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Zurück von der Europareise


Vor dieser Saison lautete die bittere Bilanz der Brose Baskets in der Runde der letzten 16 der Königsklasse des europäischen Basketballsports null Siege bei 14 Niederlagen. Als im Dezember vergangenen Jahres die Gruppe der Bamberger fest stand, war durchaus ein ähnliches Abschneiden im Bereich der realistischen Szenarien. Mit Madrid, Piräus, Barcelona, Vitoria Gasteiz, Kaunas und den beiden Moskauer Clubs war die Creme de la Creme der kontinentalen Basketballelite versammelt um das kleine Bamberg hinter sich zu lassen.

Zwar hat der amtierende deutsche Meister nun die Play-Offs der letzten acht Mannschaft hauchdünn verpasst, wer aber vor wenigen Wochen eine ausgeglichene 7-7 Bilanz in Aussicht gestellt hätte, der wäre in das Reich der Phantasten abgestempelt worden.

Our group was very, very tough, and we will finish our group with the same record or even better than Olympiacos and Real Madrid.

Andrea Trincheri

Mit einer weiteren Glanzleistung wurde am letzten Spieltag Laboral Kutxa, ein Topteam aus dem Norden Spaniens, mit 89-69 regelrecht aus der Halle gefegt und die Mannen um Kapitän Brad Wanamaker zeigten abermals begeisternden Sport. Völlig zurecht wurde das Team in den letzen Spielminuten und noch lange nach der letzten Sirene frenetisch von der ausverkauften Brose Arena gefeiert.

Ein echtes Team auf dem Feld

Überhaupt war, fernab von Sieg oder Niederlage, die Einstellung der Mannschaft das größte Geschenk. Niemals haben sich die Rot-weißen aufgegeben, egal wie aussichtslos der Spielstand auch erschien, nie ist die Mannschaft auseinander gefallen und nie waren Egoismen einzelner Akteure aufdringlich. Darauf ist nicht nur Trainer Andrea Trinchieri stolz wie Bolle, das kam auch bei den Fans gut an – selbst jenseits von Freak City in den Revieren der größten nationalen Konkurrenten.

They deserve everything they are getting, because they are playing great, very solid.

Pablos Laso (Headcoach Real Madrid)

An der Aufgabe gewachsen

daniel-theisBeeindruckend war die Lernkurve der Mannschaft. Zwar konnte Bamberg mit Nikos Zisis quasi die DNA europäischen Basketballerfolgs in die Domstadt lotsen, die meisten anderen Spieler besaßen zuvor jedoch keine Erfahrung auf diesem Niveau – weder Brad Wanamaker noch Darius Miller oder Daniel Theis. In der heimischen Frankenhölle haben alle Gegner das Parkett als Verlierer verlassen, beim Exilspiel in Nürnberg verlor man nur denkbar knapp 86-90 gegen den amtierenden Euroleague Champion Real Madrid.

Die Entwicklung zeigt sich wohl am meisten, in Situationen, wo die mit Superstars gespickten Gegner, Bamberg bereits am Boden hatten. Doch diese Mannschaft wollte sich nie ergeben und fand immer wieder neue Energie um Spiele nochmal zum eigenen Vorteil herum zu reißen. Man denke nur an das irre Schlussviertel von Brad Wanamaker gegen Khimki Moscow Region, wo der Bamberger Spielmacher alleine im Schlussviertel 19 Punkte durch die Reuse powerte.

