Cheftrainer Andrea Trinchieri

Halbzeitbilanz bei den Brose Baskets Saison 2015/16


Der Superhelden-All-Star Break steht unmittelbar vor der Türe und die meisten Teams haben ein Wochenende spielfrei. Nachdem die Brose Baskets aber die Superhelden der bisherigen Basketballsaison sind, stellen sie auch überproportional viele Spieler bei diesem Event – fast die halbe Mannschaft wurde nominiert. Ein untrügerisches Indiz, dass die Saison in Bamberg bisher durchaus sehr erfolgreich verlief und auch die individuellen Leistungen der Kaderspieler unterm Strich sehr ansprechend waren. Es ist also der richtige Zeitpunkt die Akteure genauer unter die Lupe zu nehmen und ein Zwischenzeugnis zu erstellen.

Fakten

  • 1. Platz Beko BBL mit 15 Siegen und 2 Niederlagen
  • Top 16 Qualifikation in der Euroleague als Gruppendritter
  • Brad Wanamaker auf Liga-MVP-Kurs

 

Euroleague

Die Mannen von Headcoach Andrea Trinchieri haben national und internation überzeugt und befinden sich absolut im Soll. Noch nie konnte sich eine deutsche Mannschaft frühzeitiger für ein Top 16 in der Euroleague qualifiziert. Bis auf die Partien zuhause gegen CSKA Moskau und bei Maccabi Tel Aviv hätte Bamberg, mit etwas mehr Cleverness und Erfahrung, sogar alle Spiele siegreich gestalten können. Ein Novum im höchsten internationalen Wettbewerb und Beleg auf welchem Niveau die Brose Baskets agiert haben. Auch bei der knappen Niederlage vergangene Woche in Madrid wusste das fränkische Ensemble bei Real zu überzeugen.

 

Beko BBL

In der heimischen Liga wurden die Gegner häufig klar dominiert und die Partie am Nikolaustag gegen den FC Bayern München geht wohl als das beste Basketballspiel auf Beko BBL Parkett in die Geschichte ein. Hessen scheint Bamberg dagegen weniger zu liegen, sowohl gegen den Aufsteiger auf Gießen wie auch gegen die ambitionierten Fraport Skyliners setzte es nach eher mäßigen Leistungen zurecht knappe Niederlagen . Dennoch fehlten insgesamt nur fünf Punkte, um auch diese Spiele zu gewinnen. Die Konkurrenz aus München und Berlin sowie die starken Mannschaften aus Oldenburg, Ludwigsburg und Frankfurt sind dem Meister dicht auf den Fersen. Zwar wird immer wieder von vielen Experten kolportiert, dass die Brose-Truppe weit vor der Konkurrenz liege, aber diese Lobhudelei ist durchaus trügerisch und wird zumindest den beiden anderen dicken „B“s nicht gerecht. Dort gibt es noch deutlich Luft nach oben und beide Teams werden sich im Saisonverlauf noch besser finden.


 

Das Zwischenzeugnis

 

HC Andrea Trinchieri

Der Erfolg gibt dem Italiener mehr als Recht. Er spielt einen hochattraktiven Basketball und ist Trendsetter für eine athletische Spielweise mit einem möglichst variablen und gut ausgebildeten Frontcourt. Beeindruckend wie selbstlos seine Mannschaft auftritt und ein nahezu perfektes „One-Touch-Teamspiel“ auf das Parkett zaubert. Auch vor unpopulären Entscheidungen, wie im Fall Karsten Tadda, schreckte der Mailänder zugunsten seines Gameplans nicht zurück. Fast schon legendär sind seine Auszeitansprachen bei ungenügender Arbeitseinstellung seiner Mannen. Die richtigen Worte scheint er dort auf jeden Fall zu finden. Insgesamt wirkr der Apple-Watch-Träger etwas ruhiger und überlegter an der Seitenlinie als vor Jahresfrist.

Note 1

 

#4 Niccoló Melli (10.0 ppg, 5.3 ppg, 3.2 apg)

Eine gewisse Skepsis lag schon in der Luft, als die Verpflichtung des Italieners bekannt gegeben wurde. Diese dürfte mittlerweile bei allen mehr als verflogen sein. Der Euroleague-MVP des Monats November bringt das komplette Paket mit und gilt als Prototyp einer neuen Power Forward-Generation. Ein Schweizer Taschenmesser mit gefühlt einhundert nützlichen Funktionen auf dem Feld. Er ist schnell und dribbelstark, geht auch mal Coast-to-Coast. Ein guter Werfer aus allen Lagen mit einer Nase für den Rebound und wunderbarem Pass-Spiel. So gelangen dem 2.05 m langen Akteur beim Heimspiel gegen Tel Aviv sogar 10 Assists und einige Male war sogar ein Triple-Double in Reichweite. Er kann insgesamt noch konstanter werden, nach seinen starken Auftritten hatte der Italiener auch immer wieder kleine Durchhänger. Zudem ist er in der heimischen Liga schlechtester Freiwerfer (70,2 %) des Teams.

