Kollaps-Kings?!


Nach dem fast schon epischen Kollaps am vergangenen Donnerstag gegen Baskonia Vitoria Gasteiz sitzt die Enttäuschung bis ins Mark. Nur wenige Tage nach der 78-79 Heimpleite gegen Roter Stern Belgrad verspielte der Deutsche Meister im Baskenland eine 47-32 Halbzeitführung noch im Schlussabschnitt. Zuvor legten die Mannen von Trinchieri übrigens 30 Minuten ein nahezu perfekte Spiel hin, was die Fallhöhe am Ende nur noch verstärkte – „from hero to zero“. Mit der 2-6 Bilanz kann aktuell niemand zufrieden sein – vor allem weil Bamberg in jeder Partie eine Siegchance in der Schlußminute besaß.

Wenn man nun seine eigene Sportschau im Kopf revue passieren lässt, dann fühlt es sich so an, also ob das Bamberger Spiel, nach teilweise Klasseleistungen in den Abschnitten vorher, in den letzten Minuten kollabiert, der Ball mag einfach nicht mehr den Weg in den Korb finden. Doch ist dies das Abbild der Realität und spielt uns unser Hirn etwas Postfaktisches vor?

So liefen die Schlussphasen wirklich ab

Es werden der Punktestand der letzten fünf Spielminuten, die Differenz sowie die letzten drei Ballbesitze betrachtet.

vs. Fenerbahce Istanbul

35. Min: 57-62 (-5) > 40. Min 66-67: (-1)
Miller 2 FW (-1) > Miller 3er verworfen (-1) > Melli 3er verworfen (-1)

vs. Panathinaikos Athen

35. Min: 74-69 (+5) > 40. Min 83-84: (-1)
Zisis 3er verworfen (+1) > Miller 3er verworfen (+1) > Miller 2er verworfen (-1)

vs. FC Barcelona

35. Min: 62-69 (-7) > 40. Min: 74-78 (-4)
Theis Ballverlust (-4) > Miller 2er getroffen (-4) > Zisis 3er verworfen (-4)

vs. Darussafaka Istanbul

35. Min: 63-66 (-3) > 40. Min: 70-72 (-2)
Miller und Strelniks 3er verworfen (0) > Causeur Ballverlust (0) > Melli 2er verworfen (-2)

vs. Roter Stern Belgrad

35. Min: 71-66 (+5) > 40. Min: 78-79 (-1)
Zisis 2er getroffen (-1) > Miller 2er verworfen (+1) > Miller 2er verworfen (-1)

vs. Baskonia Vitoria Gasteiz

35. Min: 70-67 (+3) > 40. Min: 74-81 (-7)
Miller 3er verworfen (-1) > Lo Ballverlust (-3) > Melli 3er verworfen (-5)

DIFFERENZENTWICKLUNG

grafik-niederlagen

Bei den sechs verlorenen Spielen, war das Brose Bamberg Team bei drei Spielen in der 35. Minute noch in Front gelegen (insgesamt + 12). Bei drei Partien lag das Team bereits im Hintertreffen (- 15) und startete in Istanbul und Barcelona eher noch eine Aufholjagd zum Spielende hin.

Viele Dreier genommenerfolge

Bei den letzten drei Offensivaktionen ergibt sich ein interessantes Bild bei der Wurfauswahl: Achtmal war ein Dreier das Mittel der Wahl, dabei fand kein einziger Wurf das Ziel (0/8). Nur sechsmal wurde versucht über einen Zweipunktewurf zum Erfolg zu kommen, das gelang immerhin zwei mal (2/6). Einmal gab es Freiwürfe und dreimal haben Spieler den Ball verloren.

Von den acht Dreipunktewürfen, wäre nur einer zwingend notwendig gewesen, alle andere wurden bei einem Spielstand von +1 oder -1 genommen.

Wenig Durchschlag im Angriff

erfolge-1

Unterm Strich ist die Erfolgsquote der letzten Angriffe ernüchternd. Von 18 Möglichkeiten konnten lediglich 3 erfolgreich abgeschlossen werden (17 %). Die Gegner waren mit 10 erfolgreichen Angriffen (56 %) erfolgreicher, also konnte die Bamberger Verteidigung in mehr als der Hälfte der sogenannten Possessions keinen Korberfolg verhindern.  Es scheint, also ob andere Team auf diesem Niveau am Ende mehr Reserven haben. Bamberg hingegen schafft es einfach nicht seine Spiele zu „closen“.

M&Ms setzen entscheidende Würfe daneben

Kein Killer dieser Miller – zumindest in der Euroleague, wenn es darum ging das Momentum am Ende entscheidend zu wechseln. Dreimal wurde der US-Forward für entscheidende Würfe in Eins-gegen-eins-Situationen geschickt und dreimal ging der Wurf daneben. Mit Melli klappte es auch nicht besser, zweimal hatte er die entscheidenden Punkte auf der Hand und zweimal sprang der Ball wieder vom Ring ab – wobei beide Situationen eher aus der Not heraus geboren schienen als Plan A zu sein.  Mit Strelniks, Causeur, Zisis, Miller und Melli stehen eigentlich gute Werfer und erfahrene Recken auf dem Parkett, sie sind jedoch auf gute Situationen und Teamplay angewiesen, einzig Miller (15.0 ppg im Schnitt) ist für Isolation-Play prädestiniert, trifft aber gerade nicht, wenn es darauf ankommt.

Dreimal am Ende kollabiert

Richtig kollabiert ist Bamberg nur bei der letzten Partie im Baskenland, als man in den letzten fünf Spielminuten sage und schreibe – 10 Punkte als Bilanz aufzuweisen hatte.  Gegen Athen und Belgrad fiel die Bilanz mit – 6 jeweils auch noch klar negativ aus, in den anderen drei Partien wurde der Rückstand jeweils verringert.

Vor der Saison wurden bereits mittelprächtige bis düstere Szenarien um die Erfolgschancen in der neuen Euroleague gezeichnet. Bamberg wurde dabei klar in der zweite Tabellenhälfte mit Überraschungspotential verortet. Als Tabellendreizehner steht man dort nun punktgleich (2-6) mit dem Letztplatzierten. Die vielen engen Spiele haben natürlich Begehrlichkeiten und Erwartung geweckt und mit ein paar smarteren Entscheidungen im Angriff und einem erfolgreicheren Defensivkonzept, wäre durchaus Platz 3 in Reichweite gewesen. Jetzt sind aber erstmal die Psychologen im Stab gefragt.

 

 

 

 

 

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