US-Trio sagt „hello“, einer „do videnia!“


Es scheint als würden Bambergs Macher beim Spielerkader rasch Nägel mit Köpfen machen wollen. Nachdem bereits mit Daniel Theis ein echter Coup gelungen war, gesellten sich in den vergangenen Tage gleich drei hochklassige US-Spieler hinzu: Power Forward Josh Duncan (Hapoel Jerusalem), Spielmacher Brad Wanamaker (Giorgio Tesi Pistoia) und Swingman Ryan Thompson (Telenet Oostende).

Maj sa dobre, Tono!

Bei aller Euphorie heißt es aber auch Abschied nehmen vom bisherigen DNA-Spieler und dem riesigen Herz der Brose Baskets. Anton Gavel verlässt Bamberg definitiv und möchte sich einer neuen Herausforderung stellen. Diese kann an der Isar liegen, jedoch gibt es wohl auch weitere potente Interessenten aus der Euroleague. Bamberg hat Anton Gavel viel zu verdanken, aber auch anders herum wird ein (Basketball-)Schuh draus. Nach einigen Wanderjahren als Rollenspieler durch die südeuropäischen Ligen, gelang Bamberg mit seiner Verpflichtung aus der Slowakischen Liga ein echter „Home Run“. Sieben nationale Titel fallen in die Gavel´sche Ära und der gebürtige Slowake hat sich von einem durchaus talentierten, aber nicht sonderlich herausragenden Akteur zu einem echten Spitzenspieler und „Spielermarke“ gemausert. Nach so viel Erreichtem und den Jahren in der fränkischen Provinz, sei es ihm gegönnt noch einmal etwas anderes in seinem Sportlerleben zu erleben. Bamberg ist ihm in jedem Fall zu großem Dank verpflichtet, auch wenn es wieder Fans geben wird, die dies nun anders sehen. Denen ist aber eh nicht zu helfen. Maj sa dobre, Tono!

Die Neuen

Blicken wir aber nun voraus auf die drei neuen US-Amerikaner und das der Position auf dem Feld nach.

Der Spielmacher

Der erste im Bunde wäre somit Brad Wanamaker. Er war einer der Topspieler in der ersten Italienischen Liga und ist mit seinem Team erst im fünften Spiel am späteren Meister aus Mailand gescheitert.

Giorgio Tesi Pistoia (Lega A / ITA)
16.2 ppg | 2.9 rpg | 4.7 apg | 44 % 3er-Quote

Er ist Bambergs neuer Spielmacher Nr. 1 und bring viele mit, was man sich schon von Zack Wright versprochen hat. Gemeinhin gilt er als Playmaker mit ausgezeichnetem Pick and Roll-Verständnis und einem guten Zug zum Korb. Zwar ist er kein ausgewiesener Distanzwerfer, aber dafür mit guter Wurfauswahl und guter Quote. Dazu sind 1.93 m geradezu Gardemaß für die „Eins“, gepaart mit seiner Athletik sollte uns diese Physis vorne wie hinten etwas zählbaren geben. Wanamaker ist sicherlich noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Mit 24 Jahren ist er immer noch ein sehr junger Spieler, der aber bereits vier Jahre in guten europäischen Ligen hinter sich hat. Dabei war die abgelaufene Saison sein großer Durchbruch. Eine gute Basis, um in Bamberg den nächsten Schritt zu machen und eine erfolgreiche europäisch aktive Mannschaft zu führen.

Spielerseite Wanamaker von Pistoia mit Fotos und Videos

Der variable Forward

Die offizielle Bestätigung von Clubseite steht zwar noch aus, aber sowohl der Agent wie auch Ryan Thompson selbst bestätigen den Wechsel. Auf diesen Spieler bin ich erstmal bei den Live-Spielen zu Euroleague-Quali gestoßen. Dort hat es Oostende überraschend bis ins Endspiel geschafft und der US-Spieler war der überragende Akteur. Damals hatte ich mich gefragt, was ist das für ein Spieler? Er schien alle Positionen zu spielen. Mal Ballvorträger und Spielmacherersatz, mal Dreierschütze, mal Scorer in der Zone, mal Rebounder. Das komplette Paket hat er damals gezeigt und ein „Whow“ bei mir erzeugt. Ähnliches erwartet man von keinen Bruder des NBA-Profis Jason Thompson.  Alles gut zu können, verhinderte wohl bisher eine NBA-Karriere, ist aber die beste Voraussetzung um in Europa ein dominanter Spieler zu werden. Dominant war seine Saison aus in Oostende, wo er neben der Fast-Euroleagueteilnahme auch den Pokal und die Meisterschaft feiern konnte.

