Brose Bamberg 2016/17: Mit der Breite in die Spitze


Bambergs Kader meldet sich am 11. August mit voller Mannschaftsstärke komplett. Dabei war die Offseason durchaus mäßig spannend, weil das Brose Bamberg-Management schon frühzeitg auf Kontiunität gesetzt hat: Leon Radosevic (er hatte bereits während der Saison verlängert) und Janis Strelniks um drei Jahre, US-Boys Darius Miller um zwei Jahre – natürlich mit allerlei Exit-Optionen.

Einzig das Rennen um den überragenden Brad Wanamaker hat Bamberg verloren. Statt Kleinstadtidylle wählte der MVP der abgelaufenen Saison das spannungsgeladene Umfeld in Istanbul und heuerte für viele US-Dollars beim aufstrebenden Euroleaguekonkurrenten Darussafaka Dogus an. Streng genommen ging der Meister auch bei Juan Hernangomez als Verlierer hervor. Dem Vernehmen nach hatte der Spanier bereits unterzeichnet, bevor er in der ersten Draftrunde von den Denver Nuggets gezogen wurden und jetzt für eine nette Ablösesumme in der NBA spielen wird.

 

Reagiere auf neuer Euroleaguemodus

Trotz aller Kontiunität wird sich zu neuen Saison einiges ändern. Nicht nur der Name ist leicht verändert, auch die Systematik der Euroleague. Erstmals findet der Wettbewerb in einem vollen Ligaformat jeder gegen jeden mit Hin- und Rückspiel statt. Waren es in der Vorsaison zehn garantierte Spiele, muss Bamberg jetzt 30 Spiele auf dem ganzen Kontinent bewältige – zusätzlich zum normalen Ligabetrieb und Pokalmodus in der easycredit BBL. Da erscheint es logisch, vor allem in die Breite des Kaders zu investieren. um zwischen Wochen- und Wochenendspielen ein gewisses Rotationsprinzip zu ermöglichen. Damit können Spieler wie Nikos Zisis, die schon etliche lange Saisons auf dem Tacho haben, vermehrt geschont werden.

 

Zwei neue Nationalspieler im Backcourt

Brad Wanamaker war eins-zu-eins nicht zu ersetzen. Im Backcourt werden statt dessen zwei neue Gesichter die Rotation bereichern. Zum einen der erfahrene französische Nationalspieler Fabien Causeur (Vertrag über zwei Jahre, 1+1) vom Euroleague Top4-Finalisten Laboral Kutxa (10.3 ppg, 39,5 % Dreier, Euroleague), zum anderen der hochtalentierte Nationalspieler Maodo Lo (Vertrag über drei Jahre) von der Columbia Universität (16,9 ppg, NCAA), den viele Experten bereits bei einem NBA-Club gesehen haben. Während der Franzose eine sichere Bank ist, darf man auf die Entwicklung des Collegeabsolvente gespannnt sein. Zwar deutete der Sohn einer bekannten Berliner Künstlerin sein Potential bereits mehr als einmal an, mehr als eine ähnliche Entwicklung wie bei Patrick Heckmann erwartet die sportliche Leitung nicht. Er soll in seinem ersten Profijahr vor allem von den erfahrenen europäischen Guards im Kader lernen.

Fabien Causeur ist einer der Spieler, die als „Role Model“ dienen. Ein 29-jähriger Comboguard mit einem relativ kompletten Paket, der gute Entscheidungen trifft und sich als guter Schütze aus der Distanz einen Namen gemacht hat. Ihn wird zusammen mit Nikos Zisis sicher eine Führungsrolle im neuen Team erwarten.

 

Mehr Erfahrung am Brett

Erfahrung pur lautet auch die Devise bei der Ergänzung im Frontcourt. Mit Vladimir Veremeenko kommt ein 32-jähriger „alter Haudegen“ mit viel Erfahrung, wenngleich nicht im höchsten europäischen Wettbewerb. Dafür fühlte er sich bisher im Eurocup pudelwohl und darf sich mit dem Titel Reboundkönig schmücken. Seine Verpflichtung gilt zwar weder als kreativ noch als Kampfansage an die Konkurrenz, aber der Weißrusse gilt als guter Teamspieler mit guter Basketballgrundausbildung, die er immer wieder erfolgreich in Korbnähe einsetzt. Viele hatten mit einem explosiven Athleten aus Übersee gerechnet, herausgekommen ist ein solider bärtiger Osteuropäer.

