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Bayerisches Finale rot-weiß


Nach nur einer Saison Pause stehen die Brose Baskets nach dem Radikalumbruch wieder im Finale der Beko BBL. Ihrem zweiten in dieser Saison wohlgemerkt, wobei das Pokalfinale gegen Gastgeber Oldenburg unrühmlich verloren wurde. Jetzt ist der Gegner noch stärker. Der amtierende deutsche Meister FC Bayern München Basketball hat sich in einem epischem Spiel fünf in Berlin durchgesetzt und ist bereits seinen Titel zu verteidigen.

Tiefstapeln ist aus Bamberger Sicht sicherlich fehl am Platze, aber es sind die Münchener, die ihren Titel zu verlieren haben und die scheinen sind gerade rechtzeitig als Mannschaft gefunden zu haben. Nach dem Saisonverlauf sind sie, trotz Platz drei in der Tabelle, um Haaresbreite Favorit. Das soll nicht die überragende Leistung der neuen Bamberger Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf schmälern. Dieser ist jetzt aber makulatur. Es geht nur gegen eine Mannschaft und die hat den Brose Baskets im bisherigen Saisonverlauf bei vier Aufeinandertreffen viel Kopfschmerzen und bittere Niederlagen bereitet. Ein Blick auf die entscheidenden Faktoren:

1. Bayern ist amtierender Meister

Im Münchener Kader gibt es sage und schreibe 12 Spieler mit Meistererfahrung aus dem vergangenen Jahr oder vorherige Titelträger. Das ist eine Erfahrung, die ungemein hilft, wenn es darum geht Finalserien erfolgreich zu managen. Bamberg hat über viele erfolgreiche Jahre profitiert, dass die Führungsspieler um John Goldsberry, Casey Jacobsen und Anton Gavel wussten, wie Titel gewonnen werden. Im Kader der Franken können nur Karsten Tadda, Darius Miller und Dalibor Bagaric diese Erfahrung vorweisen. Es ist zwar eine Floskel, die aber nie unwahr wird:

Unterschätze niemals das Herz eines Champions.

2. Playoff-Schlachten

Bayern hat zwei schwierige Serien gegen bissige Frankfurter und starke Berliner gespielt. Ohne jeden Zweifel hatten sie im Halbfinale die schwerstmögliche Serie gegen ein Euroleague-Playoff-Team. München hat die Serie nach einem ernüchternden Spiel eins trotzdem gewonnen. Sie wissen als Mannschaft, wie sie mit Rückschlägen umgehen müssen und wie sie zurück kommen und zurück schlagen können. Die Playoff-Schlachten waren bestes Training für eine schwierige Finalserie. Bamberg hat hier durch zwei überzeugende Sweeps gegen Ludwigsburg und Ulm kaum Erfahrung sammeln können. In den Finalspielen wird es für beide Teams Rückschläge geben, Mannschaften werden am Boden liegen und es wird entscheidend sein, wie sie wieder aufstehen. München hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie Nehmerqualitäten besitzen, Bamberg ist den Beweis, aus Mangel an Gelegenheiten, noch schuldig.

3. 1 Sieg und 3 Niederlagen

80-63, 63-87, 52-90, 90-96

München ist nicht das beste Matchup für Bamberg. Zwei Niederlagen waren sogar richtige „Watsch’n“.  Bei Bambergs Sieg war die Bayern-Mannschaft ein Häuflein Elend, vor allem hat Nihad Djedovic nicht gespielt. Mit seinen blitzartigen Vorstößen kann er jede Verteidigungslinie entscheidend auseinander nehmen und entweder selbst abschließen und den Korb attackieren oder Freiräume für andere schaffen. Sein Fehlen war damals entscheidend, weil Bayern viel zu lethargisch im Angriff war und mit dem unfitten Bo McCalebb quasi Standfußball mit dem organenen Leder gespielt hat.