Zweimal Pech und einmal Unvermögen

Nur ein Sieg mehr hat einen noch größeren Triumpfmarsch durch Europa verhindert. In beiden verlorenen Spielen gegen Real Madrid hat am Ende ein Angriff den Ausschlag gegeben und auch in Kaunas verlor das Brose-Team nur mit zwei Korbpunkten Differenz. Es ist vor allem dieses Spiel in Litauen das in vielen eine bitteres Gefühl empor steigen lässt. Kurz zuvor wurde der gleiche Gegner in der heimischen Arena mit 33 Punkten Differenz aus der Halle gefegt und just beim Pflichtsiegspiel bot das Team seine schlechteste Leistung im Top 16 an. Janis Strelniks und Darius Miller erzielten zusammen gerade einmal sieben Punkte und am Ende machten sage und schreibe 17 Rebounds weniger den Unterschied zugunsten der Balten. Unterm Strich war Bamberg nur das zweischlechteste Reboundteam in der gesamten Liga, bei den Offensivrebounds landet man sogar abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Auswärts häufig chancenlos

Generell waren die Auswärtsspiele eine schwierige Aufgabe für die unerfahrene Truppe. Einzig aus Piräus war der Sieg im Gepäck, sonst standen teils herbe Niederlage zu Buche. Vor allem im Baskenland, Katalonien und Russland hatte man nicht den Hauch einer Chance. Ab und an lies auf die Lobby der Urparteiischen zu wünschen übrig, vor allem dann, wenn sich auf der Gegenseite Topstars über viele Jahre den Respekt auf diesem Niveau erarbeitet haben. Erfahrene Recken haben das teilweise gnadenlos ausgenutzt und ihre Bamberger Gegenüber mit der maximal erlaubten Härte beackert. Kraftpaket Joey Dorsey  konnte durch seiner physische Spielweise im wichtigen Auswärtsspiel vor Wochenfrist diese Vorteile für den FC Barcelona nutzen. Hier steht Bamberg noch am Beginn eine Entwicklung – trotz oder gerade wegen eines Nikos Zisis.

Gefühlte Abhängigkeit von Darius Miller

Vor allem an der Leistungkurve vor Darius Miller konnte man die Erfolgsgeschichte ablesen. Der variable Forward erzielte bei Siegen stolze 14.5 Punkte, bei den teilweise deutlichen Auswärtsniederlagen aber lediglich 5.5 Punkte pro Spiel.

PUNKTESCHNITT IM TOP 16 VON DARIUS MILLER:
INSGESAMT: 10.0
SIEGE: 14.5 (+4.5)
AUSWÄRTSNIEDERLAGEN: 5.5 (-4.5)

Zwar hatten nahezu alle Spieler mit Auf- und Abs zu kämpfen, bei dem ehemaligen NBA-Profi zeigte sich jedoch ein roter Faden und die Ausschläge beim Punktesammeln am deutlichsten. Dies ist auch deshalb eklatant, weil Bamberg zwar fast durchgehend ein starke Defensivleistung zeigte, es aber immer wieder Spielphasen gab, in denen das Team keinen konstanten Punktedruck aufrecht erhalten konnte – nur Kaunas erzielte als abgeschlagener Letzter deutlich weniger Körbe. Fast könnte man also von einer gewissen Abhängigkeit sprechen: Wurde Darius Miller zum „Killer“, verlies Bamberg meist das Sieger das Parket.

Jetzt einer der besten Trainer Europas

Every morning, when I woke up I was happy because I knew that going to the gym, my players will come and try to go over the limits.

Andrea Trinchieri

andrea-trinchieri
Andrea Trinchieri

Ohne Zweifel ist Bamberg in der Elite Europas angekommen. Dies ist vor allem ein Verdienst von Trainer Andrea Trinchieri und seinem Team. Sie haben es geschafft, dass sich alle Spieler kontinuierlich weiter entwickelt haben und die Mannschaft einen merklichen Niveausprung vollzog. Alleine wie Daniel Theis zuletzt den weitgereisten griechischen Büffel Iaonnis Bourousis in Grund zu Boden gespielt ist Beleg genug. Das variable Spiel der Mini-Center war eine der taktischen Erfolgkniffe. Viele etablierte Kolosse kamen mit dem schnellen und beweglichen Spiel von Daniel Theis, Leon Radosevic, Nicoló Melli und Elias Harris wenig zurecht. Der Bamberg Frontcourt fand dafür häufig ein Mittel es den großgewachsenen Millionären in der Zone schwer zu machen, auch wenn Spieler dieses Kalibers kaum auszuschalten sind. Seinen Saisonschnitt konnte weder Ionnis Bourousis noch Gustavo Ayon gegen Bamberg erreichen, auch wenn der spielentscheidende geblockte Wurf des Madrilenen gegen Brad Wanamaker natürlich im Gedächtnis bleibt.

