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7 Championships + 1 Week


Knapp eine Woche ist es nun her, dass die Brose Baskets in einem epischen Spiel 5 die deutsche Basketballmeisterschaft gegen den FC Bayern München errungen haben. In den folgenden Tagen wurde ausgibig in Bamberg gefeiert und vieles im Blätterwald und Internetforen geschrieben. Jetzt, ein paar Tage später und mit etwas Abstand eröffnet sich noch einmal ein anderer Blick auf die Ereignisse.

Trinchieris Schachzug

Der Brose-Trainer hat einen entscheidenden Schachzug in Spiel fünf vollzogen. Eigentlich sah jeder Experte die Bayern, mit ihren erfahrenen Spielern in dieser Nervenschlacht im Vorteil. Die jüngere Bamberger Mannschaft hätte gut und gerne übermotiviert in die Partie gehen und in ihren Aktionen überdrehen können. Dass es ganz anders kam, lag unter anderem am neuen Line-Up, dass der Italienier zu Beginn aufs Feld schickte. Während Trainerlegende Svetislav Pesic auf schiere Masse am Brett setzte – mit John Bryant und Vladimir Stimac  standen beiden Schwergewichte in der Startformation – lief bei den Gastgebern Daniel Theis auf. Gegen die sichtlich bemühten aber recht behäbigen Münchener nutzte der deutschen Nationalspieler seine Agilität gleich bestmöglich aus. Mit zehn Punkten, darunter zwei Dreiern, sorgte er für einen perfekten Start und legte den Grundstein zum Sieg. Bamberg gewann zunehmend an Sicherheit und München musste die gesamte Partie hinweg einen kräfteraubenden Rückstand hinterher laufen.

Robinson als Held

Angeführt von Lucca Staiger und seinen Dreipunktewürfen, wurde das Spiel am Ende nochmal eng. Bayern glaubte routiniert an die Titelchance und Gastgeber öffneten plötzlich nervös sperrangelweit ein Fenster zum hindruchgehen. Wahrscheinlich waren die Münchener nur eine Minute vom Titelgewinn entfernt. Dass es letztendlich doch anders kam, verdankt Freak City Routinier Dawan Robinson. Während der kompakte Guard beim Pokalfinale noch den entscheidenden Wurf daneben setzte, macht er es diesmal von der Freiwurflinie besser. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Es mag Ironie des Schicksals sein, dass ausgerechnet er es war. Happy End in Freak City statt italienische Trägödie!

Batman und Robin

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MVP Brad Wanamaker

Kapitän Brad Wanamaker wurde als MVP der Finalserie ausgezeichnet. Sein Allround-Game, das er als Anführer des neuen Meisters in der Serie auf Parkett gebracht hat, war der Auszeichnung mehr als würdig. Alleine dieser geniale Pass in Spiel zwei, als er in der Spielfeldecke von zwei Gegenspielern und Svetislav Pesic umzingelt war und den freien Dawan Robinson unterm Korb zum Sieg fand, war die Spielszene der gesamten Finalserie. Seine Shooting-Touch litt jedoch unter der starken Bayern-Verteidigung (3er-Quote: 42 % vs. Ludwigsburg, 67 % vs. Ulm – 29 % vs. München).

WANAMAKER: 12.4 ppg, 5.2 rpg, 6.0 apg *

Über die fünf Spiel hinweg war Darius Miller kaum weniger erfolgsrelevant. Der variable Forward hat immer wieder Mißmatches gegen die Münchener Centergarde ausgenutzt und war in entscheiden Spielphasen für viele Läufe verantwortlich und bei Big Points zu Stelle.

MILLER: 12.4 ppg, 2.4 rpg, 3.4 apg, 57 % 3er *

Wenn Brad Wanamaker Bambergs Batmann war, war Darius Miller sein kongenialer Juniorpartner Robin. Dennoch war es eine Energieleister der gesamten Mannschaft. Jeder Spieler hatte wichtige Aktionen in der Serie. Janis Strelniks machte Druck von Außen und war am Ende sogar Bambergs Topscorer. Trevor Mbawke hob sich sein Monstergame (20 Punkte und 13 Rebounds) bis zur Entscheidung auf. Beide Importspieler lieferten seine starke Serie ab.

