Brad Wanamaker

I have a team – das neue Brose Baskets Team


Als erstes Team in der Beko BBL hatte der amtierende Deutsche Meister seine Kaderplanungen abgeschlossen. Als letztes Puzzleteil gab der heimliche Finals-MVP Darius Miller Bamberg sein Ja-Wort. Damit steht das Team, den Titel zu verteidigen und in der Euroleague die deutschen Farben hoch zu halten. Der verstärke Fokus auf Europa findet sich auch bei den einzelnen Kaderbausteinen wieder. Nur noch zwei waschechte US-Amerikaner sind im neuen Team, dafür tummeln sich ein Grieche, ein Lette, ein Italiener und eine Brite afrikanischer Herkunft nebst etlichen deutschen Nationalspielern. Summa summarum eine stattliche Mischung ans Können und Erfahrung auf gehobenen Niveau.  

 

Leistungsträger gehalten und Erfahrung im Aufbau geholt

Der vielleicht entscheidende Schritt wurde bereits kurz nach dem Titelgewinn gemacht, als halb Bamberg noch Siegestrunken seinen Kater ausgenüchtert hat. Mit der Vertragsverlängerung des überragenden Guard-Duos Brad Wanamaker und Janis Strelniks hatten wohl nur die kühnsten Träumer gerechnet. Die Leistung der beiden Führungsspieler war vor allem in der zweiten Saisonhälfte und in den Play-Offs so stark, dass man durchaus Angst haben musste, das beide dem Lockruf größer Clubs folgen könnten. Der robuste Kapitän und der filigrane lettische Scharfschütze ergänzen sich perfekt im Aufbauspiel und werden in ihrer zweiten fränkischen Saison nun auch in der europäischen Königsklasse ihr Können unter Beweis stellen. Sicherlich auch ein Grund, warum beide noch einmal zwölf Monate Basketballheimat in Franken gewählt haben. Nicht mehr zurück kommen wird Kugelblitz Dawan Robinson, der durch seine beherzten Aktionen und seiner „Veteran Leadership“ ganz entscheidend für den erfolgreich Saisonausklang verantwortlich zeigte. Dritter im Bunde wird nun Nikos Zisis sein. Der Kapitän der griechischen Nationalmannschaft gilt ligaweit als Königstransfer. Mit seinen 32 Jährigen blickt der Comboguard auf sage und schreibe 13 Euroleague-Saison mit AEK Athen, Benetton Treviso, CSKA Moskau, Montepaschi Siena, Fenerbahce Istanbul und Unics Kazan zurück. Der Euroleague-Champion, Europameister und Vizeweltmeister mit seiner Erfahrung seine jungen Teamkollegen durch die Saison leiten und dem gesamten Programm mit seiner ambitionierten Nachwuchsarbeit in der Pro A die richtige DNA vermitteln. In wie bei noch Platz für Daniel Schmidt in der Roation ist, bleibt abzuwarten.

Wanamaker: 13.4 ppg, 3.8 rpg, 4.7 apg (Beko BBL)
Strelniks: 11.1 ppg, 2.6 apg (Beko BBL)
Zisis: 5.4 ppg (Fenerbahce Istanbul | Euroleague)
Schmidt: 1.0 ppg (Beko BBL)

Investition in die Breite am Flügel

Für die intensive Saison zwischen nationalen und internationalen Wettbewerb hat Cheftrainer Andrea Trinchieri und Manager Daniele Baiesi nicht nur in die Spitze sondern auch in die Breite des Kaders investiert. Neben dem Urgestein Karsten Tadda, haben der talentierte Patrick Heckmann vom Boston College (NCAA) und Shooter Lucca Staiger vom FC Bayern München den Weg nach Bamberg gefunden. Während der gebürtigen Gundelsheimer einer der besten „3 and D“-Spezialisten der Liga ist und vor allem Spezialaufgaben anvertraut bekommt, liegen die Starken der beiden anderen Deutschen durchaus im Offensivspiel. Heckmann besitzt eine starke Athletik mit der er sich gut in Szene setzen kann. Staiger hat seine Leistungsschau im fünften Finale abgeliefert und Bamberg damit fast zum traurigen Vize degradiert. Der unangefochtene Platzhirsch auf der Forward-Position ist aber Darius Miller. Der ehemalige NBA-Akteure der New Orleans Pelican lief in den Finalspielen zu ganz großer Form auf und war in den Augen vieler Experten der „Difference-Maker“ in den entscheidenden Partien. Sein Basketball-IQ, seine Vielseitigkeit und seine Athletik schnüren ein komplettes Paket, dass so zumindest national kein zweites mal anzutreffen ist. Mit seinen 2.03 m hat er sich außerdem zu einem starker Verteidiger entwickelten, dessen Hände immer irgendwie störend im Weg sind.

