Kerwa ist nur einmal im Jahr…


Wer als Einheimischer oder zugereister kennt ihn nicht, den omnipräsenten Kerwaschlager, der die dicht gedrängten Massen in der Hemingway- oder Blaubar zum Rasen bringt und lautem Mitsingen nötigt. Heute ist der Tag nach der Sandkerwa und Zeit für eine kleine Bilanz.

 

 

 

1. Immer wieder schön

Alle Vorfreude ist vollauf berechtigt! Auch wenn man dann im Sand genervt von Geschiebe und Gequetsche ist,  oder dass das Seidla “Huppendorfer” schon fast unverschämte 3,50 Euro kostet, möchte man die viele Stunden zwischen Schwerstarbeit und ausgelassener Freude dort nicht missen. Herrlich, immer wieder alte Bekannte zu sehen, die mittlerweile in alle Welt verstreut sind, nur um dann wieder für exakt ein Jahr seine Wegen zu gehen – in der Gewissheit auf einer Wiedersehen zur gleichen Zeit am gleichen Ort im kommenden Jahr.

 

2. Hiding

Ich habe Bekanntschaft mit dem Phänomen des Versteckspiels gemacht. Die Sandkerwa-Umstände per se lassen eh kaum eine valide Planung von Treffpunkten und Verabredungszeiten zu – von Handyempfang ganz zu schweigen. Deshalb sollte man das eigentlich gar nicht erst versuchen. Wenn man aber doch einmal der Versuchung erlegen ist, dann muss man einen Weg finden möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Dazu gehört unbedingt das “Hiding”, oder auf gut Deutsch “Verstecken”. In der latent vorhanden Small-Talk-Wut scheint jeder jeden, der er schon mal irgendwie und irgendwo in seinem Leben gesehen, gestoffen oder gepoppt hat in eine meist belanglose Kurzkonversation verwickeln zu wollen. An sich ja eine nette Idee, aber nicht wenn man auf der Mission ist zu Freunden zu stoßen. Da will man natürlich auch nicht arrogant oder unfreundlich gelten und einfach schnurstracks vorbei rennen. Nein, es bedarf der Kunst des Versteckens, dass man erst gar nicht entdeckt wird. Sich bewegende Menschenmassen, Grüppchenbildungen und Anstehschlangen bilden hierfür die perfekte Deckung.

 

3. Ungeplant ist doch am besten

Wie bereits geschrieben, ist das Projektmanagement an der Kerwa durchaus schwierig. Also lässt man es am besten sein. Die lustigsten und besten Begegnungen sind eh die, die man völlig ungeplant und überraschen macht. Das war auch dieses Jahr wieder so. Sich einfach treiben lassen, denn unverhofft kommt wirklich oft.

 

4. Kleine Gruppen

Die Militärs der Welt machen es vor, an der Sandkerwa ist es ratsam auf kleine Einheiten zu setzen. Mit zwei bis drei Mann (oder Frau) Teams gelingt es sich gut durch das Festgebiet zu arbeiten. Wird es größer, wird es problematischer. Der eine will eine Kümmelbratwurst vom Kalb, der andere ein günstiges “Hönig”-Bier und alle fünf Meter lässt sich jemand in Small Talk verwickeln. Ergo verschwendet man Unmengen an Zeit mit warten statt feiern. Alternativ wird man mit mehreren Leute einfach an einem fixen Standort sesshaft und lässt die Kerwa auf sich zukommen oder bewegt mich mal kurz weg um später wieder “heim” zu kehren.

 

5. Freunde sollten Fernreiseverbot bekommen

Grundsätzlich sollten alle Freunde an der Sandkerwa in besagtem Stadtgebiet sein, um den maximalen Wohlfühl- und Spaßfaktor zu erleben. Immerhin will man Sandkerwa ja irgendwie mit allen Menschen teilen, die man auch nur einen Millimeter gern hat. Ansonsten heißt es für fast zwölf Monate bei allen möglichen Gelegenheiten, “wir ha´m uns des Jahr gar net auf der Sandkerwa g´sehn“. Also liebe Sanna und lieber Rainer, das nächste mal bitte eine anderen Urlaubsplanung – auch wenn Ihr es noch knapp zum Finale Furiose geschafft habt.

 

6. Die coolen bleiben cool – immer

Weil man so viele Menschen aus seiner Vergangenheit trifft, kann man in einer wunderbaren Retrospektive sehen, was auf jedem geworden – schön im gedanklichen Zeitraffer im Einjahresabstand. Diejenigen, die früher schon “cool” waren und für viel Spannung, Spaß und Spiel standen, haben sich auch 20 Jahre später kaum verändert. Und diejenigen, die früher schon etwas langweilig bis seltsam waren, scheinen das auch mit fortlaufendem Alten nicht mehr in den Griff.