STRELNIKS: 13.2 ppg, 47 % 3er *
MBAWKE: 12.0 ppg, 8.4 rpg, 1.4 bpg *

Wer hätt’s gedacht

Zu Beginn der Saison waren viele in Bamberg sehr spektisch. Die Irrungen und Wirrungen des Sommers um Chris Fleming, Wolfgang Heyder und Michael Stoschek sowie der Verlust der Identifikationsfiguren nach München oder in den Ruhestand sorgten für Unbehagen bei vielen Fans. Es war zwar schnell klar, dass viel Geld in den Kader geflossen ist, jedoch konnte man von der jungen Mannschaft diese Schlussbilanz kaum erwarten. Monat für Monat hat sich die Mannschaft weiter entwickelt und ein Rückschlägen, wie dem unnötig verlorenen Pokalfinale, die richtigen Lehren gezogen und eine echte Einheit entwickelt. Michael Stoschek war sichtlich anzumerken wie Stolz er nach dem Titelgewinn war und er darf sich nun selbst auf die Schulter klopfen „alles richtig gemacht“.

Und jetzt?

Die Teilnahme der Euroleague ist der große Gewinn. Gegen die Konkurrenz aus Berlin (Ausrichter des Final 4) und München (mit der Marke FC Bayern) wäre Bamberg bei der Wildcard-Vergabe sicherlich leer ausgegangen. Jetzt ist der sportliche Leiter Daniele Baiesi und Headcoach Andrea Trinchieri gefragt eine neue Mannschaft auf die Beine zu stellen, die die Doppelbelastung meistern kann – ohne dabei den eingeschlagenen Kurs mit der Weiterentwicklung aufstrebender Spieler ab absurdum zu führen. Mit Brad Wanamaker und Janis Strelniks haben zwei Erfolgsgaranten ihre Verträge bereits um ein Jahr verlängert. Dazu haben die Nationalspieler Karsten Tadda, Daniel Theis, Elias Harris sowie Andreas Obst laufende Verträge. Diesen hat wohl auch Josh Duncan, der zuletzt als siebter Ausländer aus der Rotation gerutscht ist. Center Trevor Mbawke wird wohl kaum zu halten sein, der FC Barcelona, Maccabi Tel Aviv und neureiche Clubs aus China haben ganz konkret die Fühler nach dem Athleten ausgestreckt. Hinter den Plänen des „Schwitzer Taschenmessers“ Darius Miller stehen Fragezeichen. Es ist gut möglich, dass der Forward wieder in der NBA Fuß fassen möchte. Spekulationen gibt es um Ryan Thompson und Dawan Robinson, hier scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich Bamberg neu orientiert.

Geschäftsführer Rolf Beyer hat bereits Entscheidungen angekündigt, die den Fans vielleicht nicht gefallen werden. Der neue Kader wird auf jeden Fall breiter aufgestellt und bei der Herausforderung Euroleague wird wahrscheinlich auch mehr Größe und Masse am Brett gesucht. Das hartnäckigste Gerücht hält sich um Nationalspieler und Scharfschützen Lucca Staiger vom unterlegenen Finalgegner. Dort nur unterdruchschnittlich berücksichtigt, könnten seinen Qualitäten im Bamberger Spiel gut zur Geltung kommen. Ein Internetportal spricht zudem von einem Angebot über 3 Jahre an den 24-Jährigen italienischen Nationalspieler Nicolo Melli (2.05 m, SF/PF) vom Euroleague-Club AJ Olimpia Mailand.

STAIGER (FC BAYERN MÜNCHEN): 4.6 ppg, 40 % er **
MELLI (AJ OLIMPIA MAILAND): 5.3 ppg, 3.5 rpg, 33 % 3er ***

Es wird ein interessanter Sommer in Bamberg. Für die Brose Baskets wird es sicher schwer weitere Eckpfeiler des Erfolgsteams zu halten, aber Daniele Baisi hat einen Plan und Scout Brendan Rooney eine Liste mit interessanten Spielern um die starke Rotation um Brad Wanamaker, Janis Strelniks, Karsten Tadda, Elias Harris und Daniel Theis sinnvoll zu verstärken.


 

* Beko BBL Finalspiele 2015
** Beko BBL Saison 2014/15
*** Euroleague Saison 2014/15

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