Wir werden seine Position in der kommenden Spielzeit etwas verändern und anpassen. Er soll noch mehr Möglichkeiten bekommen, seine Kreativität und seine Vielseitigkeit ausspielen zu können. Andrea Trinchieri über Darius Miller

Nach dem Abschied von Topscorer Ryan Thompson wird Miller eine größere Rolle in der Offensive bekommen, auch wenn vielleicht die dynamischen Drives und starken Abschlüsse des Swingmen fehlen werden. Die fehlende Konstanz beim einen und das immense Potential beim anderen haben den Ausschlag für die große Forward-Variante geebnet. Dem 25-jährigen ist durchaus zuzutrauen eine Art „Kevin Durant“ für Arme zu werden. Mit seinem starken Dreipunktewurf und seiner Fähigkeit aus der Mitteldistanz und in der Zone zu punkten, ist er ein echter Matchup-Alptraum für den Gegner, der sowohl mit als auch ohne Ball in den Händen ein echter „Volume-Scorer“ sein kann. 15 Punkte, 5 Rebounds und 3 Assists im Schnitt sind dem ehemaligen Kentucky Wildcat durchaus zuzutrauen.

Tadda: 3.1 ppg (Beko BBL)
Staiger: 4.6 ppg (FC Bayern München | Beko BBL)
Heckmann: 8.4 ppg, 4.4 rpg (Boston College | NCAA)
Miller: 10.1 ppg, 2.2 apg, 2.5 apg (Beko BBL)

Big Five – 4 x jung, 1 x erfahren

Im Frontcourt muss Bamberg den herben Verlust von Trevor Mbawke verkraften. Das europäische Spitzenteam von Maccabi Tel Aviv hat sich den Überathleten mit der auffällig schiefen Fußstellung für viel Geld gesichert. Um seine Nachfolge gab es viele Spekulationen. Dass am Ende ein Rookie mit wenigen Spielanteilen vom College kommt, hat viele verwundert. Beim zweiten Blick auf die Verpflichtung von Gabe Olaseni wird schnell klar, dass Andrea Trinchieri seinem Motto eines ultraathletischen und defensivstarken Brettspielers treu geblieben ist, der perfekt in sein Spielsystem passt. Der 2.07 m lange Brite hat beim Portsmouth Invitational Tournament mit 10.7 Rebounds und 3.7 Blocks pro Partie auf sich Aufmerksam gemacht. Die Umstellung vom US-College zu einem europäisch ambitionierten Team braucht sicherlich Zeit, es gibt aber genug Beispiele, dass diese Transformation gut funktionieren kann, wie z. B. bei Centerkollegen Patrick Young mit Galatasary Istanbul. Immerhin hatte auch Mbawke nur eine Profisaison bei Virtus Rom hinter sich und ist dort direkt stark eingeschlagen. Olaseni ist ein ähnlicher Typ und hat auf jeden Fall das Potential Bambergs Defensivanker zu werden, das Brett zu schützen, Würfe abzublocken und Rebounds zu holen. Im Angriff soll er einen ordentlichen Mitteldistanzwurf besitzen und ist kein Schlechter von der Freiwurflinie. Für den Rest sorgen die Spielmacher Wanamaker, Strelniks und Zisis via Pick-and-Roll, dann muss der Frontcourt-Athlet nur noch per Dunk vollenden oder sogegannte „Garbage-Punkte“ nach Offensivrebounds vollenden.

Er ist ein toller Kerl. Sportlich gesehen ist er ein Spieler, der exzellent den Ring beschützen kann, der ein guter Athlet ist und uns in der Verteidigung nach vorne bringen wird. Natürlich muss er noch viel lernen, aber wir werden täglich mit ihm individuell arbeiten. Alles in allem ist er der richtige Spieler, um unseren Frontcourt zu vervollständigen – – Andrea Trinchieri über Gabe Olaseni

Eine ganze Menge Athletik bringen auch die beiden deutschen Nationalspieler Daniel Theis und Elias Harris mit. Beide kommen aus einer guten Spielzeit, wobei sich vor allem letzterer wiederentdeckt und Spielfreude gewonnen hat. Für Theis gilt es jetzt rasch den nächsten Schritt zu machen, das Foulmanagement cleverer zu nutzen und in seinen Leistungen konstanter zu werden. Neu im Frontcourt ist der junge italienische Nationalspieler Nicolo Melli von AJ Olimpia Mailand. Der Sunnyboy mit mit amerikanischer Mutter, gilt als hervorragender Verteidiger und schließt mit seinen 2.05 m Gardemaß auch gerne von der Dreierlinie ab. Ein moderner „Strech-Four“, der sehr agil auf dem Feld agiert und als langer Mann als einer der ersten beim Fast-Break ist. Trotz seiner 24 Jahre verfügt er bereits über viel europäische Erfahrung und noch großes Potenzial hat zu einem echten Topspieler zu werden.

Letzer im Bunde der Langen ist Yassin Idbihi. Der 32-jährige Center war zuletzt beim FC Bayern München nur Bankdrücker. In Bamberg soll das wieder anders werden, schließlich ist seine starke Berlin-Saison noch gerade 24 Monate her. Je nach Situation soll der Deutsch-Marokkander wieder 10 bis 15 Minuten auf dem Feld stehen. Das unterscheidet den ehemaligen Nationalspieler von seinem Vorgänger. Fanliebling Dalibor Bagaric, der nur punktuell Einsatzbereit war, wird nicht mehr ins Team zurück kehren.