4. Heimvorteil Bamberg

Ein Argument das für Bamberg spricht. Wenn der gemeine Franke will, dann kann er ein echter sechster Mann werden. Genauso gut fängt er aber rasant schnell das Murren und Nögeln an. Läuft es nicht wie es sich das Volk auf den Rängen wünscht, dann kann der Heimvorteil auch schnell zur Last werden – Raunen, Pfiffe und Buhrufe sind keine Seltenheit. Imho sind beide Mannschaften gut genug um in der Halle des Gegners punkten zu können. Das hat sowohl München in Bamberg unter Beweis gestellt, aber auch Bamberg im Ligaspiel im Audi-Dome, wo es bis zum Schluss sehr knapp war.

5. Das Momentum

Bamberg wirkt sehr souverän und fast schon abgeklärt in den Playoffs. Durch den Platz 1 haben sie sich aber auch den leichten Weg verdient. Nach dem verlorenen Pokalfinale hat es Klick in der Mannschaft gemacht, sie spielt deutlich konzentrierter und fokussierter. Die Bayern haben endlich ihre Rotation gefunden, mit der sie alle Playoff-Schlachten erfolgreich schlagen können. Nach dem gigantischen Sieg in Berlin ist das Selbstvertrauen größer als die Eier von John Goldsberry je waren. Die Emotionen zeigen, dass hier eine Einheit auf dem Feld steht, die füreinander einsteht. Die wollen Meister wieder werden! Bamberg dagegen ist ein wenig ruhiger und cooler in der Außendarstellung. Am Ende wird es aber so sein, dass die Meisterschaft über Emotionen, Kampf und Einsatz entschieden wird. Wahrscheinlich werden es auf diesem Niveau wenige Ballbesitze sein, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Da kommt es auf jeden Rebound, auf jeden „Loose-Ball“ an.

Key Match-Ups

Entscheidend für Bamberg wird sein, ob es gelingt den Wirbelwind „Munich Blitz“ Nihad Djedovic (17.7 ppg, 51.3 % 3er) irgendwie zu stoppen. Er bindet viele Kräfte und viel Kraft in der Verteidigung und wird am Ende dennoch zu seinen Punkten kommen. Hier muss Bamberg vorher nochmal auf den Domberg pilgern und ein paar Kerzen spenden, damit sie irgendwie Beistand von oben bekommen.

Oben auf befindet sich aber auch Bambergs Backcourt mit Brad Wanamaker (16.7 ppg, 3,7 rpg, 4.2 apg, 52.4 % 3er), Janis Strelniks (13.7 ppg, 44.8 % 3er) und Dawan Robinson (11.5 ppg). Sie werden viel Druck auf ihre Gegenspieler ausüben und vor allem der Vize-MVP und Bambergs Spielmacher spielt aktuell wie vom anderen Stern.

Am Brett hat München mit Vladimir Stimac (10.2 ppg, 5.2 rpg, 80 % Feldwurdquote!) und John Bryant (11.6 ppg, 6.7 rpg, 46.2 % 3er) Längen- und Gewichtsvorteile. Bambergs Frontcourt ist durch die neue Rotation ohne Josh Duncan recht dünn und klein. Er ist Bambergs physischter Frontcourtverteidiger und es wäre keine Überraschung wenn Andrea Trinchieri bei Problemen in den ersten Spielen reagiert. Aber auch Trevor Mbakwe (10.0 ppg, 8.7 rpg) spielt starke Playoffs im „Beast-Modus“ und konnte in Jon Brockman und Ian Vougioukas zwei der besseren Center in der Liga gut kontrollieren. Wichtig für Bamberg wird sein, dass Daniel Theis hart spielt, sich aber aus Foultrouble heraus halten kann und  Dalibor Bagaric temporär etwas ausrichten kann, um die beiden „Hollermöffel“ zu bändigen.

 

Unterm Strich die die Serie völlig offen. Bambergs Heimvorteil wird durch anderen Faktoren wieder egalisiert. Einen klaren Favoriten gibt es nicht, dafür einen amtieren Meister, der seinen Titel verteidigen muss. Let the games begin!

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