Foto: BR/Olaf Tiedje

Dadord rot-weiß aus Nemberch


Als geneigter Tatort-Fan habe ich freudig auf den gestrigen Tag hingefiebert. Meine Erwartungen an den ersten Franken-Tatort waren jedoch unausgegoren und es stellte sich die Frage, was hätte ich eigentlich erwarten sollen und sollte ich überhaupt etwas erwarten. Letztendlich bin ich unaufgeregt in den Krimiabend gestartet und muss gestehen, dass mir die erste Episode mit dem Nürnberger Ermittlungsteam wirklich gefallen hat.

Angenehm normale Kommissare

Die Komissare haben mir gut gefallen, Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs haben Potential – zumindest nervt mich keiner der beiden Charaktere und das hebt das Duo schon einmal von anderen TV-Dienststellen des Landes ab. Ganz im Gegenteil, spätestens seit „Praktikant Gisbert“ im Münchener Format-Pendant bin ich ein Fan des Schauspielers. Schön wieder einmal Ermittler zu verfolgen, die keine privaten Nebentragödien im Gepäck tragen, sondern das tun was sie sollen: menschlich ermitteln. Sie schreien sich nicht an, sie versuchen nicht Therapeut des anderen zu sein, sondern einfache Kriminaler.

„Unsere Aufklärungsquote hier ist enorm. Wir lieben das Handwerk. Die Tradition. Und vor allem – die Ruhe. Was wir nicht schätzen, ist Aufregung!“

Dr. Kaiser, Polizeipräsident

Echt fränkisch

Franken ist ein Zuwanderungsland für Eingeborene anderer Bundesländer, das merken wir im Alltag allerorts. Warum sollte es dann auch im Tatort mit einer Ost- und einem Norddeutschen zugereisten anders sein. Dafür sind die Nebenrollen angenehm fränkisch-natürlich. Keine überzogen-unerträgliche Dialektdarstellung und keine geistige Bloßstellung der fränkischen Intelligenzform. Die Menschen in Franken werden reichlich normal transportiert und anders sind sie eben auch nicht – weder geistige Tiefflieger noch Hippster (Ausnahmen bestätigen die Regel). Am gefilmeten Fürther Eigenheim-Interieur gemessen, könnte man sogar auf die Idee kommen, dass auch wir Geschmack besitzen.

„Es schaud fast so aus, also ob doo zwei Bundenbürcher möglicherweise in einem sehr sehr schönen Moment… des dodale inneinander von zwei Menschen im Augenblick höchstä‘ Hingabe.“

Michael Schatz, Leiter der Spurensicherung

Etwas poientiert wird unser Menschenschlag derweil durch Matthias Egerdörfers Rolle als hochemotionaler KTU-Chef – das tut dem Gesamtbild dennoch gut und sorgt für Schmunzler. Einzig die Rolle des Polizeipräsidenten wirkt etwas überzeichnet, auch wenn der Franke gerne mal seiner gemütlichen Manier in tobender Weise ausbricht und mosert. Dabei liefert er dochselbst das passende Zitat.

Fazit: Basd scho‘

Alles in allem eine gelungen Premiere und sogar das Bamberger Kasperl war kurz im Hintergrund zu sehen. Dieser Tatort war eben so, wie ich als Franke es mag: „Wir lieben das Handwerk. Die Tradition. Und vor allem – die Ruhe. Was wir nicht schätzen, ist Aufregung!“ Basd scho‘ bezeichnet das Debüt wohl am besten und lässt auch noch etwas emotionalen Raum nach oben für die weiteren Machwerke mit den Kommissaren Ringelhahn und Voss.


Filminfo
Regie: Max Färberböck
Drehbuch: Max Färberböck und Catharina Schuchmann
Darsteller: Fabian Hinrichs, Dagmar Manzel, Eli Wasserscheid, Stefan Merki
Länge: 90 Minuten

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s