Bamberg kassierte unterm Strich weniger Punkte (77.7 pro Spiel) als die Teams von CSKA und Khimki Moskau, Real Madrid, Olympiacos Piräus und Zalgiris Kaunas.  Auch bei der Assists-Turnover-Quote und der True-Shooting-% rangiert die Brose-Truppe unter den Top4.

Das ist nicht weniger als ein Meisterwerk, auf das viele der Trainergurus Europas und superreichen Clubpräsidenten nur mit viel Neid blicken können. Es folgt das Übliche, die Leistung wird Begehrlichkeiten wecken. Nicht nur die des Trainers, vor allem Brad Wanamaker, mit 12.2 Punkten pro Spiel bester Werfer nebst Lenker und Denker im Spielaufbau, wird auf vielen Wunschlisten nach ganz oben gerutscht sein. Die Saisonleistungen von Nicoló Melli, der einer der besten „Spielmacher“ im Frontcourt der gesamten Euroleague war und die „Veteran Leadership“ von Nikos Zisis nötigen zum Zücken von Stift und Notizblock.

TOP3 PIR (PLAYER INDEX RATING) PRO SPIEL:
NICOLÓ MELLI: 8.4 PUNKTE, 6.5 REBOUNDS, 2.4 ASSISTS, 13.4 PIR
BRAD WANAMAKER: 12.2 PUNKTE,  4.1 REBOUNDS, 3.9 ASSISTS, 13.1 PIR
NIKOS ZISIS: 10.4 PUNKTE, 2.7 REBOUNDS, 4.2 ASSISTS, 12.4 PIR

Der nächste Schritt

Wer den Ehrgeiz von Clubboss Michael Stoschek und Headcoach Andrea Trinchieri kennt, der weiß, dass sie zusammen mit Geschäftsführer Rolf Beyer und dem sportlichen Leiter Daniele Baiesi daran arbeiten werden, das jetzige europäische Niveau mindestens zu Bestätigen. Den Nimbus der Überraschungsmannschaft ist Bamberg auf jeden Fall los.

Vor allem anderen steht die erfolgreiche Titelverteidigung in der Beko BBL, denn nur dem Meister wird ein Teilnahmerecht an der reformierten Euroleague mit deutlich weniger Mannschaft eingeräumt. Trotz aller Bemühung der FIBA und der unsäglichen Auseinandersetzungen vor der EU-Kommission ist dieser Wettbewerb von den Namen her, der deutlich attraktivere.

Internationale Erfahrung und Präsenz am Brett

Es wird wichtig sein, zumindest einige Säulen zu halten und bei anderen Spieler, die jetzt ihre erste Euroleague-Saison hinter sind gebracht haben, eine konstante Entwicklung fortzusetzen. Wie wichtig internationale Erfahrung ist, haben Nikos Zisis und Nicoló Melli eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Brose Baskets fischen mittlerweile im Teich den ganz Großen der Branche. Die generelle Struktur der Mannschaft aus Qualität, Charakter und Kompatibilität zu einem mit immer einfachen Trainer passt. Aus den insgesamt 24 (13 Siege, 11 Niederlagen) Spielen drängt sich der Eindruck auf, dass eine konstante Präsenz am Brett dem Team noch gut zu Gesicht stehen würde, die vorne eine konstante Scoringoption bietet und hinten den Korb beschützt reboundstark agiert. Die kosten aber bekanntlich viel Geld, sehr viel Geld.

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