Bamberger Pokalschmerz


Nichts war es mit dem ersten Titel der Nach-Fleming-Ära der Brose Baskets. 70-72 leuchtete es nach Spielende von der Anzeigentafel, eine Aktion für und wider hatte den Ausschlag im Beko BBL Pokalfinale zugunsten der EWE Baskets Oldenburg gegeben. Den Norddeutschen muss man dabei sportlich fair zu einer couragierten Leistung gratulieren. Sie haben ihren Heimvorteil in viel Energie auf dem Feld umgesetzt und den leichten Favoriten aus Bamberg denkbar knapp bezwungen. Jubel und Freude dort – Tränen und Enttäuschung hier. Dabei sah es 6:44 Minuten vor dem Ende noch gut für die Oberfranken aus. Dawan Robinson verwandelte einen Korbleger zum 64-56 und die Mannschaft wirkt souverän auf dem Weg zum Titelgewinn. Doch nur kurz danach sind zwei entscheidende Ereignisse auf dem Feld passiert:

Big Points verpasst

Zum einen haben die Brose Baskets es verpasst den Big Point zu machen, der Korbleger von Janis Strelniks verfehlte knapp sein Ziel. Statt einer Zehnpunkteführung gab es ein Déjà-vu. Man konnte sich darauf verlassen, dass in jeder Phase in der Bamberg beste Gelegenheiten auslies davon zu ziehen, Oldenburg mit einem erfolgreichen Distanzwurf konterte. Diesmal war es dem großen Rickey Paulding persönlich vorbehalten, das entscheidende Zeichen zum 64-59 zu setzen. Wenig später legte Nemanja Aleksandrov zum 64-62 nach – insgesamt fanden elf wichtige Dreier den Weg in den Bamberger Korb.

Fakt: 33 von 72 Oldenburger Punkten durch Dreier

Foulmanagement ungenügend

Zum anderen war das Foulmanagement Bamberg katastophal. Früh hatte man bereits vier Mannschaftsfouls auf dem Anschreibebogen stehen und dem Gegner fortan immer wieder zu leichten Freiwurfpunkten eingeladen. Zudem musste der überragende Janis Strelniks, ein Garant für Ruhe und wichtige Körbe in die hektische Partie 3:05 Minuten vor dem Ende ausgefault auf die Bank. Ein herber Verlust. Wenig später folgte auch noch Daniel Theis, der insgesamt ein schwaches Wochenende hatte. Ohne den Letten geriet die Offensive merklich ins stocken und verlor sich in Einzelaktionen.

Fakt: 20 mal stand Oldenburg an der Freiwurflinie

Der ebenfalls starke Brad Wanamaker alleine musste fortan drei schlechte Dreier nehmen, von denen keiner sein Ziel fand. Auf der Gegenseite besorgte erst Chris Kramer relativ einfach von der Freiwurflinie den Ausgleich, Philipp Neumann wenig später aus gleicher Position die 64-66 Führung. Das Unheil nahm seinen Lauf und die EWE Baskets konnten 17 „easy baskets“ von der Linie erziehlen, Bamberg nur elf (bei immerhin 100 % Trefferquote).

Diskussion Duncan statt Robinson?

Für Diskussionen hat die Besetzung der Ausländerpositionen gesorgt. Nicht wenige hätte gerne Power-Forward Josh Duncan lieber im Kader gesehen als Comboguard Dawan Robinson. Dieser konnte heute in 27 Minuten auf dem Feld bei sechs Punkten, 33 % Feldwurfquote, vier Ballverlusten (davon zweimal bei der Ballannahme im Aus gestanden) und einer Effektivität von zwei wahrlich nicht überzeugen. Die Entscheidung von Cheftrainer Andrea Trinchieri ist aber nachvollziehbar. Oldenburg bringt mit Caspar Ware, Julius Jenkins, Chris Kramer gleich drei Topguards aufs Feld und auch Maurice Stuckey hat heute stark gespielt.

Fakt: 27 Minuten Spielzeit für Dawan Robinson

Dawan Robinson hat viel Druck bei Ballvortrag von Brad Wanamaker genommen, der über die gesamte Spieldauer sehr hart verteidigt wurde. Ohne den erfahrenen Ü30’iger wäre Bamberg heute in der Endphase mit Strelniks auf der Bank aber sehr dünn besetzt gewesen, noch dazu weil auch Karsten Tadda und Ryan Thompson heute quasi nicht statt gefunden haben (zusammen drei Punkte). Ein Szenario, in dem der Lette (real: fünf Fouls) und Brad Wanamaker (real: 4 Fouls) beide, ohne die entlastenden Robinson-Minuten, bereits Anfang bis Mitte des Schlussabschnitts nicht mehr mitwirken hätten können, hätte durchaus Realität werden können. Und was wäre dann gewesen? Karsten Tadda? Daniel Schmidt? Wäre der letzte Dreier des kritisierten US-Stirnbandträgers als Buzzer-Beater zum 73-72 in den Ring gefallen, dann wäre er jetzt der große Held und niemand würde die Entscheidung in Frage stellen. So eng liegen die Dinge manchmal eben beisammen.

Bamberger Sieger auf der falschen Seite

Letztendlich mag es eine kleine Ironie den Schicksals sein, dass ausgerechnet zwei ehemaliger Spieler aus der Bamberger Kaderschmiede heute den Beko BBL Pokal in die Höhe recken durften. Jungcenter und MVP Philipp Neumann (von der sportlichen Leitung um Wolfgang Heyder und Chris Fleming während der Saison abgegeben) war heute mit 12 Punkten und vier Rebounds bester Oldenburger und von unseren Inside-Spielern kaum zu stoppen und Maurice Stuckey hat drei ganz wichtige Dreier getroffen.

Fakt: 32 von 72 Siegerpunkten von deutschen Spielern

Inssgesamt ist es für die Basketballnation erfreulich, dass beim Sieger vor allem die deutschen Spieler der Partie ihren Stempel aufgedrückt haben. Neben den oben angesprochenen Akteuren, war auch von Philip Zwiener mit neuen Punkten stark mit von der Partie.

Noch kein Sieger-Gen

Am Wochenende hat sich gezeigt, dass Bamberg eine wirklich sehr starke Mannschaft ist, aber noch das absolute Sieger-Gen vermissen lässt. Zwar ist die Qualität hervorragend und das Team harmoniert, aber das relativ neue und junge Team hat noch wenig echte Schlachten zusammen geschlagen. Bei den teilweise sehr peinlichen Kommentaren in sozialen Netzwerken und Foren wird in Bamberg immer wieder vergessen wie viele bittere Niederlagen es in der Historie gebraucht hat, bis überhaupt der erste Titelgewinn in den Ären Bauermann (2) und Fleming (4) zustande kam.

Tough tough lost!!! Got to get the Bbl chip now

Brad Wanamaker via Twitter (@phillybul_22)

Vielleicht hat es diese Erfahrung gebraucht, um aus Brad Wanamaker einen Brad Winnermaker zu machen.

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