Dadord rot-weiß aus Nemberch


Als geneigter Tatort-Fan habe ich freudig auf den gestrigen Tag hingefiebert. Meine Erwartungen an den ersten Franken-Tatort waren jedoch unausgegoren und es stellte sich die Frage, was hätte ich eigentlich erwarten sollen und sollte ich überhaupt etwas erwarten. Letztendlich bin ich unaufgeregt in den Krimiabend gestartet und muss gestehen, dass mir die erste Episode mit dem Nürnberger Ermittlungsteam wirklich gefallen hat.

Foto: BR/Olaf Tiedje

Foto: BR/Olaf Tiedje

Zwar wird der Fall an sich kaum in die Tatort-Hall-of-Fame eingehen, aber die 90 Minuten waren durchweg unterhaltsam. Unterhaltsam auf eine angenehm unaufgeregte Weise und dennoch mit gewissen Pointen. Zuletzt waren mit viele Tatort-Folgen zu überdreht, zu viel Hollywood, thematisch zu weit weg. Da kamen die klassische Handlung zweier Famlientragödien 50 Kilometer weiter süd-östlich gerade recht.

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Wirtschaftsbyerat?


Eigentlich klingt die Idee prima: Ein Wirtschaftsbeirat für die örtliche Stadtpolitik. In Bamberg soll diese Gremium jetzt, in 2015 nach einer Beschlusslage aus dem Jahr 2001 installiert werden – also ganze 14 Jahre später. Eigentlich wäre das alleine schon ein Grund zum Stirnrunzeln, wer aber zuletzt die Kommunikation der Parteien und deren wortgewaltiger Schwergewichte über die gesamte Bandbreite der zu Verfügung stehenden Kommunikationskanäle verfolgt hat, bei dem mutiert die runzelig Stirn schnell zur Sorgefalte.

Die Leitidee eines Beirats für komplexe wirtschaftliche Fragestellungen ist lobenswert. Nicht jeder der gewählten Vertreter im Stadtrat kann ein Experte auf diesem reichlich anspruchsvollen und vielschichtigen Gebiet sein. Schließlich bildet auch der Rat lediglich einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung. Fehlendes Fachwissen bei Entscheidern wird durch Kompetenz im Beirat und dessen Beratungsfunktion ausgeglichen.

Wie bei vielen guten Vorschlägen aus der Praxis, wird auch dieser Gedanke gerade zum Spielball der Kommunalpolitik. Auch weil der Beschluss fast schon aus dem letzten Jahrtausend nachwirkt und insgesamt recht unkonkret gehalten ist scheint es einige Unklarheiten und Interpretationsspielräume zu geben. Es müsste sich folgerichtig noch einmal eingehend mit dem Ziel und der zugestandenen Kompetenz befasst werden, denn die Ansprüche haben sich über die Jahre sicherlich gewandelt. Er wenn diese Frage umfassend beantwortet wurde, kann eine seriöse Personalplanung beginnen.

Doch diese scheint bereits voll im Gange. Nicht gemeinsam, sondern durchweg konträr, selbst innerhalb der Koalitionen. Wer den Schlagabtausch in den sozialen Netzwerken verfolg hat, den beschleicht das ungute Gefühl, dass ein Gerangel um die Posten längst begonnen hat. Jeder der wirtschaftlich etwas auf sich hält bringt sich in Position und steckt lautstark seinen Claim ab. Könnte doch gerade der Vorsitz eines solch wichtigen Gremiums bei einem erfolgreichen Wirken ein ideales Sprungbrett für weitere Ämter sein.

Hier wirft der fachlich prädestiniert IHK-Präsident für die Blauen seinen Hut in den Ring, dort mahnt der profilierte Citymanager aus dem roten Lager, aber auch die restlichen Farben sind sich noch uneins. Zu kritisch gegenüber der wirtschaftlichen Ausrichtung der Stadt sei der eine, zu selbstverliebt in sein eigenes Wirken der andere. Insgesamt sind hier durchaus interessante Kommunikationsstrategien auf allen Seiten zu beobachten.

Bamberg macht sich wieder mal lächerlich. Welch eine unrühmliche Leistung morgen wieder einmal in der SZ zu stehen? Diese Stadtoberen “schaffen” das! — nachdenklich.

H. Trunk bei Facebook am 25.01.2015

Wirtschaftsbeirat – Die SPD, CSU, BuB und FDP sind sich einig, dass sie den Vorschlag der Verwaltung abwarten wollen, um dann inhaltlich zu diskutieren. Ein entsprechender Vorschlag soll bis zur Sommerpause vorgestellt werden und dabei das gesamte Leistungsspektrum der regionalen Wirtschaft abdecken. Sehr vernünftig! — zufrieden

K. Stieringer bei Facebook am 25.03.2015

Die Wahrheit liegt in einem Korridor zwischen den Extremen. Auch in der Traumstadt der Deutschen gibt es Raum für Optimierungen und dennoch machen handelnde Personen einen guten Job, der Respekt abverlangt. Letzendlich kann das Fachgremium nur bei einen erfolgreichen Schulterschluss Erfolg haben. Eine erste gemeinsame Überlegung müsste sein, welche fachlichen Fähigkeiten für einen Beiratsposten qualifizieren: Ein Parteibuch kann dies wohl kaum sein. Politik machen steht nämlich explizit nicht auf dessen Agenda Setting, sondern vielmehr eine praxisorientiere wirtschaftliche Beratung der Stadt Bamberg in strategischen Bereichsfragen.