 

7. Schön, dass es rum ist

Bei aller Freude und schönen Momenten ist jetzt aber auch gut, dass die Sandkerwa rum ist. Den Cocktail auf Schlafmangel und Flüssigkeitsaufnahme wechselseitig von außen und innen, geht mit zunehmendem Alter nach fünf Tagen an die Substanz. Adela Kerwa, servus Bockbieranstich!

Quo Vapiano


Zugegebenermaßen war auch ich einmal Fan des Gastrokonzepts Vapiano. Damals, in Budapest, habe ich mich wohl von den hübschen langbeinigen und kurzrockigen Verkäuferinnen der ansässigen Luxusmodelabels ablenken lasse, die dort ihre Salätchen zu sich nahmen. Logisch, ein bisher unbekanntes Konzept machte neugierig, das nette Ambiente tat ein Übriges und jeder weiß, dass ich wirklich auf diese Gummibärchen am Eingang stehe.

Mittlerweile, nach diversen Besuchen von Vapiano Restaurants, sehe ich das Konzept durchaus differenzierter. Klar, die Gummibärchen und die frischen Teigwaren schmecken noch immer ziemlich lecker, aber der “Trade-Off”, den ich als Gast zu häufig dafür eingehen muss, bringt mich schon vorher um jeden Genuß.

Schlangestehen

Kaum komme ich als Gast in ein überfülltes Restaurant und konnte einen Platz ergattern, muss ich diesen schon wieder aufgeben. Der Kunde muss sich ja in diesen endlosen Schlangen an dem lange Frontcooking-Tresen einreihen, und fühlt sich hierbei einer Idee konfrontiert, die wohl irgendwie zwischen IKEA und McDonalds liegt. Der schlaue Gast könnte es natürlich mit der Idee des Schlangenstehopfer probieren, der für mehrere Personen in der Schlange als Lobbyist der hungrigen Mägen tätig ist, während der Rest schon einmal die Geselligkeit geniest. Aber dieses Gastkonzept scheitert letztendlich am Gastrokonzept. So habe ich bereits nach einer Runde kaum noch Lust auf die leckeren italienischen Köstlichkeiten, aber mir diesen Wahnsinn für Pasta, Pizza und Salat dann gleich dreimal anzutun, würde mich an die Grenzen meines guten Benehmens bringen. Da fällt mir auf, wie bequem es doch in einem durchschnittlichen Restaurant ist, dass man alle seine Essenswünsche auf der Karte direkt an einen Ober richten kann und nicht auf mehrere verschiedene warte muss, die sich für eine gewisse Richtung zuständig sehen. Notiere: Das nächste mal ein paar Euro mehr Trinkgeld für diesen tollen Service bereit halten.

Spaßfaktor gegen Null

Man darf sich durchaus nach dem Spaßfaktor fragen, einen Großteil der Quality-Time in Gesellschaft dann in verschiedenen Schlangen zu verbringen, in denen jeder mit hungrigen Mägen nur rudimentär mit Mimik und Gestik kommunizieren kann? Tendenz gegen null! Da lob’ ich mir doch die Vorzüge eines netten Restaurants, wo Fachpersonal sich um die Logistik kümmert und ich die kostbare Zeit mit Gesprächen und ungetrennten Miteinander verbringen kann – vor und während des Essens. Notiere: Noch ein paar Euro mehr als oben geplant für diesen tollen Service bereit halten.

Dies ist eine Einzelmeinung und stellt keineswegs das Geschäftsgebaren, das einladende Ambiente oder die hohe Qualität der angebotenen Speisen in Frage. Und ja, wahrscheinlich werde ich auch wieder das ein oder andere Vapiano Restaurant ansteuern. :-)

Neuer Durchblick


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Nach fünf Jahres Treue durch Dick und Dünn habe ich meine alte Brille verlassen und bin mit einer neuen Stiften gegangen. Dabei erinnert meine Beuteschema an das von Tennis-Boris bei seinen vielen Frauen. Nach vielen Besuchen diverser Optiker-Läden in Bamberg bin ich in der Austraße an einer Schwarzen hängen geblieben und jetzt hängt diese Schwarze selbst zwischen Ohren und Nase. Sie darf jetzt die Welt mit mir erblicken, während die Alte ihrer verdienten Rente in einem Etui im Handschuhfach entgegen sieht.