Note 2+

 

#6 Nikos Zisis (9.5 ppg, 2.7 rpg, 3.2 apg)

Der Routinier ist gold Wert für Bamberg. Mit ihm gewann das Spiel im Vergleich zu vergangenen Saison deutlich an Stabilität und gilt mit seiner Erfahrung als wichtiger Mentor und Führungsspieler in der Euroleague. Der Zuschauer hat meist das Gefühl, als würde der Grieche so gut wie keine Fehler auf dem Feld begehen, jede Aktion scheint Hand und Fuß zu haben. Das sieht wohl auch der Trainer so, nie wurde der Hellene bei der Auswechslung von Andrea Trinchieri geschimpft. Der Ruhepol ist auch immer für wichtige Punkte gut, egal ob mit seinem Drive zum Korb, dem Mitteldistanzjumper oder aus der Ferne.

Note: 2+

 

#8 Lucca Staiger (4.3 ppg, 1.1 rpg)

Der Münchener hat seine Rolle gefunden und macht das was er kann: Dreier werfen und Dreier treffen. Er traf in der Liga mehr als 50 % seiner Versuche und war als Spot-Up-Shooter ein wichtige Option in manchen Spielphasen von der Bank. In anderen Partien war der wiederum ohne Wirkung und blieb völlig blass. Auffällig, dass sich seine Spielzeit kontinierlich veringert hat, vor anfangs fast 20 Minuten, über 10 Minuten bis zuletzt nur noch 3 bis 5 Minuten. Seine bestenfalls durchschnittliche Verteidigung ist sicherlich ein Faktor. Super, dass er mit Tatort-Komissarin Sibel Kekelli befreundet ist und die zu Besuch in Bamberg war.

Note: 3

 

#10 Daniel Theis (11.0 ppg, 5.0 rpg, 1,0 bpg)

Er hat einen Sprung nach vorne gemacht und ist regelmäßig in den High-Light-Movies der Beko BBL und der Euroleague ganz vorne mit dabei. Mit seiner Athletik und modernen Spielweise ist er für viele Gegener ein Match-Up-Alptraum und eine echte Macht unter den Körben. Er hat einen guten „Motor“ und ist sehr aktiv auf dem Feld. Nach Johannes Voightmann ist Daniel Theis der zwei effektivste deutsche Spieler in der Liga. Fast 70 % Trefferquote aus dem Zweipunktebereich sind ein starker Wert und auch die mehr als 40 % aus der Distanz können sich wirklich sehen lassen. Dürfte dafür aber wieder ein wenig sicherer von der Freiwurflinie werden (84 % 2014/15 – 74 % 2015/16).

Note 2+

 

#11 Brad Wanamaker (13.9 ppg, 3.6 rpg, 4.4 apg)

Brad Wanamaker is one of the 3 best players ever in the BBL, if not the best (…) I don’t know what he’s doing in Europe.

Sascha Obradovic (HC ALBA Berlin)

Der beste Spieler der Liga. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. Er spielte auf einem unglaublich hohen Niveau und führte seine Mannschaft sehr erfolgreich durch die bisherige Saison. Ein unaufhaltsamer Zug zum Korb ist sein Markenzeichen, dazu ist der Kapitän eine sichere Bank von der Dreierlinie (49 % in der Beko BBL). Er schnappt sich hinten die Bälle vom Brett oder Gegner, macht das Tempo und findet vorne seine Mitspieler. Seine 36 Punktespiel gegen Frankfurt war eine beeindruckende Leistungsshow. Bamberg Spielmacher musste zuletzt nicht mehr so viel Scoren wie zu Saisonbeginn. In der Euroleague hat es der Brose-Spielmacher ein wenig schwerer, dort trifft er Woche für Woche auf spielerisch und körperlich ebenbürtige Gegner. Manchmal trifft er aber auch noch die falsche Entscheidung im Ballvortrag. Wird aber so oder so nach der Saison nicht zu halten sein. Er scheint für noch höhere Aufgaben bestimmt zu sein.

Note 1

 

#13 Janis Strelniks (11.3 ppg, 1.9 rpg, 3.3 apg)

Eine Lette als „Silent Killer“ und perfekter Side-Kick zu Brad Wanamaker. Der Scharfschütze aus dem Baltikum ist in seiner zweiten Saison noch sicherer aus der Distanz und trifft nahezu die Hälfte seiner Würfe fernab der 6,75 m. Er ist ein verlässlicher und konstanter Punktelieferant und hat z. B. das Spiel in Ludwigsburg mit 7 von 10 Dreiern für seine Farbe entschieden. Neben dem Powerspieler Brad Wanamaker ist der Comboguard ein ruhiger Gegenpart, der auch über ein gutes Auge für Seine Mitspieler verfügt und sich für 3,5 Assists pro Partie verantwortlich zeigt. Für ein Aufbauspieler mit einer irrsinnig guten Quote aus dem Zweierbereich (77 %), er könnte jedoch noch ein wenig häufiger den Weg an die Freiwurflinie finden.