Vor welche Herausforderungen steht die Bamberger Wirtschaft überhaupt? Die Konversion ist sicherlich ein große Thema der kommenden Jahre, aber auch weniger sichtbare Themen wie die Digitalisierung der Wirtschaftsprozesse sind große Herausforderungen für alle Marktteilnehmer. Neben Vertretern aus Handel, Industrie, Tourismus und Handwerk, darf ein Mann (oder eine Frau) mit dieser Kompetenz also eigentlich nicht fehlen. Ist ein Onlinemarketeer, ein Digitalisierungsspezialist oder ein Agenturchef in diesem Gremium denkbar? Oder sind es am Ende wieder die alten Bekannten, die eben am besten vernetzt sind

Eine Idee, die auch beim Wirtschaftsbeirat zugrunde liegt, sollte Schule machen: Eines professionelles Personalberatungsunternehmen, mit Erfahrung bei der Zusammenstellung von effektiven Teams, könnte unabhängig helfen die richtigen Anforderungsprofile zu erstellen. Auf der anderen Seite müssten sich Bewerber mit ihrer Motivationsaussage nachdrücklich qualifizieren, denn neben aller fachlicher Kompetenz ist die Liebe zu Bamberg der wohl wichtigste Soft Skill. Nicht dass am Ende die Schlagzeile “Bamberger Wirtschaftsbyerat” lautet.

Temporäres Naherholungsgebiet in Bamberg-Ost


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In Bambergs Osten zwischen Gartenstadt und Schloss Seehof liegt nach dem entgültigen Abzug der US Army momentan der ehemalige Golfplatz brach. Während sich Brose-Guru Michael Stoschek und der Bamberger Golfclub noch im Duell um die zukünftige ursprüngliche Nutzung befinden, entdecken immer mehr Bürger aus dem Quartier das Gelände als willkommenes Naherholungsgebiet.

Direkt neben der A73 wechseln sich weite Grasflächen und schattenspendender Baumbestand in wunderbarer Harmonie ab. Geradezu eine Einladung der von Menschenhand geformten Natur für kleine Spaziergänge über das Areal abseits der Wege über das Grün und durch die Kieferngruppen.  Wenige vor dem Weltkulturerbelaub 2015 durchkreuzen auch immer mehr Läufer das Gelände und verschwinden rasch wieder in einem der urigen Waldwegen aus denen sie gerade noch gekommen waren.

Viel zurück gelassen hat die US Army nicht. Eine ausgediente Kühlbox und eine alte Holzkiste zieren den Wegesrand, ansonsten wirkt alles erstaunlich aufgeräumt – sieht man von der einsamen ausgebleichten und halb abgetauchten Plastikente im Biotob ab. Eigentlich herrliche Picknick-Flächen für den anstehenden Frühling oder Experimentierort für moderne Sportler, die sich wild zwischen einer Handicap-pflichtigen Golfanlage und Urban Golfing probieren möchten.

Das Gelände ist auch perfekt für Ausflüge mit dem Vierbeiner geeignet. Die großen Rasenflächen eignen sich perfekt für Ballwurfschleudern, Frisbees sowie lange Hundesprints und jeder Baum riecht super interessant. Nur mit Mülleimern für etwaige Hinterlassenschaften sieht es leider schlecht aus. Letztendlich ist aber jeder Besitzer selbst dafür verantwortlich, dass das Gelände in dem tollen Zustand für alle bleibt.

Dass alles nur von kurzer Dauer sind wird ist absehbar. Irgendwann werden die Löcher wieder bespielt und das ist auch gut so. Direkt vor der Haustüre ist die Verlockung groß auch mal diesem Rasensport zu fröhnen. Nach der Arbeit noch ein paar Bahnen zur Entspannung und am Ende ein Eis vom Lido am Gartenstädter Markt.

Schlenkerla Straßenbier

Freitagnachmittagritual


Schlenkerla Straßenbier

Schlenkerla Straßenbier

Es ist wichtig, das der Mensch Rituale pflegt. Seit kurzen gibt’s ein neues – pünktlich zum Start ins Wochenende. Nach getaner Wochenarbeit geht’s am Freitagnachmittag noch ein paar Schritte in die Sandstraße zu dem, für sein Rauchbiert weltweit bekannten, Brauhaus. Dort pflege ich mit Kollegen nun regelmäßig zum Wochendauftakt das schöne Ritual des Straßenbiers – ein wunderbares Stück Bamberger Lebensart. “Zwei Euro sechzig” sagt der Wirt in der urigen, mit Holzvertäfelung und Hirschgeweihen verzierten, Stube durch das kleine Schankfenster und ich entgegne ihm jedes mal ein routiniertes “ich weiß scho” und ein gut fränkisches “adela” bevor es mit dem “Seidla” wieder vor die Türe geht.

Mit ein wenig Glück ergattern wir noch einen schmalen Sonnenstreifen, den die umgebenden Altstadtgassen gnädig passieren lässt und prosten uns nahe der Hauswand des “Schlenkerla” freudig zu. Manchmal nicht nur uns, sondern auch anderen geselligen Einheimischen, die dem Treiben sicher schon seit fünfzig Jahren frönen und beobachten die neugierigen Touristenströme, die sich durch das Sandgebiet, hinter aus dem Pulk herausragenden Holztäfelchen am Stiehl, schlängeln. Da kommt es schon das ein oder andere mal vor, dass wir Fotomotiv einer japanischen Touristin werden oder ein extrovertierter Amerikaner seine Nase in unser Glas stecken möchte um zu prüfen ob das edle Gebräu es tatsächlich nach “ham” riecht. Das alles stört nur mäßig, es gehört doch irgendwie dazu und dient auch der allgemeinen Unterhaltung. Wenn’s dann ausunterhalten und auch ausgetrunken ist, dann geht’s noch schnell nach nebenan zum Bäcker Seel für etwas Handfestes, bevor das Wochenende richtig startet.

Ein wirklich wunderbares Stück Bamberger Kultur, das diese Stadt so lebens- und liebenswert macht.