Brotzeit auf dem Lande ist in Bamberg ein beliebter Zeitvertreib, egal ob Afterwork oder als keiner Wochenendausflug. Fährt der geneigte Städter in Bamberg Ost mit dem Auto oder dem Drahtesel, auf den gut ausgebauten Radwegen, an der Muna entlang Stadtauswärts liegen die Ortschaften Geisfeld und Roßdorf am Forst gleich hinter dem beschaulichen Waldstück und vor der Hügelkette mit dem prägnanten Kälberbergsender.
Beschaulich geht es dort zu, aber auch zünftig. Denn dort befinden sich meine beiden Lieblingsgaststätten im Umland, zu denen ich traditionell mit Familie und Freunden schon seit Kleinkindertagen pilgere. Zeit, beide Ort der Geselligkeit mit einer Prise Landluft unter die Lupe zu nehmen: Brauerei Sauer versus Brauerei Krug.
Bier:
Sowohl in Roßdorf wie auch in Geisfeld vertraut man auf Selbstgebautes in Kleinmengen. Beide Biere schmecken süffig und gut, so wie eben ein oberfränkisches Landbier schmecken muss. Kein Wunder, dass die Einheimischen mit den klassischen grau-blau-verzierten Tonkrügen am Ausschank stehen und sich das frische Gebräu literweise direkt vom Fass abfüllen lassen.
Kleiner Vorteil bei der Brauerei Sauer in Roßdorf: Hier kann man sich noch die oder andere Bügelflasche frisch aus dem Lagerkeller mit nach Hause nehmen. Ein Angebot, das ich immer gerne annehmen und nicht zu Unrecht wurde die Brauerei mit dem European Beer Star ausgezeichnet.
Brotzeit und Essen:
In Geisfeld gibt es m. E. den allerbesten Ziebeleskäs weit und breit. Genau richtig in der Konsistenz mit der richtige Anzahl und Größe der cremigen und gestockten Bestandteile im Quark. Wer weiß, wie gerne und häufig ich Ziebeleskäs konsumieren, der weiß auch dass dies ein echter Ritterschlag für die Brauerei Krug ist. Einfache Handwerkskunst und ohne viel Schnick-Schnack mit frischem Brot und Butter. Sau lecker! Auch die anderen kleinen Brotzeiten schmecken echt und gut.
In Roßdorf gibt es den zweitbesten Ziebelskäs im Umland, dafür noch weit mehr Auswahl an schmeckenden warmen Speisen wie z. B. ein echtes Pfannenschnitzel mit Riffelpommes. Wer also etwas mehr Hunger mitbringt, der sollte den Weg nach Roßdorf antreten. Enttäuscht wird er dort keinesfalls, denn beide Gasthäuser bieten eine echte oberfränkische Küche ohne Michelin-Führer-Ambitionen, wo es einfach noch richtig schmeckt – fast so wie bei Muttern.
Ambiente:
Uriger geht’s in Geisfeld zu, das klassische Dorfgasthaus mit allen Protagonisten die man sich so vorstellen kann. Da gibt es einen einfachen alten aber sehr gepflegten Gastraum, ein Vorzimmer im Windfang mit Stammtisch und die gemütlich Terrasse. Auch nach dem vierten Bier findet man sich noch tip-top zurecht. Besonders witzig das Schild an der Türe mit den Öffnungszeiten: „Sonntag: nach dem Gottesdienst“. Ab und zu, wenn man Glück hat, führt ein Stammgast noch seine dralle Blondine, Stil “Hot MILF”, aus und auch irgendwie vor. Er unscheinbar, sie eine ansehnliche Erscheinung die dies meist mit riesen Dekolleté und kurzer oder knallenger sonstiger Bekleidung mehr als nur akzentuiert. Dazu schein sie mit allen halbwegs attraktiven männlichen Gästen unterschwellig auf Flirtkurs zu sein. Ich glaube, das ist ein Rollenspiel der beiden.
Die Brauerei Sauer ist ein wenig hochwertiger aber nicht ungemütlicher eingerichtet. Im Innenhof sitzt man wunderschön im Freien und für die Kids gibt’s einen kleinen Spielplatz vorne dran. Die Gaststätte mit nicht mehr ganz moderner Holzvertäfelung biete viel Platz und ist trotzdem immer rappelvoll. Statt draller Blonden gibt es einen echten, alten Schankwirt, der dem „Schlenkerla“ von der Gangart her alle Ehre machen würde. Kein Freund großer Worte oder Freundlichkeit ist, aber irgendwie perfekt dazu passt. Dafür sind die restlichen Bedienungen umso freundlicher und es geht irgendwie emotionaler als in Geisfeld zu.
Tragödienfaktor:
Vor vielen Jahren hat sich der Chef der Brauerei Krug beim Reinigen der Waffe selbst erschossen. In Roßdorf gibt es keine berichtenswerte Tragödien dieses Ausmaßes. Die einzige, die ich dort jemals mitbekommen haben war, dass eine mutmaßliche Heiratsschwindlerin mit stark sächselnden Akzents dort ununterbrochen auf “ihr” ca. 80-jähriges, den Tränen nahe, einheimisches Bauern-Opfern einredete. Es ging um Geld, Erbe, Grundstücke und dass ihr schon bewusst war, dass seine Kinder sie nicht sonderlich mochten. Der Abend war durchaus unterhaltsam und interessant.
Anfahrt:
In circa 10 Minuten schafft man es in Bamberg ins Auto einzusteigen und die jeweiligen Türen der Gaststätten zu gehen. Man muss sich nur vor Geisfeld entscheiden ob man lieber geradeaus in den Ort fahren möchte oder man die Muse besitze das Steuer nach links zu reißen und Richtung Roßdorf abzubiegen. Falls man zu Wochenbeginn doch mal die Ruhetage verwechselt ist man demnach auch schnell am jeweils anderen Ort und braucht sich nicht lange zu ärgern. Lediglich hinsichtlich der Kreativität der Fahrtwege bietet Roßdorf am Forst mehr Auswahl wieder nach Bamberg zu kommen. Das ist vor allem bei der An- und Abreise mit dem Rad durchaus nicht unerheblich, wenn man mit vollem Magen nicht mehr den Berg hinaus nach Geisfeld strampeln will.
Was es sonst noch zu sagen gibt:
Besonders gelungen sind die neuen Sanitären Anlangen inkl. Wickeltische in beiden WCs sowie Kinderspielflächen in Roßdorf. Zudem gibt es dort, wenige Meter weiter im schönen Dorf auch noch den Felsenkeller der Brauerei Sauer, aber irgendwie zieht es mich immer in den herrlichen Garten am Stammhaus.
Fazit:
Einen klaren Gewinner kann man nicht ausmachen. Irgendwie gewinnen immer beide Brauereigaststätten gegen den Rest im Umland, auch weil hier das Preis-Leistungsverhältnis noch passt und ich mich dort einfach wohl fühle. “Never change a winning team” und so halte es auch ich mit mir und dem Brotzeitmachen auf dem Lande. Wo es letztendlich hingeht ist meist eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Bauchentscheidung. Richtig schmecken tut es sowieso, dort oder da. Absolut empfehlenswert!
Im Web:
www.brauerei-krug.de
www.brauerei-sauer.de