Bayreuth has a team – die neue Medi-Mannschaft


logo_medi_bayreuthGut 60 km östlich von Bamberg gibt es in Bayreuth den nächsten fränkischen Erstligaclub. Nach einer großen Historie als Steiner Bayreuth Ende der 1980iger Jahre, hat sich der Standort vor ein paar Jahren wieder in der Beko BBL etabliert. Das Oberfrankenderby erlebte damit ein Revival und die Verstrickungen sind tiefgreifend geworden. Mit Carl Steiner ist der dortige Aufsichtsratsvorsitzende auch im Bamberger Gremium aktiv und Brose engagiert sich ebenfalls im Sponsoring-Bereich. Nach einer durchweg enttäuschenden Saison war der Umbruch notwendig und gravierend. Auf den ersten Blick scheint es, dass die richtigen Lehren gezogen wurden und das neue Team von Cheftrainer Michael Koch entsprechend besser aufgestellt wurde. Statt Altstars, die sich jenseits ihres Zenits befanden, tritt ein interessanter Mix aus jungen athletischen Spielern an, die definitiv Entwicklungspotential besitzen und ihre besten Zeiten noch vor sich haben.


Kompletter Neuanfang im Spielaufbau

Nach dem Pointguard-Fiasko um Trevon Hughes und Jason Brickman tritt nun Jake Odum in die, nicht unbedingt sehr großen, Fußstapfen der glücklosen und inkompetenten Vorgänger. Der von PAOK Saloniki gekommene Spielmacher ist ein Point Guard alter Schule. Zwar mit 1.93 m Gardemaß ausgestattet, aber körperlich weniger robust als ein Kraftpaket wie Brad Wanamaker. Der 24 Jährige verfügt über eine extrem gute Spielübersicht, nicht nur bei direkten Vorlagen zum Korberfolg, sondern auch weil er Spieler findet, die in aussichtsreicher Position dann den entscheidenden Pass spielen können. Seine „Pass-First“-Mentalität passt perfekt zu den anderen Puzzleteilen im Aufbau und auf dem Flügel, die durchweg gute Scoring-Optionen sind. Einer davon heißt Daniel Mullings. Er gilt als starker Verteidiger, ist mit 1.88 m etwas „undersized“ dafür aber ein Überathlet vor dem Herrn. Der flinke kanadische Nationalspieler ist sehr aktiv auf dem Feld und dank Sprungfedern und unbändigem Einsatzwillen ein exzellenter Rebounder. Im Gegensatz zum Rookie, ist Jeffery Xavier mit seinen 29 Jahren schon ein alter Hase. Nach drei Jahren bei Ford Burgos kommt der Comboguard mit der Empfehlung als „Spieler des Jahres“ der starken LEB Gold, der zweiten Liga Spaniens. Als starker Schütze ergänzt er Odum und Mullings und soll seine jungen Backcourt-Kollegen führen und Stabilität aufs Feld bringen. Komplettiert wird das Quartett durch den deutschen Nationalspieler Bastian Doreth. Für ihn musste Kapität Simon Schmitz weichen, eine sportlich notwendige Entscheidung, um mehr Qualität auf den deutschen Positionen zu erhalten. Für den gebürtigen Franken und ehemaligen Bamberger, kann Bayreuth ein Neuanfang werden, um seiner Karriere noch einmal einen neuen Impuls zu verleihen.

Mit Jake haben wir einen echt guten Fang gemacht! Er ist zwar jung, hat aber schon während seiner Collegezeit bei Indiana State wie auch zuletzt in Griechenland gezeigt, dass er einen unheimlich hohen Basketball-IQ hat und eine Mannschaft führen kann. (Michael Koch)

Odum: 7.00 ppg, 2.9 apg (PAOK Saloniki | Eurocup)
Mullings: 12.4 ppg, 4.9 rpg (New Mexico State | NCAA)
Xavier: 12.3 ppg, 2.6 rpg (Ford Burgos | LEB Gold)
Doreth: 3.2 ppg, 2.0 apg (Artland Dragons | Beko BBL)

 7/10


Ein Star und ein Fragezeichen am Flügel

Nachdem die Orlando Magic (NBA) Bayreuth noch fix Neuverpflichtung Melvin Ejim geklaut haben, wurde mit Travis Leslie ein hochkarätiger Ersatz präsentiert. Der Swingmen ist mit 1.93 m zwar etwas kleiner, das sollte aber in der Guard-dominierten Beko BBL jedoch kaum zum Problem werden. Ganz im Gegenteil, der ehemalige NBA-Spieler begeistert durch seine explosive Spielweise und ist ein „Freak of Nature“, der für massig High-Lights in der Oberfranken Halle sorgen wird. Leslie kann offensiv explodieren und ist immens aktiv in seiner Spielzeit. Zwar fehlt es ihm an Konstanz aus der Distanz, aber durch seine überragenden athletischen Fähigkeiten und seiner Körperbeherrschung setzt er sich am Korb gut durch. Diese Fähigkeiten sind auch ein Grund dafür, dass er trotz seiner geringen Länge ein großer Rebounder ist – in seinem Senior Year der NCAA standen am Ende 7.2 Rebounds pro Partie zu Buche. Nicht zuletzt deshalb war Leslie auch der 2011er Second Round Draft Pick der L.A. Clippers. Dahinter steht mit Malte Ziegenhagen ebenfalls ein Neuzugang, der wohl nur selten auf dem Feld zu sehen sein wird und als zehnter Mann im Kader geplant ist. Er soll die Rolle von Peter Zeis einnehmen, das ist ihm durchaus zuzutrauen.

