Das dreckige Dutzend zum Brose Bamberg Saisonstart


Die ersten Spiele sind absolviert, der deutsche Meister Brose Bamberg steht erneut an der nationalen Tabellenspitze und zeigt auch in der neuen Euroleague, dass er sich nicht vor der Konkurrenz scheuen braucht. 8 – 0 + 1 – 3 = Läuft!

Vieles hatte sich im Sommer nicht verändert, zumindest wenn jemand eine quantitative Betrachtungsweise an den Tag legt. Qualitativ war schon mehr Bewegung im Kader. Mit Brad Wanamaker ging der alle überragende Spielmacher zu einem Neureichen Club nach Istanbul – mit Fabien Causeur und Vladimir Vereemenko kam etablierte europäische Klasse hinzu, mit Maodo Lo ein junger Wilder mit riesigem Potential. Vielleicht hat Bamberg ein klein wenig an der Qualitätsspitze eingebüßt, dafür in der Breite klar gewonnen. Da war doch noch was? Ach ja, Yassin Idbihi gehört auch nicht mehr zum Stammkader.

Stand: 1.11.2016
Stand: 1.11.2016, Quelle: easycredit-bbl.de

Acht Siege in acht Ligaspielen sind in den Grenzen Deutschland erneut das Maß aller Dinge.  Vor allem an der Verteidigung beißen sich die Gegner reihenweise die Zähne aus. Selbst nach dem Horrorprogramm vergangene Woche mit zwei kräfteraubenden Partien gegen Athen und in Barcelona hielt sich Bamberg keine 48 Stunden danach in Ludwigsburg wacker und entführte einen dieser schmutzigen Siege. Aber Obacht, gefühlt ist es an der Spitze gefühlt enger geworden. Bayern München und Ratiopharm Ulm halten sich bisher ebenso schadlos und machen bereits in der Frühphase einen äußerst starken Eindruck.  Die Spreu wird sich erst später vom Weizen trennen, dann wenn die ersten Maiglöckchen auf fränkischen Mutterboden blühen.  In den Playoffs hat die Bamberger Mannschaft mindestens 30 brutal schwere Euroleague-Partien und abertausende stressige Reisekilometer in den Knochen stecken. Dann wollen alle anderen Konkurrenten dem Titelverteidiger ans strapazierte Leder. Das verspricht interessant zu werden.

Kollektivschongang im easycredit BBL-Ligabetrieb

Die Franken steuern schon früh dagegen und geben ihren Leistungsträgern notwendige Pausen. Mit insgesamt 8 Ausländern können die Stars pausieren und Andrea Trinchieri verteilt die Spielminuten mit Bedacht. Niccolo Melli (8,0 ppg, 5,8 rpg) steht mit 22 Minuten am längsten auf dem Platz, aber insgesamt spielt von 12 Kaderspielern niemand weniger als 13 Minuten. Darius Miller (10,9 ppg) ist aktueller Teamtopscorer im nationalen Wettbewerb und weitere acht Mitspieler erzielen 6,5 oder mehr Punkte. Damit ist bei den individuellen Leistungsawards natürlich kein Blumentopf zu gewinnen, für den nachhaltigen Teamerfolg ist diese relative Gleichverteilung aber Gold wert.

Superstar Brad Wanamaker wird indes eher latent vermisst. Wann immer der Betrachter den Eindruck hat, jetzt bräuchte es aber einen, der sich den Ball so wie der ehemalige Kapitän schnappt, treten die Erfahrenen Janis Strelniks (8,0 ppg, 4,3 apg) oder Nikos Zisis (8,3 ppg, 3,6 apg) auf den Plan und lösen die Situation mit Bravour.

In der Euroleague mehr gefordert

Einzig beim kollektiven Scoringversagen in den letzten Minuten bei der bitteren Euroleague-Heimniederlage gegen Panathaikos Athen drängte sich der Verdacht auf, dass Brad Wanamaker schon irgendwie eine Lösung gefunden hätte. Hier spielt einem wahrscheinlich die Erinnerung an die Heldentaten gegen Khimky Moskau einen Streich und verklärt die objektive Wahrnehmung. Also alles Spekulation!

