Freitagnachmittagritual


Schlenkerla Straßenbier
Schlenkerla Straßenbier

Es ist wichtig, das der Mensch Rituale pflegt. Seit kurzen gibt’s ein neues – pünktlich zum Start ins Wochenende. Nach getaner Wochenarbeit geht’s am Freitagnachmittag noch ein paar Schritte in die Sandstraße zu dem, für sein Rauchbiert weltweit bekannten, Brauhaus. Dort pflege ich mit Kollegen nun regelmäßig zum Wochendauftakt das schöne Ritual des Straßenbiers – ein wunderbares Stück Bamberger Lebensart. “Zwei Euro sechzig” sagt der Wirt in der urigen, mit Holzvertäfelung und Hirschgeweihen verzierten, Stube durch das kleine Schankfenster und ich entgegne ihm jedes mal ein routiniertes “ich weiß scho” und ein gut fränkisches “adela” bevor es mit dem “Seidla” wieder vor die Türe geht.

Mit ein wenig Glück ergattern wir noch einen schmalen Sonnenstreifen, den die umgebenden Altstadtgassen gnädig passieren lässt und prosten uns nahe der Hauswand des “Schlenkerla” freudig zu. Manchmal nicht nur uns, sondern auch anderen geselligen Einheimischen, die dem Treiben sicher schon seit fünfzig Jahren frönen und beobachten die neugierigen Touristenströme, die sich durch das Sandgebiet, hinter aus dem Pulk herausragenden Holztäfelchen am Stiehl, schlängeln. Da kommt es schon das ein oder andere mal vor, dass wir Fotomotiv einer japanischen Touristin werden oder ein extrovertierter Amerikaner seine Nase in unser Glas stecken möchte um zu prüfen ob das edle Gebräu es tatsächlich nach “ham” riecht. Das alles stört nur mäßig, es gehört doch irgendwie dazu und dient auch der allgemeinen Unterhaltung. Wenn’s dann ausunterhalten und auch ausgetrunken ist, dann geht’s noch schnell nach nebenan zum Bäcker Seel für etwas Handfestes, bevor das Wochenende richtig startet.

Ein wirklich wunderbares Stück Bamberger Kultur, das diese Stadt so lebens- und liebenswert macht.

Vertrauenssache Bier


Es ist, als würde die Welt eines jeden Bambergers ins Wanken geraten. Eines der köstlichen Bamberger Biere soll ungenießbar sein!? Erhöhte Nitrosamin-Werte haben dafür gesorgt, dass ganze Chargen, mit mehreren Hektolitern, umsichtig aus dem Verkehr gezogen wurden (Bericht auf inFranken.de). Und dass, obwohl nie eine akute Gesundheitsgefahr für den Bierkonsumenten in der Region bestand, den – wie allgemein bekannt – durchaus einen überdurchschnittlichen Gerstensaftkonsum auszeichnet. Ohne Rücksicht auf eigene geschäftliche Belange hat Familie März hier sehr offen, klar und umsichtig für den Kunden reagiert. Dafür ein herzliches “vergelt’s Gott”. Genau dieses Vorgehen schafft nachhaltig Vertrauen beim Verbraucher und lässt Fehler einfach verzeihen. Bei den kleinen Handwerksbetrieben hat die Vernichtung und Rückrufaktion von größeren Mengen Bier ganz sicher andere wirtschaftliche Auswirkungen, als bei den Großindustrien dieses Landes. 

Bier als ehrliches Lebensmittel

Bamberger Biere, unter dem Mantel des Reinheitsgebots, sind sicherlich noch eine der wenigen Lebensmittel, die ehrlich und natürlich im Bauch des Endkonsumenten landen. Wenn sich die Verbraucher einmal die Zeit nehmen würde,  im Supermarkt die Inhaltsstoffe auf den gängigen Produkten zu studieren, dann müssten sie das große Kotzen bekommen. Unzählige Farb- und Zusatzstoffe sowie Unmengen an Industriezucker manipulieren eigentlich natürliche Produkte, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen. Mehr oder minder große Langzeitschäden für den Menschen eigentlich unausweichlich. Und dabei müssen viele Stoffe noch nicht einmal angegeben werden, der starken Lebensmittellobby der Großkonzerne in Brüssel und Berlin sei Dank. Dem Interessierten sei hier ein Besuch von “Foodwatch” empfohlen.

Fester Bestandteil der Genußregion

Es heißt nicht umsonst “Genußregion Franken”, hier gehören Bamberger Biere ohne Zweifel als fester Bestandteil dazu. Ich vertraue auch weiterhin auf das Spezial Bräu Bier und freue mich auf viele weitere Besuche der urigen Brauereigaststätte in der Oberen Königsstraße und vor allem des Spezi-Kellers am Stephansberg. Prost!