Kader Zack Wright, später Jared Jordan
  • Reggie Redding – SF – jetzt ALBA Berlin – dafür im Kader Rakim Sanders
  • Bostjan Nachbar – SF – jetzt FC Barcelona – dafür im Kader Novica Verlikovic, dann Damir Markota, dann D’or Fischer
  • Drew Gordon – PF – Dinamo di Banco Sassari  – dafür im Kader Sharrod Ford

Curtis Jerrells

Sagen wir es gleich vorne Weg, Curtis Jerrells war wahrscheinlich finanziell nie in der Reichweite der Brose Baskets, dennoch hat der Trainerstand mit Zack Wright einen Spielertyp verpflichtet, der ähnliche war. Ein athletischer Spielmacher, der zum Korb ziehen und seinen eigenen Wurf kreieren konnte. Das hat nicht so funktioniert, wie man es sich in Bamberg gewünscht hat und jetzt zieht mit Jared Jordan ein völlig anderer Playmaker-Typ, ein Pass First Point Guard, die Fäden im Spiel.

Curtis Jerrells ist Spielmacher beim italienischen Spitzenclub Olimpia Milano und seine seine Armani-bedrückten Farben zu einem starken zweiten Platz in der Euroleague Top16 Gruppe E geführt. Dabei bringt es der US-Amerikaner, der an einen Pit-Bull-Terrier erinnert auf 11.0 Punkt und 2.3 Assists in 24 Min. Spielzeit bei den Euroleague-Partien. 43 % Dreierquote und seine Spielweise hätte uns rein sportlich sicherlich gut zu Gesicht gestanden. Mit ihm würde Jared Jordan wohl noch am Rhein spielen.

 

Reggie Redding

Angeblich war Bamberg bereit vergangene Saison eine ordentliche sechsstellige Ablösesummer an Tübingen zu überweisen, damit der variable Forward an die Regnitz wechselt. Dort hat man dankend abgelehnt und Matt Walsh fand den Weg ins Brose Trikot. Jetzt ist der junge US-Boy frischgebackender Pokalsieger und spielt seine starke Saison mit wiedererstarken Albatrossen aus Berlin. Mit 12.0 Punkten, 4.3 Rebounds und 3.6 Assists ist der All-Rounder einer der Erfolgsgaranten in Berlin.

Über seine Alternative Rakim Sanders dürfen wir uns nicht beklagen, zu viele Big Point und zu viele Highlights hat er uns gezeigt. Dennoch wäre Reggie Redding vielleicht die weniger athletische, dafür konstantere Alternative gewesen. “High Risk, high Reward” darf man wohl über die Verpflichtung des Brose-Forwards schreiben und aktuell scheint es sich wirklich auszuzahlen, auch weil er immer wieder auf die Position vier ausweichen kann, während Reggie Redding eher ein klassischer “Swingmen”, für die zwei und die drei, ist. Irgendwie eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

 

Jerrells und Nachbar sind mit ihren Clubs Favoriten auf das Euroleague Final Four, Redding und Gordon diese Saison bereits nationaler Pokalsieger geworden.

Bostjan Nachbar

Der Slowene wurde letzte Saison erst hoch gejubelt, dann stark kritisiert und letztendlich doch zurecht gefeiert. Der ehemalige NBA-Spieler war der wirkliche MVP der Finalserie und oft nicht zu verteidigen. Seine spielerische Klasse, sein Spielwitz, seine Schlitzohrigkeit und sein butterweicher Wurf fehlen diesen Jahr auf den großen Positionen. Mit dem FC Barcelona führt er mit 12-1 Siegen überlegen die Top16 Gruppe E der Euroleague an und hat sicherlich gute Chancen auf das Final Four. Internetberichten zur Folge kommt Boki dort auf eine Million Euro netto Jahressalär, wohl eine Nummer zu groß für Bamberg. M it 7.1 Punkte und 3.3 Rebounds ist der ehemalige Brose-Flügel ein wichtiger Rollenspieler in dem von Stars gespickten katalanischen Traditionsclub.

Bamberg selbst hatte zwar versucht mit Novica Velickovic und Damir Markota wieder eine ähnliches Element im Kader zu implementieren, beide waren jedoch eher glücklos, bestenfalls Mitläufer und sind schon lange nicht mehr im Kader. Bostjan Nachbar wäre spielerisch sicher ein deutliches Upgrade zu den beiden genannten gewesen. Jetzt kümmern sich Sharrod Ford, Rakim Sanders und Elias Harris um die große Flügelposition.