Note 1

 

#20 Elias Harris (5.1 ppg, 2.5 ppg)

Der Nationalspieler hat seine Nische im System Trinchieri gefunden. Ehemals als NBA-Small Forward gehandelt, spielte der athletische Forward jetzt fast ausschießlich in Brettnähe und lieferte gute Partien als Teilzeitcenter ab. Er warf kaum mehr aus der Distanz und seine Punkteschnitt ist leicht gefallen. Dafür hat sich der bullige 2.03 m Spieler zum wichtigen Rollenspieler gemausert, der mit seiner Physis in der Zone gut aufgehoben scheint. Könnte unterm Strich noch ein wenig hochprozentiger abschließen und im Rebound energischer zupacken.

note 2-

 

#21 Darius Miller (9.2 ppg, 2.8 rpg, 2.1 apg)

Bei seiner Weiterverpflichtung und dem Abschied von Ryan Thompson haben nicht wenige an eine ganz große Saison des US-Forwards geglaubt. Er spielt nun zwar eine etwas andere Position als vergangene Saison, weniger Power Forward dafür teilweise sogar Spielmacher, bleibt in seiner Leistung aber auf Vorjahresniveau bzw. fiel bei den Wurfquoten aus dem Feld sogar ab. Wenn man ihm auf dem Feld zusieht, dann glaubt man immer einen 15/5/5 Spieler vor sich zu haben, so elegant kann er mit seinen Fähigkeiten den Gegner domieren und quasi nach Belieben zum Abschluss kommen. Trotz eines hohen Basketball-IQs aber ein Akteur von der ruhigeren Sorte, der sich erst an die Euroleague gewöhnen musste und dort teilweise sogar abtauchte. Seine Zeit kommt in den Play-Offs, wenn die Spiele und Räume dichter werden und die Mannschaften in Halbfeldbasketball gedrängt werden. Dann wird sicher wieder häufig das Isolation-Play über Miller gesucht, der in den Finals 2015 zum Abtraum der Münchener wurde.

Note 2-

 

#25 Gabe Olaseni (3.6 ppg, 3.0 rpg)

Schon seine Verpflichtung wurde sehr kritisch gesehen. Leider konnte er in Bamberg nie sein Potential auf das Parkett bringen, war ständiger Unsicherheitsfaktor im Brose-Spiel und konnte Trevor Mbawke nie auch nur annähernd ersetzen. Ohne Selbstvertrauen verweigerte er selbst in bester Position, wo ein  2.08 m langer Athleth nur stopfen muss. Auch in der Verteidigung war der Brite oft nicht auf der Höhe seiner Mitspieler. Das Experiment mit dem Rookie im Topteam ist früh gescheitert, obwohl man ihm viel Eingewöhnungzeit gegeben hat. Zurecht hat man den Center nach Gießen verliehen. Dort scheint er deutlich glücklicher und spielt sich mit neuem selbstvertrauen zum effektivsten Spieler der Liga empor. Für Bamberg war es nicht ausreichend.

Note 4-

 

#33 Patrick Heckmann (5.4 ppg, 2.3 rpg)

Die Überraschung der Saison. Der Rookie vom College hat den langjährigen Publikumsliebling Karsten Tadda überflüssig werden lassen. Er spielte bereits unglaublich abgeklärt in dieser großen Mannschaft, so als ob er schon viele Jahre dabei wäre. Er kennt keine Angst und war sehr engagiert auf dem Feld unterwegs. Dabei zog er sowohl beherzt zum Korb, traf aber auch sehr erfolgreich seine Dreierwürfe (46 %). Brachte teilweise sogar den Ball als Point-Forward und fügte sich insgesamt prächtig ein.

Note 1-

 

#34 Yassin Idbihi (2.7 ppg, 1.1 rpg)

Manchmal neigt man dazu ein wenig Enttäuscht vom erfahrenen Center zu sein. Dabei sollte er nur Dalibor Bagaric ersetzen und dem Team mehr Minuten geben. Das scheint gelungen und seine 90 % Quote von der Freiwurflinie sind wirklich wertvoll. Dominieren wird er in der Liga nicht mehr und in der Euroleague erst recht nicht. Er verlieh dem Frontcourt aber wichtige Pausen. Hier und da dürfte der Familienvater ein wenig zupackender im Rebound sein. Er ist zwar nicht mehr der Jüngste, war aber immer voll dabei, auch wenn er manchmal unglücklich aussah.

Note 3

 

#43 Leon Radosevic (6.9 ppg, 4.4 rpg)

Der Centerspieler kam erst im Saisonverlauf für den enttäuschenden Rookie Gabe Olaseni hinzu. Dem Brose-Spiel tat der 2.07 m lange Akteur auf jeden Fall gut, schon alleine weil er über einen hohen Spiel-IQ auf seiner Position verfügt und sein Mitteldistanzwurf gut in das Spielkonzept passt. Das Guard-lastige Spiel ist nicht unbedingt Center-freundlich und es scheint, dass der Kroate seine Rolle noch ein wenig sucht. Muss im Rebound noch mehr zupacken und bei seinen Offensivaktionen noch durchschlagender werden – oft blieben einfache Punkte auf der Strecke. 64 statt 46 % Feldwurfquote wären wünschenswert für einen Spieler auf seiner Position.

Note 3+

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