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Quo vadis FC Bayern München Basketball?


Rumms! Nach dem klaren 0 – 3 gegen die Brose Baskets ist viel Unruhe im Umfeld des FC Bayern München Basketball. Zwar war Bamberg der Favorit, aber nach den Aussagen aus dem eigenen Lager um den eigenen Anspruch des Clubs, fallen nun Worte aus der Kategorie „Desaster“ in den süddeutschen Zeitungsblättern. Es ist dann auch weniger der Tatsache geschuldet, dass die Serie verloren worden, sonder wie. Bei der 65-96 Niederlage in Spiel drei führten die Franken die Oberbayern regelrecht vor. Knapp eine Woche ist nun bereits Urlaubssaison in der Landeshauptstadt und vor dem ersten Finalspiel gegen Ulm, bleibt ein wenig Zeit die Lage aus der fänkischen Ferne einzuschätzen.

Das wissen wir:

Entscheidende Spiele wurde stets verloren

Rein sportlich gab es ein durchgängiges Muster in der Bayern-Saison: Die Mannschaft hat jedes große und wichtige Spiel der Saison verloren. In der Euroleague vergeigte es das Team gegen Roter Stern Belgrad, im Eurocup wurde ein ordentlicher Vorsprung aus dem Hinspiel in Istanbul noch verspielt – dabei zeigte das Team vorher durchaus sehr ansprechende Leistungen. National ist die Bilanz ähnlich ernüchternd: Im Pokalfinale lies man in eigener Arena ALBA Berlin den Vortritt, kurz vor Saisonende wurde das entscheidende Spiel um eine bessere Platzierung gegen Oldenburg verloren und als letzes Saisonkapitel nun das nüchterne Aussscheiden gegen Bamberg.

Von Verletzungen geplagt

Die Münchener Saison war keine einfache, während Bamberg von disruptiven Ereignissen komplett verschont wurde, kam es für die Bayern knüppeldick. Nur selten war die Mannschaft in der Lage in voller Spielstärke auflaufen. Immer wieder wurden wichtige Spieler durch Verletzungen außer Gefecht gesetzt, vor allem Maxi Kleber fehlte lange und musste im Saisonverlauf komplett und behutsam integriert werden. Zuletzt vermisste das Team die Qualitäten des erfahrenen Schlitzohrs Dusko Savanovic und des athletischen Deon Thompson. Ohne die beiden Frontcourt-Spieler fehlten Cheftrainer Svetislav Pesic zwei wichtige Optionen, um Bambergs Frontcourt effektiv inside-out zu attackieren. Vor allem der Serbe stellte die Franken in allen Partien, in denen wer mitwirkte, stets vor große Probleme und erzielte dort mit 16.7 ppg deutlich mehr Punkte (+ 6.4 ppg) als im Saisonschnitt.

Kein Go-to-Guy

So einen wie Brad Wanamaker auf der Gegenseite oder vom Schlage eines Malcolm Delaney oder Tyrone Rice suchte man vergebens.  Mit Alex Renfroe stand zwar ein wirklich guter Spielmacher auf dem Feld, seine Stärken liegen aber eher im Bereich seine Mitspieler in guten Positionen zu finden. Den Ball in eigenen Händen sicher im Korb des Gegners unter zu bringen liegt dem Pointguard nicht. Dabei war zu Beginn der Saison mit K.C. Rivers ein starker Scorer (15.00 ppg) auf der Shooting Guards Position bereits im Team, ihn zog es nach dem enttäuschenden Euroleague-Aus jedoch schnell wieder zurück zu Real Madrid. Kapitän Bryce Taylor spielte anschließend zwar eine überragende Saison, aber er fühlt sich in der Rolle der zweiten oder dritten Option deutlich wohler als mit dem Druck der Go-to-guy zu sein. Auch suchte man einen signifikaten Brot-und-Butter-Spielzug, der die Bayern in brenzligen Situationen retten konnte, suchte man vergeblich.

Wir hatten keine Go-To-Closers, um das Spiel zuzumachen.
BRYCE TAYLOR

Ähnlich sieht es auch der Capitano in einem Interview mit Telekom Basketball.

Viele Spielwechsel

In der Saison brachten immer wieder Spielerwechsel Unruhe ins Team. Sechs Spieler verließen den Verein oder kamen erst im Laufe der Saison hinzu, nimmt man noch die Verletzungsintegration von Maxi Kleber und den heimlichen Abgang von Dusko Savanovic hinzu, sind es sogar acht. Selbst bei der tiefen Zehneroration ist ein Team nahezu chancenlos unter solchen Bedingungen die gewünschte Entwicklung zu vollziehen und eine Teamhierarchie zu entwickeln. Vor allem der Abgang von K. C. Rivers wiegt im Nachhinein schwer.