Zuletzt war der 2.08 m lange Frontcourt-Akteur ein wichtiger Rotationsspieler beim italienischen Club Bon Grissin Reggio Emilia (6.6 ppg, 3.8 rpg, LegaA). In Bamberg wird er die lange Riege um Daniel Theis, Leon Radosevic, Elias Harris und Nicolo Melli ergänzen. Damit schein auch klar, dass die Rolle von Yassin Idbihi nicht größer wird, auch weil mit Leon Kratzer ein starker junger Spieler bereits in den Startlöchern steht, der vor allem in manchen Bundesligaspielen den Etablierten notwendige Pause geben kann.

 

Wie spielen wir damit?

Die kraftvollen Antritte und Indivialaktionen von Brad Wanamaker werden fehlen. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass das Spiel noch teamorientierter und variabler wird. Vladimir Veremeenko und Fabien Causeur mit seinen 1.95 m Idealmaß bieten auch nochmal ein ganz neue Pick-and-Roll-Optionen. Coach Andrea Trinchieri wird jedenfalls wieder einige Überraschungen auspacken, die uns ein „sappralot“ abnötigen. Schön wäre es, wenn sich die jungen Spieler wie Daniel Theis, Patrick Heckmann, Maodo Lo aber auch Darius Miller wieder weiter entwickeln und den nächsten Schritt machen können. Wird auch Aleksej Nikolic den Schritt machen können oder gilt alle Konzentration auf Maolo Lo?

 

Werden wir wieder deutscher Meister?

Schwer zu sagen. Ob wir mit diesem Kader den Threepeat erreichen werden steht in den Sternen. Das Potential hat die Mannschaft auf alle Fälle und geht wieder als Favorit an den Start. Der MVP, der viele Spiele im Alleingang entschieden hat, wird fehlen – die Neuen müssen sich trotz dem großen Maß an Kontinuität integrieren und das Team den „Geist von Malente“ finden. Dazu kommt eine riesige Belastung durch den Euroleague-Modus und immer die Gefahr, die nationale Liga ein wenig schleifen zu lassen. Hier wird Motivator Andrea Trinchieri besonders gefordert sein, aber auch damit die Kräfte seiner Spieler dosiert einzusetzen. Die neue Tiefe des Kaders gibt ihm dazu auf jeden Fall genug Raum, um adäquat zu agieren und seine erfahrenen Spieler teilweise zu schonen.  Auch die Konkurrenz schläft nicht. Vor allem der FC Bayern München bläst zur Attacke und hat sich bisher mit dem neuen Centerduo Devin Booker und Ondrej Balvin sowie dem altbekannten Reggie Redding und den Nationalspielern Danilo Barthel und Vladimir Lucic schon hochkarätig verstärkt – auch an der Seitenlinie wartet ein neuer Impuls.

 

Und wie können wir in der Euroleague abschneiden?

Bei aller Top 8-Euphorie muss man den Heinrichsdom am Domberg lassen. Die Liga wurde deutlich verkleinert, die Qualität der Teams hat nochmal massiv zugenommen. Vermeintlich leichte Spiele: Fehlanzeige. Jedes Spiel ist nun gegen ein wirkliches Eliteteam und fast alle Clubs haben nochmal immens investiert. Einige große Namen, wie der FC Barcelona oder Maccabi Tel Aviv müssen ihre schlechte Vorsaison vergessen machen, andere Neureiche werfen mit Dollarsummen um sich, dass einen schwindelig wird. In diesem Konzert wird es nicht einfach für Bamberg an die Siegquote der Vorsaison anzuknüpfen. Dennoch hat das Team jetzt eine Euroleaguesaison an Erfahrung gewonnen und zu Hause in der Brose Arena besitzt Bamberg immer eine reelle Siegchance. Die Kontinuität wird sicher vor allem zu Beginn der Saison ein wichtiges Pfand für uns sein. Am Ende darf aber kein Fan enttäuscht sein, wenn das Team nicht unter den besten acht rangiert oder sich sogar im hinteren Drittel der Tabelle wieder findet.

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