Harris: 6.8 ppg, 2.9 rpg (Beko BBL)
Theis: 9.8 ppg, 5.2 rpg (Beko BBL)
Melli: 5.3 ppg, 3.2 rpg (AJ Olimpia Mailand |Euroleague)
Olaseni: 8.1 ppg, 4.8 rpg (Iowa Hawkeyes | NCAA)
Idbihi: 3.4 ppg, 2.0 rpg (FC Bayern München | Beko BBL)

 


 

Rotationskader im Überblick

Brad Wanamaker | USA | Point Guard
Janis Strelniks | LAT | Point Guard/Shooting Guard
Nikos Zisis | GRE | Point Guard/Shooting Guard
Karsten Tadda | DEU | Shooting Guard
Lucca Staiger | DEU | Shooting Guard/Small Forward
Patrick Heckmann | DEU | Shooting Guard/Small Forward
Darius Miller | USA | Small Forward/Power Forward
Nicolo Melli | ITA | Small Forward/Power Forward
Elias Harris | DEU | Power Forward
Daniel Theis | DEU | Power Forward/Center
Gabe Olaseni | GBR | Center
Yassin Idbihi | DEU | Center

Dept-Chart

POINT GUARD: Brad Wanamaker | Janis Strelniks | Nikos Zisis
SHOOTING GUARD: Nikos Zisis | Janis Strelniks | Karsten Tadda | Lucca Staiger | Patrick Heckmann
SMALL FORWARD: Darius Miller | Lucca Staiger | Patrick Heckmann | Nicolo Melli
POWER FORWARD: Elias Harris | Nicolo Melli | Daniel Theis | Darius Miller
CENTER: Gabe Olaseni | Daniel Theis | Yassin Idbihi

 


 

Wichtige Investition in die Zukunft
Neu ist das Konzept beim Farmteam Bike Café Messingschlager in der Pro A. Trotz allen Lobenhymnen auf und der großen Invesitionen in das Nachwuchskonzept, haben in den vergangenen Jahren kaum Spieler den Sprung zum Profi gemeistert. Mit der kommenden Saison beginnt eine neue Evolutionsstufe, die sich das Erfolgprogramm von Joventut Badalona aus Spanien als Vorbild nimmt. Ivan Pavic musste Fabian Villmeter weichen, der als extremer Talentförderer gilt. Ohne US-Amerikaner aber mit vielen Toptalenten aus dem In- und Ausland will die Mannschaft den Unterbau zum Beko BBL Club aus Bamberg bilden und den jungen Spielern Raum für die individuelle Entwicklung bieten. Deshalb ist auch damit zu rechnen, dass Andreas Obst vor allem in der Pro A eine tragende Rolle einnehmen wird, statt in Bamberg hinter dem großen Angebot auf der Guard/Forward-Position „Busfahrer“ zu spielen. Leon Kratzer, Dino Dizdarevic, Tibor Taras, Johannes Thiemann, Daniel Keppeler und Moritz Sanders gehören Ebenso zum Stammpersonal wie die Neuzugänge Maik Müller von der Virginia Tech University und der Slowenische Nationalspieler Aleksej Nikolic aus Sarajewo. Weitere junger Spieler mit Perspektive sollen folgen, der Blick der Talentscouts geht hier zunächst ins Baltikum. 

 

Meister ist Einsatzbereit

Der deutsche Meister meldet sich also früh einsatzbereit für die neue Saison, zumindest was die Planungen angeht. Durch die vielen Nationalspieler und die anstehende EM werden manche Akteure erst spät zum Team stoßen. Mit der heißen Nadel gestrickt – so wie in der vergangenen Saison – ist die Mannschaft aber nicht. Daniele Baiesi hat viel Zeit gehabt die vorhandenen und gewünschten Spieler zu evaluieren und auszusuchen. Fast jeder Akteur kann mehrere Positionen begleiten, das ist fast schon traditionell bei Andrea Trinchieri und ein mögliches Line-Up aus: Wanamaker, Zisis, Miller, Theis und Olaseni mit 1.93 m, 1.97 m, 2.03 m, 2.05 m und 2.07 m ist genauso ein Matchup-Albtraum wie die geballte Firepower einer Fünf aus Janis Strelnik, Lucca Staiger, Darius Miller, Nicolo Melli und Daniel Theis. Dabei ist vor allem eine neue Nachhaltigkeit auszumachen. Fast alle Neuzugängen haben Zwei oder Dreijahresverträge, junge Talente wurde sogar vier Saisons an Bamberg gebunden. Das ist eine neue Qualität, mit er die Entwicklung einer Kernmannschaft über mehrere Jahre Hinweg möglich wird. Neben dem Aufbau echter Identifikationsfiguren der Sportmarke Brose Baskets, haben auch die Spieler jetzt Raum und Zeit sind merklich zu entwickeln und ein neues Level zu erreichen. Das Pro A Konzept soll derweil Garant sein, dass immer wieder vielversprechende Nachwuchsspieler in den Profkader aufrücken. Insgesamt eine runde Sache, genauso wie das Spielgerät um das sich alles dreht.

 

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