BESTE FÜNF IM VERGLEICH SAISONBEGINN VS. PLAYOFF HALBFINALE:
Alex Renfroe – K.C. Rivers – Bryce Taylor – Dusko Savanovic – John Bryant
Alex Renfroe – Anton Gavel – Bryce Taylor – Maxi Kleber – John Bryant

Nachverpflichtungen zünden nicht

München hat es nie geschafft ihren Topscorer auch nur annähern gleichwertig zu ersetzen. Weder Chad Toppert (2.4 ppg), noch Justin Cobbs (6.9 ppg, 3.1 apg) oder Vitalis Chikoko (6.3 ppg, 3.3 rpg)  konnten sportlich im roten Dress voll überzeugen. Alle drei wurden zwar aus einer gewissen Not heraus in einem schwierigen Marktumfeld verpflichtet, sind aber sicherlich keine Akteure, die einen FC Bayern wirklich besser gemacht haben. Vor allem der ehemalige Frankfurter konnte nicht an seine starke Vorsaison bei den Fraport Skyliners (14.4 ppg, 4.1 apg) anknüpfen und war nicht mehr als ein Rollenspieler. Beim Blick auf die Teamstruktur hatte die Konkurrenz dann doch mehr zu bieten: Wenn der US-Guards aufs Feld kam, dann kam auf der anderen Seite ein Janis Strelniks oder Nikos Zisis in die Partie.

Best dressed Staff

Auch wenn es auf dem Feld zuletzt nicht so wirklich chic zu ging, am Spielfeldrand zeigten sich die Funktionäre sehr stilsicher. Marko Pesic und Volker Stix gehört jedenfalls zu den „best dressed“ Personen der Liga. Der eine ein wenig legerer, der andere immer sehr korrekt, beide stilvoll. Fast hätte ich den einen mal nach seiner Krawatte gefragt…

 


Das wissen wir nicht, aber lasst und spekulieren:

Bleibt der Trainer?

Zu 99 Prozent komme er wieder und es gibt keine Trainerdiskussion, war von Svetislav Pesic auf der Pressekonferenz direkt nach dem Saisonaus zu vernehmen. Beim Blick auf die äußeren Umstände, war gegen starke Bamberger vielleicht wirklich nicht mehr drin. Dabei müssen auch die Rahmenbedingungen des Spielbetriebs genauer untersucht werden: Warum gelang es nicht K.C. Rivers zu halten?  Warum kam kein gleichwertiger Ersatz? War es am Ende auch eine Budgetfrage und mangelnde Unterstützung vom Hauptverein?

Kommt Hoeneß zurück?

Uli Hoeneß steht bereits in den Startlöchern, um wieder eine herausragende Rolle beim FC Bayern München einzunehmen. Er hat die aktuelle Führung kritisert und die mangelnde Unterstützung seines Lieblingsprojekts um das orangene Leder offen angesprochen. Man muss kein Prophet sein, um sich vorzustellen, dass es mit ihm als Präsidenten wieder einen ganz neuen Schub geben würde. Auffällig indess, dass der Clubpatron und Svetislav Pesic zuletzt auffällig oft einen Schulterschluss zu Protokoll gaben. Die Wiederwahl des ehemaligen Präsidenten scheint aber keinesfalls eine „gmaade Wiesn“, um Amtsinhaber Karl Höpfner scheint es Widerstand zu geben. Für die Liga und den deutschen Basketball wäre es ein Glückfall, wenn in München die „pack mers – jetzt erst recht“ Kultur ausgepackt würde.

Uli will uns weiter unterstützen mit seinen Möglichkeiten und seiner Kraft. Deshalb glaube ich, dass es sich lohnt, noch einmal den FC Bayern mit Uli Hoeneß zu erleben.
SVETISLAV PESIC

Egal wer das Präsidentenamt Ende des Jahres inne haben wird, eine Veränderung auf der Trainerposition ist nicht ausgeschlossen und erscheint wahrscheinlicher als dieses ein Prozent. Damit könnten auch weitere Veränderungen verbunden sein, denn auch Sohnemann Marko Pesic ist nicht frei von jeglicher Kritik, die zuletzt nicht immer einen objektiven und fairen Anspruch besaß. Dass „der Alte“ das Trainereinmalseins noch immer beherrscht und bereits einen Plan für notwendige Veränderungen hat, scheint unbestritten. Dennoch konnte sich der Eindruck aufdrängen, dass ein Andrea Trinchieri den moderneren, flexibleren und unterm Strich erfolgreicheren Basketball spielen lässt. Auch die Chemie zur Mannschaft scheint nicht immer reibungslos zu sein, wenn man vermeintlichen Aussagen glauben schenken mag und die Kommunikation zwischen Trainer und Spielern während des Spiels interpretiert. Im letzten Saisonspiel beispielsweise war Justin Cobbs auffällig deutlich ungehalten als ihm der Trainer von der Seitenlinie Korrekturen zurief. Auch bei Dusko Savanovic plötzlichem Verschwinden vor Saisonende wird von mehr als einem medizinischen Grund gemunkelt.