 

Drew Gordon

Keine guten Erinnerungen haben die Bamberger an diesen Namen. Der 23-jährige Innenspieler hat mit Sassari die ambitionierte Europasaison mit einem bitteren Beigeschmack beendet. Mit einen 2.05 m verbucht der agile Forward/Center 9.4 Punkte, 5.2 Rebounds und 0.9 Blocks in 18 Min. Spielzeit pro Partie. Wie Reggie Redding ist auch Drew Gordon Pokalsieger geworden, allerdings in Italien. Bevor er in Sardinien angeheuert hat, stand seine Zeit bei Banvit in der Türkei unter keinem guten Stern.

Der deutsche Meister hat Sharrod Ford weiter verpflichtet und auf die Defensiv- und Reboundschwäche zu Saisonbeginn nochmal mit der Verpflichtung den 2.11 m Hünen D’or Fischer reagiert. Den Centerspieler möchte mittlerweile niemand mehr aus dem Brose-Kader weg denken und mit Sharrod Ford spielt einer variablerer Spieler auf der langen Position, der auch einen guten Wurf (40 %) von der Dreierlinie besitzt.

 

Wäre man nun mit den Wünsch-Dir-was-Verpflichtungen besser oder schlechter gefahren? Diese Frage kann abschließend nicht gerecht beantwortet werden. Finanziell wären einige Akteure wohl nicht finanzierbar gewesen und auch charakterlich hätten wohl nicht alle zu Trainer Chris Fleming gepasst. Alle haben mit ihren aktuellen Team durchweg großen Erfolg. Der direkte Vergleich erscheint schwierig, weil es zu viele Kaderbewegungen gab und es in der Rollenverteilung keine 1:1 Planplätze mehr gibt. Fakt ist, dass einige verpflichtete Alternativen zu Saisonbeginn nicht wie erhofft eingeschlagen sind, Fakt ist auch, dass viele der aktuellen Spieler Leistungsträger sind enormes Entwicklungspotential besitzen. Der in Bamberg ansässige Franke wird wohl ein einfaches “bast scho” über die Lippen bringen.

Albakiller a. D.


Gavels Verletzung im Gepäck ist das einzige Zählbare, war die Brose Baskets im Gepäck aus Ulm nicht nach Franken genommen haben. Kein Pokal, keine Ende der Diskussionen um den aktuellen Kader. Die Enttäuschung in Freak City sitzt tief und dass sogar der FT in aller Deutlichkeit kritische Worte abdruckte, ist ein Beleg für die ungenügende Mannschaftsleistung im Halbfinale. Erneut ist der Meisten von ALBA Berlin deutlich in die Schranken gewiesen wurde, das “Albakiller”-Label hat sich damit endgültig in den Ruhestand verabschiedet, a. D. quasi.

Der “Europäer” fehlt

Es fehlt in einer Gewissen Art und Weise der Schuss Genialität und Qualität, den Bamberg in den vergangenen Jahren im Kader hatte. Es mag durchaus platt klingen, aber die Komponente eines Spieler mit europäischem Spielwitz und Spielkultur geht Bamberg, seit dem gescheiterten Novica Velickovic-Reha-Experiment 2013/14, ab. In den letzten Jahren standen hierfür Namen wie Peja Suput und Boki Nachbar, die aus jeder Situation durch Basketball-Know-how oder individuelle Klasse eine Lösung aus dem Hut zaubern konnten, die den Gegner überrascht hat. Jetzt gibt es zwar insgesamt ein Plus an Athletik, aber gegen starken Defensivreihen scheit man als Mannschaft zu oft zu schnell mit dem Latein am Ende zu sein.

Gavel einzige Konstante

Nur Anton Gavel bildet von den Leistungsträgern hier eine positive Ausnahme. In jedem Spiel nimmt der die Rolle des Führungsspielers bereitwillig an und übernimmt Verantwortung auf beiden Seiten des Spielfeldes.  Ihm fehlt jedoch der verlässliche Side-Kick. Zu oft scheint der gebürtige Slowake in Drucksituationen auf sich alleine gestellt. Was wäre Batman ohne Robin und Alfred, was Colt ohne Howie und Jody, was das A- ohne das Team? Diese verlässlichen und konstant in Erscheinung tretenden zweiten und dritten Leistungsträger, mit denen Bamberg zu einer gefährlichen Hydra mutierte, fehlen aktuell.

Spannung scheint garantiert

Es ist durchaus spannend, wie sich dieser stark US-athletisch geprägte Kader bis zu den und in den Play-Offs entwickelt. Eine Prognose wäre geradezu töricht, zu groß erscheint die mögliche Varianz. Jetzt, Ende März sind anderen Spitzenteam im direkten Duell wohl einen Schritt weiter und smarter auf dem Feld. Kantersiege gegen Nicht-Topteams dürfen nicht darüber hinweg täuschen. Ein erster Test werden die kommenden 14 Tage, wenn das Team ohne sein Herz Anton Gavel in die Beko BBL-Schlachten ziehen muss. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der Raum für weitere Spieler ihren Anspruch zu untermauern Führungsspieler und Leistungsträger zu sein.