Mehrmalige Besuche des Ladens und circa 137 Modellproben in jeglichem Lichtumfeld musste nicht nur das Personal sondern auch die Freundin und zufällig anwesenden Freunde über sich ergehen lassen. Zum Glücl blieb Optiker Berhand stehts gelassen und hat mich bestens beraten. Und so habe ich jetzt endlich das gute Stück: Bestellt und handgefertigt im Allgäu. Kleinserie mit Nummer und matt gebürstet.  Elegant, aber dennoch mit dem gewissen Extra. Jedem der ja zur Brille sagt und kein 08/15-Modell der großen bekannten Optikerketten sein Eigen nennen will, der sollte auf jeden Fall mal in diesen kleinen Laden mit den coolen Brillen vorbei schauen.

Ich sehr die Welt jetzt zwar nicht mit anderen Augen, aber wenigsten durch eine neue Brille.

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Tatortwääh langsam


Die Krimifans der Nation haben lange auf gestern Abend gewartet. Der erste Tatort mit Till Schweiger als Hamburger Polizist Nick Tschiller und Rekordbudget flimmerte über die Mattscheiben deutscher Wohnzimmer. Schon nach den ersten 90 Minuten wird klar, dass die Hamburger Version zumindest kein klassischer Vertreter der Serie ist. Wo sich die Tatort-Reihe positiv von den vielen Action-Krimis und Produktionen der privaten Sender distanziert und mit schauspielerischem Handwerk glänzt, gelingt es diesem Beitrag nicht sich dort einzureihen.

Schweigers Tatort ist wohl eher dafür gedacht die junge Zielgruppe nachzuziehen. Ein wenig Bond, ein wenig Stirb-Langsam, dazu unweigerlich aufkommende Analogien zu Kokowääh, wenn er seine (leibliche) Tochter in der Patchworkfamilie bemuttert. Slow-Mo Kämpfe in fahrenden Vans, Fluchtfahrzeuge werden zu Fuß eingeholt und gefühlt ein Drittel des Film Schießduelle jeglichen Kalibers. Da freut man sich geradezu auf die Frühstückeierhärtegraddiskussion mit dem holden Töchterlein zum Luft holen und durchatmen. Leider kommt der neue Hamburg-Tatort damit nicht an die erstklassigen und feinsinnigen Episoden aus Münster, München oder Kiel ran, wo interessanten Figuren und intelligente Ermittlungsarbeit anstatt wilder dumpfe Ballerei im Mittelpunkt der Fälle steht. Dennoch bietet Sidekick Farih Yardim als witziger Technikfreak samt Überwachungsfimmel eine durchaus sympathische Komissarfigur, die das vorhandene Potential erahnen lässt.

Tatort-Kultfaktor wird so wohl kaum erzeugt, Actionfans wird Schweigers blutiger Einsatz jedoch freuen.

Krimi-Lover


flemming

Foto: ZDF

Ja, ich gebe es zu. Ich mag Krimis und ergötze mich an den Mörderjagten, die täglich in der Flimmerkiste stattfinden. Alleine in den vergangenen sieben Tagen kommt unser Fernsehkonsum (meine Freundin Janina schaut tapfer fiebernd mit) auf, sage und schreibe, 37 (in Worte: siebenundreißig) Leichen. Hier sind meine Top 10 der deutschen Serienkrimiproduktionen:

1. Flemming

Cooler Typ dieser Berliner Polizeipsychologie und Womanizer Vincent Flemming (Samuel Finzi) mit einer Amour Fou zur leitenden Kommissarin und Ex-Frau Ann Gittel (Claudia Michelsen). Klasse Fälle, die vom extravaganten Ermittlerteam oft ungewöhnlich gelöst werden, wobei der Polizeipsychologie und Radio-Beziehungsratgeber Flemming meist direkt mit dem LKA-Chef aneckt, dafür aber sämtliche Frauenherzen gewinnt.

2. Mord mit Aussicht

Caroline Peters spielt die gestrandete Kommissarin Sophie Haas, die zusammen mit ihrem rüstigen Vater in einem beschaulichen Eiffeldorf leben muss. Zur Seite stehen ihr zwei einheimische Polizisten und ein kauziges Landbüro samt Tipps des pensionierten Vorgängerkommissars.  Bjarne Mädel (Der Tatortreiniger, Stromberg) spielt das Landei in Uniform, Meike Droste eine pfiffige Bauerstochter im Staatsdienst. Super klasse spielt Petra Kleinert die konservative Ehefrau des schrulligen Ordnungshütern, die ihren Mann bei jeder Gelegenheit bemuttert und dabei die Erotik eines rostigen Traktors in Blümchenschürze ausstrahlt.