Telnet Oostende (Ethias League / BEL)
16.3 ppg | 2.8 rpg | 2.2 apg | 43 % 3er-Quote

Der Rider-Absolvent spielt auf den Positionen Shooting Guard und Small Forward und erinnert nicht nur von seiner Physis her an den großen Michael Jordan: 1.98 m und 100 kg. Mit diesen Anlagen könnte er insgesamt etwas besser rebounden, aber es sind genug  anderen Anlagen vorhanden, die ihn zu einem echte „Steal“ machen könnten. Er hat ein schier unerschöpfliches Arsenal zu Punkten: Einen sicherer Dreier, ein gutes Midrange-Game, Cleverness und Power sich am Brett durchzusetzen (er bringt gerne seinen Körper zwischen Gegner und Ball) und ein guter Werfer von der Freiwurflinie. Genug, um die gegnerischen Verteidigungsreihen zu vermehrten Aspirinkonsum zu nötigen. Er kann in Bamberg den ganz großen Durchbruch schaffen, wie bereits einige Amerikaner vor ihm. Ich traue ihm zu, dass er die Zuschauer von den Hockern der Brose Arena reißt, wenn diese bis Saisonbeginn nach dem Qualitätsdesaster wieder funktionsfähig sind.

Der Große mit dem großen Name

Duncan, als Tim einer der All-NBA-Greatest, als Josh der neue Power Forward der Brose Basket mit der Option zum schnellen Center.  Beim isrealischen Top Club war der Xavier-Absolvent im Eurocup Topscorer, in einer Mannschaft die mit vielen weiteren Starts gespickt war: Yotam Halperin, Lior Elyahu, Ronand Dupree, Derwin Kitchen, Bracey Wright.

Hapoel Migdal Jerusalem (Winner Super League / ISR)
15.0 ppg | 6.7 rpg | 1.0 apg | 47 % 3er-Quote

Der Amerikaner ist einer hervorragender Pick-an-Pop Spieler. Als Vierer oder Fünfer versenkte er einen Dreier pro Partie im Korb des Gegners, dazu ist er brandgefährlich mit seinem Mitteldistanzwurf, ein klassischer Back-to-the-Basket-Typ ist er also nicht. Die Kombi Wanamaker-Duncan kann man sich also bereits gut in der Funktionsweise vorstellen. Seine eher durchschnittliche Sprungkraft hindert Duncan jedoch nicht daran genug Wege zu finden, um sich auch am Brett durchzusetzen. Seine große Stärke ist auf jeden Fall der Wurf, seit 2011 lagen seine Dreierquoten nie unter 41 % und seine Freiwurfquote nie unter 84 %. Pest oder Cholera also für den Gegenspiel, wenn es darum geht Duncan werfen zu lassen oder zu faulen.

Was heißen die beiden neuen nun also für den Rest der Wackelkandidaten im Kader. Jamar Smith als Comboguard mit überragenden Wurf, Rakim Sanders als talentierter „Tweener“ und Maik Zirbes als klassischer Brettcenter würden durchaus gut zum Rest passen. Nimmt man die Wackelkandidaten (egal ob Vertrag, Option oder sonst etwas) mal außer Acht, benötigt Bamberg wohl noch einen Spielmacher von der Bank, einen Comboguard, einen Flügelspieler und zwei Center. Dabei wären noch drei Plätze an Ausländer zu vergeben, zwei müssten Inländer sein. Durch den neuen isrealischen Pass wird ein Verbleib von „Fingerzeiger“ D’or Fischer unwahrscheinlicher. Nach seiner guten letzten Saison ist eher davon auszugehen, dass er sich den Pass, passend zum Vornamen, vergolden lässt und in einer südeuropäischen Liga anheuert, wo die Ausländerregelung diesen speziell honoriert.

Bisheriger Kader (mit Vertrag oder Option)

Brad Wanamaker | Pos. 1 | USA
Jamar Smith | Pos. 1/2 | USA
Karsten Tadda | Pos. 2/3 | D
Ryan Thompson | Pos. 2/3 | USA
Rakim Sanders | Pos. 3/4 | USA
Elias Harris | Pos. 3/4 | USA
Johannes Thiemann | Pos. 4 | D
Daniel Theis | Pos. 4/5 | D
Josh Duncan | Pos. 4/5 | USA
Maik Zirbes | Pos. 5 |D

Andrea Trinchieri | HC | ITA

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