Bummbum bumbummberumbumm bumm bumm


Ich gebe es frank und frei zu: Dank eines mittleren Planungsgaus der Verantwortlichen, die Sambafest und Bamberg zaubert auf das gleiche Wochenende gelebt haben, habe ich Bamberg den Rücken gekehrt und bin ab nach Coburg gedüst. Frei nach dem Motto: Bummbum bumbummberumbumm bumm bumm und Sambatänzerinnen stechen Zisch, Peng und Klaus Stieringer (Sorry, Klaus – Sonntag bin ich dabei).

Es ist immer wieder beeindrucken, wenn sich schon beim Hineinlaufen dieser Trommelorkan aus dem Lärm von zig Sambagruppen aus aller Welt zu einem Geräusch vereint, dem man nur folgen muss, bis man schließlich in der wunderschönen Innenstadt zwischen Markt- uns Schlossplatz das Weltzentrum des Samba außerhalb Brasilien erreicht hat. Neben den organisierten “Krachmachern”, die auf den vielen Bühnen und in den beschaulichen Gässchen der Innenstadt bis zur Extase zucken, gibt es allenorts jede Menge pseudobrasilianischen Kitsch, lecker duftende Kulinarangebote und natürlich jede Menge Caipi-Bars. Wer zudem dazu neigt, einen herrlichen Nachbarschaftsstreit vom Zaun zu brechen, dem sei zum Erwerb einer Sambatrommel nebst Schlagwerkzeug an einem der vielen Händlerstände geraten.

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Man hat Spaß in Coburg, sowohl die Sambistas auf den Bühnen, die trommeln und singen sowie auch die vielen Besucher jeglichen Alters, bis hin zu Greisen, die ihre künstlichen Hüften zu den Rhythmen schwingen lassen. Durchaus eleganter bewerkstelligen die unzähligen Sambatänzerinnen in ihren bunten, traumhaft schönen Kostümen die Hüftwackelei. Der gemeine Mitteleuropäer muss sich hier fast zwangsläufig die Frage stellen, welche paar Pomuskeln die brasilianische Rasse mehr ihr eigen nennen oder ob findige Chirurgen in Hinterhofpraxen der Favelas, den Schönheiten aus Rio bereits in jungen Jahren Althandys mit Vibrationsakku in die beiden Pobacken einbauen, die auf Knopfdruck vom Sambagruppenleiter gesteuert werden. Den Männern gefällt’s und auch die Frauen legen kaum Popo-Neid an den Tag, sondern sind in immer wachsender Anzahl mit Hüftwackeltüchern samt Klimperzeug zu sichten und das in jeder Hinterngröße von XS bis XXXXL. So sieht dann friedliche Co(burg)-Existenz zwischen Mann und Frau aus.

Es geht ja auch durchaus romantisch zu, wenn die Sonne über Ehrenburg und Landestheater untergeht und die Nacht aufzieht. Wenn der Caipi schmeckt, die Sambamusik in die Ohren fließt und die bunten Lichteffekte von den Bühnen Teelichtschein ersetzen. Dann kommt man so langsam in Stimmung und fügt sich zwangsläufig in den Rhythmus ein, ohne dass man sich dagegen wehren kann und geht voll und ganz in der wunderschönen Sambawelt auf. Man vergisst, dass man “nur” in einem beschaulichen Städtchen in der oberfränkischen Provinz – von Brose und HUK gesprägt – ist, sondern wähnt sich im lockeren Lebensgefühl zwischen Zuckerhut und Copacabana.

In diesem Sinne, mit meinem Ohrwurm: Bummbum bumbummberumbumm bumm bumm…!