3. Der Kriminalist

Christian Berkel als Hauptkommissar Bruno Schumann geht in der Hauptstadt auf als smarter, aber auch vom eigenen Schicksal gezeichneter, Cop der Mordkommission auf facettenreiche Verbrecherjagd. Gekonnt konstruierte Fälle spielen den Standortvorteil der Metropole Berlin mit ihren vielschichtigen Millieus gekonnt aus.  Dabei werden die Fälle oftmals anders dargestellt, nämlich von der Opferseite her und geschickt gelöst.  Am Ende bleibt dann auch noch die hübsche Staatsanwaltin über Nacht.

4. Kommisarin Lucas

Wenn Frau Lucas (Ulrike Kriener), eine eigentlich aus Köln stammende Kommissarin in den besten Jahren, in und um die wundervolle mittelalterliche Regensburger Altstadt ermittelt, dann schlägt mein Herz schon alleine wegen der Kulisse höher. Ihre Wohnung liegt in einem der vielen Regensburger Türme. Dabei sind der knorzige alte Vermieter und die verplant-durchgeknallte Schwester (Anke Engelke). Sehr real anmutende und wenig überzogene Fälle in Kombination mit dem Charaktermix tun ein Übriges zum Krimivergnügen.

5. Tatort Kiel

Der kantige Klaus Borowski (Axel Milberg) und die ambivalente Sarah Brandt (Sibel Kekelli) sind meiner Meinung das aktuell beste Ermittlerduo des Landes in der berühmten Tatort-Reihe. Er ein kühler Analytiker, sie ein draufgängerischer PC-Spezialistin, die sich mit nicht immer ganz legalen Mitteln beweißen will. Ein Duo wie Jing und Jang, sehr unterschiedlich aber sich absolut zu etwas rundem Ganzen ergänzend. So macht der Sonntagabend Spaß – selbst wenn der Kommissar ausnahmsweise sogar in Finnland ermittelt.

6. Tatort Münster

St. Pauli Retter Thiel (Axel Prahl) und der bornierte Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) sind Tatort-Kult schlechthin. Klasse wie die beiden Gegenpole doch immer wieder zusammenspielen und wenn dann auch noch die kettenrauchende Staatsanwältin und die kleine Alberich mit ins Spiel kommt, dann gehts rund im Münsterland und der Sonntagabend wird zum vergnüglichen Wochenendausklang.

7. Hubert und Staller

Zwei liebevolle Trottel in grün, Hubert (Christian Tramitz) und Staller (Helmfried von Lüttichau) eben, im bayerischen Wolfratshausen sind ein Angriff auf die Lachmusekeln. Eigentlich möchten beide nur einen geruhsamen Dienst nach Vorschrift machen, doch geraten sie immer wieder an Fälle, die ihre Kompetenz deutlich zu übersteigen scheinen. Seichte Vorabendkrimikost, aber genial von Christian Tramitz, Monika Gruber und Co. gespielt. Selten muss man so über Kapitalverbrechen schmunzeln wie im ARD Mittwochvorabendprogramm.

8. Schafkopf – A bisl was geht immer

Ein etwas andere Format, eher um Betrug und Streitigkeiten als kapitale Morde. Eine junge Rechtsanwältin Sandra Koch (Marlene Morreis) mit loisacher Charme und irgendwie zu gut für diese Welt dazu einen Dandy-Staatsanwalt einen coolen Bullen und dem schokoladensüchtigen Pfaffen schaffen im ländlichen Idyll wieder Friede, Freude, Eierkuchen.

9. Tatort München

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitel) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind schon sein vielen Jahren in der Tatort-Ermittlerelite und zeichnet sich für solche Straßenfeger wie “Der oide Depp” aus. Immer wieder packende und spannende Fälle in der Landeshauptstadt, auch wenn kaum einer verstehen kann warum Assistent Gisbert nur einen kurzen Gastauftritt haben durfte. Da wäre durchaus Potential für eine Frischzellenkur gewesen.

10. SoKo Wien

Das Krimi-Wochenende eröffnen am frühen Freitagabend Oberst Dirnberger, das Deutsch-Austro Ermittlerduo Carl Ribarski (Stefan Jürgens) / Helmuth Nowak (Gregor Seberg) und die schöne Penny Lanz (Lilian Klebow). Besonders der ehemalige RTL-Samstag-Nacht Comedy-Star Stefan Jürgens weiß als unbeugsamer und leidenschaftlicher Polizist in schönen Wien zu überzeugen. Neuerdings macht die Ermittlertruppe auch immer wieder Abstecher in andere Landesteile der Alpenrepublik.