Du musst deinen Coach nicht lieben, sondern ihn respektieren und ihm folgen

BRYCE TAYLOR

Welche Rolle hat Muedra?

Eine der interessanteren Rollen im Verein ist die des neuen Chefscouts Toni Muedra. Der Spanier war sechs Jahre lang Sportdirektor des spanischen Spitzenclubs Valencia BC und wäre eigentlich prädestiniert eine weitreichendere Rolle auszufüllen. Für die neue Saison hat der Experte sicherlich bereits ein paar interessante Namen auf dem Zettel und besitzt das Fachwissen, die richtigen Charaktere zu versammeln. Zuletzt war das Scouting der Münchener zwar keineswegs schlecht, aber wenig risikofreudig. Meist fanden Akteure, die in der heimischen Beko BBL eine gute Rolle gespielt haben den Weg an die Isar. Damit war das Risiko sich einen faulen Apfel zu holen natürlich extrem gering. Selbst die Nachverpflichtungen von Chad Toppert, Justin Cobbs und Vitalis Chikoko waren vergangene Saison alle in Deutschland aktiv.

Wer wird gehen?

München wird sich auf dem Feld an neue Gesichter gewöhnen müssen. Bis auf die Verträge von Centerhünen John Bryant, Maxi Kleber, Paul Zipser, Alex Renfroe und des kaum eingesetzen Daniel Mayr sind alle Spieler Free-Agents. Bei Bryce Taylor gibt es eine Option für den Club und es wäre arg verwunderlich, wenn diese ungenutzt bleiben würde, auch der junge Karim Jallow hat eine Zukunft im Verein. Damit wären drei der sechs Importplätze bereits vergeben und mit den beiden jungen deutschen Nationalspielern gibt es eine gute Basis. Nihad Djedovic konnte die starke Vorsaison nicht bestätigen, sein deutscher Pass macht ihn aber attraktiv für einen neuen Vertrag. Der im Halbfinale unermüdlich kämpfende Anton Gavel konnte sein überragenden „Bamberger Jahre“ nicht nach München transformieren. Die beiden Jahre waren sicherlich für beiden Seiten eher enttäuschend. Ob es für Rückkehrer Vasilije Micic noch Platz gibt, darf ebenso bezweifelt werden wie die Rückkehr anderer Spieler. Dusko Savanovic hat sich ja bereits für die kommenden beiden Jahren Dinamo Sassari angeschlossen.

… und kommen?

Da München unbedingt nochmal auf den nationalen Positionen nachlegen muss, darf man in Frankfurt durchaus um Center Johannes Vogtmann zittern und auch Maodo Lo wäre ein natürliches Ziel.  Bei in den Importen wird „Athletik“ ganz hoch im Anforderungsprofil stehen. Ein robuster Guard, der sowohl zum Korb ziehen kann und seine Gegner vor sich halten kann und ein Insidespieler, der sich mit John Bryant gut ergänzt stehen sicherlich ganz oben auf der Wunschliste.

Kein ganz großer Umbruch?

Einen Umbruch a la Marco Baldi, der in Berlin gerne mal jeden Stein umgedreht hat und teils komplette Kader gewechselt hat, ist in München nicht zu erwarten. Hier sind der Reifegrad der Organisation und die handelnden Charaktere anders aufgestellt. Der Club steht noch am Anfang einer erfolgreichen Historie, das Projekt ist seinem Status entwachsen und muss sich nun dauerhaft beweisen. Am Ende kann Platz 3 in der Abschlusstabelle stehen, das ist auch eine Basis auf der man gut aufbauen kann ohne sofort eine extreme Erwartungshaltung befriedigen zu müssen. Ein paar passende Bausteine sind im Kader und Umfeld bereits vorhanden und auch Budget wird vorhanden sein, um eine Schlagkräftige Truppe zusammen zu stellen. Nutzt Uli Hoeneß seinen Einfluss, um noch mehr Unterstützung in den Basketball zu lenken, dann dürfen die Bayernfans sich bald wieder an erfolgreichen Auftritten freuen.

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