Jonber
21.10.2011 | 12:03
„Was die fehlende Anerkennung angeht (ist das denn überhaupt so?): da hilft vielleicht, wenn einige hier endlich damit aufhören würden, sich selbst als das Hinterweltler-Kuhdorf hinzustellen, dass ihr basketballerisch schon lange nicht mehr seit! Das wird an Peinlichkeit nur übertroffen, wenn sich dieselben über Bauern-Sprüche der Basketball-”Ausländer” entrüsten… “
Quelle: schoenen-dunk.de
In der Tat ist es endlich an der Zeit diese Mär von Bamberg als „Hinterwelter-Kuhdorf Hinterwäldler und seinen Bauern“ zu beenden. Bamberg ist nämlich traditionell ein eine Gärtnerstadt – und war noch nie etwas anderes. Schon seit dem Mittelalter pflanzen die Bamberger Obst und Gemüse an und versorgen damit die Region mit Grundnahrungsmitteln. Die erwähnten Kuhdörfer findet man zwar auch, doch sind diese eher im oberfränkischen Umland anzusiedeln.
In Bamberg selbst kann man die Auswirkungen dieser Gärtnerkultur noch heute in einem ganzen Stadtteil, nahe der Ottokirche, hautnah erleben.
Kleine Häuschen mit schlecht gestrichenen, großen hölzernen Durchfahrtstoren samt Innenhof und kultivierten Gartenanteilen reihen sich in niedlichen Sträßchen aneinander. Gärtner, die sich bereits im gepflegten Rentenalter befinden, fahren in Blaumann, Gummistiefeln und Hut mit ihren grünen Uralt-Fendt-Traktoren auf der Memmelsdorfer Straße von ihren Gemüsefeldern nach Hause. Dass sie dabei auch mal den gesamten Feierabendverkehr lahm legen, ist eine Randerscheinung. Unzählige Salatpflanzen, Zwiebelschalotten oder Kartoffelknollen sitzen brav in Reih und Glied im Gärtnerland neben der Autobahn A70 und in Sichtweite der örtlichen Dependance des Hauptsponsors.
Ebenso Dicht an Dicht wie die Basketballfans in der Stechert Arena, wenn es als kleines Bamberg gegen die großen europäischen Metropolen geht. 6.800 stellvertretend für 70.004; das Umland sei hier, der Einfachheit halber, vernachlässigt.
Dicht an Dicht wie die Menschen in den Vorlesungssälen der Otto-Friedrich Universität, die mit mehr als 12.000 Studenten aus alles Nähten platzt. Seit 1647, also weit vor dem ersten Sprungball in Bamberg, trägt die Bildungseinrichtung dazu bei, dass sich das Hinterweltertum in Oberfranken lichtet.
Dennoch ist es etwas Besonderes, dass Bamberg (0,07 Mio.) der Riege der ganz großen Clubs aus den bekannten Hauptstädten des Kontinents mitspielt. Im Vergleich zu Moskau (11 Mio.), Athen (4 Mio.), Madrid (3,5 Mio.) und Berlin (3,5 Mio.) ist Bamberg durchaus Provinz. Und das ist gut so, es brennen Sonnwendfeuer statt Autos. Es schlagen Bierkrüge aneinander, statt Fäuste in U-Bahnstationen. Die Einwohner protestieren mit Schwimmtieren für den Erhalt einer Flussbadestelle statt mit Molotow-Cocktails gegen nationale Sparmaßnahmen. Kugeln treffen vielumjubelt Schützenscheiben statt still und heimlich Körper von regierungskritischen Journalisten. Das Gemüse gibt’s noch vom Gärtnerstand am Wochenmarkt anstatt im 24 Stunden geöffneten Hypermarkt in Mega-Shoppingmalls.
Wir dürfen also mit einer gewissen Asterix- und Obelix-Mentalität durchaus Stolz sein auf das Erreichte in der herrlichen fränkischen Provinz. Wohl wissend, dass uns viele Anhänger aus Basketballmetropolen als „hinterwelterische Bauern“ belächeln. Wir spielen diese Gallier-Römer-Karte als Fans mit einer gewissen Ironie und Heimatverbundenheit ja selbst gerne aus.
Dennoch muss es korrekt aus dem genannten Basketball-Ausland „Ihr Bamberger Gärtner“ heißen, wenn man dort über uns spricht. Und auch die Hinterwelt hat sich Neuerdings in eine hochoffizielle Randmetropolregionenlage verändert.
Schöne Grüße nach Berlin.
Euer Bamberger Gärtner am Rande der Metropolregion.
Markus Reinfels ist Basketballfan mit Leib und Seele. Bei den Brose Baskets ist er für Scouting & Statistik verantwortlich. Er schreibt Kolumnen in den Basketballmagazinen RED und JUMP. Ehrlich, echt und frei nach Schnauze.
Dieser Beitrag ist aus der aktuellen RED Ausgabe vom 17. November 2011.