Wirtschaftsbyerat?


Eigentlich klingt die Idee prima: Ein Wirtschaftsbeirat für die örtliche Stadtpolitik. In Bamberg soll diese Gremium jetzt, in 2015 nach einer Beschlusslage aus dem Jahr 2001 installiert werden – also ganze 14 Jahre später. Eigentlich wäre das alleine schon ein Grund zum Stirnrunzeln, wer aber zuletzt die Kommunikation der Parteien und deren wortgewaltiger Schwergewichte über die gesamte Bandbreite der zu Verfügung stehenden Kommunikationskanäle verfolgt hat, bei dem mutiert die runzelig Stirn schnell zur Sorgefalte.

Die Leitidee eines Beirats für komplexe wirtschaftliche Fragestellungen ist lobenswert. Nicht jeder der gewählten Vertreter im Stadtrat kann ein Experte auf diesem reichlich anspruchsvollen und vielschichtigen Gebiet sein. Schließlich bildet auch der Rat lediglich einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung. Fehlendes Fachwissen bei Entscheidern wird durch Kompetenz im Beirat und dessen Beratungsfunktion ausgeglichen.

Wie bei vielen guten Vorschlägen aus der Praxis, wird auch dieser Gedanke gerade zum Spielball der Kommunalpolitik. Auch weil der Beschluss fast schon aus dem letzten Jahrtausend nachwirkt und insgesamt recht unkonkret gehalten ist scheint es einige Unklarheiten und Interpretationsspielräume zu geben. Es müsste sich folgerichtig noch einmal eingehend mit dem Ziel und der zugestandenen Kompetenz befasst werden, denn die Ansprüche haben sich über die Jahre sicherlich gewandelt. Er wenn diese Frage umfassend beantwortet wurde, kann eine seriöse Personalplanung beginnen.

Doch diese scheint bereits voll im Gange. Nicht gemeinsam, sondern durchweg konträr, selbst innerhalb der Koalitionen. Wer den Schlagabtausch in den sozialen Netzwerken verfolg hat, den beschleicht das ungute Gefühl, dass ein Gerangel um die Posten längst begonnen hat. Jeder der wirtschaftlich etwas auf sich hält bringt sich in Position und steckt lautstark seinen Claim ab. Könnte doch gerade der Vorsitz eines solch wichtigen Gremiums bei einem erfolgreichen Wirken ein ideales Sprungbrett für weitere Ämter sein.

Hier wirft der fachlich prädestiniert IHK-Präsident für die Blauen seinen Hut in den Ring, dort mahnt der profilierte Citymanager aus dem roten Lager, aber auch die restlichen Farben sind sich noch uneins. Zu kritisch gegenüber der wirtschaftlichen Ausrichtung der Stadt sei der eine, zu selbstverliebt in sein eigenes Wirken der andere. Insgesamt sind hier durchaus interessante Kommunikationsstrategien auf allen Seiten zu beobachten.

Bamberg macht sich wieder mal lächerlich. Welch eine unrühmliche Leistung morgen wieder einmal in der SZ zu stehen? Diese Stadtoberen „schaffen“ das! — nachdenklich.

H. Trunk bei Facebook am 25.01.2015

Wirtschaftsbeirat – Die SPD, CSU, BuB und FDP sind sich einig, dass sie den Vorschlag der Verwaltung abwarten wollen, um dann inhaltlich zu diskutieren. Ein entsprechender Vorschlag soll bis zur Sommerpause vorgestellt werden und dabei das gesamte Leistungsspektrum der regionalen Wirtschaft abdecken. Sehr vernünftig! — zufrieden

K. Stieringer bei Facebook am 25.03.2015

Die Wahrheit liegt in einem Korridor zwischen den Extremen. Auch in der Traumstadt der Deutschen gibt es Raum für Optimierungen und dennoch machen handelnde Personen einen guten Job, der Respekt abverlangt. Letzendlich kann das Fachgremium nur bei einen erfolgreichen Schulterschluss Erfolg haben. Eine erste gemeinsame Überlegung müsste sein, welche fachlichen Fähigkeiten für einen Beiratsposten qualifizieren: Ein Parteibuch kann dies wohl kaum sein. Politik machen steht nämlich explizit nicht auf dessen Agenda Setting, sondern vielmehr eine praxisorientiere wirtschaftliche Beratung der Stadt Bamberg in strategischen Bereichsfragen.

Vor welche Herausforderungen steht die Bamberger Wirtschaft überhaupt? Die Konversion ist sicherlich ein große Thema der kommenden Jahre, aber auch weniger sichtbare Themen wie die Digitalisierung der Wirtschaftsprozesse sind große Herausforderungen für alle Marktteilnehmer. Neben Vertretern aus Handel, Industrie, Tourismus und Handwerk, darf ein Mann (oder eine Frau) mit dieser Kompetenz also eigentlich nicht fehlen. Ist ein Onlinemarketeer, ein Digitalisierungsspezialist oder ein Agenturchef in diesem Gremium denkbar? Oder sind es am Ende wieder die alten Bekannten, die eben am besten vernetzt sind

Eine Idee, die auch beim Wirtschaftsbeirat zugrunde liegt, sollte Schule machen: Eines professionelles Personalberatungsunternehmen, mit Erfahrung bei der Zusammenstellung von effektiven Teams, könnte unabhängig helfen die richtigen Anforderungsprofile zu erstellen. Auf der anderen Seite müssten sich Bewerber mit ihrer Motivationsaussage nachdrücklich qualifizieren, denn neben aller fachlicher Kompetenz ist die Liebe zu Bamberg der wohl wichtigste Soft Skill. Nicht dass am Ende die Schlagzeile „Bamberger Wirtschaftsbyerat“ lautet.

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