Dieser Mann kann im Angriff explodieren! Travis ist ein sehr guter Ballhandler, der aus dem Dribbling heraus den Korb attackieren und auch richtig stark scoren kann. (Michael Koch)

Am großen Flügel wird zukünftig Ken Horton agieren. Der variable Forward ist relativ unbekannt und war bisher durchweg in schwächeren Ligen (2. Liga Frankreich, Mexico und Finnland) aktiv. In Kataja hat er zuletzt mit starken Statistiken auf sich aufmerksam gemacht. Der frisch gebackene finnische Meister soll zwar auch als Center einsetzbar sein, bewegt sich aber eher wie ein variabler Forward, der auch aus der Distanz punkten kann. Ob er gegen die Top-Inside-Spieler der Liga Land sieht, ist fraglich.

“Ken ist ein sehr variabler Spieler, der sowohl die Positionen 3, 4 und 5 spielen kann. In Finnland war der Power Forward seine Stammposition, er musste aber hin wieder auch Center spielen” (Michael Koch)

Kein Unbekannter hingegen ist Steve Wachalski. Der Scharfschütze kehrt aus Bonn zurück nach Oberfranken und hat dort gezeigt, dass er als „Stretch-Four“ mit seinem starken Dreipunktewurf sehr effektiv eingesetzt werden kann. Wahre Reboundmonster sind jedoch beide Powerforwards im Medi-Kader nicht.

Leslie: 7.8 ppg, 3.9 rpg (Rytas Lietuvas | Eurocup)
Ziegenhagen: –
Horton: 16.1 ppg, 8,7 rpg (Kataja | Finnische Liga)
Wachalski: 5.7 ppg, 2.0 rpg (Telekom Baskets Bonn)

6/10


Centerspieler mit Gardemaß und Defensivstärke

Viele haben sich eine Rückkehr von Javon McCrea gewünscht. Der Center war nach einer starken Rookie Saison aber nicht zu halten und Bayreuth setzt nun auf den talentierten Rookie Kendall Gray. Er passt als defensivstarker Center auf dem Papier gut zu einem Team mit genügend Offensivtalent und soll Medi eine echte Präsenz in der Zone verleihen. Dabei kommt er mit der Empfehlung einer 30-Rebound-Partie aus der NCAA und eine Double-Double im Durchschnitt von einem kleinen College.

Kendall ist ein weiterer junger hungriger Spieler, der nicht wie Javon McCrea seine Stärken im Angriff hat. Kendall ist ein ‘Rimprotector’, der unsere Verteidigung zusammen halten wird. (Michael Koch)

Backup wird erneut Philipp Heyden sein, der mittlerweile schon zum Inventar gehört. Zusammen bieten beide Spieler mit 2.08 m bzw 2.06 m echtes Gardemaß und gleichen damit ein relativ kleines Team auf den anderen Positonen gut aus und wie heißt es doch so passend „you can´t teach size“.

Gray: 11.7 ppg, 11.8 rpg (Delaware State | NCAA)
Heyden: 4.9 ppg, 3.1 ppg (Medi Bayreuth | Beko BBL)

6,5/10


Kein Zittern aber viel Unterhaltung

Der Bayreuther Kader wirkt auf den ersten Blick interessant zusammen gestellt. Es wird ein größerer Fokus auf die Verteidigung gelegt und die Spielertypen haben das Potential das Team zu einer richtig guten Transition-Mannschaft zu machen. Für jeden Spieler, der kein Topverteidiger ist, gibt es eine Alternative im Kader. Zwischen großen Spielmacher und einem langen Center wirken die Spieler allesamt gefühlt drei bis fünf Zentimeter zu klein für ihre Position. Nachdem Medi nicht international spielt und auch keine Titelambitionen besitzt, sollte das jedoch nicht nachteilig ins Gewicht fallen. Spielmacher Odum kann mit seinen legendären Quarterback-Pässen die Offensive um die explosiven Leslie und Mullings sowie den agilen Horton gut ins Laufen bringen.

Bayreuths Stärke liegt damit sicherlich im Backcourt, auch weil die Spieler dort eine guten Beitrag zum Teamrebound bringen und somit wichtige Ballbesitze sichern. Dafür ist die Power Forward Position etwas schwachbrüstig besetzt. Horton und Wachalski sind klein und körperlich wenig robust, ob das gegen die Kaliber der Konkurrenz reicht, wird eine spannende Frage.

Insgesamt sollte Bayreuth eine erneute Zitterpartie erspart bleiben. Die Mannschaft hat das Potential im unteren, gesicherten Mittelfeld zu landen. Ein Playoff-Platz ist ob der starken Konkurrenz wahrscheinlich außer Reichweite. Dank Lesli und Mullings werden die Medi-Spiele zumindest recht unterhaltsam sein.

Teamscore: 6,5/10

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