Das Qualitätsniveau in der Euroleague mit diesjährigen „ziemlich-brutal-Modus“ bestraft eben jeden kleinen Fehler. Gerade ist der Oktober ins Land gezogen und die Clubs müssen jetzt bereits Play-Off-würdige Leistungen abliefern. Es sind häufig die Kleinigkeiten die eine Partie entscheiden. Bamberg kann bei seiner 1-3 Bilanz ein schönes Lied davon singen.

We are not far from beating the big teams, but are not delivering. We miss one play, one effort, one good defense or one good offense. This EuroLeague is bringing on the table something that was totally unexpected. In tonight’s game, the contact level and the difficulties is like we are in May, but this is October and teams are not ready. Every game is so important than it is unbelievable. – Andrea Trinchieri

Noch keine Jubelarien finden Fans und Fachpresse auf Brad Wanamakers nominellen, aber nicht faktischen Nachfolger. Fabien Causeur (8,5 ppg) agiert noch nicht auf dem erhofften Leistungslevel – dabei besitzt er alle Anlangen der beste Scorer im Team zu werden. Gegen den FC Barcelona, also er vor allem in der Anfangsphase nicht zu stoppen war, deutete der Franzose mit 19 Punkten sein Potential zuletzt an. Dafür müssen international die bewährten Führungskräfte weit häufiger ran. Nicolo Melli (10,8 ppg, 6,8 rpg),  Janis Strelniks (11,8 ppg), Darius Miller (12,8 ppg) und Nikos Zisis (11,0 ppg, 7,3 apg) ackern alle fast dreißig Minuten pro Einsatz ab, sicherlich keine Werte, die sich Headcoach Andrea Trinchieri im weiteren Saisonverlauf wünscht. Die Aufgabe der Punktelieferanten teilen sich die besagten Basketballfacharbeiter ohne den balldominanten Brad Wanamaker untereinander auf und liefern mehr als 70 % aller Bamberger Punkte. In der easycredit BBL gibts mehr Unterstützung von der Bank, dort tragen sie lediglich 52 % der Scoring-Last.

Diese Taktik scheint in den Grundzügen aufzugehen, auch wenn bisher nur ein Sieg zu Buche steht. In allen Spielen war Bamberg auf Augenhöhe mit den ganz großen und ganz reichen Teams des Kontinents. Letztendlich darf mach auch die Buchstabenkombination Pech im Wortschatz bemühen, dass Brose zweimal mit nur einem Punkt den Kürzeren zog und auch in Barcelona eine sogenanntes One-Posession-Game verlor. Mit nur drei Fehlern weniger könnte Bamberg gut und gerne ohne Niederlage die Euroleague anführen. Im Kollektiv ist bis dato also kein spürbarer Qualitätsabfall auszumachen – im Gegenteil, das filigrane Zusammenspiel hat nochmal eine Spur an Finesse hinzugewonnen.

Rebounds und andere Angelegenkeiten in Korbnähe

Hätte, hätte Fahrradkette! Ein Ballverlust weniger, ein tänzelnder Ball mehr, der in den Ring gefallen wäre, statt zurück ins Feld zu springen oder ein gewonnenes Reboundduell mehr. Im Nachhinein alles Makulatur.

Ja diese Rebounds und das sogenannte „Rim Protection“ wird immer wieder aufgeführt, wenn es im die Kriterien geht, in Europa noch weiter nach vorne zu kommen. Dafür wurde Vladimir Veremeeko (4,0 ppg, 2,8 rpg), seines Zeichens weißrussische Reboundlegende aus dem Eurocup nach Bamberg gelotst. Positiv formuliert, fügt er sich in Trinchieris Frontcourt-Kollektiv als Rollenspieler ein. Genau wie Franzosen-Fabi hat auch der unbarmherzige Vladi noch Luft nach oben. Und da haben wir schon wieder so eine gefühlte Wahrheit: Bamberg hat bisher nur das Reboundduell gegen Kazan verloren, die Partie aber für sich entschieden. Gegen die Millionäre von Fenerbahce, Panathinaikos und Barca war Bambergs Kollektiv nicht unterlegen.

Ein Platz für Meister

Neues gibt es auch ganz frisch vom italienischen Kulttrainer #nottrappatoni. Am 31.10. feierte der Kampagnenspot „Platz für Meister“ der Metropolregion Nürnberg Premiere. Dort sinniert Andrea Trinchieri über seine Philosophie und wie wunderbar es ist in der Region zu wirken und zu leben.

Film ab!

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